mini|Ehemaliges Kanzleigebäude der israelischen Botschaft, Simrockallee 2 (2014) mini|Ehemalige Residenz der Botschaft, Fasanenstraße 30 (2014) Die Botschaft des Staates Israel in der Bundesrepublik Deutschland hatte von 1966 bis 1999 ihren Sitz im Bonner Stadtbezirk Bad Godesberg, mit einer Außenstelle bis 2000. Das ehemalige Kanzleigebäude der Botschaft, errichtet 1973/74, liegt im Ortsteil Plittersdorf an der Simrockallee (Hausnummer 2) Ecke Ubierstraße. Es wurde 2003 umgebaut und wird heute als Bürogebäude vermietet.
Geschichte Vor der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel am 12. Mai 1965Tobias C. Bringmann: Handbuch der Diplomatie, 1815–1963: Auswärtige Missionschefs in Deutschland und Deutsche Missionschefs Im Ausland Von Metternich Bis Adenauer, Walter de Gruyter, 2001, ISBN 978-3-11-095684-9, S. XIX. war die einzige Vertretung des Staates in der Bundesrepublik die Israel-Mission (1953–1966) in Köln, eine dem israelischen Finanzministerium unterstellte „Handelsmission“ zur Abwicklung von deutschen Wiedergutmachungsleistungen nach dem Luxemburger Abkommen (1952). Der Leiter der Mission, Felix Elieser Shinnar, versah sein Amt im Rang eines Botschafters. Nach langwierigen Verhandlungen mit der Bundesrepublik konnte die Mission auch eine dem israelischen Außenministerium unterstellte Konsularabteilung führen.
mini|Kanzleigebäude der Botschaft von 1966 bis 1974, Ubierstraße 78 (2014) Nach der Aufnahme diplomatischer Beziehungen eröffnete Israel im August 1965 eine Botschaft am Regierungssitz Bonn; der erste israelische Botschafter wurde am 24. August akkreditiert.Monika Grübel, Georg Mölich (Hrsg.): Jüdisches Leben im Rheinland: vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Böhlau Verlag, 2005, S. 311. Die Kanzlei der Botschaft wurde zunächst in der Liegenschaft der Israel-Mission im Kölner Stadtteil Ehrenfeld (Subbelrather Straße 15) eingerichtet. 1966 zog sie nach Bad Godesberg, den räumlichen Schwerpunkt der diplomatischen Vertretungen, in ein Bürogebäude im Ortsteil Godesberg-Villenviertel (Ubierstraße 78; später Botschaft von Portugal) um. Als Residenz der Botschaft, Wohnsitz des Botschafters, diente ein Haus in dem zum Ortsteil Gronau im Parlaments- und Regierungsviertel gehörenden Johanniterviertel (Zitelmannstraße 7).Auswärtiges Amt (Hrsg.): Liste des diplomatischen Korps in Bonn (Stand: Juni 1966)Wenn ich Deutscher wäre ... SPIEGEL-Reporter Hermann Schreiber über Ben-Gurion in Bonn, Der Spiegel, 1. Mai 1967 Die Konsularabteilung der Botschaft war zunächst außerhalb des Kanzleigebäudes im Ortsteil Godesberg-Villenviertel beheimatet (Rheinallee 58; später Botschaft von Ghana).
Als sich die israelische Regierung auf eine längere Präsenz am Regierungssitz Bonn einzustellen begann, plante sie den Neubau der Botschaftskanzlei in Bad Godesberg (Simrockallee 2). Er wurde im Frühjahr 1974 fertiggestelltAuswärtiges Amt (Hrsg.): Liste des diplomatischen Korps in Bonn (Stand: April 1974) und ähnelte in Aufbau und Struktur dem zeitgleich errichteten Gebäude der Ständigen Vertretung der DDR.Angelika Schyma: Die Häuser der Landesvertretungen in Bonn. In: Kerstin Wittmann-Englert, René Hartmann (Hrsg.): Bauten der Länder. Die Landesvertretungen in Bonn, Berlin und Brüssel, Lindenberg im Allgäu 2013, S. 36. Die israelische Botschaft an der Simrockallee galt als die bestbewachte diplomatische Vertretung in Bonn. Im Falle von Bombendrohungen gegen die Botschaft wurde das gesamte Viertel, meist im Bereich zwischen Denglerstraße und Plittersdorfer Straße, teilweise tagelang abgesperrt.Michael Wenzel: Kleine Geschichte(n) Bad Godesberger Botschaften, Bonn, 2. Auflage 2011, S. 27/28. 1978 wurde die Botschafterresidenz, angeblich aufgrund von Sicherheitserfordernissen, in ein zu diesem Zweck von Israel erworbenes Eckhaus im Ortsteil Rüngsdorf (Fasanenstraße 30) verlegt.Hilda Ortiz Lunscken (Hrsg.); Hilda Ortiz Lunscken, Ingeborg Fischer-Dieskau (Fotos: Martin Krockauer): Pour Memoire. To Remind. Zur Erinnerung – Botschafterresidenzen am Rhein.
