Die Werkleute, ursprünglich Werkleute. Bund deutsch-jüdischer Jugend, später Werkleute. Bund jüdische Jugend, waren Teil der Jüdischen Jugendbewegung in Deutschland. Sie hatten sich 1932 von den Kameraden abgespalten. Nach Shlomo Erel waren sie „eine Gruppe der großen nichtzionistischen, deutschbetonten Jugendbewegung“, die aber nach der Trennung einen zionistischen Weg eingeschlagen und die Auswanderung nach Palästina angestrebt habe.Schlomo Er'el: Kibbuz Hasorea der ‚Werkleute‘

Gründungsgeschichte der Werkleute Die Geschichte der Werkleute ist eingebettet in die und vor allem in die von denen sie sich nach dem letzten gemeinsamen Pfingsttreffen 1932 abgespalten hatten. Neben dem zur gleichen Zeit aus den Kameraden hervorgegangenen Schwarzen Fähnleins, das deutsch-national ausgerichtet war, und der stärker sozialistisch orientierten Freien deutsch-jüdischen Jugend waren die Werkleute diejenigen, die den „Weg von ihrer assimilatorischen Vergangenheit in Deutschland zu einem bewußten Judentum“ gehen wollten, wobei in der Anfangsphase die „Zugehörigkeit zum deutschen Lebensraum […]wie sie durch die historische Entwicklung als unbestreitbare Tatsache gegeben ist“ nicht in Frage gestellt wurde. Erst im April 1933 wurde der Begriff „deutsch“ aus dem Bundesnamen gestrichen und die Errichtung einer eigenen Siedlung in Palästina zum Bundesziel erklärt. Der Verband nannte sich nun Werkleute. Bund jüdische Jugend.

Der Name Werkleute klingt nach Handwerk und könnte den Diskussionen um die Umschichtung entlehnt sein. Tatsächlich aber ist unklar, ob er aus dem Rabbi Tarfon zugeschriebenen Ausspruch: „Nicht liegt es an dir, das Werk zu vollenden, aber du bist auch nicht frei, von ihm abzulassen“ abgeleitet wurde oder aus einem Vers aus Rilkes Stundenbuch: „Werkleute sind wir: Knappen, Jünger, Meister, und bauen dich, du hohes Mittelschiff.“Walter Laqueur führt den Begriff Werkleute auf Buber und Rilke zurück, die ihn beide gelegentlich benutzt hätten. (Walter Laqueur: Wanderer wider Willen. S. 160) Allerdings weist Zeev W. Sadmon darauf hin, dass sich die „‚Werkleute‘ von 1932 trotz aller Rückbesinnung auf jüdische Geisteswurzeln als ein später Reflex, ja als eine Filiation der deutschen Jugendbewegung und der Werkleute-Idee [erwiesen hätten], wie sie sich z. B. in so verschiedenen Richtungen wie dem Deutschen Werkbund (1907), dem ‚Bund der Werkleute auf Haus Ny land‘ in Westfalen (1905) und in der Reformpädagogik des Arbeitsunterrichts Georg Kerschensteiners entwickelt hatten“.Zeev W. Sadmon: Düsseldorf – Potsdam – Jerusalem. Die Historikerin Leni Yahil. brauweiler-kreis.de (PDF; 4,2 MB).

Die Werkleute stehen wie die meisten jüdischen Jugendverbände in der Tradition der deutschen Jugendbewegung. Shlomo Erel zitiert dazu den geistigen Führer der Werkleute, den „1908 in Frankfurt an der Oder in einem assimilierten, durch die Inflation verarmten Elternhaus geborenen“ Hermann Gerson:Micha Brumlik: Im Volksheim. Wie deutsche Reformpädagogik und bündische Jugendkultur die Kibbuzbewegung mitprägten. In: Jüdische Allgemeine, 1. April 2010. „Wir waren deutsche Wandervögel, Wyneken- und Georgeschüler, Liebhaber der deutschen Kunst; wir hatten unsere innere Befreiung in diesen deutschen Wäldern gefunden, die wir deshalb tief liebten. Wir fühlten uns wirklich zu Hause … Es wird nie etwas geben, was mir die Bachmessen und die Georgegedichte unnötig machte; ich will es gar nicht finden.“ Diesem einen Pol seines Denkens fügte Gerson einen zweiten hinzu, nämlich die „positive Stellung zum geistigen Erbgut des Judentums“. Dazu bezog er sich auf Martin Buber, „als dessen Schüler Hermann Gerson sich verstand“. Nach Jacob Michaeli fand jedoch bereits in den frühen 1930er Jahren eine Verschiebung in der theoretischen Orientierung der Werkleute statt: weg von Martin Buber und Hinwendung zu den Ideen von Ber Borochov.Jacob Michaeli: Der Kibbuz Hasorea. Zur Geschichte einer von Juden aus Deutschland gegründeten Gemeinschaftssiedlung. In: Walter B. Godenschweger, Fritz Vilmar: Die rettende Kraft der Utopie. S. 144. Walter Laqueur bestätigte für die Werkleute aus eigenem Erleben deren Affinität zu den Ideen dieser beiden Denker, bekannte aber für sich: „Für Buber entwickelte ich kein Gefühl, fand wenig Interesse an der Bibel und war nicht gerade überzeugt von den Schriften des Ber Borochow.“Walter Laqueur: Wanderer wider Willen. S. 160. Er selber begeisterte sich mehr für Chaim Arlosoroff.

