El Teniente ist ein Kupferbergwerk in Chile. Es baut die weltweit größte bekannte Kupferlagerstätte mit Vorräten von 91,7 Megatonnen Kupfer ab. Dafür wurden bisher mehr als 4500 km Strecken vorgetrieben. Die Grube liegt in einem erloschenen Vulkan in den Anden. Der Erzabbau erfolgt von unterhalb der Lagerstätte durch Absenken des höherliegenden Gesteins. Das Bergwerk mit einem enormen Hüttenwerk und der Bergbaustadt Sewell wurde ab 1905 von US-amerikanischen Unternehmern aufgebaut und seitdem kontinuierlich betrieben und erweitert. 1971 verstaatlicht, gehört es heute zum chilenischen Staatskonzern Codelco. Im Jahr 2024 wurden mit 3.971 Beschäftigten 356.000 Tonnen Feinkupfer produziert und ein Überschuss von 848 Millionen US-Dollar erwirtschaftet. 2025 wurde damit begonnen in einer tieferliegenden, vollständig neu angelegten, hochautomatisierten Grube den Abbau aufzunehmen. Die Fahrzeuge für Abbau und Transport des Erzes werden aus einem externen Kontrollzentrum ferngesteuert. Bis 2064 sollen weitere 17 Megatonnen Feinkupfer gefördert werden.
Geografie/Geologie
Das Bergwerk El Teniente befindet sich in der Andenkordillere Zentralchiles, etwa 40 km nordöstlich von der Provinzhauptstadt Rancagua und 80 km südöstlich von der Landeshauptstadt Santiago in der Gemeinde Machalí. Es liegt am südlichen Ende eines neogenen metallogenetischen Gürtels, der sich bei einer Breite von etwa 20 km über tausend Kilometer in Nord-Süd-Richtung entlang der höheren Westhänge der chilenisch-argentinischen Anden ausdehnt und sich durch eine Reihe besonders großer Kupfervorkommen auszeichnet. Das Bergwerk liegt in einer Hochebene der Andenkordillere, die durch steile Abhänge und zahlreiche Schluchten mit ausgedehnten Schutthalden, über denen hohe turmartige Felsformationen stehen, gekennzeichnet ist.
Dem Bergbauunternehmen gehört rund um die Grube ein 750 km2 großes Gelände, über das sich die Hüttenanlagen verteilen. Neben der unterirdischen Grube gibt es einen neueren Tagebau, Erzmühlen, Flotationsanlagen, Schwefelsäurefabriken, eine Sauerstofffabrik, eine Kupferhütte, die ehemaligen Werkssiedlungen Sewell () und Caletones (), sowie zahlreiche weitere aktive oder historische Betriebs- und Infrastruktureinrichtungen.
Die Grube befindet sich in einem erloschenen Vulkan, der mit seinem Gipfel 3126 m Höhe erreichte und von bis zu 4000 m hohen Bergen umgeben ist. Die Erzlagerstätte liegt an der Peripherie des Vulkanschlotes, der selbst kein Kupfermineral enthält. Der Braden Pipe () genannte Schlot ist ein kegelförmiger Körper aus Tuffstein, der oben einen Durchmesser von 1200 m hat und sich nach unten hin verjüngt. Durch die Wucht der vulkanischen Explosion ist der Andesit, der sich um den Schlot herum befindet, von Rissen durchsetzt. Zwischen dem Tuff und dem Andesit befindet sich Brekzie (fragmentiertes Gestein), die sich hauptsächlich aus Quarz, Jaspis, Kalkstein und Eruptivgestein zusammensetzt. Das Kupfererz befindet sich dort, wo die Brekzie mit dem Tuff zusammenkommt und auch in einigen Teilen des gebrochenen Andesits. Es handelt sich um die größte bekannte porphyrische Kupfer-Molybdän-Lagerstätte der Welt mit einem Gehalt von ursprünglich rund 100 Megatonnen86,4 Megatonnen Feinkupfer aus Mineral mit mehr als 0,2 % Kupfergehalt und 13,2 Megatonnen Feinkupfer aus tieferen Schichten oder anderem. Feinkupfer, von denen bis Ende 2024 91,7 MegatonnenAus 16.224 Megatonnen Mineral mit 0,56 % Kupfergehalt noch nicht abgebaut waren. Das vor 6,3 bis 4,3 Millionen Jahren gebildete Erz besteht aus sulfidischen Mineralen wie Chalkopyrit (75 %), Bornit, Molybdänit, Galenit, Chalkosin, Tetraedrit und Covellin.
