mini|St. Matthäi von Nordwest mini|St. Matthäi (um 1630) mini|St. Matthäi (1753) Die Kirche St. Matthäi zu Leisnig ist die evangelisch-lutherische Stadtkirche von Leisnig. Der Turm ist ca. 63,5 m hoch.
Geschichte Anfangszeit bis 1215 Die Kirche südlich der heutigen Burg Leisnig war die Kirche der Burgwarde Leisnig, Polkenberg und Colditz, der Sprengel umfasste etwa 60 Dörfer.Schlesinger (1983), Band 1, Kap. 5. Bönhoff (1908), S. 37 ff. Der Burgward Leisnig wechselte mehrfach den Besitzer (vor 1046 Ekkehardinger, 1046 Kaiserin Agnes, 1084 Wiprecht), kam aber 1158 wieder ans Reich. Die Kirche wurde zur Königskirche, was aus der notwendigen kaiserlichen Zustimmung bei der Übertragung an das Kloster Buch folgt.Originalurkunde Sächsisches Hauptstaatsarchiv (SHStA) Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 101. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 1. Der Zeitpunkt der Entstehung und Ausstattung der Kirche ist unbekannt. Um 1190 umfasste jedenfalls der Sprengel die Burggrafschaft Leisnig und den östlichen Teil der Herrschaft Colditz.
1192 erfolgte zwischen Kaiser Heinrich VI. und dem Burggraf Heinrich von Leisnig ein Tausch der Parochie Leisnig gegen eine Eigenkirche des Burggrafen. Dem Kloster Buch wurde die Parochie bei Freiwerden zugesprochen. Zu dieser Zeit war Otto von Lobdeburg der Inhaber der Pfarre. Mit seiner Wahl zum Bischof von Würzburg (1207) hätte er diese Pfarrstelle aufgeben müssen. 1214 war jedoch Dietrich, Propst des Domkapitels Meißen, der Besitzer der Parochie. Bönhoff (1908) sah in diesem Dietrich den ehemaligen Meißner Bischof Dietrich von Kittlitz. Eher zu vermuten ist der 1214 genannte maior praepositus. Dieser hatte sich als Inhaber der Parochie (parrochianus eiusdem) Teile der Ausstattung reserviert. Das Bistum hatte also nach dem Freiwerden 1207 die Parochie einbehalten. Diese reservierten Teile sollten nun dem Pfarrer selbst gehören (und nicht dem Kloster). 1214 gehörten zur Kirche in Leisnig die Martinskapelle auf der Burg, die ecclesia St. Pankratii (in Tragnitz), die Nikolaikapelle in der neuen Stadt (heute Altleisnig) und die Kapellen in Sitten, Seifersdorf, Zschirla, Collmen und Polkenberg.Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 193. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 4.
Die erste Zeit unter dem Patronat des Klosters Buch 1215–1354 1215 nahm der Bischof von Meißen das Kloster Buch mit seinem Besitz unter seinen Schutz,Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 197a und 197b. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 7. darunter auch die Kirche in Leisnig. Sie ist dem Apostel und Evangelisten Matthäus geweiht, das Patrozinium wird 1217,Ecclesiam parrochialem S. Mathei in Lisnik, Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 205. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 8. 1225,plebanus S. Mathey in Liznich, Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 265. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 13. 1265Ecclesiam S. Mathei in Liznik, Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 653. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 51. und 1268Ecclesia b. Mathei foris castrum Liznic, Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 719. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 57. explizit genannt. Das Matthäus-Patrozinium ist bei alten Kirchen in Sachsen sehr selten. Die Reliquien des Heiligen wurden 1085 unter Papst Gregor VII. nach Salerno gebracht. Vor diesem Zeitpunkt ist die Gründung der Kirche weniger wahrscheinlich.
