Die Nautilus war ein Kanonenboot der kaiserlichen Marine. Sie war das zweite Schiff der Albatross-Klasse, die für den Auslandsdienst insbesondere vor der chinesischen Küste beschafft wurden. Zwei Schiffe waren als „Schrauben-Dampf-Avisos“ im Flottengründungsplan der Marine des Norddeutschen Bundes von 1867 vorgesehen. Nach einem Einsatz vor der nordspanischen Küste wurde das Kanonenboot 1876 nach Ostasien entsandt. Seit 1884 als Kreuzer klassifiziert, kehrte die Nautilus, die zuletzt vor Deutsch-Ostafrika eingesetzt wurde, 1888 von ihrem dritten Auslandseinsatz in die Heimat zurück.

Dort noch als Vermessungsschiff genutzt, wurde die Nautilus am 14. Dezember 1896 aus der Flottenliste gestrichen. Der Rumpf wurde als Kohlenhulk in Kiel verwendet und 1905 in Swinemünde abgewrackt.

Geschichte Die Nautilus lief am 31. August 1871 bei der Kaiserlichen Werft in Danzig vom Stapel. Sie war das zweite der beiden Kanonenboote der Albatross-Klasse. Ihr Schwesterschiff Albatross lief ebenfalls 1871 bei der Danziger Werft vom Stapel. Die Entscheidung für den Bau der großen Kanonenboote erging 1869 als Beschaffung zweier Schrauben-Dampf-Avisos, wobei die Albatross während des Baus als „Ersatz Crocodill“ bezeichnet wurde, während die spätere Nautilus der Ergänzungsbau „Aviso A“ war. Der Bau der beiden Schiffe verzögerte sich durch den Deutsch-Französischen KriegHildebrand u. a.: Die deutschen Kriegsschiffe. Band 1, S. 82. Die als Avisos in Auftrag gegebenen Schiffe kamen als Kanonenboote mit Holzrumpf in Kraweelbauweise in den Dienst der Flotte. Sie verdrängten bei voller Ausrüstung 786 t, waren 56,95 m lang und 8,32 m breit. Sie verfügten über eine Dampfmaschine für 10,5 kn Fahrt und waren als Barkentine mit 710 m² Segelfläche getakelt.Gröner: Alle deutschen Kriegsschiffe. S. 52. Bewaffnet waren sie mit zwei kurzen 15-cm-Ringkanonen sowie zwei 12-cm-Ringkanonen.

Die Probefahrten der Nautilus begannen am 15. November 1872 und wurden am 12. Dezember abgeschlossen.

Erste Einsätze Die erste Indienststellung erfolgte am 4. Juni 1873. Der zum Kanonenboot umklassifizierte Neubau diente als Aviso beim Übungsgeschwader. Vom 8. Juli bis zum 15. August machte die Nautilus ihre erste Auslandsreise mit dem aus den Korvetten Hertha, Arcona, Vineta und Ariadne bestehenden Geschwader, das das Deutsche Reich bei den Krönungsfeierlichkeiten Oskar II. von Schweden und Norwegen in Trondheim und Christiania repräsentierte. Am 6. August traf in Christiania noch Kronprinz Friedrich Wilhelm als höchster Repräsentant des Reiches auf der Yacht Grille ein.Hildebrand u. a.: Die deutschen Kriegsschiffe. Band 3, S. 71. Nach Abschluss der Manöverphase des Übungsgeschwaders wurde die Nautilus wieder außer Dienst gestellt.

Die nächste Indienststellung erfolgte am 17. März 1874 als Ausbildungsschiff für Maschinenpersonal. Zusammen mit der Arminius schleppte sie die bei der Rückkehr aus Ostasien kurz vor dem Heimathafen aufgelaufene Korvette Nymphe nahe Langeland wieder frei.Hildebrand u. a.: Die deutschen Kriegsschiffe. Band 5, S. 10.

