mini|hochkant|Leopoldsburger Kirche, seit 1999 Sparkassenfiliale.
Milow [] ist ein Ortsteil der Gemeinde Milower Land im brandenburgischen Landkreis Havelland. Der Ortsteil umfasst die Gemarkung Milow mit den bewohnten Gemeindeteilen Marquede, Neu Dessau und Wilhelminenthal. Er hat entsprechend der brandenburgischen KommunalverfassungBrandenburgische Kommunalverfassung - BbgKVerf; Abschnitt 2, Ortsteile In: bravors.brandenburg.de. und der Hauptsatzung einen Ortsbeirat und Ortsvorsteher.
Geografie und Verkehrsanbindung Milow liegt an der L 963 und direkt an der nördlich fließenden Havel. Weiter östlich verläuft die B 102. Die Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt verläuft 2 km entfernt südlich. Westlich erhebt sich der 84 Meter hohe Milower Berg.
Zum Ortsteil Milow gehören die Gemeindeteile Marquede, Neu Dessau und Wilhelminenthal, sowie die Wohnplätze Alte Schäferei, Milow-Ausbau und Wolfsmühle.
Ortsname Der Ortsname ist von Mil'ov- bzw. Milov = Ort eines Mil abgeleitet. Mil ist entweder ein Zuname oder Kosename für einen Vornamen wie Milobrat, zum Adj. mil- lieb, wert.
Geschichte Vorgeschichte mini|hochkant|Hügelgrab Nummer 3 des Hügelgräberfeldes Vieritzer Berg. mini|hochkant|Jungsteinzeitliche Schale (Schönfelder Kultur), Fundort Milow, Kreismuseum Jerichower Land.
Das Gebiet der Gemeinde Milower Land war nachweislich bereits in prähistorischer Zeit besiedelt. So liegen beispielsweise Funde aus der Jungsteinzeit aus der Gemarkung Milow vor. Im Kreismuseum Jerichower Land in Genthin befindet sich eine Schale, die der Schönfelder Kultur zugeschrieben wurde. Weiterhin existieren bronzezeitliche Funde in Form von Steinäxten aus Milow und Knoblauch. Am Osthang des Vieritzer Berges, östlich der Ortslage befindet sich das urgeschichtliche Hügelgräberfeld Vieritzer Berg. Dieses besteht aus mehreren gesicherten und vermuteten Hügelgräbern und ist als Bodendenkmal ausgewiesen. Bei Nitzahn wurden mehrere Urnengräberfelder der Bronze-, der Eisen- und der römischen Kaiserzeit entdeckt. Diese liegen im Bereich des Dorfausgangs direkt nebeneinander. In den etwa 60 Gräbern, die der römischen Kaiserzeit zugeordnet werden konnten, fanden sich beispielsweise Fibeln, Messer, Nadeln, Schnallen und Riemenzungen.Sebastian Kinder, Haik Thomas Porada (Hrsg.): Brandenburg an der Havel und Umgebung. 2006, S. 107.
In das 5. Jahrhundert konnten nordwestlich der Halbinsel Lutze gefundene Urnengräber datiert werden. Es handelt sich um Schalengefäße ohne Beigaben und um seltene Grabfunde der Völkerwanderungszeit aus dem Gebiet. Weiterhin wurden Scherben, die sich in die frühmittelalterliche Slawenzeit datieren ließen und ein um das Jahr 800 gefertigtes Schwert bei Möthlitz entdeckt.Sebastian Kinder und Haik Thomas Porada (Hrsg.): Brandenburg an der Havel und Umgebung. 2006, S. 104. Weitere slawische Siedlungsnachweise existieren aus der Gemarkung Jerchel (7. bis ins 10. Jahrhundert). Nordöstlich des Dorfes existierte ein slawischer Burgwall, der anhand ebenfalls von Scherbenfunden mindestens dem 9. bis 10. Jahrhundert zugeordnet werden konnte.Sebastian Kinder, Haik Thomas Porada (Hrsg.): Brandenburg an der Havel und Umgebung. 2006, S. 85.