1213 bis 1215 wird als Zeuge ein Heydenricus sacerdos de Liznich genannt,Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 184, 193, 194. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 3, 4, 5. 1217 ein Heydenricus, plebanus de LisnikOriginalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 205. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 8. 1225 ein Gerbotus,Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 265. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 13. um 1260 ein Vlricus, plebanus de Liznich.Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 594. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 54.
Vor 1266 wurden die Kapellen in Zschirla und Collmen selbständig, eigene Pfarrer wurden genannt und für ihre Ausstattung gesorgt.Sifridus plebanus de Scirlin, Heinricus plebanus Khulmis, Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 594. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 54. Zeugen sind die Pfarrer von Gersdorf, Zschirla, Collmen, Leipnitz, Wendishain, Zschoppach. Der Sprengel der Matthäi-Kirche löste sich auf. 1268 stiftete in Börtewitz die Witwe des Tammo de Maruz eine Kirche.Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 719. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 57. Dabei wurde die Matthäi-Kirche entschädigt. Die Stifterin und ihre Söhne erhielten das Patronat.
1286 bestätigte Bischof Withego von Meißen eine Einigung zwischen den Pfarrern von Leisnig und Altleisnig.inter dominum Reinboldum, plebanum Ecclesiæ S. Nicolai veteris civitatis in Liznich, … , & dominum Heinricum, plebanum Ecclesiæ S. Mathei novæ civitatis ante castrum Liznich, Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 1147a. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 82. Die Kirche St. Matthäi wurde zur Kirche der neuen Stadt vor der Burg, die Nikolaikirche der alten Stadt Leisnig erhielt zum Ausgleich die zur Matthäi-Kirche gehörenden Dörfer nördlich der Mulde (Börtewitz und Naundorf). Dabei wurden auch Anweisungen getroffen für den Fall, dass die Verlegung der Stadt rückgängig gemacht würde. Eine päpstliche Ablassurkunde von 1286Christian Gottlieb Schwarz: Mantissa diplomatum comitum Leisnicensium. In Johann Burchard Mencke: Scriptores rerum Germanicarum praecipue Saxonicarum. Leipzig 1730, Band 3, Sp. 1095, Nr. LXXVIII.: deutlich fabrica. und eine weitere von 1289Kamprad (1753), S. 175. lassen auf bauliche Aktivitäten schließen, die unteren Geschosse des Turmes könnten in dieser Zeit entstanden sein.
1306 wurde der Pfarrer von Leisnig erstmals vom Bischof von Meißen als archipresbiter, also Erzpriester, Inhaber einer sedes, bezeichnet.Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 1781. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 130. Zu diesem Erzpriesterstuhl gehörten Altleisnig, Bockelwitz, Dürrweitzschen, Gersdorf, Hartha, Leipnitz, Reinsdorf, Schönerstädt, Sitten, Tragnitz und Wendishain. 1308 stiftete der Pfarrer Heinrich von Leisnig 20 Mark reinen Silbers für eine tägliche Frühmesse in der Kirche St. Matthäi, unterstützt von den provisores der Kirche, dem Burggrafen und anderen guten Menschen, mit Zustimmung des Abtes von Buch als Patronatsherren.Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 1835. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 135. Von dem Stiftungsgeld wurden zum Unterhalt eines Kaplans Einnahmen in Gorschmitz und Doberquitz gekauft. In Urkunden bis 1356 tritt mehrfach ein Pfarrer Heinrich als Zeuge auf, von 1359 bis 1371 ein Pfarrer Johannes.
1354 inkorporierte Bischof Johannes von Meißen dem Kloster Buch die Parochie Leisnig.Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 3383. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 177. Damit hatte der Abt das Recht, auch einen Priester-Mönch seines Klosters als Pfarrer in Leisnig einzusetzen. Dieser musste dem zuständigen Archidiakon von Wurzen präsentiert werden und er unterstand während seiner Amtszeit ebendiesem Archidiakon mit allen Pflichten eines Pfarrers.
