Der Bahnhof Nossen ist eine Betriebsstelle der Bahnstrecke Borsdorf–Coswig und der hier beginnenden Bahnstrecken nach Riesa und nach Moldava v Krušných horách auf dem Gemeindegebiet der Stadt Nossen in Sachsen. Der Bahnhof war ferner Endpunkt der ehemaligen Schmalspurbahn aus Freital-Potschappel. Als Betriebsmittelpunkt der sogenannten „Zweiten Leipzig-Dresdner Eisenbahn“ besitzt der Bahnhof umfangreiche Gleisanlagen für den Personen- und Güterverkehr. Der Bahnhof gehört seit 2016 der „Nossen-Riesaer-Eisenbahn-Compagnie GmbH“ und dient selbiger zur Abwicklung des Güterverkehrs, wie der Bedienung des Tanklagers Rhäsas und der Wartung und Zusammenstellung von Fahrzeugen.

Geschichte mini|links|Bahnsteige des Bahnhofes Blickrichtung Döbeln mini|Bahnsteige des Bahnhofes Blickrichtung Meißen Als der Bahnhof Nossen 1868 entstand, waren die Gleisanlagen recht einfach gehalten. Das erste Empfangsgebäude war als einstöckiger Holzbau ausgeführt. Erst mit der Eröffnung der Zellwaldbahn wurden die Gleisanlagen umfangreich erweitert und das Empfangsgebäude 1873 durch einen repräsentativeren Bau ersetzt. Damit besaß der Bahnhof mit der direkten Verbindung nach Most internationalen Anschluss. Noch einmal vergrößert wurden die Bahnanlagen durch die Einbindung der Bahnstrecke Riesa–Nossen um 1880.

1886 erfuhr das Bahnhofsgebäude verschiedene Erweiterungen.Fotografie des Bahnhofes Nossen auf einer nicht datierten Fotografie, auf www.sachsenschiene.net Das Bahnhofsareal lag zwischen der Freiberger Mulde und der Straße von Nossen nach Döbeln und bestand aus 9 Haupt- und 15 Nebengleisen. Dazu gehörte noch ein Gleis, auf dem der Hilfszug stand sowie ein Schlackegleis. Vier Bahnsteige nahmen den umfangreichen Personenverkehr auf, wobei der Bahnsteig 1 für die Zellwaldbahn, die Bahnsteige 2 und 3 für die Zweite Leipzig-Dresdner Eisenbahn mit Kreuzungsmöglichkeiten und der Bahnsteig 4 für die Bahnstrecke Riesa–Nossen vorgesehen waren. Die Lokbehandlungsanlagen lagen nordwestlich der Gleisanlagen an der Straßenbrücke nach Döbeln. Nördlich der Gleisanlagen befand sich eine Ladestraße für den Güterverkehr. Zu dem Empfangsgebäude wurde ein Güterschuppen sowie eine Kopf- und Seitenladerampe eröffnet. Als 1899 die Schmalspurbahn Freital-Potschappel–Nossen in Betrieb ging, wurden deren Gleise südlich des Empfangsgebäudes am Bahnhofsvorplatz untergebracht. Die Schmalspuranlagen bestanden aus einem Bahnsteig, Lokschuppen, Sozialgebäude, Umlademöglichkeit mit einem Ladekran und einer Umladerampe für Schmalspurfahrzeuge auf Normalspurfahrzeuge sowie einer Rollwagengrube. Die Schmalspurgleise waren so angelegt, dass sich die beiden Spurweiten nicht kreuzten, die Normalspurgleise kamen von Osten, die Schmalspurgleise von Westen an die Übergabestellen.Gleisplan des Bahnhofes Nossen mit der Schmalspuranlage auf www.sachsenschiene.netLudger Kenning: Schmalspurbahnen um Mügeln und Wilsdruff. Verlag Kenning, Nordhorn 2000, ISBN 3-933613-29-9, Seiten 149 und 150 Flächenmäßig hatte der Bahnhof Nossen seine größte Ausdehnung erreicht.

