The House That Jack Built ist ein Horror-Thriller von Lars von Trier, der am 14. Mai 2018 beim 71. Filmfestival von Cannes uraufgeführt wurde. Seine deutsche Premiere hatte der Film am 29. September 2018 beim Filmfest Hamburg. Der reguläre deutsche Kinostart erfolgte am 29. November 2018. Der Film erzählt die Geschichte des hochintelligenten Serienkillers Jack.
Handlung Der hochintelligente Jack verspürt das unbändige Verlangen, Menschen zu töten. Über zwölf Jahre hinweg ermordet er in den 1970er Jahren und Anfang der 1980er Jahre in den USA reihenweise Menschen. Der Serienmörder postuliert, dass „jeder Mord ein Kunstwerk“ sei. Aus dem Off tauscht sich Jack den gesamten Film über mit Vergil, der sich als Verge vorstellt, aus. Jack erzählt Verge von fünf zufällig ausgewählten Incidents (Vorfällen) aus jenen zwölf Jahren. Der erste ist die Ermordung einer Frau, deren Auto eine Autopanne hat. Jack erschlägt sie mit einem Wagenheber und bringt ihre Leiche in ein Kühlhaus, das er gekauft hat. Er erzählt Verge, dass er sehr viel geerbt und sich von diesem Geld unter anderem ein Stück Land gekauft hat. Dort will er sich ein Haus bauen, das er selbst entwirft. Jack lässt es jedoch immer wieder abreißen, da er nicht mit den Ergebnissen zufrieden ist.
Es folgen weitere Incidents. Diese sind die Ermordung einer alten Dame, deren Leiche er anschließend an einem Seil hinter seinem Wagen durch die Nacht über den Asphalt zieht, die Erschießung einer jungen Frau und ihrer beiden Söhne bei einem Picknickausflug, die Verstümmelung seiner Partnerin Jacqueline und zuletzt der Versuch, fünf entführte Männer mit nur einer einzigen Patrone zu töten. Bei diesem Versuch trifft er in seinem Kühlhaus auf den sich zum ersten Mal manifestierenden Verge, der behauptet, von Jack gerufen worden zu sein und ihn bereits die ganze Zeit über begleitet und beobachtet zu haben. Auf die Anregung Verges hin baut Jack im Kühlhaus aus einigen der gesammelten – wie er selbst sagt, über 60 – Leichen seiner Opfer ein Haus.
Die Polizei kommt Jack letztlich auf die Spur und dringt in das Kühlhaus ein, woraufhin Jack mit Verge durch einen Schacht unter dem Leichenhaus in eine surreale Unterwelt flieht. Verge bringt Jack bei einer Führung durchs Totenreich zu einer zerstörten Brücke, die über einen Magmafluss führte, der unermesslich weit in die Tiefe stürzt. Dies ist laut Verge der tiefste Punkt der Hölle. Für Jack sei allerdings ein Platz an anderer Stelle, weiter oben reserviert. Jack will dagegen den Versuch wagen, den Rand der Höhle entlangzuklettern, um so auf die andere Seite der zerstörten Brücke zu gelangen, wo ein Pfad wieder „aus der Hölle, nach oben“ führe. Verge warnt ihn, dass dies noch niemand geschafft habe, lässt ihn jedoch gewähren und Jack stürzt bei dem Versuch in die Tiefe.
