Die Stadtwerke Heidelberg GmbH (Stadtwerke Heidelberg) ist für die Stadt Heidelberg sowie für weitere Gemeinden zuständig für die Versorgung der Stadt und ihrer Umgebung mit Strom inklusive Straßenbeleuchtung, Gas, Fernwärme sowie Trinkwasser, die Errichtung und teilweise den Bau von Breitbandnetzen, den Betrieb von Hallen- und Freibädern, den Betrieb von Parkhäusern sowie – im Auftrag der Stadt – für den Betrieb der Heidelberger Bergbahnen. Außerdem leisten sie organisatorische und finanzielle Aufgaben im ÖPNV. Die Stadtwerke Heidelberg gehören zu 100 % der Stadt Heidelberg. Das Unternehmen ist als Konzern mit einer Holding und Tochtergesellschaften organisiert.
Geschichte mini|Altes Elektrizitätswerk in der Gaswerkstraße
Vorgeschichte Die öffentliche Wasserversorgung in Heidelberg begann 1873 mit den ersten Quellfassungen sowie der Verteilung über Versorgungsleitungen in der Stadt. Fünf Jahre später, im Oktober 1877, ging das Gaswerk im Heidelberger Stadtteil Bergheim in den Besitz der Stadt über. 1899 wurde das städtische Elektrizitätswerk gebaut und 1900 fertiggestellt, und 1934 entstand schließlich die erste Fernheizung. Die Anlagen und Netze wurden, mit Unterbrechung während der Kriegszeiten, sukzessive ausgebaut.
Parallel dazu verliefen die Anfänge des öffentlichen Personenverkehrs: 1885 wurde die Heidelberger Straßen- und Bergbahngesellschaft Leferenz & Co. gegründet und die Pferdebahn in der Heidelberger Altstadt eröffnet. 1890 fand die Jungfernfahrt der Bergbahn von der Station Kornmarkt in der Heidelberger Altstadt bis zur Molkenkur auf halbem Weg zum Königstuhlgipfel statt. 1902 fuhr die erste elektrische Straßenbahn zwischen dem damaligen Heidelberger Hauptbahnhof und dem Marktplatz.
Nach dem Krieg wurde 1949 im Stadtteil Pfaffengrund der 70 m hohe Gaskessel gebaut als Speicher für das Gaswerk. Er wurde 1970 abgerissen, an seiner Stelle befindet sich heute der ENERGIEpark.
Unternehmensgründung und -aufbau 1970 bis 2000 1970 wurden die Stadtwerke, bisher als Eigenbetrieb der Stadt geführt, in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 1975 folgte die Umfirmierung der Unternehmensgruppe in Heidelberger Versorgungs- und Verkehrsbetriebe GmbH (HVV) mit den Tochtergesellschaften Stadtwerke Heidelberg AG (SWH) und Heidelberger Straßen- und Bergbahn AG (HSB). Von 1971 bis 1989 wurden die Stadtwerke von Andreas Christou geleitet. 1980 kam als neuer Unternehmensbereich die Heidelberger Garagengesellschaft mbH (HGG) hinzu. 1989 wurde der Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN) gegründet. Die HSB trat diesem Verkehrs- und Tarifverbund bei.
Unternehmenserweiterung und -umstrukturierung 2000er Jahre Zum 1. Oktober 2003 gründete das Tochterunternehmen Heidelberger Straßen- und Bergbahn AG (HSB) gemeinsam mit den anderen bisher in der Region tätigen Verkehrsunternehmen, MVV Verkehr AG, MVV OEG AG, Rhein-Haardtbahn GmbH (RHB) und Verkehrsbetriebe Ludwigshafen GmbH (VBL) die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV). Diese betreibt seit 2005 im Auftrag der Mutterunternehmen die Stadt- und Straßenbahnlinien sowie die Buslinien in Heidelberg im Rahmen des Verkehrsverbund Rhein-Neckar.
2007 wurden die HVV in Heidelberger Stadtwerke GmbH umbenannt und gleichzeitig umstrukturiert, um die Anforderung des Energiewirtschaftsgesetzes nach einer Trennung von Netz und Vertrieb umzusetzen: Aus der Stadtwerke Heidelberg AG entstanden die Stadtwerke Heidelberg Netze und Umwelt GmbH, zuständig für den Netzbetrieb, sowie die Stadtwerke Heidelberg Handel und Vertrieb GmbH, zuständig für den Energievertrieb. Die Heidelberger Straßen- und Bergbahn (HSB) wurde von einer AG in eine GmbH gewandelt. Im selben Jahr wechselten außerdem die städtischen Schwimmbäder zu der Heidelberger Stadtwerke GmbH und wurden als Heidelberger Schwimmbäder GmbH & Co. KG in den Unternehmensverbund integriert.
