mini|Stammwappen der Haller Die Haller von Hallerstein sind eine der ältesten Patrizierfamilien der Reichsstadt Nürnberg, erstmals urkundlich erwähnt im Jahr 1205. Die Haller waren als einzige Familie ab 1314 ununterbrochen bis zum Ende der reichsstädtischen Zeit im Jahre 1806 im Inneren Rat vertreten. Sie gehörten nach dem Tanzstatut zu den zwanzig alten ratsfähigen Geschlechtern. Seit dem 15. Jahrhundert gehören sie zum Reichsadel.
Kurz vor 1500 teilte sich eine ungarisch-siebenbürgische Linie vom Nürnberger Stamm ab, die im 17. und 18. Jahrhundert eine politische Rolle in Siebenbürgen spielte. Die ungarische Linie stieg 1713 in den Grafenstand auf, die Nürnberger Linie 1790 zu Freiherren. Beide bestehen bis heute.
Geschichte
Ursprünge Die Abstammung der Haller ist nicht völlig geklärt. Es wird angenommen, dass ihre Wurzeln in Tirol, wo der Name besonders im Burggrafenamt häufig vorkommt, liegen. Familiengeschichtliche Forschungen wurden allerdings von den Angehörigen schon sehr früh unternommen, was der Nürnberger Patrizier Ulman Stromer in seinem in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts verfassten Püchel von meinem Geschlecht auch ausdrücklich erwähnte. Hans Haller legte 1488 das älteste Hallerbuch an und diesem ließ Konrad Haller 1526 ein weiteres, ausführlicheres folgen. Den Inhalt hatte er auf speziellen Reisen und nach alten Urkunden gewonnen.
Das Geschlecht erscheint zuerst mit Heinricus Hallare seit 1205 urkundlich im Gefolge der Herzöge von Andechs-Meranien, mit Ulricus Hallar, Richter zu Innsbruck, seit 1230 urkundlich im Gefolge des Grafen Albert von Tirol. Seit seiner Übersiedlung nach Franken urkundet das Geschlecht dort zuerst 1304 mit dominus Heinricus Haller de Prosperch. Ulrich Haller, seit 1297 Consul zu Nürnberg, war Vertrauter Kaiser Ludwigs des Bayern und wurde 1316 mit dem Hochgericht zu Großhabersdorf belehnt.Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band IV, Band 67 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag Limburg a. d. Lahn 1978, S. 406.
Nürnberger Hauptstamm mini|hochkant|Haller’sches Haus, Nürnberg Bereits im 14. Jahrhundert gehörte das Geschlecht zu den bedeutendsten im Nürnberger Stadtadel. Familienmitglieder saßen im Inneren Rat und gehörten damit zum regierenden Nürnberger Patriziat. Sie waren in der Stadt, aber auch außerhalb, unter anderem in Kalchreuth, reich begütert. 1360 stiftete Berthold Haller das Pilgrimspital zum Heiligen Kreuz, an dessen Pfründnerhaus mit Garten die Familie bis zur Zerstörung 1945 ein Nutzungsrecht hatte. Die Haller gewannen ihr beträchtliches Vermögen im Fernhandel mit Köln, Lyon, Bologna und Venedig, aber auch mit Österreich und Ungarn, sowie im Bergbau und durch umfangreiche Geldgeschäfte. Sie vermehrten es durch Erbschaften, die einer geschickten Heiratspolitik folgten. Mit Ruprecht I. († 1489), Martin III. († 1617) und Johann Siegmund († 1805) stellte das Geschlecht drei Vorderste Losunger und Reichsschultheiße der freien Reichsstadt.
Eine kaiserliche Wappenbesserung durch Verleihung einer goldenen Krone erlangten die Nürnberger Haller schon 1433. Eine Wappenbestätigung folgte 1463 und eine Reichsadelsbestätigung 1478 durch Kaiser Friedrich III. Eine weitere Wappenbesserung erfolgte 1521 durch Kaiser Karl V. Der Zusatz „von Hallerstein“ samt Wappenvereinigung mit dem ausgestorbenen bayerischen Uradelsgeschlecht derer von Hallerstein stammt von 1528. Der 1562 angestrebte Erwerb von Schloss Hallerstein bei Hof an der Saale kam nicht zustande.
hochkant|mini|Haller Madonna, 1498 von Albrecht Dürer; links unten das Familienwappen Wolf Haller, Sohn Jobst Hallers, heiratete 1491 Ursula Koberger, eine Tochter des Buchdruckers Anton Koberger („Schedelsche Weltchronik“); die Wappen beider Eheleute sind auf Albrecht Dürers Haller-Madonna zu sehen, die wohl als privates Andachtsbild von den Eheleuten oder (wahrscheinlicher) von Anton Koberger, Dürers Taufpaten und Nachbarn, als Geschenk für seine Tochter in Auftrag gegeben worden war; links unten ist das Hallerwappen zu sehen und rechts das Handwerkerzeichen der Koberger. Wolf Haller trat zunächst als Gehilfe und Reisender in das Geschäft seines Schwiegervaters ein, zerstritt sich aber nach einigen Jahren mit ihm und flüchtete nach Wien, wo er 1505 starb. Das berühmte Gemälde ist von Giovanni Bellini beeinflusst, den Dürer auf seiner ersten Venedig-Reise (1494–1495) kennengelernt hat und daher vermutlich in den Jahren danach entstanden. Es hängt heute in der National Gallery of Art in Washington.