Im Zuge der Verlegung des Regierungssitzes nach Berlin zog die israelische Botschaft im August 1999 dorthin provisorisch in das vormalige israelische Generalkonsulat um.Israelische Botschaft vorerst in den alten Räumen in Wilmersdorf, Der Tagesspiegel, 7. August 1999Israels Botschaft nimmt Arbeit in Berlin auf, Süddeutsche Zeitung, 7. August 1999 In Bonn wurde zunächst eine Außenstelle der Botschaft im ehemaligen Kanzleigebäude belassen, die bereits Anfang Dezember 2000 mit Bezug des neuen israelischen Botschaftsgebäudes in Berlin geschlossen wurde.Die letzten Mitarbeiter der israelischen Botschaft ziehen um, General-Anzeiger, 5. Dezember 2000 Im Mai 2003 erwarb ein Dienstleistungsunternehmen aus Sankt Augustin die Immobilie und ließ sie bis Ende 2003 unter Beseitigung ihres vormaligen festigungsartigen Charakters bei Kosten von 1 bis 1,5 Millionen Euro zu einem regulären Bürogebäude umbauen, in das auch zwei Wohnungen integriert sind. Sie wird als „M-C-Center (Management & Consulting)“ vermarktet und unter anderem an Anwälte und Unternehmensberater vermietet.Verkaufsschlager und Ladenhüter, Kölner Stadt-Anzeiger, 19. November 2005Exterritoriales Gebiet, Berliner Zeitung, 21. Juli 2010
Gebäude Das ehemalige Kanzleigebäude der israelischen Botschaft ist viergeschossig mit einem jeweils um eine Achse reduzierten Staffelgeschoss und besitzt eine Gesamtfläche von 1.800 m². Zu dem Gebäude gehören eine Tiefgarage mit 28 Stellplätzen sowie acht oberirdische Stellplätze. Das Staffelgeschoss beherbergte früher den israelischen Geheimdienst, heute zwei Wohnungen. Das Botschaftsgebäude war durch eine etwa zwei Meter hohe Betonmauer gesichert, die zur Erinnerung an seine frühere Nutzung an der Ubierstraße in – bis auf ein Randstück – reduzierter Höhe erhalten wurde.
Siehe auch Liste der diplomatischen Vertretungen in Bonn (→ Eintrag) Liste der israelischen Botschafter in Deutschland
Literatur Hilda Ortiz Lunscken (Hrsg.); Hilda Ortiz Lunscken, Ingeborg Fischer-Dieskau (Fotos: Martin Krockauer): Pour Memoire. To Remind. Zur Erinnerung – Botschafterresidenzen am Rhein. Ortiz-Lunscken Publishers, Bonn 1999, ISBN 3-9806801-0-X, S. 56/57. [mit Fotos der ehemaligen Botschafterresidenz]
Weblinks
Eintrag beim Weg der Demokratie
Einzelnachweise
Israel Kategorie:Kanzlei einer Botschaft Kategorie:Bürogebäude in Bonn Kategorie:Erbaut in den 1970er Jahren Kategorie:Plittersdorf (Bonn) Kategorie:Gemarkung Plittersdorf Kategorie:Deutsch-israelische Beziehungen Kategorie:Organisation (Bad Godesberg) Bonn Kategorie:Behördengründung 1966 Kategorie:Aufgelöst 1999