Die Wilhelm-Löhe-Schule ist eine staatlich anerkannte private kooperative Gesamtschule unter evangelischer Trägerschaft im Nürnberger Ortsteil Himpfelshof.

Geschichte Gründung mini|Brief von Hermann Bezzel zur Gründung der Schule Die Wilhelm-Löhe-Schule wurde am 16. September 1901 durch die Diakonissenanstalt Neuendettelsau als „evangelische Schule für Mädchen“ gegründet und eröffnet. Nur ein knappes Jahr zuvor wurde diese Eröffnung am 21. November 1900 durch einen Beschluss der Diakonissenanstalt Neuendettelsau festgelegt. Die Schule hatte ihren ersten Standort in Nürnberg in der Eilgutstraße. Eröffnet wurde die Schule mit 70 Schülerinnen, vier Lehrdiakonissen und vier Klassen. Bereits 1902 kaufte die Wilhelm-Löhe-Schule eine Villa in der Zeltnerstraße für 400.000 RM (etwa Euro). 1903 erfolgte dann bereits die Grundsteinlegung für ein neues Schulgebäude in der Zeltnerstraße, das 1904 eingeweiht wurde.

Die Schule und deren Wandel bis 1932 Als die Wilhelm-Löhe-Schule 1901 ihre Tore öffnete, war das wichtigste Ziel, den evangelischen Mädchen in Nürnberg eine sittliche Erziehung und geistige Ausbildung auf Grund des evangelischen Bekenntnisses zu ermöglichen. Die Wilhelm-Löhe-Schule wurde eine Schule zur Allgemeinbildung evangelischer Töchter, denn eine so ausgerichtete Schule gab es nicht. Das Schulgeld betrug bei der Eröffnung in den ersten drei Jahren 60 Mark (etwa Euro) pro Jahr, und für das vierte Jahr wurden nochmals 80 Mark (etwa Euro) berechnet. Die Schule war schon zu ihrer Gründungszeit darauf bedacht, dass sämtliche Fächer einer höheren Töchterschule unterrichtet wurden.

Bereits am 11. Juni 1903 hatte die Schule 137 Schülerinnen, die von zwei Geistlichen, einem Lehrer, sechs Diakonissen und drei Lehrerinnen unterrichtet wurden. In den folgenden Jahren wurde die Schule bis 1907 zu einer zehnklassigen „Anstalt“ ausgebaut. 1912 erhielt man die Anerkennung der Mädchenschule als „höhere weibliche Unterrichtsanstalt nach dem Lehrplan von 1911“ und auch die Genehmigung einer zweiklassigen Frauenschule. Die Zeit des Ersten Weltkrieges von 1914 bis 1918 wurde gut überstanden und nur durch einen Schulleiterinnenwechsel leicht beeinträchtigt. Unter dieser Schulleiterin wuchs die Schülerzahl so weit an, dass man sich über neue Räume Gedanken machen musste. 1917 besuchten 393 Schülerinnen die Höhere Mädchenschule, 195 die Vorschule und 20 die Frauenschule. 1921 mussten Klassen aus Platzmangel in die CVJM-Räume am Sterntor ausquartiert werden. Darauf wurden in der Veilhofstraße Räume mit einem zehnjährigen Mietvertrag angemietet. In den Monaten der Hyperinflation des Jahres 1923 betrug das Schulgeld im September 1 Million Reichsmark. Ab Oktober 1923 wurde das Schulgeld wöchentlich erhoben. Zum 25-jährigen Bestehen am 16. September 1926 wurde eine Gedenkschrift verfasst. Da die Schule im Jahr 1927 851 Schülerinnen mit 44 Lehrkräften (davon waren fünf Geistliche und neun Diakonissen) unterrichtete, wurde in den Jahren 1927 und 1928 in das Gebäude an der Zeltnerstraße eine Aula eingebaut. Die Einweihung erfolgte 1928. Da die Schülerinennanzahl weiter anwuchs, wurde ein Grundstück in der Rollnerstraße gekauft. 1930 wurde an der Schule die erste männliche Lehrkraft beschäftigt. Auch erwarb die Schule in diesem Jahr ein eigenes Schullandheim in Mostviel in der Fränkischen Schweiz. 1931 erfolgte die Grundsteinlegung zu einem neuen Schulgebäude in der Rollnerstraße. Das Gebäude wurde am 20. Februar 1932 unter dem Namen Wilhelm-Löhe-Schule eröffnet, und alle Schülerinnen der Veilhofstraße zogen in die Rollnerstraße um. Die Schule hatte zu diesem Zeitpunkt 1400 Schülerinnen und 75 Lehrkräfte.