Im 17. Jahrhundert zählten die Haller von Hallerstein zur Reichsritterschaft im Kanton Steigerwald des fränkischen Ritterkreises. Nach 1753 gehörten sie als Administratoren des Rietererbes für die Freie Reichsstadt Nürnberg zum Ritterkanton Altmühl. Die sogenannte Sigmundsche Linie bildete einen katholischen Zweig in der Oberpfalz aus, der 1779 erlosch und von dem evangelischen Nürnberger Zweig beerbt wurde (u. a. Kalchreuth). Die Nürnberger Haller wurden 1790 in den Reichsfreiherrenstand erhoben. 1813 wurden die Freiherren Haller von Hallerstein als solche dem bayerischen Adel immatrikuliert.
mini|Hallerschloss in Großgründlach bei Nürnberg, seit 1766 bis heute im Besitz der Freiherren Haller von Hallerstein Oberst Johann Georg Haller von Hallerstein, rettete im August 1796 die Reichskleinodien, indem er sie vor den heranrückenden Franzosen 1794 aus Nürnberg über Prag nach Regensburg brachte, von wo sie dann 1800 nach Wien gelangten, wo sie sich bis heute befinden.
Die meisten Besitzungen der Haller sowie die reichen Bibliotheken und Kunstsammlungen gingen durch Ablösungsgesetze von 1848 sowie durch Inflationen und Zerstörungen der beiden Weltkriege verloren. Seit 1945 ist das aus dem Erbe der Pfinzing 1766 übernommene Hallerschloss in Großgründlach Familiensitz und einziger Mittelpunkt der Familientradition. Das wertvolle Kunstinventar des 1945 zerstörten Haller’schen Pfründnerhauses am Heilig-Kreuz-Pilgerspital wurde rechtzeitig ausgelagert, darunter der bedeutende Peringsdörffer-Altar, zahlreiche Tafelbilder, Holzplastiken usw. sowie über 50 Hallersche Totenschilde. Sie befinden sich jetzt zum Teil in der Laurentiuskirche und im Großgründlacher Schloss. In Nürnberg selbst erinnern die Hallerstraße, das Hallertor, das Hallertürlein, die Hallertorbrücke, die Hallerwiese, die Hallerhüttenstraße in Forsthof und die Hallerweiherstraße im Stadtteil Fischbach an die Familie und deren frühere Besitztümer.
Besitzungen Das Nürnberger Stammhaus der Haller (vor 1517–1611), in der Karlstraße, beherbergt heute das Spielzeugmuseum.
Seit 1766 ist das Schloss Großgründlach bis heute im Besitz der Freiherren Haller von Hallerstein.
Weiterhin besaßen sie: mini|hochkant=0.6|Burg Ziegelstein (1370–1647 im Besitz, 1642 zerstört) 1337–1500 (?) Grundherrschaft Gräfenberg 1379–1417 die Burg Spiesmühle in Gräfenberg 1469–???? das Schloss in Gräfenberg, Kirchplatz 8 1477–1496 die Burg in Gräfenberg, Bahnhofstraße 11–21 (50 % – der andere Teil gehörte den Tetzel von Kirchensittenbach) 1482–1540 den Herrensitz Walkersbrunn bei Gräfenberg 1354–1945 das Pfründnerhaus des Heilig-Kreuz-Pilgerspitals in St. Johannis (Nürnberg) 1365–1540 die Wasserburg Malmsbach bei Schwaig bei Nürnberg 1370–1647 Ziegelstein und Burg Ziegelstein 1374–1379 die Burg Schönberg in Lauf an der Pegnitz 1379–1503 die Burg Eschenau, Von-Muffel-Platz 1, 2 (50 % – der andere Teil gehörte den Muffel von Eschenau) 1381–1465 der Herrensitz Weiherhaus (Feucht) 1394–1848 (mit Unterbrechungen) Hausen (bei Forchheim) 1395–1463 die Burg Tennenlohe mini|Hallerschloss Kalchreuth, 1395–1850 im Besitz der Familiemini|Hallerschloss Puckenhof um 1860, 1462–1848 im Besitzmini|Hallerschloss Mögeldorf, ein Wohnturm des 13. Jahrhunderts, nach 1400 östlich erweitert und um 1500 mit Fachwerk aufgestockt.1395–1850 den Herrensitz Kalchreuth, Schlossplatz 4 1592–1609 das Drachenschloss in Kalchreuth, Weißgasse 14 1450–1581 das Nassauer Haus in Nürnberg ????