Mittelalter Erstmals erwähnt wurde Milow im Jahre 1144, und zwar in einer Schenkungsurkunde von Hartwig, Graf von Stade, Dompropst von Bremen und Domherr von Magdeburg, an das Erzstift Magdeburg.Urkunde vom 31. Dezember 1144, Edition: Israel/Möllenberg (Bearb.), Urkundenbuch des Erzstifts Magdeburg, Teil 1, S. 322 nr 256. Auf der Grundlage eben dieser Urkunde ist zu vermuten, dass der Ort während des Hochmittelalters Mittelpunkt einer Burgward war.Während Schlesinger bei Milow von einem nachgewiesenen Burgwardmittelpunkt ausgeht, vermutet Podehl diese Stellung Milows lediglich; Podehl, Wolfgang, Burg und Herrschaft in der Mark Brandenburg, S. 537 und Kartenteil (Karte C2); Schlesinger, Walter, Burgen und Burgbezirke: Beobachtungen im mitteldeutschen Osten, In: Walter Schlesinger (Hrsg.): Mitteldeutsche Beiträge zur deutschen Verfassungsgeschichte des Mittelalters. S. 158 (167 f.). Zehn Jahre später, am 4. April 1225 wurde in einer bischöflichen Urkunde ein Pfarrer Johann von Mothennyz als Zeuge genannt. Dabei könnte es sich um die erste schriftliche Erwähnung von Möthlitz handeln, was jedoch angezweifelt wird. Ein in derselben Urkunde genannter Pfarrer Johann von Banthyz wird dem Dorf Bahnitz zugeschrieben.Sebastian Kinder, Haik Thomas Porada (Hrsg.): Brandenburg an der Havel und Umgebung. 2006, S. 85. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Jerchel in der Mitte des 14. Jahrhunderts als „Gerchel“ in den Lehnbüchern der Erzbischöfe von Magdeburg. Besitzer des Dorfes war die Familie von Werder. In diesen Lehnsbüchern fand auch die erste zweifelsfreie Erwähnung von Möthlitz als „Motelitze“ statt. Auch das Dorf gehörte der Familie von Werder. Bahnitz („Bantz“) gehörte der Familie von Byern. Die bekannte Ersterwähnung des Ortsteils Buckow stammt aus dem Jahr 1335 und die Großwudickes aus dem Jahr 1397 im Lehnbuch des Erzbischofs Albrecht IV. von Magdeburg. Von 1390 bis 1754 war das Rittergut Milow mit den Nebengütern Bützer, Jerchel und Marquede im Besitz der Familie von Tresckow (Treskow), die 1695 auf den Grundmauern eines Vorgängerbaus die noch heute bestehende Dorfkirche als Fachwerkbau errichten ließ. Bauherren waren Johann Sigismund v. Tresckow (1660–1718) und seine Ehefrau Anna Elisabeth, geb. v. Katte.
Neuzeit Moritz von Anhalt-Dessau erwarb 1754 Milow als Domgut. Im selben Jahr gründete er südlich davon den Ort Leopoldsburg und ein Jahr später die heutigen Gemeindeteile Neu-Dessau und Wilhelminenthal.Flyer der Gemeinde Milower Land: (PDF; 1,2 MB) Die Kolonisten in diesen Orten waren mehrheitlich Calvinisten und für sie wurde eigens 1770 die Leopoldsburger Kirche eingeweiht, in der sich heute die Sparkasse befindet.Berliner Zeitung vom 13. Dezember 1999 Geld statt Gott:
Carl Bolle (1832–1910), Gründer und Besitzer der traditionsreichen Meierei C. Bolle in Berlin, baute in Milow eine Villa, die er später seinen Mitarbeitern zur Erholung überließ. Heute befindet sich in diesem Gebäude die Jugendherberge Carl Bolle (grundrenoviert 2010).
Am 27. November 1899 wurde die Bahnstrecke Genthin-Milow in Betrieb genommen. Sie diente sowohl dem Personen- als auch dem Güterverkehr, bis 1967 erst der Personenverkehr und 1971 dann auch der Güterverkehr eingestellt wurde.
