Die Cyclocross-Weltmeisterschaften 2017 fanden am 28. und 29. Januar im luxemburgischen Bieles statt. Es war die fünfte Austragung dieser Veranstaltung in Luxemburg und die erste seit 1968.

Ablauf Die Leitung des Radsport-Weltverbands UCI hatte die Veranstaltung zweieinhalb Jahre zuvor nach Luxemburg vergeben, wobei als Austragungsort Sassenheim genannt wurde. Schauplatz war das ehemalige Industriegelände Parc Belval, Details des Parcours wurden am Rande der Cyclocross-Weltmeisterschaften 2016 bekannt gemacht. Der Start der Rennen war auf der Avenue du Blues, von dort bogen die Fahrer auf einen etwas über 3 km langen Rundkurs im Gelände nördlich davon ein. Der Kurs war von mehreren Abfahrten auf Schräghängen geprägt.

Es beteiligten sich 275 Fahrer aus 22 Nationen, erstmals vertreten war Island. Zeitplan und Abfolge der fünf Rennen waren identisch zum Vorjahr: 28. Januar: Junioren (11 Uhr), Frauen U23 (13 Uhr), Frauen Elite (15 Uhr) 29. Januar: Männer U23 (11 Uhr), Männer Elite (15 Uhr)

Ergebnisse Junioren Platz Name Zeit (min) 1 41:24 2 Daniel Tulett + 0:38 3 + 0:44 4 Loris Rouiller + 0:52 5 Antoine Benoist + 1:23 6 Jelle Camps + 1:37 7 + 1:55 8 Toon Vandebosch + 1:56 9 Denzel Stephenson + 2:07 10 + 2:10

Das Juniorenrennen zur Eröffnung der Weltmeisterschaften fand mit 67 Fahrern statt. Temperaturen um den Gefrierpunkt und eine dünne Schneedecke sorgten für gefährliche Glätte und viele Stürze. Gleich zu Beginn gab es einen Massensturz im Feld, der die Hälfte der Fahrer aufhielt. In der ersten von fünf Runden führte der Franzose Maxime Bonsergent das Feld an, gegen Ende der Runde holte Europameister Thomas Pidcock ihn ein, dahinter folgte Ben Turner. Bonsergent fiel bald zu Turner zurück, bevor sich noch Daniel Tulett zu den Verfolgern gesellte.

Gegen Ende der dritten Runde beschädigte ein Sturz Bonsergents Schaltwerk und seinen rechten Schuh. Obgleich nunmehr chancenlos, lief dieser, sein Rad tragend, mit nur einem Schuh durch den Schnee bis zum Materialposten, um das Rennen fortzusetzen; er endete auf dem 20. Platz. Währenddessen stand Pidcocks Sieg vorzeitig fest, und seine Landsleute Turner und Tulett machten die restlichen Medaillen unter sich aus; beide stürzten in der letzten Runde, Tulett setzte sich vor Turner durch.

Frauen U23 Platz Name Zeit (min) 1 43:47 2 + 0:10 3 + 0:26 4 + 1:08 5 + 1:41 6 + 1:44 7 + 2:17 8 + 2:37 9 + 2:45 10 + 2:57

Auch das Rennen der Frauen U23 ging über fünf Runden. In der ersten davon schieden sich Titelverteidigerin Evie Richards, Ellen Noble, Laura Verdonschot und Annemarie Worst vom Rest des Felds ab. Verdonschot stürzte mehrfach und fiel alsbald zurück, Richards musste ihre Konkurrentinnen in der vierten Runde ziehen lassen. In der Schlussrunde profitierte Worst zunächst von einem Fahrfehler Nobles, baute dann den Vorsprung weiter aus und gewann.

Frauen Elite Platz Name Zeit (min) 1 43:06 2 + 0:01 3 + 0:21 4 gl. Zeit 5 + 0:36 6 + 0:53 7 + 1:21 8 + 1:25 9 + 1:31 10 + 1:46

Älteste Teilnehmerin unter den 43 Starterinnen beim Frauenrennen war die luxemburgische Altmeisterin Suzie Godart, die mit 54 Jahren vor Heimpublikum antrat. Nicht dabei war die verletzte Titelverteidigerin Thalita de Jong. Der Untergrund war nach Eingriffen durch die Rennleitung weniger rutschig, blieb aber hartgefroren und tückisch. Schon zu Beginn schieden Fahrerinnen wie Pavla Havlíková, Maud Kaptheijns und Alice Maria Arzuffi nach Stürzen aus, letztere mit Gesichtsverletzung, später folgten noch die Weltcupsiegerin Sophie de Boer sowie Katherine Compton.