Mitte August erhielten die Nautilus und ihr Schwesterschiff Albatross den Auftrag, wegen der in Spanien ausgebrochenen Unruhen an die Küste des Baskenlandes zu gehen, um weitere Übergriffe auf ansässige Deutsche zu verhindern. Dort war u. a. ein als Journalist tätiger ehemaliger Hauptmann von den Carlisten am 30. Juni standrechtlich erschossen worden. Die beiden Kanonenboote verließen am 8. August Kiel und trafen am 24. in Santander ein. Sie liefen dann an der Küste zur französischen Grenze. Als sie auf dem Weg von Carlisten nahe Guetaria mit Gewehrfeuer beschossen wurden, erwiderten sie dies mit ihren Kanonen. Mit regierungstreuen spanischen Einheiten und dem britischen Kanonenboot Fly versuchten die deutschen Schiffe, Waffenlieferungen (vor allem aus Frankreich) an die Aufständischen zu unterbinden. Im Oktober suchten die Kanonenboote wegen sehr schlechten Wetters Schutz in Santander, den dieser Hafen kaum bieten konnte. Als am 12. Dezember eine italienische Bark in der Hafeneinfahrt auflief, konnte deren Besatzung von der Nautilus fast vollzählig gerettet werden. Das Auswärtige Amt genehmigte jetzt den von der Marine schon lange geforderten Abzug der Kanonenboote, da bei der herrschenden Wetterlage ein sinnvoller Einsatz nicht mehr möglich war. Am 19. Dezember begann die Albatross die Heimreise, während die Nautilus am Folgetag die Weiterreise zum Río de la Plata antrat. Sie hatte von der Albatross überzähliges Ausrüstungsmaterial erhalten und ihr eine Anzahl erkrankter Besatzungsmitglieder gegen Ersatz abgegeben.Hildebrand u. a.: Die deutschen Kriegsschiffe. Band 1, S. 83.

Zeitgleich suchte am 11. Dezember eine mit Petroleum beladene Rostocker Brigg auf dem Weg von New York nach Pasaia als Nothafen Guetaria auf. Das aufgelaufene Schiff wurde, wie schon die Kanonenboote Anfang September, von Carlisten beschossen. Die Besatzung suchte bei den regierungstreuen Soldaten in der Hafenstadt Schutz. Das verlassene Schiff trieb ab und lief außerhalb der von regierungstreuen Truppen beherrschten Küstenabschnitte wieder auf. Die Aufständischen bemächtigten sich der Brigg und ihrer Ladung und verlangten von den Deutschen einen Bergelohn. Dies Verhalten erzeugte bei der Reichsregierung den Wunsch nach einer massiven Reaktion und die Idee, einen größeren Marineverband an die baskische Küste zu entsenden.Hildebrand u. a.: Die deutschen Kriegsschiffe. Band 5, S. 11. Zuerst sollten aber die Kanonenboote wieder auf die gerade verlassenen Positionen zurückkehren, die vor ihrem Abmarsch keine Kenntnis von dem Zwischenfall erhalten hatten. Die Albatross erreichte erst am 5. Januar 1875 der Befehl zur Umkehr, als sie schon Christiansand erreicht hatte. Die Nautilus hatte die Nachricht schon am 1. Januar in Funchal erhalten und war am 6. Januar schon wieder in Vigo eingetroffen, von wo sie allein nach Guetaria weiterlief. Als drittes Schiff hatte die Admiralität noch die Korvette Augusta aus Westindien an die nordspanische Küste beordert, die der Befehl am 5. Januar 1875 in Montevideo erreichte und die am 29. Januar 1875 in Santander eintraf. Dort traf am gleichen Tag auch noch die Albatross ein, deren Rückmarsch in Devonport durch eine notwendige Reparatur an Rumpf und Maschine verzögert worden war. Zwei Tage später kam auch die Nautilus nach Santander, deren Kommandant, Korvettenkapitän Otto Zembsch, schon erste Verhandlungen mit den spanischen Gruppierungen vor Ort geführt hatte. ZembschOtto Zembsch trat 1879 in den konsularischen Dienst über. gelang es in den weitergeführten Verhandlungen eine angemessene Entschädigung für die Rostocker Brigg und ihre Ladung durchzusetzen. Die spanische Regierung zahlte 20.000 $, da sie jedwedes militärische Eingreifen des Deutschen Reiches verhindern wollte. Formell wurde der Fall durch einen feierlichen Salutaustausch mit den drei deutschen Schiffen, von denen sich Augusta und Albatross für 14 Tage nach Ferrol zurückgezogen hatten, am 28. April 1875 beendet. Die deutschen Marineeinheiten zogen sich anschließend von der nordspanischen Küste zurück: die Augusta ging bis zum Jahresende wieder an die amerikanische Ostküste und die Albatross zurück in die Heimat. Die Nautilus verlegte nach Gibraltar, um die weitere Entwicklung abzuwarten. Sie wurde in Cadiz in Stand gesetzt und besuchte etliche marokkanische Häfen. Mitte Oktober 1875 traf sie wieder in Santander ein, um den Schlusskampf der Aufständischen im Baskenland zu beobachten und ggf. bei Angriffen auf Deutsche sofort eingreifen zu können. Der Kommandant wurde in Santander durch Korvettenkapitän Sattig ersetzt. Nach der Niederschlagung des Aufstandes kehrte auch die Nautilus ab dem 3. März nach Kiel zurück. Dort übernahm der spätere Admiral Victor Valois das Schiff, der vor der Ausreise nach Ostasien noch zwei 4-cm-Ballongeschütze aufstellen ließ.

