Die Stadt der Zukunft beschreibt ein Zukunftsbild der Lebensräume, in denen die große Mehrheit der weltweiten Bevölkerung leben und arbeiten wird. Die Menschheit tritt ein in ein „Jahrtausend der Städte“.Wir treten in ein Jahrtausend der Städte, Scinexx, Das Wissensmagazin, 26. September 2001 Bereits im Jahre 2009 lebten die Hälfte der Menschen in Städten und im Jahr 2050 werden es 70–75 % sein., Juni 2015Stadt- und Infrastrukturentwicklung, von Klaus J. Beckmann, in: , Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, acatech Materialien, K. Weinert, K. J. Beckmann, J. Encarnação, O. Herzog, H. Höcker, A.Kuhn, M. Mühlhäuser, O. Schober, D. Spath, K. Thoma, 2014 Die Stadt- und Metropolregionen sollen vielen Herausforderungen genügen. Diese großen gesellschaftlichen Herausforderungen, wie die Bewältigung der Energie- und Klimaproblematik oder die alternde Gesellschaft, sollten sogar primär im urbanen Raum angegangen werden.Stadt der Zukunft - Das Programm, Die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft, o. J.Zukunftsstadt - Strategische Forschungs- und Innovationsagenda (Kurzfassung), Nationale Plattform Zukunftsstadt, Eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, Februar 2015
Synonyme und verwandte Fachbegriffe Als Synonyme zu Stadt der Zukunft werden Zukunftsstadt, Morgenstadt und Smart Cities genannt. Alle diese Begriffe haben jedoch andere Schwerpunkte: Zukunftsstadt: Der Begriff wird z. T. synonym zu Stadt der Zukunft verwendet. Meist steht er jedoch für eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms „Forschung für Nachhaltige Entwicklung“ (FONA). U. a. hat das BMBF 2015 ihr jährliches Wissenschaftsjahr unter das Motto „Zukunftsstadt“ gestellt und einen Wettbewerb „Zukunftsstadt“ gestartet, bei dem 51 deutsche Städte, Gemeinden und Landkreise ausgewählt wurden, um gemeinsam mit ihren Bürgern, der Wissenschaft, Kommunalpolitik, Wirtschaft und Verwaltung eine ganzheitliche und nachhaltige Vision 2030+ auszuarbeiten. Über drei Phasen hinweg sollen die Visionen am Ende, ab dem Jahr 2018, in Reallaboren umgesetzt werden., 2015 Smart Cities: Unter dieser Bezeichnung werden vorwiegend technische Entwicklungskonzepte diskutiert, oft auch mit Beteiligung von wirtschaftsnahen Experten. Morgenstadt: Diese Initiative wurde von der Fraunhofer-Gesellschaft zusammen mit weiteren Instituten aufgesetzt, um die „Vision nachhaltiger und lebenswerter Städte“ zu unterstützen.Wie wollen wir in der Stadt von morgen leben und arbeiten?, Fraunhofer-Gesellschaft, o. J.
Situation in verschiedenen Teilen der Welt In Asien und Latein-Amerika gibt es viele Großstädte, die ungesteuert wachsen. Megacities wie Mexiko-Stadt, Tokyo oder Shanghai explodieren geradezu, oft auch weil es nur dort Arbeit gibt.Der Stadt der Zukunft droht der soziale Kollaps, 29. Mai 2015 Europa steht vor einer gänzlich anderen Situation. Vom Anteil der Stadtbevölkerung ist Europa der weltweiten Entwicklung voraus. Speziell in Deutschland leben bereits jetzt 74 % der Menschen in urbanen Ballungsräumen.Zukunft Stadt, Heft 1, 2012, Seite 86–107. Im Jahr 2050 wird mit einem Bevölkerungs-Anteil von 85 % gerechnet. In den Industrieländern hat die Verstädterung ihren Höhepunkt heute fast erreicht und im Gegensatz zu anderen Regionen der Welt, gibt es in den westlichen Industrieländern eine lange Tradition der Stadtplanung.„Stadtplanung funktioniert in Mitteleuropa gut, in Ostasien oder Südamerika, wo Städte wie Geschwüre wuchern und sich unkontrolliert ausbreiten, gar nicht.“ (zitiert nach „Stifterverband“, siehe Einzelnachweise), Berg-Stiftung Mensch Gesundheit Natur, Deutsches Stiftungs Zentrum, 2016 Dazu kommt, dass explosionsartig wachsende Städte oft kaum noch regierbar sind. Europas Städte sind zu 90 % bereits gebaut, deshalb geht es hier nicht vordringlich um Wachstum, sondern um Erneuerung und Modernisierung., TU Braunschweig, 9. Oktober 2015
