Institut für publizistische Ausbildung e. V. (ifp), bis 2024 Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses e. V., ist eine Journalistenschule der römisch-katholischen Kirche in Deutschland. Das Institut wurde 1968 gegründet und bietet Ausbildungsgänge für Studenten, für Volontäre in christlichen Medien sowie Volontäre bei Tageszeitungen, außerdem journalistische Seminare für Mitarbeitende in der Kirche und für deutschsprachige Journalisten aus Mittel- und Osteuropa. Der Standort ist seit 2008 im ehemaligen Kapuzinerkloster St. Anton in der Isarvorstadt in München. Die Seminarräume, Aufenthaltsräume und 24 Einzelzimmer für die Teilnehmenden sind im ehemaligen Klostergebäude untergebracht. mini|Katholische Journalistenschule im Kloster St. Anton München mini|Eingang zur Journalistenschule
Geschichte Hintergrund Erste Überlegungen der römisch-katholischen Kirche in Deutschland, in der Aus- und Fortbildung von Journalisten aktiv zu werden, gab es schon relativ früh. Bereits im Frühjahr 1962 hatte der Freiburger Dompräbendar Karl Becker ein Konzept für ein „Katholisches Institut für Publizistik“ entworfen. Ein weiteres Konzept stammt aus dem Jahr 1965 von Hans Suttner. Zusammen mit einigen jungen Hochschulabsolventen verfasste er die Schrift „Katholische Presse in Deutschland. Statt noch einer Kritik: ein konkreter Vorschlag“. Die konkrete Idee zur Gründung eines römisch-katholischen Instituts zur Journalistenausbildung entwickelte in dieser Zeit auch der damalige Schriftleiter der Zeitschrift Stimmen der Zeit, der Jesuitenpater Wolfgang Seibel.
Die Institutsgründung ist im Kontext des Zweiten Vatikanums von 1962 bis 1965 zu sehen.Johanna Kempter: Geschichte und Leitlinien des ifp. In: Communicatio Socialis. 44. Jg., Nr. 3/2011, S. 270–282, doi:10.5771/0010-3497-2011-3-270. Die Veränderungen im Rahmen des Reform- und Erneuerungsgedankens betrafen auch die Einstellung der Kirche zu den Medien, was 1963 im Konzilsdokument Inter mirifica und 1971 in der Pastoralinstruktion Communio et Progressio festgeschrieben wurde. Vor diesem Hintergrund kam es in Deutschland zu einer Reihe von Neuerungen im Medienbereich. So gründeten die deutschen Bischöfe 1968 die Wochenzeitung Publik, die für Aufbruch und Dialog stand, allerdings 1971 nach Querelen mit der Deutschen Bischofskonferenz als Geldgeber eingestellt wurde.
Gründung und Zielsetzung Im Nachgang zur Einstellung von Publik wurden 1968 die Planungen für eine kirchliche Einrichtung zur Journalistenausbildung mit der Gründung des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses e. V. (ifp) konkretisiert. Dessen Mitbegründer und erster Leiter, Wolfgang Seibel war als Berichterstatter für die Katholische Nachrichten-Agentur bei den Sitzungsperioden des Vatikanums dabei gewesen und brachte sein theologisches Fachwissen und seine journalistische Kompetenz als Chefredakteur von Stimmen der Zeit ein. Das Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses e. V. wurde in einem formalen Akt am 11. Oktober 1968 in München gegründet.
