mini|150px|Jules Ferry Das zweite Kabinett Ferry wurde während der Dritten Französischen Republik am 21. Februar 1883 von Premierminister gebildet und befand sich bis zum 30. März 1885 767 Tage lang im Amt. Es löste das Kabinett Fallières ab; Nachfolger war das Kabinett Brisson I.

Dem Kabinett gehörten Vertreter der Gauche républicaine (GR), der Union républicaine (UR) und der Union démocratique (UD) an.

Kabinett Minister Dem Kabinett gehörten folgende Minister an:

Amt Name Gruppe Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit Premierminister Jules Ferry GR 21. Februar 1883 30. März 1885 Außenminister Jules Ferry UR GR 21. Februar 1883 30. März 1885 Kriegsminister Jean ThibaudinJules Lewal 21. Februar 18839. Oktober 18833. Januar 1885 9. Oktober 18833. Januar 188530. März 1885 Minister für öffentlichen Unterricht und schöne Künste Jules FerryArmand Fallières GR UD 21. Februar 188320. November 1883 20. November 188330. März 1885 Finanzminister Pierre Tirard UR 21. Februar 1883 30. März 1885 Minister für öffentliche Arbeiten David Raynal GR 21. Februar 1883 30. März 1885 Minister für Marine und Kolonien Charles BrunAlexandre Peyron UR 21. Februar 18839. August 1883 9. August 188330. März 1885 Siegelbewahrer, Justiz- und ReligionsministerSeit dem 27. Februar 1883 war Justizminister Martin-Feuillée zugleich Religionsminister Félix Martin-Feuillée UR 21. Februar 1883 30. März 1885 Innenminister und ReligionsministerDas Amt des Religionsministers übergab Innenminister Waldeck-Rousseau am 27. Februar 1883 an Justizminister Martin-Feuillée Pierre Waldeck-Rousseau UR UR 21. Februar 1883 30. März 1885 Minister für Landwirtschaft Jules Méline GR 21. Februar 1883 30. März 1885 Handelsminister Anne-Charles HérissonMaurice Rouvier UR 21. Februar 188314. Oktober 1884 14. Oktober 188430. März 1885 Minister für Post und Telegrafie Adolphe Cochery GR 21. Februar 1883 30. März 1885

Unterstaatssekretäre Dem Kabinett gehörten folgende Sous-secrétaires d’État an:

Amt Name Gruppen Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit Premierminister und Ministerium für öffentlichen Unterricht und schöne Künste Eugène Durand GR 27. Februar 1883 Finanzministerium Justin Labuze GR 21. Februar 1883 30. März 1885 Ministerium für öffentliche Arbeiten Charles Baïhaut UR 21. Februar 1883 30. März 1885 Justiz- und Religionsministerium Alphonse Noirot UD 27. Februar 1883 30. März 1885 Innenministerium Alfred Laroze UR UR 27. Februar 188317. Mai 1884 17. Mai 188430. März 1885 Ministerium für Marine und Kolonien Félix Faure UR 30. März 1885 Kriegsministerium Jean Casimir-Perier GR 17. Oktober 1883 30. März 1885

Historische Einordnung mini|Maurice Marais: Die Tonkin-Göre, Karikatur Jules Ferrys (Le Triboulet, 4. Dezember 1891) Jules Ferry erwies sich als starker Ministerpräsident; sein zweites Kabinett gehört mit einer Amtszeit von über zwei Jahren zu den langlebigsten der Dritten Republik. Dabei bildete er seine Regierung mehrmals um, ohne dazu die Kammer zu befragen. Die Regierung trat in der Folge der Tonkin-AffäreDie Tonkin-Affäre war eine politische Krise in Frankreich, die im März 1885 in den letzten Wochen des französisch-chinesischen Krieges ausbrach. Nach dem Rückzug von Lạng Sơn geriet die französische Kolonialpolitik in den Verdacht, vornehmlich Kapitalinteressen zu dienen. Siehe hierzu weiterführend :fr:Affaire du Tonkin in der französischsprachigen Wikipédia. zurück.