Hintergrund Der Filmtitel ist eine Anspielung auf das beliebte englische Kinderlied This is the House that Jack Built, das aus einzelnen Versen besteht, die aufeinander aufbauen und so eine Geschichte erzählen. Das Lied ist in zwölf unterschiedlich lange, immer umfangreicher werdende Versblöcke unterteilt, die zwölf verschiedene Begebenheiten erzählen. Im letzten Versblock heißt es in der gängigsten Version: mini|Eine Illustration aus dem Bilder- und Liederbuch This is the House that Jack Built von Randolph Caldecott aus dem Jahr 1887 im englischen Original: in der deutschen Übersetzung:This is the horse and the hound and the horn That belonged to the farmer sowing his corn That kept the rooster that crowed in the morn That woke the judge all shaven and shorn That married the man all tattered and torn That kissed the maiden all forlorn That milked the cow with the crumpled horn That tossed the dog that worried the cat That killed the rat that ate the malt That lay in the house that Jack built.Das ist das Pferd und der Hund und das Horn, das dem Bauern gehörte, der seinen Mais aussäte, der den Hahn hielt, der am Morgen krähte, der den rasierten und geschorenen Richter weckte, der den verlumpten und dreckigen Mann verheiratet hat, der das ganz verlassene Mädchen geküsst hat, das die Kuh mit den gekrümmten Hörnern gemolken hat, die den Hund geschüttelt hat, der die Katze geärgert hat, die die Ratte getötet hat, die das Malz gegessen hat, das in dem Haus lag, das Jack gebaut hat. Die sich selbst aufbauende Geschichte erzählt jedoch eigentlich nicht von Jacks Haus oder gar von Jack selbst, der dieses baute, sondern zeigt, wie dieses Haus indirekt mit anderen Personen und Dingen in Verbindung steht, so von dem verlumpten und dreckigen Mann, von dem ganz verlassenen Mädchen und von den Verbindungen zwischen diesen Personen und kleinen Ereignissen. Allerdings baut sich Jack sehr wohl ein ganz eigenes, anderes Haus, indem er die Körperteile der von ihm getöteten Menschen mit Drähten neu zusammenbaut und schließlich zu einem Haus aus toten Leibern verbindet, wie es am Ende des Films zu sehen ist. Dieses Haus, das sich Triers Jack baut, ist eine deutliche Referenz zum Maler Giuseppe Arcimboldo und dessen Gemälden vom Kopf des Herodes, wo das Gesamtbild ebenfalls aus den Körperteilen von Toten zusammengesetzt ist.
Auch in Lars von Triers Film hat die Zahl 12 eine spezifische Bedeutung, insofern sich die Geschichte, in der Jack mordet, über zwölf Jahre in den 1970er und zu Beginn der 1980er Jahre erstreckt.https://www.hollywoodreporter.com/news/cannes-festival-snub-lars-von-trier-house-jack-built-1102021 Eric Kohn von IndieWire erklärt, dass Jack im Film die Herausforderung von Verge annimmt und seinen Plan darlegt, „fünf zufällig ausgewählte Vorfälle über einen Zeitraum von zwölf Jahren“ zu beschreiben, die allesamt von grausamen Morden handeln. Über seine Verbrechen bringt er den Zuschauer auf den neuesten Stand.http://www.indiewire.com/2018/05/the-house-that-jack-built-review-lars-von-trier-1201964207/ Er erzählt anhand von »Ereignissen« (»incidents«) nicht nur von seinen ersten Morden, sondern auch von seiner eigenen Biografie als Ingenieur. Jack wäre eigentlich lieber Architekt und versucht seit Jahren, sein eigenes Haus zu bauen, womit der Titel des Films direkt aufgegriffen wird.
Bereits vor dem Film erschienen Bücher, Lieder und Filme, die den Titel des Kinderliedes und teilweise auch dessen Inhalt aufgriffen, u. a. das Lied The House that Jack Built von Linda Evans aus dem Jahr 2001, ein gleichnamiger Song von Aretha Franklin (von 1968) und einer von Alan Price aus dem Jahr 1967; The House Jack Built von Metallica erschien 1996. Auch als Filmtitel findet sich der Ausdruck häufig.
Im Film erklingt u. a. Musik von David Bowie. Die positiv konnotierte Musik wird laut Filmeditorin Molly Stensgaard eng mit dem Protagonisten in Verbindung gebracht, um das Publikum zu manipulieren und es sich mit dem Serienmörder identifizieren zu lassen.
Der Film war inszenatorisch von Lars von Triers Bayreuth-Projekt inspiriert, Richard Wagners Ring des Nibelungen für die Festspiele zu inszenieren. Dies betrifft insbesondere von Triers Idee der „bereicherten Dunkelheit“, die das Ende des Films prägt und auch explizit im Drehbuch genannt ist.
Der Film enthält zahlreiche Allusionen, auch auf kanonische Werke der Literatur, der bildenden Kunst und des Films: Der architektonische Anspruch von Albert Speer wird in Originalaufnahmen eingeblendet. Der wechselnde Schattenwurf unter Straßenlaternen erinnert an das Liniengleichnis aus Platons Politeia. Das Gedicht The Lamb von William Blake mit dem Motiv von Lamm und Tiger wird mehrfach zitiert. Die metaphorischen Körperfiguren von William Blake werden mehrfach gezeigt. Gegen Schluss öffnet Jack den Eingang zur Unterwelt von Dantes Göttlicher Komödie und begegnet erstmals Verge alias Vergil. Jack und Verge stehen still auf der Dantebarke von Eugène Delacroix. Jack und Verge schauen auf die Elysischen Felder. Die Vollmantel-Patrone erinnert an Stanley Kubricks Full Metal Jacket und soll die Tötungsmechanismen der Nationalsozialisten nachahmen.