Betriebsanlagen Grube mini|hochkant=1.5|In diesem namenlosen Berg befindet sich die Grube. Die Aufnahme von 1942 zeigt die extreme Geländesituation. In der Bildmitte unten sind am Steilhang noch die Ruinen der ehemaligen Werkssiedlung Pueblo Hundido zu erkennen. Etwas links davon befinden sich die Ruinen der Tagesanlagen. Der Felsen rechts oben im Bild ist der obere Teil des Vulkanschlots Braden Pipe genannt. Das hellere Gelände am Hang bei Pueblo Hundido und in den zentralen Bereichen des Bildes gehört zur Pinge. Die Grube ist innerhalb der Erzlagerstätte und der Braden Pipe angelegt. Der über der Grube befindliche Teil der Lagerstätte wird gegenwärtig in sechs Bereichen ausgebeutet, die um die Braden Pipe herum angeordnet sind. Für die Grube wurden seit 1905 insgesamt mehr als 4500 km Strecken vorgetrieben. Es gibt zahlreiche Stollen, die zu den verschiedenen Grubenbereichen führen. Mit der Zeit wurden immer tiefer gelegene Stollen angelegt. So lag seit 1920 der tiefste Stollen „Teniente 5“ in 2276 m Höhe 762 m unter dem obersten. Er hat sein Mundloch () 3 km westlich der Erzlagerstätte über den Dächern der Bergbaustadt Sewell. Die Züge aus der Grube kommen dort, auch heute noch, auf einer 1921/22 gebauten imposanten Brücke an und kippen ihre Fracht direkt in eine Erzmühle. Seit 1968 ist der Hauptförderstollen „Teniente 8“, in 1980 m Höhe gelegen, in Betrieb. Sein Mundloch liegt () ca. 8 km westlich der Erzlagerstätte in Alto Colón, wo sich ein Hüttenwerk befindet. Gegenwärtig ist „Adit 71“ () der Hauptzugang zur Grube für das Personal. Er liegt unterhalb von Sewell. Ab 2023 soll die tiefste Sohle auf 1480 m liegen, die ca. 11 km westlich von der Erzlagerstätte bei Caletones ihr Mundloch () haben wird.
x150px|links Der Längsschnitt durch das Bergwerk (Stand 1936) zeigt horizontale Strecken, die mit seigeren oder 60° tonnlägigen Schächten verbunden sind. Von den Abbauen der oberen Sohlen wird das Erz durch die Rolllöcher bis auf die Fördersohle abwärts gefördert. In diesem Förderstollen wird das Erz in Förderwagen mit Elektrolokomotiven abgefördert. In den seigeren Schächten findet Seilfahrt und Materialförderung statt.x150px|linksDer Abbau erfolgt im Blockbruchbau. Ein Abbaublock hat eine Höhe von 100 bis 180 m. Die Basis eines solchen Blocks ist rechtwinklig mit einer Tiefe von 80 bis 87 m und eine Breite von 90 bis 120 m.
Hüttenwerk Aus der Grube wird das Erz ins Hüttenwerk gebracht. Die älteren Teile dieses Werks befinden sich in Sewell, etwa 3 km vom Zentrum der Grube entfernt und die neueren mindestens 8 km davon entfernt in einem ausgedehnten Industriekomplex, der sich über die Orte Colón, Alto Colón und Caletones verteilt. Die erste Verarbeitung erfolgt in den Konzentrator-Anlagen. Eine davon befindet sich in Sewell, eine in den 1970er-Jahren errichtete größere in Colón (). Das Erz wird in Erzmühlen zerkleinert und in Flotationsanlagen aufkonzentriert. Das Kupfererzkonzentrat wird in der Kupferhütte Caletones () zu Rohkupfer verarbeitet. Dazu gibt es dort auch eine Sauerstofffabrik. Die Kupferhütte hat einen wesentlichen Anteil an der Belastung Santiagos mit SOx-Aerosolen. Die wesentlichen Produkte der Hütte sind Kupfererzkonzentrat, Kupferanoden, Kupferbarren, Molybdänkonzentrat und Schwefelsäure.
Absetzbecken mini|hochkant=1.5|Über den Damm des stillgelegten Tailingbeckens Barahona Nr. 1 (Betrieb 1920 bis 1928) führt heute die Carretera del Cobre, die Rancagua mit den Hüttenwerken in Colón und Caletones verbindet. Die ersten Absetzbecken für die schlammartigen Rückstände aus der Aufbereitung der Erze (Tailings) wurden im Gebirge bei Barahona angelegt und später am Fuß der Anden bei Cauquenes. Die Kapazität dieser Becken ist schon seit vielen Jahren ausgeschöpft. Heute werden die Tailings in einem Kanal zum 86 km entfernten Carén-Absetzbecken () im Küstengebirge geleitet. Dort gibt es die weltweit größte Molybdän-Fällungsanlage. Sie verarbeitet 2500 Liter/Sekunde Abwasser und vermindert dessen Molybdänkonzentration auf 1 ppm oder weniger.
Andere Einrichtungen Außerhalb des Bergwerksgeländes gibt es zusätzlich zahlreiche Betriebseinrichtungen, die über die benachbarten Regionen verstreut liegen. In Rancagua befinden sich Werkstätten () und der Verwaltungssitz. Im Hafen von San Antonio gibt es ein Schwefelsäure-Terminal () zum Lagern und Verschiffen der Schwefelsäure, die in El Teniente hergestellt wird.
