Das Gefecht bei GrüningenNach Kessel. Der Militärhistoriker Kessel (1907–1986) hatte den Versuch unternommen, das bis 1914 erschienene Werk (bis kurz vor der Schlacht bei Torgau 1760) des Generalstabs über den Siebenjährigen Krieg zu vollenden. Seine Manuskripte galten seit 1945 als verloren, wurden jedoch 1992 der Wissenschaft wieder zugänglich gemacht. (auch Schlacht bei Grüningen, frz.: Combat de Grüningen, Combat de Grummingen) fand am 25. August 1762 während des Siebenjährigen Krieges bei Grüningen (westdeutscher Kriegsschauplatz, nahe Gießen) statt.

Die kleinere französische Niederrheinarmee unter dem Prinzen de Condé strebte einer Vereinigung mit der geschwächten Oberrheinarmee zu. Der Erbprinz von Braunschweig versuchte mit einer kleinen alliierten Armee die Vereinigung zu verhindern. Die Oberrheinarmee kämpfte gegen den preußischen Verbündeten, den Herzog von Braunschweig. Alle vier Armeen rückten so in Richtung der Wetterau zusammen. Nach Vorgefechten und dem Einbruch der Nacht vom 24. zum 25. August bezogen die französischen Truppen Stellung am Wall des noch vorhandenen römischen Wetterau-Limes bei Grüningen.Das Gefecht fand am Standort eines römischen Auxiliarkastells statt, das 1995 als Kleinkastell Holzheimer Unterwald teilrekonstruiert und konserviert wurde. Der Limes verläuft nordwestlich von Grüningen über 8,5 km lang schnurgerade von Südwest nach Nordost. Die Franzosen täuschten einen Abzug vor, verstärkten aber in breiter Front den Limeswall mit Kanonen aus Gießen. Bei dem Erbprinzen ging die Meldung ein, dass sich Prinz Condé zurückziehe. Der Angriff der am 25. August heranrückenden Alliierten geriet nach zwei Stunden heftigen Artilleriefeuers ins Stocken. Das Gefecht endete mit dem Rückzug der Alliierten nach Grünberg.

Siebenjähriger Krieg Der Siebenjährige Krieg (1756–1763) war der Konflikt seiner Zeit, England und Frankreich rivalisierten in den Kolonien und auf den Meeren. Das mit England verbündete Preußen kämpfte nicht nur gegen Österreich, das das im Zweiten Schlesischen Krieg (1744–1745) verlorene Schlesien zurückerobern wollte, sondern auch mit Russland, Frankreich, Schweden und dem Reich um seine Existenz („La déstruction totale de la Prusse“Kessel, 2007, S. XVIII.). England und Kur-Hannover (Braunschweig-Lüneburg) standen in Personalunion (Der König von Großbritannien war gleichzeitig Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg). Frankreich konnte England am leichtesten in Hannover treffen. Die Aufgabe der preußischen Alliierten in Deutschland, Kurhannover/Großbritannien, Braunschweig, Hessen-Kassel u. a., unter dem Herzog von Braunschweig – Schwager Friedrichs des Großen und Vetter des englischen Königs – war es, die westliche Flanke der Preußen gegen die Franzosen zu schützen. Andererseits war es im Sinne Großbritanniens französische Kräfte auf dem Kontinent zu binden („America has been conquered in Germany“, William Pitt d. Ä, Premierminister von Großbritannien, 1761). Frankreich verlor nach den Niederlagen in den Kolonien und auf den Meeren merklich das Interesse am Krieg in Deutschland.Vierhaus 1984, S. 336. Der Krieg in Nordamerika war 1761 zugunsten Großbritanniens entschieden. Frankreich hatte 1762, auch in der Folge der allgemeinen Erschöpfung der Kriegsparteien (Kriegsmüdigkeit), Friedensverhandlungen mit Großbritannien aufgenommen. Das Gefecht fand während des Feldzugs 1762 im letzten Jahr des Krieges statt.

Feldzug 1762 Die Franzosen bemühten sich für das Kriegsende eine möglichst gute Stellung in Deutschland zu sichern, so sollte Kassel, die Landeshauptstadt der Landgrafschaft Hessen-Kassel, als FaustpfandKessel, 2007, S. 857. behauptet werden, auch Göttingen und Minden waren als vorgeschobene Stellungen besetzt.Kessel, 2007, S. 504. Frankreich hatte sich in den Besitz des größten Teils Hessens gesetzt. Die Alliierten wollten die Franzosen aus Hessen vertreiben, da eine Belagerung von Kassel oder Göttingen nur feindliche Truppen auf hannöversches Gebiet gezogen hätte und die Städte von selbst fallen würden, sobald die französische Hauptarmee in Hessen entscheidend geschlagen wäre.Kessel, 2007, S. 834. Der Armeeführung am Versailler Hof lag daran keinen Teil von Hessen preisgeben zu müssen, weshalb sich die Armeen hinhaltend und defensiv (s. a. Kabinettskrieg) verhielten, um keinen Verlust eines größeren Teils Hessens zu riskieren.Kessel, 2007, S. 850. Frankreich hatte nach dem Winterquartier zwei Armeen auf dem westlichen Kriegsschauplatz in Deutschland stehen, die Hauptarmee („Oberrheinarmee“) unter den Marschällen Soubise und Estrées in Hessen im Gebiet der Werra und der Fulda bis hin zum Main und Rhein sowie die kleinere Nebenarmee („Niederrheinarmee“) in Westfalen und am Niederrhein unter dem Prinzen de Condé.Die Pfalz zwischen Hessen und Frankreich sowie Bayern, Köln, Württemberg und Mecklenburg-Schwerin hatte 1757 einen Subsidienvertrag mit Frankreich geschlossen. Von der Armee der preußischen Verbündeten unter dem Herzog von Braunschweig, die nördlich der Diemel (nördlich Kassel) stand, wurde u. a. ein Teil unter dem Erbprinzen von Braunschweig, dem Neffen des Herzogs, der französischen Armee am Niederrhein gegenübergestellt. In den letzten Kriegstagen ging es für Frankreich im Grunde längst nur noch um strategische Positionen für die Friedensverhandlungen.