Zu den wichtigsten Punkten seiner Amtszeit zählen die Reform der Richterschaft; die Weiterführung des Plan Freycinet zum Ausbau des Schienennetzes in Frankreich; das Loi Waldeck-Rousseau vom 21. März 1884 zur Zulassung von Gewerkschaften; das Loi Naquet zur Zulassung von Ehescheidungen; protektionistische Maßnahmen zum Schutz der Landwirtschaft; das Organgesetz vom 10. Dezember 1884 Wikisource: Loi du 9 décembre 1884, das die Sénateurs inamovibles wieder abschaffte; die Einführung des Listenwahlrechts für die Abgeordnetenkammer (Léon Gambetta war daran noch gescheitert); Wikisource: Loi du 16 juin 1885

Soziale Konflikte Von Februar bis April 1883 streikten die Minenarbeiter in Carmaux. Arbeitslose, die sich am 9. März 1883 auf Initiative der Schreinergewerkschaft auf der Esplanade des Invalides in Paris versammelt hatten, wurden von der Polizei auseinandergetrieben; eine kleine Gruppe, angeführt von den Anarchisten Louise Michel, Eugène Mareuil und Émile Pouget, marschierte zum Boulevard Saint-Germain und plünderte drei Bäckereien mit Rufen wie „Brot, Arbeit oder Blei“. Mareuil und Pouget wurden festgenommen. Louise Michel stellte sich von sich aus den Behörden. In Anzin streikten die Minenarbeiter von Februar bis April 1884; der Streik führte zum Loi Waldeck-Rousseau und diente Émile Zola als Vorlage für seinen Roman Germinal.Siehe hierzu weiterführend den Artikel :fr:Grande grève des mineurs d'Anzin in der französischsprachigen Wikipédia.

Kolonialpolitik mini|Uniformen des Expeditionskorps Tonkin (v. l. Fusilier-Marin, Marineinfanterist, Turco und Marineartillerist) Am 15. Mai blockierte die französische Kriegsmarine Madagaskar und besetzte Teile des Landes.Siehe hierzu auch weiterführend den Artikel :fr:Première guerre franco-malgache in der französischsprachigen Wikipédia. Die Tonkin-Kampagne mit dem Ziel der der Besetzung Tonkins und Annams begann ab August 1883. Ein Jahr später weitete sich die Auseinandersetzung zum Chinesisch-Französischen Krieg aus. Die von November 1884 bis Februar 1885 stattfindende Kongokonferenz führte zu Absprachen der Kolonialmächte über die Aufteilung Afrikas.

Sonstiges Am 20. März 1883 wurde die Pariser Verbandsübereinkunft zum Schutz des gewerblichen Eigentums abgeschlossen. Auf dem Platz der Republik wurde am 14. Juli 1883 das Denkmal der Republik eingeweiht. Am 21. Juli 1883 gründete Paul Cambon die Alliance française, deren Ziel die Verbreitung der französischen Sprache und Kultur im Ausland war. Mit dem Tod des Grafen von Chambord am 24. August 1883 erloschen nicht nur die älteste Linie des Hauses Bourbon, sondern auch realistische Thronansprüche der Bourbonen. Die Senatswahlen vom 25. Januar 1885 brachten den Republikanern einen gewaltigen Sieg ein.Bei dieser Wahl wurden 87 der 300 Senatoren gewählt; der Zuwachs der Republikaner betrug 23 Sitze, so dass sie jetzt über 233 der 300 Sitze verfügten. Siehe hierzu auch weiterführend :fr:Élections sénatoriales françaises de 1885 in der französischsprachigen Wikipédia.

Weblinks French Ministeries (rulers.org)

Anmerkungen

Einzelnachweise

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