1900 kam es zum Umbau der regelspurigen Gleisanlagen mit dem Einbau einiger Weichen und Verlängerung der Durchgangsgleise. Die Straße nach Döbeln, die ursprünglich einen niveaugleichen Bahnübergang hatte, wurde weiter westlich verlegt und mit einer Brücke über die Gleise geführt.Autorenkollektiv: Die Hauptbahn Borsdorf–Coswig, Wilsdruffer Bahnbücher, Seite 107 Die beiden heute (2019) noch vorhandenen und funktionstüchtigen Stellwerke stammen aus den Jahren 1894 (Stw 2) und 1907 (Stw 1).Bahnhofsdaten auf www.sachsenschiene.net Es wurde ein Anschlussgleis zu einer Papierfabrik gebaut. Zur damaligen Zeit wurden die Bahnsteigunterführungen angelegt. Die vollständige Länge des kompletten Bahnhofes betrug etwa 200 Meter. Anfang der 1920er Jahre wurden die Beamtenwohnhäuser neben dem Bahnhof errichtet. An der Straße nach Rhäsa und Waldheim entstanden Eisenbahnerwohnsiedlungen, denn etwa ein Drittel der Bevölkerung arbeitete direkt oder indirekt bei der Bahn.

Statistische Angaben von 1935 nennen 181.056 Reisende, die mit der Bahn befördert wurden, außerdem kamen

zum Versand aus Nossen 12.536 t Wagenladungen, 1.616 t Frachtgut, 1.133 t Milch und 83 t Eilgut.

Empfangen wurden 50.358 t Wagenladungen, 2.083 t Frachtgut, 127 t Eilgut und 86 t Milch.

Beim Dienstgut betrug der Versand aus Nossen 3.946 t Wagenladungen, 294 t Frachtgut und 60 t Eilgut.

Nach Nossen kamen als Dienstgut 15.065 t Wagenladungen, 226 t Frachtgut und 108 t Eilgut.Autorenkollektiv: Die Hauptbahn Borsdorf-Coswig, Wilsdruffer Bahnbücher, Seite 110

mini|links|Gleisanlagen des Bahnhofes, 2015 von der Straße nach Döbeln aus gesehen Nach 1945 kam es zur Reduzierung der Gleisanlagen durch den Abbau des zweiten Streckengleises auf der Bahnstrecke Borsdorf–Coswig. Zu weiteren Einschnitten im Bahnhofsbereich kam es 1972, als die Schmalspurbahn Freital-Potschappel–Nossen stillgelegt wurde. Nach Beendigung des Restbetriebes zu dem Lederfaserwerk Siebenlehn wurden die Gleisanlagen ab 1974 abgebaut, die Hochbauten der Schmalspurbahn jedoch stehengelassen. Die Gleisanlagen der Normalspur blieben im Wesentlichen erhalten.Gleisplan des Bahnhofes Nossen nach dem Abbau der Schmalspurbahn auf www.sachsenschiene.net Am 24. September 1977 wurde der Personenzugbetrieb auf der Zellwaldbahn beendet. 1997 wurde der Güterverkehr auf dieser Strecke von Nossen aus eingestellt. Seit 1998 gab es auf der Bahnstrecke Riesa–Nossen keinen Personenverkehr mehr. Jedoch fahren auf dieser Strecke bis heute Güterzüge zum Tanklager Rhäsa. Die Bahnstrecke Borsdorf–Coswig war bis Dezember 2015 die einzige Strecke mit regelmäßigem Personenverkehr, die den Bahnhof berührt, zuletzt im Zweistundentakt. Am 12. Dezember 2015 endete mit dem letzten fahrplanmäßigen Zug der RB-Linie 110 auf dem Abschnitt Meißen-Triebischtal–Döbeln der Zugverkehr im Nahverkehr am Bahnhof Nossen. Als Grund wurden über Jahre sinkende Zahlen von zuletzt maximal 200 Fahrgästen pro Tag genannt, die ein wirtschaftliches Betreiben des Streckenabschnitts unmöglich machten. Seit 2018 wird eine Reaktivierung des Abschnitts für den Schienenpersonennahverkehr anvisiert, welcher jedoch bisher nicht konkretisiert wurde und auch durch die technischen Einrichtungen und Infrastrukturwechsel erschwert ist. Der Streckenabschnitt wurde inklusive des Bahnhofs Nossen am 16. April 2016 nach mehrmaliger Verzögerung von der DB Netz an die Nossen-Riesaer Eisenbahn-Compagnie GmbH (NRE) als Eisenbahninfrastrukturunternehmen übergeben. Das Unternehmen war vorher bereits Pächter der Strecke Nossen–Riesa mit dem Anschluss zum Tanklager Neubodenbach.