Zur Eröffnung äußerte sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Julius Döpfner 1970 in einem Brief:
Die erste Ferienakademie des ifp fand im Sommer 1970 für 24 Studierende am Domberg in Freising statt. Referierende waren u. a. profilierte Journalisten wie Kurt Wessel, Hannes Burger, Hans Heigert sowie die Jesuiten Walter Kern, Oswald von Nell-Breuning und Karl Rahner. In den ersten zwei Jahrzehnten fanden die Ausbildungsgänge des Instituts an verschiedenen Standorten in Deutschland, Österreich und Italien statt. Von 1986 bis 2008 stand dem ifp für die Aus- und Weiterbildungsaktivitäten im Bereich Hörfunk und Fernsehen das „Studio Ludwigshafen“ zur Verfügung. Die Journalistenschule hatte das Studio mitsamt dem technischen Equipment nach Beendigung des Kabelpilotprojekts Ludwigshafen vom Verband der Diözesen Deutschlands übernommen.Anton Magnus Dorn: Ein Rückblick auf zehn Jahre Studio Ludwigshafen. In: Communicatio Socialis. 30. Jg., Nr. 3, 1997, S. 300–303. Die Geschäftsstelle hatte ihren festen Standort stets in München. Im Jahr 2008 bezog das ifp sein neues Domizil im ehemaligen Kapuzinerkloster St. Anton in München mit TV- und Hörfunkstudio. Zur Einweihung erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Karl Lehmann:
Ziel des Instituts war und ist die Aus- und Weiterbildung von Journalisten im kirchlichen und nichtkirchlichen Bereich. Zum zehnjährigen Bestehen des Instituts definierte der damals seitens der Deutschen Bischofskonferenz für das ifp zuständige Bischof Georg Moser die Zielsetzung der Katholischen Journalistenschule:
Organisation Trägerschaft Träger ist der private kirchliche Verein Institut für publizistische Ausbildung e. V. Finanziert wird die Einrichtung von der Deutschen Bischofskonferenz. Der Verein beschließt den Haushalt und wählt einen Aufsichtsrat. Der Aufsichtsrat ist zuständig für die Berufung und Abberufung des Vorstands. Vorsitzende des Aufsichtsrats ist seit 2010 Claudia Nothelle. Zuständig für das ifp ist die Publizistische Kommission der Deutschen Bischofskonferenz:
Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, Vorsitzender Ulrich Neymeyr, Bischof von Erfurt, stellvertretender Vorsitzender Robert Brahm, Weihbischof in Trier Matthäus Karrer, Weihbischof in Rottenburg-Stuttgart
Leitungsstruktur mini|Helmut Rakowski beim Sommerfest 2018 mini|Sabine Winter und Bernhard Remmers 2018 Die Leitung des Instituts lag zu Beginn allein bei einem von der Kirche entsandten Geistlichen, der als Direktor fungierte. Bis 2009 stand ihm ein Geschäftsführer zur Seite. Seit 2010 wird die Katholische Journalistenschule von einer Doppelspitze geleitet, einem Journalistischen und einem Geistlichen Direktor. Beide Direktoren müssen satzungsgemäß nach ihrer Wahl durch den Aufsichtsrat schriftlich von der Bischofskonferenz bestätigt werden. Durch diese Arbeitsteilung sichert sich die katholische Kirche ihren Einfluss im ifp:
Kirchliche Leitung 1968–1991: Wolfgang Seibel, Gründer und erster Leiter 1991–1998: Josef Innerhofer, Leiter 1999–2008: Roger Gerhardy, Direktor 2010: Michael Broch, Geistlicher Direktor 2011–2017: Wolfgang Sauer, Geistlicher Direktor 2018–2023: Br. Helmut Rakowski, Geistlicher Direktor ab 2023: Sr. Stefanie Strobel, Geistliche DirektorinErstmals führen zwei Frauen Katholische Journalistenschule. In: Münchner Kirchenzeitung. 21. November 2022, abgerufen am 25. März 2024 (Quelle: KNA).
Weltliche Leitung 1969–1985: Wilfried Schwedler, Geschäftsführer 1986–2002: Anton Magnus Dorn, Geschäftsführer, Leiter des Studio Ludwigshafen 2002–2011: Elvira Steppacher, Geschäftsführerin, später Journalistische Direktorin 2013–2023: Bernhard Remmers, Geschäftsführer/Journalistischer Direktor ab 2023: Isolde Fugunt, Geschäftsführerin/Journalistische Direktorin
Ausbildung mini|Der große Seminarraum mini|PC-Schulungsraum mini|Blick in den Kreuzgang mini|Eins von 24 Gästezimmern mini|Raum für Gebet und Kontemplation
Das ifp bietet Ausbildungen für Anfänger und Fortgeschrittene an, für Studierende, die am Beginn ihres Studiums stehen, für Volontäre in Redaktionen, Weiterbildung für Medienschaffende im Beruf, spezielle Kurse für Mitarbeitende in der Kirche, sowie regelmäßig eine Sommerakademie für deutschsprachige Journalisten aus Mittel- und Osteuropa sowie Journalistenreisen nach Straßburg und Brüssel. Ein spezielles Angebot sind die jedes Jahr stattfindenden viertägigen Journalistenreisen in die Hauptstädte Mittel- und Osteuropas, in denen jüngere Redaktionen besuchen und Vertreter aus Politik, Medien, Kirche, Kultur sowie Gesellschaft treffen. Für Unterrichts- und Schulungszwecke stehen im ifp zwei PC-Arbeitsräume und ein TV- und Hörfunk-Studio zur Verfügung. Darüber hinaus kooperiert das ifp regelmäßig mit Medien in ganz Deutschland, zum Beispiel mit Ippen Media/Münchner Merkur.