Drei mehrjährige Auslandseinsätze Ostasien 1876–1878 Am 5. April 1876 trat die Nautilus die Ausreise nach Ostasien an. Am 19. April erreichte sie in Port Said der Befehl, wegen der drohenden Kriegsgefahr auf dem Balkan als zweiter Stationär neben dem Kanonenboot Meteor nach Konstantinopel zu gehen. Von dieser Aufgabe wurde die Nautilus entbunden, als das deutsche Panzergeschwader (siehe Kaiser) in der Ägäis und das Kanonenboot Comet in Konstantinopel eingetroffen waren.

Am 25. Juli setzte die Nautilus ihre Ausreise nach Ostasien fort und erreichte am 11. September in Singapur den Stationsbereich. Sie arbeitete in den folgenden Monaten mit dem Stationsbefehlshaber Alexander von Monts auf der Vineta zusammen. Im Zusammenhang mit der Suche nach einem geeigneten Stützpunkt führte das Kanonenboot auch Vermessungen an der chinesischen Küste und vorgelagerten Inseln durch. Mitte April 1877 verlegte das Schiff nach Nagasaki, um notwendige Reparaturen durchführen zu lassen. Erst am 24. September konnte die Nautilus die Werft wieder verlassen. Nur acht Tage später geriet sie vor Yokohama in einen Taifun, in dem sie mit einem britischen Dampfer kollidierte und erhebliche Schäden erlitt. Am 18. Januar 1878 erreichte der Heimreisebefehl das Kanonenboot in Swatau.

Als das Kanonenboot am 16. März Port Said erreichte, lag der Befehl vor, erst zur palästinischen Küste zu gehen, um dort Christen Unterstützung zu geben. Erst im Juli war die Fortsetzung der Heimreise möglich und am 7. September 1878 wurde das Schiff außer Dienst gestellt, um in Kiel grundüberholt zu werden. Die Ballonkanonen kamen wieder von Bord und wurden durch zwei 3,7-cm-Revolverkanonen ersetzt. Dazu erhielt das Schiff eine neue Kesselanlage.

Australien und Südsee 1879–1881 Schon am 20. Mai 1879 kam die Nautilus wieder in den Dienst und lief am 17. Juni zur Ablösung des Schwesterschiffes Albatross nach Australien. Der Kommandant Jeschke erlitt im Sueskanal einen Hitzschlag und verstarb; unter dem I. Offizier setzte das Kanonenboot seine Ausreise fort, wartete dann aber vom 5. bis 16. September auf das Eintreffen des neuen Kommandanten Chüden. Nach dessen Eintreffen wurde die Reise fortgeführt und man erreichte am 3. November Sydney, wo die Albatross bereits eingetroffen war. Die Besatzungen der beiden Kanonenboote wurden vom örtlichen Geschäftsträger des Deutschen Reiches zum Aufbau der Deutschen Abteilung auf der Weltausstellung in Melbourne herangezogen.Hildebrand u. a.: Die deutschen Kriegsschiffe. Band 5, S. 12.

Am 15. November konnte die Nautilus ihre Ausreise fortsetzen und erreichte 11. Dezember 1879 Apia. Dort bestimmte seit dem 1. November der neue Generalkonsul Kapitän zur See Niembsch das deutsche Vorgehen. Der ehemalige Kommandant der Nautilus hatte dort nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst der Marine seinen ersten Auslandsposten im diplomatischen Dienst angetreten. Dienstältester aktiver Offizier auf der Station war zu diesem Zeitpunkt der Kommandant der Fregatte Bismarck, Korvettenkapitän Karl August Deinhard. Nach der Beruhigung der Einheimischen durch die Einsetzung eines neuen Königs blieb die Nautilus als einziges Schiff auf der Südsee-Station zurück. Auf dem Weg zu einem Besuch Neuseelands besuchte die Nautilus die Tonga-Inseln und versuchte, bessere Bedingungen für deutsche Kaufleute in dem Inselreich zu erwirken. Während des Aufenthalts des Kanonenboots von über drei Wochen in Auckland auf der Nordinsel Neuseelands verstarb dort der auf einem Besuch weilende Kronprinz der Tonga-Inseln. Der Kommandant der Nautilus überführte Ende Mai 1880 die Leiche des Kronprinzen Tongas in seine Heimat. Diese Handlung der Deutschen verbesserte ihre Situation und die Handlungsmöglichkeiten schlagartig.

mini|Die Habicht, 1881 Ablösung der Nautilus in der Südsee