2009 wurde der Betrieb des städtischen Nahverkehrs auf Grund einer Verordnung der Europäischen Union umstrukturiert. Seitdem werden Nahverkehrsleistungen direkt an die RNV vergeben. Erforderlich war dazu ein Rückzug der an ihrer Gründung beteiligten Verkehrsunternehmen. Diese waren bis dahin mit der Erbringung des Nahverkehrs betraut. Mit dem damit verbundenen Übergang der Konzessionen an die RNV fungiert die Heidelberger Straßen- und Bergbahn GmbH seitdem als koordinierender Dienstleister im Auftrag der Stadt.
Zwei Jahre später nannte sich das Unternehmen im Rahmen einer Markenkampagne in Stadtwerke Heidelberg um. Dieser Name gilt bis heute. Die Namen der übrigen Gesellschaften wurden ebenfalls angepasst. Aus den Stadtwerken Heidelberg Netze und Umwelt GmbH wurden dabei zwei Gesellschaften: Die Stadtwerke Heidelberg Netze GmbH sowie die Kommunalen Infrastruktur und Service GmbH (KIS), 2011 umbenannt in Stadtwerke Heidelberg Umwelt GmbH.
Anfang 2011 entschied der Gemeinderat der Stadt Neckargemünd, den im Oktober 2011 auslaufenden Konzessionsvertrag mit der RWE-Tochter Süwag nicht mehr zu verlängern und stattdessen das Stromnetz zu erwerben und mit den Stadtwerken Heidelberg in einer eigenen Netzgesellschaft zu übernehmen. Bereits 2002 wurden die Stadtwerke Neckargemünd aus einem Eigenbetrieb der Stadt als GmbH gegründet, bei welcher die Stadtwerke Heidelberg seither mit 54,95 % Mehrheitseigner sind.
Ausbau erneuerbarer Energien 2010er Jahre bis heute Im April 2010 beschloss der Aufsichtsrat der Stadtwerke Heidelberg den Bau eines Holz-Heizkraftwerks. 2012 wurde vom Aufsichtsrat der Stadtwerke Heidelberg die Planung für den Bau eines neuen Gas-Heizkraftwerks beschlossen. Parallel dazu wurde in dem Zeitraum der Bau des Holz-Heizkraftwerks umgesetzt. 2013 wurde die 20 Mio. EUR teure Anlage technisch in Betrieb genommen. Zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme war es mit einer thermischen Leistung von 10,5 Megawatt (MW) und einer elektrischen Leistung von drei MW eines der bundesweit größten Holz-Heizkraftwerke mit Kraft-Wärme Kopplung. Ergänzend wurden anstelle eines großen Gasheizkraftwerkes sechs neue Biomethan- und Erdgas-Blockheizkraftwerke (BHKW) gebaut.
Im Bereich der Photovoltaik errichtete Conergy 2012 im Auftrag der Stadtwerke Heidelberg die bis dahin größte Solaranlage des Unternehmens auf der versiegelten Hausmülldeponie Feilheck an der Grenze zu Oftersheim, ein Kraftwerk mit einer Leistung von 1,1 MW. Weitere Anlagen folgten, so unter anderem die Großanlagen Solarpark Wolfsgärten (0,3 MW/2013), SNP Dome (0,3 MW/2020) sowie die Anlage Rottehalle Wieblingen (0,7 MW/2021).
Zudem arbeitet der kommunale Energieversorger seit 2012 in der Stadtwerke-Kooperation Trianel mit anderen Stadtwerken zusammen. Die Gesellschaft unterstützt Betreiber bei der Entwicklung neuer Geschäftsfelder wie Energieeffizienz, dezentrale Erzeugung, Elektromobilität oder Smart Metering. 2015 wurde in der Kooperation unter Beteiligung der Stadtwerke Heidelberg das Konzept der Energiedächer entwickelt. Anhand des Konzepts bauen die Stadtwerke Heidelberg Anlagen für Eigenheimbesitzer und übernehmen bei Bedarf auch Betrieb und Wartung der Anlage. Die Anlagen können von den Immobilienbesitzern erworben oder gemietet werden. Außerdem werden Mieterstrommodelle realisiert.
Seit 2020 beteiligen sich die Stadtwerke Heidelberg zudem an der neuen Gesellschaft Trianel Wind und Solar GmbH & Co KG (TWS), eine Tochter der Stadtwerke-Kooperation Trianel. Über diese Kooperation ist, anteilig umgerechnet für Heidelberg, ein überregionaler Zubau von 24 MW geplant. Zusammen mit der Energiegenossenschaft Starkenburg, der Bürgerenergiegenossenschaft Kraichgau, der Heidelberger Energiegenossenschaft sowie der Trianel Wind und Solar bilden die Stadtwerke Heidelberg zudem eine Projektgemeinschaft für die Errichtung eines Bürgerwindparks auf einer Fläche von ForstBW. 2023 erhielt das Konsortium den Zuschlag für die Pacht der beiden dafür ausgeschriebenen Flächen am Lammerskopf.