Ausgangslage mini|hochkant=1.5|Übersichtskarte zur Geschichte des Feldzugs des Herzogs Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel im Jahre 1762 Nach der Niederlage in der Schlacht bei Wilhelmsthal am 24. Juni zog sich die französische Hauptarmee unter die Kanonen des befestigten Kassel zurück. Der Herzog von Braunschweig schnitt den Franzosen die Verbindung nach Frankfurt ab und erbeutete und vernichtete die Magazine in Rothenburg.Kessel, 2007, S. 848. Die Versorgungslage der französischen Armee bei Kassel wurde zunehmend schlechter (Fouragemangel, Unsicherheit der Verbindungen), sodass eine Zurückverlegung der Armee nach Hessen notwendig schien.Kessel, 2007, S. 854Kessel, 2007, S. 866. Schon bevor der Herzog am 23. Juli in der Schlacht bei Lutterberg den Prinzen Xaver von Sachsen geschlagen hatte, wurde die französische Nebenarmee unter Condé am 17. JuliKessel, 2007, S. 858. nach Hessen befohlen um sich mit der geschwächten Hauptmacht zu vereinigen und sie zu entlasten.

Condé rückte am 23. Juli mit der Nebenarmee vom Niederrhein und Westfalen über den Westerwald nach Dillenburg, gesichert wurde der Marsch vom Korps Conflans.Kessel, 2007, S. 869. Der Erbprinz von Braunschweig setze Condé am 25. Juli nach. Er kam über Korbach und Frankenberg am 1. August in die Nähe von Marburg. Von der französischen Hauptarmee bei Kassel wurde General Stainville entsandt um die Verbindung zu Condé herzustellen und um die Proviantversorgung zu sichern. Der Herzog von Braunschweig befahl daraufhin General Luckner, der zuvor Fulda erobert hatte, Stainville anzugreifen, den Luckner aber für zu stark hielt.Kessel, 2007, S. 869–870. Der Herzog plante für den 7. August einen allgemeinen Angriff der alliierten Armee in mehreren Gruppen über die Fulda um die Franzosen aus der Gegend von Kassel zu verdrängen.Kessel, 2007, S. 872. Die Ausführung blieb jedoch hinter den Erwartungen zurück.Kessel, 2007, S. 874. Condé hatte inzwischen Grünberg erreicht, wo sich ihm General Hardenberg an der Ohm gegenüberstellte um ihm den Übergang nach Norden zu verwehren. General Wurmser eroberte daraufhin Ulrichstein und bedrängte den linken Flügel des Korps des Erbprinzen,Kessel, 2007, S. 875. worauf Luckner zur Flankendeckung des Erbprinzen nach Alsfeld rückte. Condé konnte den Erbprinzen nicht Richtung Lauterbach und Hersfeld umgehen, da dies seinen Nachschub von Frankfurt und GießenDas 10 km von Grüningen entfernte Gießen war hessen-darmstädtisch und stand somit durch die Reichsexekution auf französischer Seite. Die beiden hessischen Landgrafschaften Kassel und Darmstadt standen somit in unterschiedlichen Lagern. Das Hessen-Darmstädtische Kreisregiment (Garnison in Gießen) unter Prinz Georg Wilhelm marschierte mit der Reichsarmee. Seit 1758 war die Garnisonsstadt fast durchgängig durch „verbündete“ Franzosen besetzt. bedroht hätte.Kessel, 2007, S. 877. Condé und der Erbprinz beobachteten sich gegenseitig und standen nur in leichter Berührung.

Die Friedensverhandlungen zwischen Frankreich und England zögerten sich immer noch hinaus. Die französischen Marschälle waren wegen der Versorgungszustände ihrer Armee bei Kassel wiederholt in Versailles vorstellig geworden. Der Versailler Hof wollte es nicht mehr auf eine Niederlage bei Kassel ankommen lassen und erteilte dem Oberkommando der Armee am 14. August die völlige Freiheit für ihre Operationen. Für den 16. August ordneten Soubises und d’Estrées die Räumung von Göttingen und Minden und den Abmarsch aus Kassel an, wo eine starke Besatzung zurückblieb. Nach der Vereinigung mit der Niederrheinarmee sollte Kassel ggf. in einer Offensive wieder entsetzt werden.Kessel, 2007, S. 877. Am 20. August stießen die freigewordenen Besatzungstruppen zur Armee bei Hersfeld.Kessel, 2007, S. 878. Nach dem für die Alliierten überraschenden Abmarsch der Franzosen wurde Kassel sogleich belagert. Das gesamte Kriegsgeschehen verlagerte sich nach Oberhessen. Oberstes Ziel der Alliierten war es nun Frankreich aus Hessen zu vertreiben, Condé vor der Vereinigung der Armeen zu schlagen und die beide Heeresgruppen hinter den Main zu drängen.Kessel, 2007, S. 879.

Bedrängt vom Herzog musste die französische Hauptarmee Richtung Büdingen gehen, um sich bei Friedberg mit Condé treffen zu können.

Gefechtsverlauf