Auf eine Anfrage der Süddeutschen Zeitung, was den angehenden Journalisten in der Katholischen Journalistenschule vermittelt werde, antwortete der Journalistische Direktor der Schule Bernhard Remmers:
Entsprechend seiner religiösen Ausrichtung ist das Angebot eines geistlichen Programms wesentlicher Bestandteil des ifp. Journalisten in Ausbildung haben die Möglichkeit, an so genannten Auszeiten oder der jeweils vor Kursstart angebotenen Morgenzeit teilzunehmen.
Studienbegleitende Journalismusausbildung In den ersten Jahren nach der Gründung des ifp stand die Ausbildung parallel zum Studium an einer Universität im Vordergrund. Die Gründer des Instituts wollten mit dieser studienbegleitenden Journalismusausbildung jungen Frauen und Männern einen Start in die berufliche Praxis ermöglichen und ihnen eine Alternative zum Journalistikstudium bieten. In Intensivseminaren lernen die Studierenden journalistische Ausdrucksformen kennen, etwa den Unterschied zwischen Nachrichten, Reportage und Kommentar. Es lehren Journalisten und Medienschaffende aus allen Bereichen.Dominik Peters: Journalismusausbildung am ifp: „Wir sind zwar katholisch, aber nicht vom Mond.“ In: Der Spiegel. 9. August 2010, abgerufen am 25. März 2024. Die Ausbildung ist multimedial, sie umfasst Text, Audio, Video und Social Media, sie findet in den Semesterferien statt. Verbunden mit diesen Intensivkursen sind mehrmonatige Praktika bei Zeitungen, Nachrichtenagenturen, Onlinemedien und Rundfunkstationen. Jedes Jahr erhalten 15 Studierende ein Stipendium. Voraussetzung sind die Hochschulreife und Interesse für religiöse und gesellschaftliche Fragen.Marcus Nicolini: Nadelöhr journalistischer Berufseinstieg. Gute Chancen für Stipendiaten des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses. In: Communicatio Socialis. 38. Jg., Nr. 2, 2005, S. 198–212, doi:10.5771/0010-3497-2005-2-198 (nomos-elibrary.de [PDF; 763 kB]).Isabelle Modler: Die studienbegleitende Journalistenausbildung am ifp. Eine Absolventenbefragung. In: Communicatio Socialis. 44. Jg., Nr. 3/2011, S. 283–295, doi:10.5771/0010-3497-2011-3-283.
Volontariatärsausbildung in Medien Seit 1978 bietet das ifp etwa 15 Plätze für Volontariate in der katholischen Presse. 2022 wurde ein Kooperationsvertrag zwischen ifp und dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik geschlossen. Seither heißt der Ausbildungsgang „Volontariat in christlichen Medien“. Neben domradio.de, katholisch.de, der Katholischen Nachrichten-Agentur, Bistumsredaktionen und vielen weiteren katholischen Redaktionen, gehören das GEP und weitere Partner christlicher Medien (etwa Publik Forum) zu den regelmäßigen Partnern. Ausbildungsstätten sind Redaktionen in Deutschland. Die Ausbildung ist mitbesteht aus mehrwöchigen überbetrieblichen Seminaren und Praktika.
Kurse für Volontäre an Tageszeitungen Seit 1991 beteiligt sich das ifp an der überbetrieblichen Fortbildung von Volontären an Tageszeitungen. Zunächst mit mehrtägigen Spezialseminaren, seit 1993 mit zweiwöchigen Grundkursen, die seit 2001 durch Aufbaukurse ergänzt werden. Derzeit finden viermal pro Jahr im ifp Kurse für Volontäre an Tageszeitungen statt. Es sind aufeinander aufbauende, je zweiwöchige Grundkurse zur Einführung in den JournalistenberufJournalismus. Ergänzend dazu bietet das ifp für Volontäre im zweiten Ausbildungsjahr im Frühjahr und Herbst zweiwöchige Aufbaukurse an. Es handelt sich hierbei um überbetriebliche Fortbildung im Rahmen des für Tageszeitungsvolontäre geltenden Tarifvertrags.
Journalistische Ausbildung für Mitarbeitende in der Kirche