Shlomo Erel zieht die Traditionslinie der Werkleute noch etwas weiter. Im Hinblick auf die zumeist gutbürgerliche Herkunft spricht er von einer „Gruppe verfeinerter Jugendlicher, die ihren Weg über Martin Buber, Gustav Landauer und A. D. Gordon zu der palästinensischen Arbeiterschaft und zum Kibbuz fand. […] Von George und Rilke zu rückenbrechender Arbeit und kibbuzischer Entbehrung – das war ein gewagter Sprung.“ Aus der Sicht des Jahres 1982 und vor dem Hintergrund der damaligen Entwicklung von Hasorea hielt er ihn für geglückt.

Mitglieder der Werkleute Bei der Gründung im Jahre 1932 hatten die Werkleute etwa 1.000 Mitglieder und bildeten die größte Nachfolgeorganisation der Kameraden. Wer diese Personen waren, ist nur schwer zu ergründen, da ihre Spuren in der Literatur und im Internet rar sind. In der nachfolgenden knappen Übersicht werden auch die Namen aufgeführt, die in dem Buch Die rettende Kraft der Utopie kurz skizziert werden. Sie gehörten als Werkleute alle zur Gründergeneration des Kibbuz Hasorea.Walter B. Godenschweger, Fritz Vilmar: Die rettende Kraft der Utopie. S. 136–139. Friedrich Altmann, später Josef Amir, gehörte 1933 zum Führungskreis der Werkleute.Jehuda Reinharz: Haschomer Hazair in Nazideutschland, 1933–1938. In: Arnold Paucker, Peter Pulzer, Barbara Suchy: Die Juden Im Nationalsozialistischen Deutschland 1933–1943. J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen 1986, ISBN 3-16-745103-3, S. 330 (Anmerkung 46). Rudi Baer (* 4. November 1906 in München – 18. November 1998 in Hasorea) gehörte zusammen mit Schaul Ginsberg (Genossar, siehe unten) und Ernst Nehab (Meir Nehab) zu der Ende 1933 nach Palästina aufgebrochenen „Vorhut“ der Werkleute, die später Hasorea gründeten. Er war promovierter Kunsthistoriker, der seine Redakteursstelle beim Propyläen Verlag aufgab, um auf Alija zu gehen. Jochanan Ben-Jaacov Lotte Dalberg, später Lotte Gammon, besuchte die Malwida von Meysenbug-Schule in Kassel. „Sie trat 1930 in die Schule ein und verließ sie 1934 mit dem Abiturzeugnis. Sie emigrierte nach Palästina. In Deutschland gehörte sie zur deutsch-jüdischen Jugendbewegung "Kameraden", die sich noch vor 1933 in die Gruppe der "Werkleute" (zionistische Tendenz) umwandelte. Diese Gruppe gründete den Kibbuz der Werkleute, heute "Hasorea". Sie lebte bis kurz nach dem Weltkrieg im Kibbuz, ging dann zu ihren Eltern nach Kalifornien (USA), studierte Chemie und wurde Lebensmittelchemikerin.“Dietrich Heither, Wolfgang Matthäus, Bernd Pieper: Als jüdische Schülerin entlassen. Erinnerungen und Dokumente zur Geschichte der Heinrich-Schütz-Schule in Kassel. bibliothek.uni-kassel.de (PDF; 17 MB). Edith (Koenigsberger) Dietz, geboren in Gießen 1921, trat 1935 den Werkleuten bei, vermutlich in Köln. “born in Giessen, Germany, 1921, regarding her experiences in Germany, 1933–1943” Ruth Durlacher-Horn (* 1918 in Köln) wird in der Yad-Vashem-Dokumentation als Mitglied der Werkleute seit 1928 erwähnt, was wahrscheinlich bedeutet, dass sie bereits Mitglied der Kameraden gewesen ist. “born in Cologne, Germany, 1918, regarding her experiences in the Netherlands including Hachshara (aliya training), in hiding, escape to France and Spain and the activities of the Zionist and Dutch underground, 1939–1944” Schaul Genossar Ursel Genossar Hermann Gerson, der sich später Menachem Gerson nannte, war der Bundesführer der Werkleute. Seine Rolle wird als „Vordenker“, „Cheftheoretiker“ und, leicht ironisch, als „Guru“ der Werkleute beschrieben. Heinz