Die Schlacht bei Cádiz, ausgetragen im August/September 1702, wurde ausgelöst durch einen englisch-niederländischen Versuch, den südspanischen Hafen von Cádiz im Spanischen Erbfolgekrieg einzunehmen. Die andalusische Stadt Cádiz war das große Zentrum des spanisch-amerikanischen Handels. Die Einnahme des Hafens hätte die Spanier nicht nur von ihrem Imperium in Amerika abgeschnitten, sondern hätte den Alliierten zudem eine strategisch wichtige Operationsbasis für ihre Flotte zur Kontrolle des westlichen Mittelmeers verschafft.

Die militärische Kampagne wurde von diplomatischen Aktionen in Portugal begleitet, die darauf abzielten, der Augsburger Allianz die Unterstützung von Peter II. von Portugal zu sichern. Die Alliierten wollten zudem Unterstützung für einen Aufstand zugunsten des österreichischen Prätendenten auf den spanischen Thron Erzherzog Karl sammeln. Die Schlacht bei Cádiz war die erste Schlacht des Krieges auf der Iberischen Halbinsel, doch aufgrund von Rivalitäten innerhalb der Allianz, schlechter Disziplin, schwacher Zusammenarbeit und einer gekonnten Verteidigung durch den Marquis de Villadarias konnte Admiral George Rooke sein Ziel, die Einnahme des Hafens, nicht erreichen und segelte nach einem Monat unverrichteter Dinge wieder nach Hause.

Hintergrund

Am 15. Mai 1702 erklärten die Mächte der Augsburger Allianz, angeführt von England und der Niederländischen Republik, Frankreich und Spanien den Krieg. Kaiser Leopold I. erklärte den Bourbonen ebenfalls den Krieg, doch seine Streitkräfte unter Eugen von Savoyen hatten in der Po-Ebene in Norditalien bereits vorher die Feindseligkeiten begonnen, um Österreich das spanischbeherrschte Herzogtum Mailand zu sichern. Prinz Eugens erfolgreiche Kampagne von 1701 hatte in England Begeisterung für einen Krieg gegen Frankreich geweckt und nutzte so Leopolds Anstrengungen, König Wilhelm III. von England davon zu überzeugen, eine alliierte Flotte in das Mittelmeer zu entsenden. Der Graf von Mitrowitz, der kaiserliche Gesandte in England, gemahnte, dass der Anblick einer alliierten Flotte im Mittelmeer einer Revolution in der spanischen Provinz Neapel Auftrieb verleihen würde. Dies hätte seiner Ansicht nach den Effekt, dass Süditalien den gefährlichen Hände Philipps V. entrissen werden könnte, der frankophile Papst Clemens XI. eingeschüchtert werden würde und der Herzog von Savoyen und andere italienische Fürsten dazu bewogen werden könnten, die Seiten zu wechseln.Trevelyan: England Under Queen Anne: Blenheim, S. 262 Prinz Eugen hingegen blieb maßvoller und bat lediglich um eine Schwadron, die seine Nachschublinien von Triest über die Adria sichern sollte.

Die Engländer hatten im Mittelmeer ihre eigenen Interessen: die Levant Company brauchte Eskorten und die Präsenz einer alliierten Flotte könnte die Dominanz von König Ludwigs Toulon-Flotte brechen, was eine vernichtende Auswirkung auf die französischen Seestreitkräfte gehabt hätte.Francis: The First Peninsular War: 1702–1713, S. 31 Es war jedoch klar, dass die Alliierten sich zuerst eine Basis auf der Iberischen Halbinsel sichern mussten, bevor sie sich auf irgendeine Weise an Strategien im Mittelmeer beteiligte. Die Entscheidung für Cádiz, dessen Einnahme die Straße von Gibraltar öffnen und den Handel mit der neuen Welt unter alliierte Kontrolle bringen würde, fiel noch vor dem Tod König Wilhelms III. im März 1702, doch führte seine Nachfolgerin Königin Anne mit ihren Ministern unter der Leitung des Earls of Marlborough diese Politik fort.