Produktion Stab, Besetzung und Synchronisation Regie führte Lars von Trier, der auch das Drehbuch (nach einer Story von Jenle Hallund) schrieb. IFC Films, die bereits Triers Film Antichrist aus dem Jahr 2009 veröffentlichten, erklärten im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele in Cannes 2017, dass sie auch die Vertriebsrechte für den Film erworben haben.The most bizarre movies coming out in 2018 that will melt your mind. In: looper.com. Abgerufen am 24. April 2018.
Matt Dillon übernahm die Rolle von Jack.The House That Jack Built – Matt Dillon für Lars von Trier als Jack the Ripper In: moviepilot.de vom 3. November 2016. Bruno Ganz spielt den mysteriösen Verge in seiner Gedankenwelt.
Die deutsche Synchronisation entstand nach der Dialogregie von Pierre Peters-Arnolds im Auftrag der Christa Kistner Synchronproduktion GmbH, Berlin. mini|Matt Dillon bei der Premiere des Films im Rahmen der Filmfestspiele in Cannes im Mai 2018 Darsteller Synchronsprecher RolleMatt DillonCharles RettinghausJackJeremy DaviesSven GerhardtAlEd SpeleersRicardo RichterEdCohen DayYannik FreundGeorgeMathias HjelmPierre Peters-ArnoldsGlennRocco DayPaul KirchnerGrumpyUma ThurmanPetra BarthelLady #1Siobhan Fallon HoganSabina TroogerLady #2Sofie GråbølAnna GrisebachLady #3Christian ArnoldJannik EndemannMann #1Ji-tae YuTimmo NiesnerMann #2Johannes Bah KuhnkeAlexander DoeringMann #3Bruno GanzBruno GanzVerge
Dreharbeiten und Veröffentlichung Die Dreharbeiten begannen im März 2017 in Schweden.Daniel Krüger: Lars von Trier dreht gerade den angeblich verstörendsten Film seiner Karriere. In: musikexpress.de, 9. März 2018. Hier drehte man in der von Trier geschätzten und vertrauten Umgebung von TrollhättanJennifer Ullrich: Filmstarts am Set von... Lars von Triers Serienmörder-Film „The House That Jack Built.“ In: filmstarts.de, 15. März 2017. und Bengtsfors.Danska provokatören Lars von Trier intar Bengtsfors. In: svt.se, 7. März 2017. Weitere Aufnahmen entstanden in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen. Die Tierrechtsorganisation PETA hatte bestätigt, dass keinem Tier während der Dreharbeiten Schaden zugefügt wurde. Körperteile der im Film gezeigten, gequälten Ente wurden aus Silikon gefertigt.http://www.indiewire.com/2018/05/peta-defends-lars-von-trier-the-house-that-jack-built-duck-mutilation-1201965931/
Die Premiere von The House That Jack Built erfolgte am 14. Mai 2018 außer Konkurrenz beim 71. Filmfestival von CannesThe Screenings Guide 2018. In: festival-cannes.com, 2. Mai 2018 (abgerufen am 3. Mai 2018), lief dort jedoch ohne den offiziellen Festivaltrailer, der den Filmen normalerweise vorgeschaltet ist. Damit ist von Trier erstmals seit dem Eklat um ihn bei den Filmfestspielen 2011 wieder mit einem Film beim Festival vertreten.Updated Selection Line-up of the 71st Festival de Cannes. In: festival-cannes.com, 18. April 2018 (abgerufen am 22. April 2018). Kurz vor der Premiere in Cannes wurde ein erster Trailer zum Film veröffentlicht. Im Juli und August 2018 wurde der Film beim polnischen Filmfestival Nowe Horyzonty gezeigt.The House That Jack Built. In: nowehoryzonty.pl. Abgerufen am 15. Juli 2018. Am 29. September 2018 lief er beim Filmfest HamburgThe House That Jack Built. In: filmfesthamburg.de. Abgerufen am 11. September 2018.. Im Oktober 2018 wurde er beim Sitges Film Festival und beim Film Festival Cologne vorgestellt.Nicolas Cage and Ed Harris will receive the Grand Honorary Award at a Sitges Festival hitting its high point with a concert by John Carpenter. In: sitgesfilmfestival.com, 19. Juli 2018.https://filmfestival.cologne/festivalprogramm/festivalreihen-2018/best-of-cinema/the-house-that-jack-built/ Im Herbst 2018 erfolgte auch eine Vorstellung beim Zurich Film Festival.