Am Ende der zweiten von fünf Runden distanzierten Marianne Vos, Sanne Cant, Lucinda Brand und Eva Lechner den Rest des Felds, wobei Lechner bald zurückfiel. Brand stürzte am Steilhang und kämpfte fortan mit Kateřina Nash um den dritten Platz. In der vierten Runde attackierte Vos und hatte nach einem Ausrutscher Cants zehn Sekunden Vorsprung. Doch in der Schlussrunde sprang ihr die Kette ab, so dass Cant wieder herankam. In der letzten halben Runde duellierten sich die beiden, die Führung wechselte mehrfach. Auf der Zielgeraden hatte Cant mehr Reserven und wurde bei ihrer elften WM-Teilnahme erstmals Weltmeisterin. Nash setzte sich im Sprint um Bronze vor Brand durch.

Männer U23 Platz Name Zeit (min) 1 53:58 2 + 1:23 3 Sieben Wouters + 1:29 4 Thijs Aerts + 1:34 5 Nicolas Cleppe + 1:38 6 + 1:56 7 + 2:03 8 + 2:28 9 + 2:30 10 Kelvin Bakx gl. Zeit

Nachdem es nachts geregnet hatte, war der Schnee des Vortags teilweise gefrorenem Matsch gewichen, und die Fahrer hatten neben dem Parcours auch mit Kälte und Nässe zu kämpfen. Weltcupsieger Joris Nieuwenhuis übernahm schon in der ersten Runde die Führung, baute seinen Vorsprung auf über eine Minute aus und gewann nach sieben Runden überlegen das Rennen. Der Kampf um die übrigen Medaillen war abwechslungsreicher und wurde zwischen sechs Fahrern ausgefochten, die vor allem durch Stürze und Pannen oft die Position wechselten. Felipe Orts setzte sich durch und holte die erste spanische WM-Medaille seit über 20 Jahren, Dritter wurde Nicolas Cleppe. Titelverteidiger Eli Iserbyt kam mit den Bedingungen nicht klar und endete auf Rang 17.

Männer Elite Platz Name Zeit (h) 1 1:02:08 2 + 0:44 3 + 2:09 4 + 2:52 5 + 3:09 6 + 3:29 7 + 3:47 8 + 4:02 9 + 4:08 10 + 4:29

Zum Abschluss der Weltmeisterschaften gingen 65 Fahrer in das Rennen der Elite über acht Runden. Nicht am Start war Europameister Toon Aerts nach einem Rennunfall zwei Wochen zuvor. Der Untergrund war noch mehr aufgeweicht als zuvor, und was sich im U23-Rennen schon angedeutet hatte, bestätigte sich nun: Unter dem Schlamm lagen zahlreiche spitze Steine, die für eine Unzahl an Pannen sorgten, nach unterschiedlichen Angaben gab es derer 120 oder gar 200, allein die Top-10-Fahrer waren 37 Mal betroffen. Ex-Weltmeister Lars Boom musste wie auch andere Fahrer aufgeben, nachdem ihm die Ersatzreifen ausgegangen waren. Tom Meeusen hingegen gab gleich zu Beginn des Rennens wegen eines Rahmenbruchs auf. Die Rundenzeiten lagen unter den gegebenen Umständen etwas höher als in der U23.

Van Aert kam mit den Verhältnissen am besten klar, wohl auch, weil er auf Anraten seines Managers Niels Albert auf extraharte Reifen gesetzt hatte. In der vierten Runde holte er Mathieu van der Poel ein, der sehr schnell gestartet war, aber schon drei platte Reifen hinter sich hatte. In der fünften Runde ereilte van der Poel eine erneute Panne, diesmal weit entfernt vom Materialposten, womit das Rennen quasi entschieden war. Van Aert kam mit großem Vorsprung ins Ziel und wurde zum zweiten Mal Weltmeister.

Die Wout van Aert benutzten Reifen waren 17 Jahre altes Material und waren, eigentlich im Gegensatz zum Reglement, nicht mehr im Handel erhältlich. Die UCI erklärte ihren Einsatz jedoch für regelkonform.

Weblinks

Berichte und Ergebnisse auf CyclingNews Zusammenfassung des Männer-Rennens auf Sporza

Cyclocross-Weltmeisterschaften 2017 in der Datenbank von ProCyclingStats

Einzelnachweise

#2017 #2017 Kategorie:Radrennen 2017 Kategorie:Sport (Sassenheim, Luxemburg)