Die Stadtwerke Heidelberg bauen die Ladeinfrastruktur für Elektromobilität in Heidelberg und der Region aus. Ende 2021 erreichten sie gemeinsam mit der Stadt Heidelberg das Ziel von 150 öffentlich zugänglichen Ladepunkten im Stadtgebiet. Bezogen auf die Anzahl der öffentlichen Ladepunkte im Verhältnis zu allen in der Stadt zugelassenen Autos lag Heidelberg im VDA-E-Ladenetz-Ranking 2025 des Verbandes der Automobilindustrie auf Platz 9 von 399 untersuchten Städten und Landkreisen. Ende 2025 waren laut eigener Angaben rund 80 Prozent der 500 × 500 Meter großen Planquadrate im Stadtgebiet mit mindestens einer Ladestation ausgestattet.
Seit 2020 ist ein neuer Fernwärmespeicher in Betrieb. Er fungiert als Puffer im Fernwärmesystem und lagert darüber hinaus in Kombination mit einer Power-to-Heat-Anlage in Wärme umgewandelten Strom aus erneuerbaren Energie-Anlagen ein. Das Gebäude steht im ENERGIEpark Pfaffengrund der Stadtwerke Heidelberg im Stadtteil Pfaffengrund in unmittelbarer Nähe des Holz-Heizkraftwerks und ist mit 55 Metern Höhe eines der höchsten Gebäude in Heidelberg. Die Stadtwerke Heidelberg haben vorgesehen, dass das Dach des Speichers für die Öffentlichkeit zugänglich ist, und planen dort eine Gastronomie und eine Aussichtsplattform. Eine helixförmige Treppe und ein Seilnetz umgeben den Speicher. Aufgrund des Konzepts für den Speicherbau, das die Einbindung der Öffentlichkeit als Leitgedanke integriert, haben die Stadtwerke Heidelberg 2019 den Energiewende Award erhalten. Das Dach mit der Gastronomie soll voraussichtlich 2027 für die Öffentlichkeit zugänglich sein.
2022 beschloss die Stadt Heidelberg bis 2040 klimaneutral werden zu wollen. Als Partner der Stadt Heidelberg bringen die Stadtwerke Heidelberg mit der Energiekonzeption 2030, als Fortführung der Energiekonzeption 2020, Klimaschutzmaßnahmen auf den Weg, um dieses Ziel zu erreichen. Im Mai 2023 nahmen die Stadtwerke Heidelberg in Pfaffengrund eine aus drei Einheiten bestehende iKWK-Anlage in Betrieb.Katia Meyer-Tien: Drei Pumpen für ein Wärmenetz. In: Energie & Management. 1. Oktober 2023. Sie umfasst drei Blockheizkraftwerke, drei Luftwasserwärmepumpen mit einer Gesamtleistung von 4,5 MW und eine Power-to-Heat-Anlage. Für die Anlagenkombination erhielt das Unternehmen Zuschläge bei drei iKWK-Ausschreibungen der Bundesnetzagentur. Im September 2023 folgte die Inbetriebnahme der dritten Kälteanlage.Hannes Huß: So wird der Europlatz kühl gehalten. In: Rhein-Neckar-Zeitung. 27. September 2023.
Im November 2023 verabschiedete der Heidelberger Gemeinderat die kommunale Wärmeplanung. Die Stadtwerke Heidelberg verfolgen in diesem Rahmen das Ziel, die Fernwärme bis 2030 weitgehend und bis 2035 vollständig klimaneutral zu erzeugen. In diesem Zusammenhang brachten die Stadtwerke Heidelberg 2024 das Genussrecht Heidelberg Klima-Invest heraus. Darüber können Bürger in bestehende Anlagen der Stadtwerke Heidelberg investieren. Im Dezember 2025 erhielten sie einen Zuwendungsbescheid über 86 Millionen Euro im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) für den Bau einer Fluss- und einer Abwasserwärmepumpe sowie für den Ausbau des Fernwärmenetzes. Die Zuschüsse entsprechen maximal 40 Prozent der förderfähigen Kosten. Um zusätzliche Mittel für die erforderlichen Eigen- und Fremdkapitalanteile einzuwerben, legten die Stadtwerke Heidelberg 2026 eine weitere Emission des Genussrechts Heidelberg Klima-Invest auf.
Im Juni 2025 zogen die Stadtwerke Heidelberg mit ihrer Hauptverwaltung und dem Kundenzentrum von der Kurfürsten-Anlage in die Alte Eppelheimer Straße 26 in Heidelberg-Bergheim.
Konzerntätigkeiten