Erweiterungsprojekte Rajo Sur Nachdem der Erzabbau in El Teniente 108 Jahre lang ausschließlich untertägig erfolgte, wurde 2013 erstmals ein zusätzlicher Tagebau geöffnet. Der Rajo Sur (Aufschluss-Süd) genannte Tagebau liegt in 2.730 bis 3.240 m Höhe () am Südrand der Pinge. Das Erz wird mit 100 t Lastwagen zu einer 7 km entfernten Eisenbahnverladung gebracht, von dort nach Sewell. Die Lagerstätte enthält 40,5 Megatonnen Erz mit einem Kupfergehalt von 0,60 %. Die darin enthaltenen 243.000 Tonnen Feinkupfer sollen im Laufe von acht Jahren ausgebeutet werden. In der unmittelbaren Umgebung werden Sondierungen vorgenommen, um herauszufinden ob dieser Tagebau auch noch länger betrieben werden kann. Im ersten Jahr wurden 53.600 Tonnen Feinkupfer produziert.
Nuevo Nivel Mina Das Bergwerk könnte in seinem gegenwärtigen Ausbau bei mit der Zeit stetig abnehmender Produktionsmenge nur noch bis zum Jahr 2028 betrieben werden. Deswegen wird die weitere Ausbeutung der El-Teniente-Lagerstätte durch den Bau einer komplett neuen, tieferliegenden Grube mit neuen Werks- und Infrastrukturanlagen vorangetrieben. Das Projekt mit dem Namen „Nuevo Nivel Mina“ hat ein Investitionsvolumen von 3,6 Milliarden US-Dollar (1,6 Mrd. nach der ursprünglichen Planung plus zirka 2 Mrd. Kostenerhöhung). 4600 Personen arbeiten daran. Der Ausbau wurde 2011 begonnen und im Mai 2025 konnte erstmals im sogenannten Abschnitt Andes Norte mit der Förderung begonnen werden. In den folgenden 50 Jahren sollen bei weiteren 1,7 Milliarden US-Dollar Investitions- und Betriebskosten insgesamt 2,02 Milliarden Tonnen Erz mit einem durchschnittlichen Gehalt von 0,86 % Kupfer und 0,022 % Molybdän abgebaut werden. Das wären rund 17,4 Millionen Tonnen Feinkupfer und 0,44 Millionen Tonnen Molybdän.
Die Einrichtung der neuen Grube mit sieben Sohlen erfolgte, ohne den laufenden Betrieb zu unterbrechen, unterhalb der gegenwärtigen Grube. Die oberste ist die Bruchsohle, aus der das Erz abgebaut wird. Sie befindet sich auf 1880 m über dem Meeresspiegel, 100 m unterhalb der aktuellen Hauptfördersohle. Dort wird das Gestein zu Bruch gesprengt, sodass es durch sein Eigengewicht herunterfallen kann. Unterhalb der Bruchsohle liegt die Zwischenfördersohle, in die das Erz rutscht, um es von dort in Brechern zu zerkleinern und zu Rolllöchern zu bringen. Es folgen eine Frisch- und eine Abwettersohle. Die Wetterverbindung zu den Abbauen erfolgt über seigere Wetteraufhauen. Darunter, 60 m unter der Abbausohle, liegt die Ankarrebene. Dort wird das Erz aus den Rolllöchern von der Abbausohle kommend auf Dieseltrucks (Kapazität 80 Tonnen) geladen. Die Fahrzeuge bringen es zu einem Erzbunker, über den drei Großbrecher beschickt werden. Die Brecher liegen unterhalb auf der Drainagesohle und zerkleinern das Erz auf eine Krongröße von unter 20 cm. Aus den Brechern rutscht das Erz weiter auf die tiefste Sohle, wo es auf einer 11 km langen Bandanlage in 1520 m Höhe aus dem Berg bis zur Konzentrationsanlage Colon transportiert wird.
Für diese Grube wurden bis zu 100 km neue Strecken vorgetrieben und 3,5 km Schächte gebaut. Die neuen übertägigen Anlagen belegen eine Gesamtfläche von 105,6 ha. Die durch den Abbau resultierende Pinge über der Grube wird bis zum Jahr 2064 auf 780 ha anwachsen. Eine neue 17 km lange Straße führt vom Eingang zum Bergwerksgelände in Maitenes () bis nach Caletones. Von dort führen zwei parallele Strecken, 9 km lang mit jeweils 9,5 m Durchmesser, in die Grube. Die eine für den Erztransport, die andere mit einer zweispurigen asphaltierten Fahrbahn für die Personenfahrung in Bussen.
Im Innern der Grube wird es drei Aufenthaltszentren für Personen geben. Sie bestehen jeweils aus einer Bushaltestelle, Kantine, Büros, Parkplatz für Autos, Konferenzsaal, Erste Hilfe-Zone, Umkleideräume mit Schränken, Duschen und Toiletten und es wird ein Museum für Besucher geben.
La Huifa