Leitbild Ziel ist es, die Lebensqualität in einer nachhaltigen Stadt durch vielfältige Maßnahmen zu schaffen, zu erhalten oder zu steigern. Viele Kommunen in Deutschland befinden sich bereits auf dem anspruchsvollen Weg zur Zukunftsstadt. Allgemein anerkannt ist, dass nachhaltige gesellschaftliche Innovationen nur gemeinsam mit der Bürgerschaft etabliert werden können. Denn der gesellschaftlichen Akzeptanz sowie der ökonomischen, ökologischen und sozialen Tragfähigkeit kommt eine Schlüsselstellung zu. Gleichzeitig wird angestrebt, die Entwicklung in einer Geschwindigkeit umzusetzen, die mit den schnell wandelnde Rahmenbedingungen Schritt hält., Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, o. J.Wir treten in ein Jahrtausend der Städte, Scinexx, Das Wissensmagazin, 26. September 2001
Die folgenden Leitbilder wurden formuliert: Leitbilder der fahrrad- und fußgängergerechten barrierefreien Stadt aller Generationen., 25. Mai 2009 Leitbilder für eine ökonomisch, ökologisch und sozial tragfähige Stadtentwicklung für alle Generationen. Leitbilder einer Stadt der kurzen Wege.Architekt und Stadtplaner, Von der zweckentfremdeten zur lebendigen Stadt, von Andreas Feldtkeller, in: Grüne Stadt der Zukunft, Hrsg.: Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion, Dokumentation des Metropolenkongresses vom 12. März 2011 Leitbilder einer CO2-neutralen, energie- und ressourceneffizienten, klimaangepassten, wandlungsfähigen, lebenswerten und sozialen Stadt., Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, 19. Februar 2015Die Stadt der Zukunft, von Jens Uehlecke, 6. Februar 2009 Die Berliner Hochschule für Technik nutzt das Themenfeld Stadt der Zukunft als Leitbild für die eigene Lehr- und Forschungstätigkeit. Neben Lehrveranstaltungen und Wettbewerben betreibt die Hochschule ein aus drei Clustern bestehendes Kompetenzzentrum.
Auch die Fachhochschule Potsdam bietet einen forschungsorientierten Master-Studiengang "Urbane Zukunft" innerhalb des Fachbereichs STADT | BAU | KULTUR an.
Gesellschaftliche Herausforderungen Stadtbewohner stehen für vier Fünftel aller Treibhausgase-Emissionen und gehören damit zu den Hauptschuldigen der globalen Erwärmung. Umgekehrt können sie besonders viel tun, um die globale Erwärmung zu bremsen. Deshalb sollte jeder, der etwas für eine nachhaltige Lebensweise tun will, versuchen, auch die Städte dafür zu gewinnen. „Die Stadt ist nicht das Problem – die Stadt ist die Lösung“,, FONA, Forschung für nachhaltige Entwicklung, o. J. denn im Zuge der wachsenden Erdbevölkerung hilft das Wachstum der Städte, „den Planeten nicht zu ruinieren“.
Energie Der Trend zur dezentralen Energieversorgung z. B. durch kleine, private Blockheizkraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung, steigert die Effizienz der Energieträger Öl und Gas. Sonnenenergie und Erdwärme lassen sich zudem auch in Städten gewinnen und nutzen. Besser noch, als Energie nachhaltig zu erzeugen, ist es weniger Energie zu verbrauchen, zum Beispiel durch die bessere Wärmedämmung von Gebäuden., o. J.