Die Schule in der Zeit des Nationalsozialismus

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten und der darauf folgenden „Gleichschaltung“ wurde das stetige Wachstum der Wilhelm-Löhe-Schule unterbrochen. Dies geschah aber nicht plötzlich, sondern in kleinen Schritten. So merkte man zum Beispiel sehr rasch, dass das Mädchenschulwesen durch Aussagen Hitlers, wie „das Ziel der weiblichen Erziehung hat unverrückbar die kommende Mutter zu sein“,Adolf Hitler: Mein Kampf. S. 460. wieder zurückgestuft wurde. Das Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen beschränkte den Zugang für Abiturientinnen. 1934 ordnete die Behörde eine Sonderprüfung für den laufenden Abiturientinnenjahrgang an und stellte für 24 Absolventen nur acht Hochschulplätze zur Verfügung.

Ab diesem Zeitpunkt unterblieben für einige Zeit weitere konkrete Eingriffe in den Schulbetrieb. Allerdings betrieben die Nationalsozialisten über bürokratische und finanzielle Hürden ein Zurückdrängen des konfessionellen Privatschulwesens. Vier Punkte sind hierbei hervorzuheben: Einstellung sämtlicher staatlicher Zuschüsse für Diakonissen und Lehrkräfte ab 1936. Der Reichsinnenministererlass vom 9. September 1937 aus dem Reichsministerialamtsblatt – II S B 6850/4182 –, in dem unter anderem steht „Es verträgt sich nicht mit den Pflichten eines Beamten des Nationalsozialistischen Staates, wenn er seine Kinder ohne zwingende Gründe einer privaten Schule zuführt.“Amts-Blatt des Regierungspräsidenten in Kattowitz. 27. September 1941, S. 8. Ob ein Kind eines Beamten in eine private Schule gehen durfte, entschieden die Vorgesetzten. Die ablehnende Einstellung des Staates gegen die Kirche und damit auch gegenüber deren Konfessionsschulen. Die Weigerung des Staatsministeriums, diese Schule als „erwünscht und notwendig“ anzusehen. Dies bedeutete, dass die Schule ihre Daseinsberechtigung verlor und in einem nationalsozialistischen Staat früher oder später zu einer Schließung gezwungen war.

Die Schule verlor in den folgenden Jahren rapide an Schülern und hatte im Schuljahr 1939/40 nur noch 200 Schülerinnen. Das endgültige Aus begann bereits 1938, als der Schulverein das Schulgebäude in der Zeltnerstraße an die Stadt Nürnberg verkaufte. Noch während der Schlussfeier am 12. April 1938 rückten Handwerker an, um das Gebäude in die Hände der Stadt Nürnberg überzuleiten. Der Schulverein versuchte mit einer Eingabe beim bayerischen Kultusministerium, sich auf den Schutz der kirchlichen Schule zu berufen. Dieser war im Staatsvertrag von 1924 vereinbart und für katholische Schulen auch im Reichskonkordat fortgeschrieben. Auf die Eingabe gab jedoch keinen positiven Bescheid.

Somit musste dann die Wilhelm-Löhe-Schule am 8. Februar 1940 die Tore in der Rollnerstraße schließen. Damit war die Schule zunächst erloschen.