Grunwald, später Chaim Geron (* 18. November 1918 in Berlin – 2003 in Haifa) war ein Neffe der Pädagogin Clara Grunwald. Er verbrachte seine Schulzeit von 1925 bis 1933 in den Baruch Auerbach’schen Waisen-Erziehungsanstalten für jüdische Knaben und Mädchen in Berlin. Auf Empfehlung von Martin Gerson, eines Freundes seiner Tante, begann er 1933 eine Ausbildung in der Israelitischen Gartenbauschule Ahlem; hier kam er in Kontakt zu Mitgliedern der Werkleute, denen er noch im gleichen Jahr beitrat. Nach Ende seiner Ausbildung 1936 wurde Heinz Grunwald Gartenbaulehrer in den Hachschara-Betrieben Gut Winkel und Ahrensfelde. Im März 1939 wanderte er mit seiner Frau illegal nach Palästina ein, wo er den nach Hasorea zweiten Kibbuz der Werkleute (Kibbuz B) mit aufbauen sollte. Nachdem dieses Vorhaben endgültig gescheitert war, wurde Heinz Grunwald am 1. Februar 1943 im Kibbuz Hasorea aufgenommen.Roni Kochavi Nehab: Der Sohn, der seine Mutter nicht kannte. E-Book, 2011; amazon.de Gustav Horn war aktiv in der Kölner Gruppe der Kameraden und überführte diese Gruppe in die Organisation der Werkleute deren Gründungsaufruf er zusammen mit Hermann Gerson unterzeichnet hatte. Er war Sekretär des Hechaluz.Suska Döpp: Jüdische Jugendbewegung in Köln 1906–1938. LIT, Münster 1997, ISBN 3-8258-3210-4, S. 165 (Anmerkung 650 und weitere verstreute Hinweise). Wilfrid Israel sympathisierte mit den Werkleuten.Well-endowed. Wilfred Israel bequeathed his art collection to Kibbutz Hazorea, where the members slept in tents and shacks. Over 50 years later, the museum in his name is a good reason to visit the Jezreel Valley. Haaretz, 7. Dezember 2001. Gustav Horn attestiert ihm eine enge Bindung: „Wilfrid, der nur widerstrebend, wenn überhaupt, irgendeine organisatorische Verbindung einging, scheute sich nicht, sich dem Kreis der Werleute so eng anzuschließen, dass er von sich aus den Vorschlag machte, […] einen Mitgliedsbeitrag zu zahlen. Nach einer öffentlichen Veranstaltung, bei der die Grundlagen unseres Weges vorgestellt wurden, schrieb Wilfrid: ‚Von einem Zuhörer wurde ich zum Anhänger‘. Es ist jedoch klar, dass für ihn der Akt, ein Anhänger zu werden, nicht bedeuten konnte, sich mit allen Meinungen und Ansichten dieser Gruppe von Menschen zu identifizieren.“Gustav Horn: We From The Kibbutz Hazorea. (PDF) hazorea.org.il Lotte Jastrow, verheiratete Lotte Rotholz (* 25. September 1923 in Bad Bentheim – 1943 ermordet in Auschwitz) war als Schneiderin ein eher atypisches Mitglied der Werkleute. Sie emigrierte nicht, sondern wurde als Mitglied der Widerstandsgruppe um Herbert Baum am 10. August 1942 verhaftet und am 10. Dezember 1942 durch den Volksgerichtshof zu einer Strafe von acht Jahren Zuchthaus verurteilt, ihr Mann Siegbert Rotholz zum Tode. „Lotte Rotholz wurde vom Frauengefängnis in der Berliner Barnimstraße zur Strafverbüßung in das Zuchthaus Cottbus gebracht, von hier aus am 12. Oktober 1943 zurück nach Berlin in das Deportationssammellager in der Großen Hamburger Straße überführt und schließlich gemeinsam mit einer anderen Frauen aus der Gruppe um Herbert Baum, Alice Hirsch, am 14. Oktober 1943 mit dem sogenannten „44. Osttransport“ in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Ihr Todesdatum dort ist unbekannt.“Johannes Tuchel: Siegbert und Lotte Rotholz – Angehörige der Widerstandsgruppe Baum. bildungsserver.berlin-brandenburg.de Walter LaqueurWalter Laqueur: Wanderer wider Willen. Erinnerungen 1921–1951. edition q, Berlin 1995, ISBN 3-86124-270-2, S. 159.