Am Ende des Zweiten Weltkrieges erwarben sich drei Milower Bürger, der Studienrat Pritzkow, der Bauer Fritz Ohm und der Pfarrer Paul Büchtemann, große Verdienste um den Ort, als sie in unerschrockener Konfrontation gegenüber dem SS-Kommandanten das Hissen weißer Fahnen organisierten und so dem Ort seine gewaltsame Zerstörung durch die Rote Armee ersparten.Ursula Höntsch: Drei Männer beim SS-Stab, in: Die Stunde Null, Berlin 1966, S. 178.
Anfang der 1950er Jahre wurden in Milow die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) „Freundschaft“ (1952, Typ III) und „Heimaterde“ (1953) gegründet. Sie wurden 1969 zusammengeschlossen. Während in Nitzahn Pflanzen produziert wurden, spezialisierte sich die Milower LPG auf die Tierproduktion. 1975 erfolgte der Zusammenschluss mit der LPG Jerchel.
Im Zuge der Ämterbildung 1992 in Brandenburg schlossen sich folgende acht Gemeinden aus dem damaligen Kreis Rathenow zu einem Verwaltungsverbund, Amt Milow genannt, zusammen: Großwudicke, Milow, Nitzahn, Vieritz, Jerchel, Möthlitz, Bützer und Zollchow. Am 3. Juli 1992 erteilte der Minister des Innern seine Zustimmung zur Bildung des Amtes Milow für dessen Zustandekommen der 16. Juli 1992 festgelegt wurde. Sitz der Amtsverwaltung war die Gemeinde Milow. Erster Amtsdirektor wurde Günter Geib.
Eingemeindungen Am 1. April 1914 wurden die Landgemeinden Altmilow, Neumilow und Leopoldsburg zu einer Landgemeinde mit dem Namen „Milow“ vereinigt.: „Des Königs Majestät haben mittels allerhöchsten Erlasses vom 7. August 1913 zu genehmigen geruht, daß die Landgemeinden Altmilow, Neumilow und Leopoldsburg im Kreise Jerichow II zu einer Landgemeinde mit dem Namen Milow vereinigt werden. Als Zeitpunkt für das Inkrafttreten der Bezirksveränderung bestimme ich den 1. April 1914. Magdeburg, den 14. März 1914. Der Regierungspräsident.“
Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Milow mit der Landgemeinde Milow vereinigt.
Am 20. Juli 1950 wurde die bis dahin eigenständige Gemeinde Bützer und die Ortsteile Marquede und Schäferei der Gemeinde Jerchel nach Milow eingemeindet.
Am 26. Oktober 2003 wurde Milow im Rahmen der Gemeindereform in Brandenburg gemeinsam mit den Orten Bützer, Großwudicke, Jerchel, Möthlitz, Vieritz und Zollchow zur Gemeinde Milower Land zusammengeschlossen.
Wappen
Siehe auch Liste der Baudenkmale in Milower Land#Milow Leopoldsburger Kirche MilowDie Kirche im havelländischen Milow ist ab heute eine Sparkasse. Geld statt Gott, Berliner Zeitung am 13. Dezember 1999, abgerufen am 14. Februar 2016Leopoldsburger Kirche in Milow ist heute ein Geldhaus. Sparbuch statt Gesangbuch, Märkische Allgemeine am 16. Februar 2015, abgerufen am 14. Februar 2016.Die Leopoldsburger Kirche in Milow an der Havel. Vorher. Heute (4 Fotos) auf altekirchen.de, abgerufen am 14. Februar 2016KIRCHEN. Lieber einen Supermarkt, Der Spiegel am 8. Februar 1999, abgerufen am 14. Februar 2016
Weblinks
Ortsteil Milow In: Webauftritt der Gemeinde Milower Land.
Einzelnachweise
Kategorie:Ortsteil von Milower Land Kategorie:Ort im Landkreis Havelland Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Havelland) Kategorie:Gemeindeauflösung 2003 Kategorie:Ersterwähnung 1144