Englands Vertreter am portugiesischen Hof in Lissabon, John Methuen und sein Sohn Paul setzten sich ebenfalls für eine starke marine Demonstration vor der spanischen Küste ein, um den schwankenden König Peter II. von Portugal dazu zu bringen, die geltenden Verträge mit Spanien und Frankreich aufzukündigen und sich der Augsburger Allianz anzuschließen.Francis: The First Peninsular War: 1702–1713, S. 36. Sich Portugals zu versichern, hätte den Hafen von Lissabon der englisch-niederländischen Flotte zur Verfügung gestellt. Im Gegenzug für den Beitritt zur Augsburger Allianz deutete Methuen an, dass der König von Portugal Zugeständnisse an spanischem Territorium und eine Kompensation für den Verlust des Asiento an Frankreich erhalten könnte. Die Methuens erhielten Unterstützung durch Prinz Georg von Hessen-Darmstadt, einem Cousin von Kaiserin Eleonore Magdalene. Die Alliierten hofften, dass der Prinz während der Verhandlungen der Methuens mit den Portugiesen eine pro-österreichische Revolte in Spanien zugunsten des Kaisers jüngstem Sohn und Beansprucher der spanischen Throns, dem Erzherzog Karl, initiieren und sogar anführen könnte.Francis: The First Peninsular War: 1702–1713, S. 40

Vorspiel Die englisch-niederländische Flotte stach Ende Juli in See und passierte die portugiesische Küste am 20. August. Admiral Rooke unterstanden 50 Kriegsschiffe (30 englische und 20 niederländische) und weitere Transportschiffe, insgesamt 160 Schiffe. Ormonde, der Kommandant der Soldaten, befehligte im Gesamten 14.000 Mann, darunter 10.000 Engländer (darunter 2400 Marineinfanteristen) und 4000 Niederländer. Dennoch setzte Rooke keine allzu großen Hoffnungen in die Expedition: seine Schiffe hatte nur unzulängliche Vorräte für eine längere Operation und er hatte Befürchtungen hinsichtlich des französischen Hafens Brest, der zwischen ihm und der Heimat lag.Rooke litt zu dieser Zeit unter Gicht. Außerdem hatte ihn die Nachricht vom Tod seiner Frau, die ihn jäh am Tag des Aufbruchs erreichte, aus der Fassung gebracht.

mini|hochkant|links|Prinz Georg von Hessen-Darmstadt (1670–1705) begleitete die Flotte im Auftrag Österreichs.

Prinz Georg hatte sich mit seinem Schiff, der Adventure, der Flotte bei Cabo de São Vicente angeschlossen.Die portugiesische Regierung, noch immer gebunden durch ihre Verträge mit den Bourbonen, waren sehr besorgt über die von Prinz Georg eifrig Aufgerührten. Unter dem Protest des französischen und des spanischen Botschafters fand es König Peter zweckdienlich, für den Prinzen höflich nachzufragen, ob Portugal aus seinen Verpflichtungen entlassen werden könne. Sowohl der Prinz als auch Paul Methuen (der sich der Expedition ebenfalls angeschlossen hatte) berichteten Rooke, dass Cádiz nur schwach verteidigt sei, wohingegen des Admirals eigene Erkundigungen, die auf von gefangengenommenen Fischern erlangten Informationen beruhten, auf eine mächtige Garnison von regulären spanischen Truppen, die die Stadt bereits verstärkt hatten, schließen ließen. Alliierte Zweifel über die wahre Stärke der Truppen, die ihnen entgegenstanden, wurden durch die spanische Strategie, auf Erhebungen große Feuer zu entfachen, noch verschlimmert. Daher wurden die drei Tage nach der Ankerung der alliierten Flotte am 23. August vor Cádiz mit nutzlosen Diskussionen verschwendet, bevor irgendeine Entscheidung getroffen wurde.Francis: The First Peninsular War: 1702–1713, S. 45

Es gab mehrere Optionen für einen alliierten Angriff. Rookes Tagebuch vom 25. August zufolge schlug Sir Stafford Fairborne vor:

Eine andere Option für die Alliierten bestand darin, eine Armee unter dem Feuerschutz durch die Flotte auf dem Isthmus anzulanden, was Cádiz vom Festland getrennt hätte; von dort aus hätten die Truppen die Stadt stürmen können. Diese Taktik präferierte Ormonde, doch Generalmajor O’Hara bestand darauf, eine Landung auf dem Isthmus wäre unratsam, wenn die Navy nicht gleichsam die Anlandung einer hinreichenden Proviantmenge garantieren könne, was sie wegen der Leeküste wiederum nicht konnte.Francis: The First Peninsular War: 1702–1713, S. 46 Ormondes zweite Wahl bestand in einer Blockade, begleitet von der Bombardierung der Stadt; es bestanden jedoch Zweifel, ob die Flotte nahe genug vor der Küste vor Anker gehen könnten, um einen effektiven Beschuss gewährleisten zu können. Prinz Georg wandte gegen diesen Plan ein, dass so die Bevölkerung vor den Kopf gestoßen werden würde. Deshalb traf man die Entscheidung, die alliierten Truppen zwischen der Bucht der Stiere und dem Fort Sankt Katharina anzulanden. Dies kam der Navy zupass, da auf sie ihre Schiffe auf diese Weise nahe an die Küste bringen und so von diesem Brückenkopf die Städte Rota und El Puerto de Santa María nehmen konnte. Jedenfalls war es vom Landeplatz zum Isthmus von Cádiz ein weiter Weg (siehe Karte weiter unten).