–um 1500 das Schloss Bruckberg 1462–1487 / 1501–1848 Schloss Puckenhof, nach Zerstörung 1552 ab 1564 neu aufgebaut 1491–1538 Glockenhof (früher: Galgenhof) in Nürnberg 1491–1529 den Herrensitz Hammerschloss Hirschbach in Hirschbach (Oberpfalz) 1492–1507 die Burg Hauseck bei Etzelwang 1492–1518 und 1566–1813 das Hallerschloß (Nürnberg) (auch Hallerweiherhaus in Ludwigsfeld (Nürnberg) genannt, 1945 zerstört) 1476–nach 1500 Gleißhammer I (Zeltnerschloß): Martha Haller gemeinsam Conrad Toppler, Steffan Pessler, Margaretha Tetzel (1504 niedergebrannt) 1501–1525 das „Haus zum goldenen Schild“ (Schildgasse 23) in Nürnberg (Stammhaus der Grundherr) 1523–1535 den Herrensitz Dormitz, Kirchenstraße 7 Mögeldorf (neben 9 anderen Grundherren am Ort): 1550–1571 das Cnopfsche Schloss in Mögeldorf 1555–1652 das Hallerschloss in Mögeldorf 1570–1590 den Herrensitz Brand (Eckental) 1578–1651 den Herrensitz in Rasch bei Altdorf 1579–1672 / 1730–1766 das Schloss Grünsberg bei Altdorf 1579–1823 die Burg Prackenfels bei Altdorf 1582–1686 / 1747–1788 den Herrensitz in Altenfurt 1620–1678 das Schloss Kugelhammer in Röthenbach bei Sankt Wolfgang 1726–1750 das Schloss Holnstein (Lkr. Amberg-Sulzbach) 1750–1820 der Herrenhof in Rückersdorf 1750–1811 das Tucherschloss in Happurg 1753–1807 das Rieterschloss Kornburg (als Administratoren der Rieter-Stiftung, 1812 verkauft) 1753–1776 das Schloss Steinach in Fürth (als Administratoren der Löffelholz-Stiftung) 1764–1817 die Burg Henfenfeld (als Administratoren der Pfinzing-Stiftung) 1766–1815 der Herrensitz Hallerschlösschen in Nuschelberg, Lauf an der Pegnitz 1774–1814 das Nützelschlösschen in Sündersbühl, Rothenburger Straße 119 (1943 zerstört) 1784–1825 die Burg Arch in Slowenien (von Franz Karl Baron Haller von Hallerstein erworben und restauriert) 1785–1859 den Herrensitz Bislohe 1793–1810 den Herrensitz Artelshofen (als Administratoren der Ebner-von-Eschenbach-Stiftung) ????–1664 das Schloss Rohensaas südlich von Höchstadt an der Aisch
Bei den Haller von Raitenbuch ist eine Verwandtschaft jedoch unwahrscheinlich. Sie erscheinen mit dem kurpfälzischen Rat Wolf Haller, der 1572 Raitenbuch erwirbt; ein Johann Christoph Haller erscheint 1642 und nochmals 1674 in der oberpfälzischen Landsassenmatrikel. Zum Besitz gehörten:
1572–1628 das Schloss Raitenbuch 1660–1692 das Schloss Adlitz bei Marloffstein (Haller von Raitenbuch)Bertold Freiherr von Haller: Artikel über Adlitz im Erlanger Stadtlexikon 1673–1790 das Rittergut Oberndorf (Möhrendorf) (Haller von Raitenbuch)
Stiftungen (Auszug) Heilig-Kreuz-Pilgerspital durch Berthold Haller Stiftung bedeutender Kunstwerke für St. Sebald und St. Lorenz sowie viele andere Kirchen in und um Nürnberg, darunter: Halleraltar in der Sebalduskirche, Flügelaltar vom Meister des Tucheraltars (um 1440–1450) Hallerfenster im Chor der Sebalduskirche; Stifter waren möglicherweise die Brüder Peter I. († 1369), Konrad I. († 1388, bei Vergabe der Fensterrechte im Jahr 1379 amtierender Bürgermeister), Bertold III. († 1391) und Ulrich III. († 1422, Ratsherr), die Söhne von Ulrich II. Haller († 1357).Bernhard Peter, Gernot Ramsauer, Alex Hoffmann: Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1392, Haller-Fenster im Chor von St. Sebald Hallerfenster im Langhaus der Sebalduskirche, nur in Resten erhalten; erneuert 1519/20 durch Konrad IV. Haller.Bernhard Peter, Gernot Ramsauer, Alex Hoffmann: Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1393, Haller-Fenster im Langhaus von St. Sebald Haller-Fenster in der Lorenzkirche (von 1480) Hochaltar in der Sankt-Andreas-Kirche Kalchreuth, mit Tafeln aus der Werkstatt von Dürers Lehrherrn Michael Wolgemut und Holzschnitzarbeiten aus der Werkstatt des Veit Stoß (um 1498) Hallersche Familienstiftungen Hallersche Forschungsstiftung
Wappen