Es sind fast alle Normalspurgleise nördlich des Empfangsgebäudes bis zum Gleis 12 erhalten. Sie werden für die Zufahrt zum Lokschuppen benötigt. Lediglich das ehemalige Bahnhofsgleis der Zellwaldbahn und dessen Umfahrgleis sind heute (2019) nicht mehr befahrbar. Auf dem Bahnhofsvorplatz wurde eine Bushaltestelle eingerichtet. Das Gleis zur Papierfabrik sowie die Gleise 25 und 26 zum Güterschuppen wurden abgebaut, das Empfangsgebäude ist geschlossen. Der Betrieb wird mit klassischer Stellwerkstechnik und Formsignalen abgewickelt. Zum gegenwärtigen Stand (2015) sind viele Hochbauten aus der Schmalspurzeit erhalten.

Bilder der 2015 noch vorhandenen Schmalspuranlagen

Bahnsteige mini|Bahnsteigdach des Inselbahnsteiges Der Inselbahnsteig und der Hausbahnsteig sind noch vorhanden. Beide sind seit 1909 durch einen Tunnel miteinander verbunden.

Verkehr mini|links|Empfangsgebäude des Bahnhofes mit zwei Triebwagen der Reihe 642 Anfangs entwickelte sich der Betrieb auf der Bahnstrecke Borsdorf–Coswig recht mäßig; aus der Anfangszeit liegen keine Angaben über Kursbücher vor. Etwas stärker gestaltete sich der Verkehr auf der Zellwaldbahn. Hier bestand über Freiberg hinaus Anschluss nach Böhmen, was einen regen Güterverkehr mit sich brachte.

Aus dem Jahr 1874/1875 zeigt das Kursbuch vier Zugpaare auf dieser Strecke.Kursbuch 1874/1875 Nossen Freiberg auf www.sachsenschiene.net Aus dem Jahr 1876 liegen Daten über die Bahnstrecke Borsdorf–Coswig vor; damals verkehrten in beide Richtungen täglich fünf Züge.Autorenkollektiv: Die Hauptbahn Borsdorf-Coswig, Wilsdruffer Bahnbücher, Seite 16 1899 betrug der Verkehr auf der Bahnstrecke Riesa–Nossen laut Kursbuch fünf Zugpaare täglich.Reiner Scheffler, Peter Wunderwald: Die Bahnlinie Riesa-Nossen-eine Zeitreise durch die 125jährige Geschichte einer der interessantesten Eisenbahnstrecken in Mittelsachsen; Wilsdruffer Bahnbücher 2004, Seite 25 1914 waren es auf dem gesamten Abschnitt von Riesa nach Freiberg, also beiden Linien zusammen, fünf Zugpaare lt. Kursbuch.Kursbuch 1914 Riesa-Moldava auf www.sachsenschiene.net 1918 nennt das Kursbuch auf der Bahnstrecke Riesa–Nossen vier tägliche Zugpaare.Reiner Scheffler, Peter Wunderwald: Die Bahnlinie Riesa-Nossen-eine Zeitreise durch die 125jährige Geschichte einer der interessantesten Eisenbahnstrecken in Mittelsachsen; Wilsdruffer Bahnbücher 2004, Seite 32 Im Sommerfahrplan 1927 wurden auf der gesamten Linie von Riesa nach Nossen vier durchgehende Züge gemeldet, wobei in Lommatzsch zwischendurch Anschlussmöglichkeiten bestanden.Reiner Scheffler, Peter Wunderwald: Die Bahnlinie Riesa-Nossen-eine Zeitreise durch die 125jährige Geschichte einer der interessantesten Eisenbahnstrecken in Mittelsachsen; Wilsdruffer Bahnbücher 2004, Seite 34 Von der Bahnstrecke Borsdorf–Coswig liegen erst wieder 1939 Kursbuchangaben vor; hier verkehrten dreizehn Züge durch Nossen, wobei sie nicht durchgehend auf der Strecke verkehrten.Autorenkollektiv: Die Hauptbahn Borsdorf-Coswig, Wilsdruffer Bahnbücher, Seite 24 Zum gleichen Jahr verkehrten auf der Zellwaldbahn acht Paar Züge.Kursbuch 1939 Nossen-Freiberg auf www.sachsenschiene.net Nach 1945 waren die Streichung von Zugleistungen auf allen drei Strecken enorm, am meisten betraf es die Bahnstrecke Borsdorf–Coswig durch den Abbau des zweiten Gleises und die Aufnahme des Ringzug-Güterverkehrs Dresden–Leipzig über diese Strecke. Auf der Zellwaldbahn gab es durch die Schließung des Grenzübergangs Moldava praktisch keinen durchgehenden Güterverkehr mehr.