Dem Marquis de Villadarias hatte man den Oberbefehl über die bedrohte Provinz Andalusien erteilt.Stanhope nennt Villadarias den ‘aktivsten und fähigsten’ aller spanischen Generäle dieses Krieges. Cádiz, die Hauptstadt Andalusiens, hielt eine Garnison von 300 schlecht ausgerüsteten Mann sowie eine ähnliche Anzahl an Männern, die die Küstenlinie verteidigen sollte. Doch das plötzliche Auftauchen der alliierten Flotte erzeugte eine Notlage und, in Philip Stanhopes Worten, ‘den Geist und die Entschlossenheit, sie zurückzuwerfen’.Stanhope: History of the War of the Succession in Spain, S. 50 Die wohlhabenden Städte Córdoba und Sevilla leisteten ihren Beitrag zur spanischen Sache, die Adligen griffen zu den Waffen und die lokalen Bauern wurden in Bataillonen organisiert, sodass Villadarias nach der Verstärkung der städtischen Garnison noch fünf- oder sechshundert Reiter ausrüsten sowie mehrere tausend Mann Miliz ins Felde führen konnte.Stanhope: History of the War of the Succession in Spain, S. 51 Um seine Verteidigungsstellung noch weiter zu stärken, sicherte der spanische Kommandeur den Hafen mit einer starken Hafenkette und versenkte zwei massive Schiffsrümpfe am Hafeneingang.

Schlacht Landung und Plünderung mini|300px|Schlacht von Cádiz 1702 Die Landung fand am 26. August statt, während ein frischer Wind wehte, was den Verlust von 25 Landungsbooten und 20 ertrunkenen Männern zur Folge hatte. Beschuss durch eine spanische 4-Kanonen-Batterie und der Angriff einer Kavallerieschwadron setzten den Invasoren Widerstand entgegen. Die ersten Reihen der Alliierten bestanden aus Grenadieren, die die spanischen Reiter zurückschlugen. Nichtsdestoweniger hob einer der alliierten Offiziere, Oberst James Stanhope, der später britischer Oberbefehlshaber in Spanien werden sollte, den Mut der in diesem kleinen Gefecht verwickelten englischen und spanischen Truppen hervor, indem er zugab, dass 200 Mann mehr solcher Reiter die alliierte Landung vereitelt hätten.Stanhope: History of the War of the Succession in Spain, S. 54

Vom Landeplatz marschierten Ormondes Truppen nach Rota. Man fand die Stadt verlassen vor (obwohl der Gouverneur und einige Einwohner nach einiger Zeit zurückkehrten, um die Soldaten zu grüßen).Stanhope berichtet, dass der Gouverneur von Rota die Alliierten in die Stadt gelassen hat und der einzige nennenswerte Überläufer auf die alliierte Seite war. Sein Name ist nicht bekannt, doch Prinz Georg verlieh ihm den Titel eines Marquis, um weitere namhafte Spanier zum Überlaufen zu verleiten. Die Alliierten verweilten dort für zwei Tage und landeten Pferde und Vorräte an. Obwohl die militärische Macht in englisch-niederländischen Händen verblieb, wurde Prinz Georg an die Spitze der Zivilverwaltung in jeder Stadt, die die Alliierten kontrollierten, gesetzt. Er ließ Manifeste verteilen, in denen die Spanier dazu aufgefordert wurden, sich für das Haus Österreich zu erklären; die Tatsache, dass einige nach Rota kamen, um sich der alliierten Sache anzuschließen, war von großem Wert für die Allianz, da der kaiserliche Repräsentant von einheimischen Freiwilligen, die in Kontakt mit anderen Einwohnern traten, abhängig war. Jedenfalls ergriff die spanische Obrigkeit umfangreiche Maßnahmen, um eine Desertion zur alliierten Seite zu verhindern, indem sie androhte, jeden zu erhängen, der im Besitz von Prinz Georgs Manifest angetroffen würde.Francis: The First Peninsular War: 1702–1713, S. 47