Wiedereröffnung und Neuaufbau Die Stadt Nürnberg übernahm nach der Schließung das Gebäude in der Rollnerstraße und richtete dort eine öffentliche Schule ein. Bei einem Bombenangriff am 2. Januar 1945 wurde das Schulhaus genauso wie die ganze Innenstadt vernichtet. Nach der Kapitulation waren alle Schulen geschlossen worden. Die Jugendlichen waren somit ohne jeden Unterricht. Der damalige Kreisdekan Oberkirchenrat Schieder sorgte für kirchliche Unterweisung. Hier lag ihm auch daran, dass alle deutschkundlichen Fächer unterrichtet wurden. Dies war gleichzeitig der Ursprung der neuen Wilhelm-Löhe-Schule. Über den regulären Weg der Rückerstattung von widerrechtlich beschafftem Besitz der Nationalsozialisten wurde das Gebäude in der Rollnerstraße wieder an die Kirche übergeben. Konrad Linder, der in Breslau das Maria Magdalenum Gymnasium bis Januar 1945 geleitet hatte, übernahm die Leitung der Schule. Obwohl die Landeskirche kaum finanzielle Mittel zur Verfügung hatte, war es dem Stadtdekan wichtig, dass die Schule wieder eröffnet wurde. Die Jugend litt sehr unter den Folgen des Krieges. Hier waren es aber nicht nur die leiblichen Schäden, sondern vor allem die seelischen Folgen, die gemildert werden sollten. Der nationalsozialistische Staat hatte mit seinen Propagandareden die Worte Vaterland und Volk zerstört. Die staatlichen Lehrer hatten viel Glaubwürdigkeit verloren. Dadurch erklärt sich der Erfolg der kirchlichen Schule. Dies bezeugt unter anderem der schnelle Zuwachs an Schülerinnen in kurzer Zeit. Im Schuljahr 1947/48 hatte die Schule 342 im Schuljahr 1953/54 waren es 1544 Schülerinnen. Für den Beginn der Unterrichtszeit am Realgymnasium wurden sieben Räume notdürftig hergerichtet. Im Schuljahr 1948/49 investierte die Schule für die Einrichtung und Lehrmittel weit mehr als 30.000 DM (etwa Euro). Dies war in diesen Jahren eine unwahrscheinlich hohe Summe. Dadurch konnten aber bis März 1949 zwölf Klassenräume instand gesetzt werden, sodass die Schule einen eigenen Physiksaal, einen Zeichensaal und einen Musiksaal als eigenständige Räume vorweisen konnte. Neben dem Inventar wurde aber auch schon an der Schulgemeinschaft und deren Verantwortungsbewusstsein gearbeitet. 1949 wurde deshalb zeitgleich zu den Renovierungen eine Schülermitverwaltung (SMV) eingerichtet. Diese übernahm dann die Organisation der Schulspeisung. Bei der Renovierung wurde von Anbeginn an auf eine hochmoderne Einrichtung Wert gelegt. So konnten die Räume verdunkelt werden oder es gab zum Beispiel ein Bildwerfergerät. Der Träger versuchte aber nicht nur gymnasial befähigte Mädchen zu fördern und diese mit den neuesten Gerätschaften zu unterrichten, sondern beschloss 1949, eine Mittelschule zu eröffnen. Die Elternschaft drängte darauf, dass die Schule möglichst zeitgleich eine Volksschule eröffnete, und da der Träger dies als logische Schlussfolgerung ansah, wurde bei der Regierung der Antrag auf Genehmigung gestellt. Nachdem hierfür die Genehmigung erteilt wurde, eröffnete im Herbst 1949 sowohl die Mittel- als auch die Volksschule. Die Mütter der jüngsten Kinder übernahmen in verschiedenen Bereichen Aufgaben, und so konnte durch die Mithilfe der Elternschaft eine Schulfamilie entstehen. Die Mütter waren aber nicht nur in den Pausen als Aufsicht auf dem Gelände, sondern brachten sich zum Beispiel bei Wanderungen als Aufsicht mit ein. Auch bei Klassenelternabenden, der Weihnachtsfeier oder dem Schuljahresabschlussfest wurde die Schulfamilie deutlich herausgestellt. Durch vielfältige Mithilfe der Elternschaft und des 1949 erstmals gewählten Elternbeirates konnte die Schule bis zum Abschlussjahr 1953 als renoviert gelten. Die Schule hatte für alle Fächer eigene Räume oder spezielle Fachräume. In den abschließenden Reifeprüfungen wurden durch den zuständigen Kommissar 1953 die besten Schülerinnen zu einer Begabtenförderung gemeldet und bekamen nach einer zusätzlichen Prüfung alle einen Studentenplatz an der Universität Erlangen.

Die Weiterentwicklung in den folgenden Jahren Die Schulleitung wollte keinen Stillstand, und so entstanden vielfältige Projekte, die weitreichende Folgen für die ganze Schule besaßen. So wurde zwar bereits im Schuljahr 1949 eine Schulbücherei eröffnet, diese war aber in erster Linie für Schülerinnen gedacht, die sich die teuren Schulbücher nicht leisten konnten. Durch eine stetige Weiterentwicklung konnte die Schulbücherei weiter ausgebaut werden, und im Jahre 1954 konnte man erstmals als Schülerin der Oberstufe englische Literatur entleihen. Die Bücherei umfasste 1956 bereits 15.000 Bände und wurde bis auf den heutigen Tag aktualisiert. Auch ein Ausbau der selbigen wurde vorangetrieben, sodass die Schule im Jahr 2015 einen Bücherbestand von über 30.000 Büchern aufweisen kann, die allen Schülern zur Ausleihe zur Verfügung stehen.

Der Schulleitung war aber bewusst, dass allein Organe wie die Schülermitverwaltung, eine 1950 gegründete Schülerzeitung mit dem Namen Trichter oder ein Schüleraustausch keinen dauerhaften Erfolg erbringen können. Darum wurde im Februar 1956 der bis heute bestehende Förderverein „Freunde der Wilhelm-Löhe-Schule e. V.“ gegründet.