Von der Bahnstrecke Riesa–Nossen liegen Angaben des Kursbuches 1945 vor, hier verkehrten lediglich zwei Zugpaare. 1946 waren es ebenfalls zwei durchgehende Züge pro Richtung, 1947 waren es schon drei Paar durchgehende Züge.Reiner Scheffler, Peter Wunderwald: Die Bahnlinie Riesa-Nossen-eine Zeitreise durch die 125jährige Geschichte einer der interessantesten Eisenbahnstrecken in Mittelsachsen; Wilsdruffer Bahnbücher 2004, Seite 44

Von der Zellwaldbahn zeigt das Kursbuch 1950/1951 fünf paar Züge an.Kursbuch 1950/51 Nossen-Freiberg auf www.sachsenschiene.net 1965 waren es auf der Zellwaldbahn fünf Paar Züge, die das Kursbuch ausgab.Kursbuch 1965 Nossen-Freiberg auf www.sachsenschiene.net 1965 verkehrten auf der Bahnstrecke Riesa–Nossen täglich sechs Paar Züge.Reiner Scheffler, Peter Wunderwald: Die Bahnlinie Riesa-Nossen-eine Zeitreise durch die 125jährige Geschichte einer der interessantesten Eisenbahnstrecken in Mittelsachsen; Wilsdruffer Bahnbücher 2004, Seite 54 1967 zeigte das Kursbuch der Bahnstrecke Borsdorf–Coswig zehn Paar in Nossen beginnende, endende oder durchfahrende Züge.Autorenkollektiv: Die Hauptbahn Borsdorf-Coswig, Wilsdruffer Bahnbücher, Seite 40 1970 waren es auf der gleichen Linie ebenfalls zehn Paar Züge, wobei immer ein Eilzug mit dabei war, der in Nossen hielt.Autorenkollektiv: Die Hauptbahn Borsdorf-Coswig, Wilsdruffer Bahnbücher, Seite 41 Im letzten Jahr des Betriebes verkehrten auf der Zellwaldbahn noch sechs Paar Personenzüge.Kursbuch 1977 Nossen-Freiberg auf www.sachsenschiene.net 1978 verkehrten auf der Bahnstrecke Riesa–Nossen sieben Paar Züge, 1989 waren es auf dieser Linie ebenfalls sieben Paar Züge. Bis Dezember 2015 verkehrten noch auf der Bahnstrecke Borsdorf–Coswig reguläre Personenzüge, wobei der Bahnhof Nossen alle zwei Stunden angefahren wurde.