Die Zeit der Inkorporation 1354–1520 1363 stifteten Siegfried von Börtewitz und sein Sohn 8 Groschen jährlichen Zins für die Besserung der Stillinskerze vor dem St. Matthäus-Altar, übertragen von Burggraf Heinrich von Leisnig. 1366 erfolgte eine Verschreibung Markgraf Wilhelms für Kirche und Brücke in Leisnig. Die Kirche war von jeher im Besitz des Geleites der Brücke in Fischendorf, also auch für ihre Erhaltung zuständig. 1371 einigten sich Bürgermeister und Rat von Leisnig mit dem Pfarrer von Leisnig (Johannes von Wyczen) und dem Abt von Kloster Buch über die neu gestiftete ewige Messe am Kreuzaltar.Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 3988. 1373 bestätigten die Markgrafen Friedrich, Balthasar und Wilhelm einen Kauf von Zinsen in Doberquitz durch den Rat der Stadt Leisnig von Nicol von Staupitz für den Kreuzaltar.Druck bei Kamprad (1753), S. 180.
1379 erhielt das Kloster Buch von Kardinal Pileus, Legat des Papstes in Deutschland, eine Bestätigung der Inkorporation der Kirchen Leisnig und Belgern,Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 4285. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 204. die wohl Bischof Nikolaus von Meißen verweigert hatte, die Gründe bleiben ungenannt. 1388 befahl Papst Urban VI. dem Bischof von Meißen die Inkorporation,Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 4623. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 214. was dann auch der Bischof befolgte.Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 4651. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 217.
1388 sah sich der Pfarrer Frowinus genötigt, der Kirche gehörende Äcker vor dem Obertor Leisnig als Erblehen zu vergeben, da sie durch den Verkehr zu sehr beeinträchtigt wurden.Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 4627. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 215. Es wurden verschiedene Bürger von Leisnig genannt, an deren Äcker die Kirchenäcker angrenzten (Gunther Faber, Melchior Hannus, Nicolaus Ruffus). Auf einem Teil der Äcker durften Häuser gebaut werden. Später erfolgte wohl eine Umwandlung in Gärten. Auf dem Stadtplan von Kamprad (1753) werden 119 Pfarrgärten genannt, gelegen zwischen Obertor und Friedhof.
1395 wurde dem Abt von Kloster Buch bestätigt, dass er die Annaten für frater Nicolai, plebanus in Lysenik gezahlt hat,Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 191/3. Acht ungarische florenos als Einnahmen für ein halbes Jahr. es war also ein Mönch des Klosters als Pfarrer eingesetzt worden.
1397 bestätigte Bischof Johannes von Meißen den Altar der zehntausend Ritter und elftausend Jungfrauen, zugleich corporis Christi, in der Pfarrkirche zu Leisnig.Christian Gottlieb Schwarz: Mantissa diplomatum comitum Leisnicensium. In Johann Burchard Mencke: Scriptores rerum Germanicarum praecipue Saxonicarum. Leipzig 1730, Band 3, Sp. 1096–1097, Nr. LXXIX. Druck bei Kamprad S. 180–182. Stifter waren Johannes Bunzel und Johannes Nuendorf, Bürger von Leisnig, denen die Kollatur dieses Altares übertragen wurde. 1405 schenkte Markgraf Wilhelm den ehemaligen Wirtschaftshof des Burggrafen in der Nähe der Kirche seinem Geheimsekretär Nebelthau, nach dessen Tode ging der Besitz an die Kirche über als Wohnung der Pfarrer.
1419 fand ein Prozess vor der römischen Kurie um die Besetzung der Parochie Leisnig statt.Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 5806. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 235. Geklagt hatte Johannis de Jockerim gegen frater Benedictus, den der Abt des Klosters als zuständiger Patronatsherr eingesetzt hatte. Von wem dieser Johannes die Zuweisung hatte und von wem er eingesetzt worden war, bleibt ungenannt. Nach mehreren Verhandlungen wurde die Klage abgewiesen. Johannes von Jockrim hatte die Gebühren für die Verhandlungen von 20 Gulden zu zahlen.