Mobilität Der Stadtverkehr verursacht 70 Prozent der Luftschadstoff-Emissionen und erhebliche Lärmbelastungen. Ziel ist eine Mobilität, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt und nicht ein Verkehrsmittel. Autos sind in der Stadt durchaus geduldet, im Alltag soll man auf sie jedoch nicht angewiesen sein.Modernes Leben - Mobilität in der Stadt, von Alexander Stirn, Die Zeit, 9. Oktober 2012 Die Besorgungen des täglichen Bedarfs sollen wieder in der unmittelbaren Nähe zur Wohnung stattfinden können, um der Stadt der kurzen Wege gerecht zu werden. Straßen sollen wieder zum Ort der Begegnung werden und die Quartiere verbinden, anstatt sie zu zerschneiden. Ein deutscher Arbeitnehmer pendelt im Schnitt eineinhalb Stunden täglich von und zur Arbeit. Das Ziel kann deshalb nur lauten, Wohnen und Arbeiten wieder näher zusammenzubringen. Und hier kommt der Städtebau ins Spiel, denn „nur in einer dicht besiedelten Stadt ist zeitgemäße Mobilität möglich.“
Rolle der urbanen Produktion Auf der einen Seite werden mit der Stilllegung vieler alter Industrieanlagen und der Konversion von Militärkasernen und Gleisflächen urbane Flächen frei, die den Städten zur Verfügung stehen. Auf der anderen Seite ermöglicht die steigende Stadt- und Umfeldverträglichkeit von Produktionsprozessen trotz steigender objektiver Anforderungen (Lufreinhalteplanung, Lärmminderungsplanung) eine verstärkte Funktionsmischung in Städten (Wohnen, Arbeiten, Ausbildung, Handel, Freizeit, Verkehr etc.). Dadurch nimmt die Bedeutung der produzierenden Unternehmen im urbanen Raum wieder zu.Urbane Logistik, von Axel Kuhn, Fraunhofer-Gesellschaft, Dortmund, in: Stadt der Zukunft – Strategieelemente einer nachhaltigen Stadtentwicklung, Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, acatech Materialien, K. Weinert, K. J. Beckmann, J. Encarnação, O. Herzog, H. Höcker, A.Kuhn, M. Mühlhäuser, O. Schober, D. Spath, K. Thoma, 2014
Stadt-Logistik Obwohl Lieferverkehre insgesamt nur einen untergeordneten Anteil (circa 10 Prozent), am gesamten Verkehrsaufkommen haben, sind ihre Auswirkungen auf den Verkehrsfluss, die Infrastruktur-Abnutzung und die Lärm- und Umweltbelastung erheblich. Auf der einen Seite wird der Internethandel zunehmen, gleichzeitig wird sich die Verkehrssituation insgesamt noch zuspitzen. Deshalb sind stadtverträgliche, ressourcen- und infrastrukturschonende Logistikkonzepte erforderlich, um Mobilität, wirtschaftliche Dynamik, Attraktivität und sonstige Standortvorteile zu sichern und eine gesunde Stadtentwicklung, die Zufriedenheit der Bürger und die Ansiedlung von Unternehmen zu erreichen. Die alternde Bevölkerung verstärkt die Nachfrage nach individualisierten Produkt- und Dienstleistungsangeboten zusätzlich. Deshalb sollten die unter dem Stichwort der City-Logistik in den 90er Jahren diskutierten, aber nicht umgesetzten Ansätze neu bewertet werden. Als Grundlage innovativer Logistikkonzepte könnten unternehmensübergreifende Kooperationen eine Schlüsselrolle spielen.
Ressourcenverbrauch In Städten werden weltweit 80 Prozent des globalen Sozialprodukts erwirtschaftet, 70–75 Prozent der Energie verbraucht, 75–80 Prozent des CO2 emittiert und 75 Prozent der Abfälle erzeugt – all das bei einem weltweiten städtischen Bevölkerungsanteil von gut 50 %. Städte gelten deshalb also Orte hoher Ressourcenverbräuche (Rohstoffe, Wasser, Energie), hoher Umweltbelastungen und Quellen hoher CO2-Emissionen. Die spezifischen Emissionen pro Einwohner sind jedoch oft geringer [Beckmann]. Dieser vermeintliche Widerspruch lässt sich mit der industriellen Produktion erklären, die innerhalb der Stadtgrenzen stattfindet. So hat die Berliner Bevölkerung, bei nur geringer Industrialisierung, eine erstaunlich gute CO2-Bilanz mit weniger als 6 Tonnen CO2 pro Einwohner im Jahr und liegt circa 40 Prozent günstiger als der Bundesdurchschnitt. Kraftwerk Stadt – Stadt als Ganzes denken, von Franziska Eichstädt-Bohlig, Sprecherin für Stadtentwicklung im Berliner Abgeordnetenhaus, in: Grüne Stadt der Zukunft, Hrsg.: Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion, Dokumentation des Metropolenkongresses vom 12. März 2011 Die Umweltbilanz eines Stadtbewohners fällt auch deshalb besser aus, weil die Wohnungen in der Regel kleiner sind und weniger Energie zum Heizen, Kühlen und Beleuchten benötigen, als Einzelhäuser in den Vororten. Mit am Wichtigsten ist dabei, dass Stadtbewohner weniger Auto fahren. In Städten wie z. B. New York liegen CO2-Ausstoß und Energieverbrauch pro Kopf erheblich unter dem Landesdurchschnitt.
Stadtklima Großstädter werden in Zukunft besonders stark unter den Folgen des Klimawandels leiden. Um dem gegenzusteuern soll die städtische Überwärmungen reduziert und gezielt Kaltluftschneisen aufgebaut werden. Verkehrsberuhigte Bereiche und Grünflächen tragen insbesondere im Sommer zu einem angenehmen Mikroklima bei., Wissenschaftsjahr Zukunftsstadt, o. J. Deshalb heißt das Zauberwort „Entsiegelung“, wenn es um urbane Vegetation geht.
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