Die Rotbraune Elefantenspitzmaus (Galegeeska rufescens, teilweise auch Elephantulus rufescens), auch Rote Elefantenspitzmaus oder Rotbrauner Rüsselspringer, ist eine Art der Gattung Galegeeska aus der Ordnung der Rüsselspringer (Macroscelidea). Sie ist in Ostafrika verbreitet und bewohnt trockene, offene Wald- und Savannenlandschaften. Lokal kann sie relativ häufig auftreten. Wie alle Elefantenspitzmäuse wird auch die Rotbraune Elefantenspitzmaus durch eine verlängerte, rüsselsartige Nase sowie lange Hinter- und kurze Vorderbeine gekennzeichnet. Die Art ist bodenlebend und ernährt sich hauptsächlich von Insekten und nur zu einem sehr geringen Teil von Pflanzen. Einzelne Tiere beanspruchen Territorien und verteidigen diese teils aggressiv. In den Streifgebieten besteht ein dichtes Netz an Wegen und Pfaden, die von der Rotbraunen Elefantenspitzmaus angelegt und gepflegt werden und einzelne Aktivitätsplätze miteinander verbinden. Die Tiere bilden lebenslang haltenden, monogame Paarverhältnisse, wobei Weibchen häufig dominanter sind als Männchen. Gemeinsame Aktivitäten finden aber nur während der Fortpflanzungszeit statt. In der Regel bringt das Weibchen pro Wurf eins bis zwei Jungtiere zur Welt, die genaue Anzahl ist abhängig vom Gewicht des Muttertiers. Die Art wurde im Jahr 1878 wissenschaftlich eingeführt. Teilweise werden mehrere Unterarten unterschieden. Der Gesamtbestand gilt als nicht gefährdet.
Beschreibung Habitus Die Rotbraune Elefantenspitzmaus erreicht eine Gesamtlänge von 24,2 bis 28 cm, von der der Schwanz 11,6 bis 14,5 cm einnimmt. Die Kopf-Rumpf-Länge wird für Individuen aus dem südöstlichen Kenia mit 10,2 bis 19,9 cm angegeben, die Schwanzlänge variiert hier von 11,1 bis 16,3 cm. Tiere aus dem östlichen Uganda weisen eine Kopf-Rumpf-Länge 12,5 bis 14 cm und eine Schwanzlänge 11,1 bis 14,1 cm auf. In der Regel entspricht die Länge des Schwanzes der Länge des restlichen Körpers und kann letztere etwas übertreffen, wobei der Maximalwert bei 105 % im Bezug auf die Körperlänge liegt. Das Gewicht beträgt 47 bis 70 g, teilweise werden auch 89 g erreicht. Die Untersuchung von 174 Individuen aus dem Meru-Nationalpark in Kenia ergaben für weibliche Tiere ein Körpergewicht von 45 bis 65 g, für männliche Tieren von 35 bis 55 g. Mit den angegebenen Maßen liegt die Rotbraune Elefantenspitzmaus in der Variationsbreite der Somali-Elefantenspitzmaus (Galegeeska revoili), bleibt aber teilweise auch etwas darunter. Äußerlich ähnelt die Art den Vertretern der Elefantenspitzmäuse (Elephantulus). Dadurch zeichnet sich auch die Rotbraune Elefantenspitzmaus durch einen charakteristisch großen Kopf mit rüsselartig verlängerter Nase und kurze Vorder- sowie lange Hinterbeine aus. Das Fellkleid ist weich und besteht aus 10 mm langen Einzelhaaren, die zumeist dunkelgrau gefärbt sind, aber eine lederbraune Spitze besitzen. Die Rückenfärbung ist aber variabel und möglicherweise abhängig von der Beschaffenheit des Untergrundes (klinal). Im südöstlichen Kenia dominieren Tiere mit einem rotbraunen Rückenfell, im nordwestlichen Tansania sind die Tiere etwas grauer gefärbt, während sie im zentralen Tansania und in Somalia auch etwas gelblicher erscheinen können. Die Bauchfärbung ist aber bei allen Vertretern weißlich. Abweichend von den meisten anderen Arten der Elefantenspitzmäuse zeigt der Schwanz eine einheitlich braune Farbgebung. Er ist nur von wenigen Haaren bedeckt, ein auffälliger Haarbüschel am Schwanzende, vergleichbar der Somali-Elefantenspitzmaus und einiger südafrikanischer Formen, tritt nicht auf. Am Kopf fällt vor allem der behaarte Nasenspiegel auf, was sonst nur von der Somali-Elefantenspitzmaus bekannt ist. Die Ohren sind mit 22 bis 39 mm recht lang und weisen gerundete Spitzen auf. Hinter den Ohren ist zumeist ein brauner bis hellbrauner Fleck ausgebildet. Die Augen sind groß und werden von einem weißlichen Augenring umrahmt, der sich oberhalb ausdehnt und deutliche Augenbrauen ausbildet. An den seitlichen Augenrändern unterbricht ein dunkler Fleck den Ring. Dieser kann sich noch bis unter die Ohren fortsetzen. Die Vorder- und Hinterbeine enden jeweils in fünf Strahlen. die Füße sind bei ausgewachsenen Tieren weißlich gefärbt, bei jüngeren bräunlich. Dazu im Kontrast stehen dunkel gefärbte Krallen. Die Hinterfußlänge variiert zwischen 30 und 54 mm.
Schädel- und Gebissmerkmale Der Schädel ist zwischen 35,2 und 37,2 mm lang, an den Jochbögen zwischen 19,4 und 20,8 mm breit und am Hirnschädel 14,5 bis 15,5 mm hoch. In der Aufsicht zeigt er einen dreieckigen Bau mit einem lang ausgezogenen, schmalen, nur durchschnittlich 4,4 mm hohen Rostrum und einem breiten Hirnschädel. Die Paukenblasen sind nur moderat geschwollen. Das Gebiss setzt sich aus insgesamt 40 Zähnen zusammen, die Zahnformel lautet: . Der mittlere Schneidezahn (I2) der oberen Zahnreihe ist markant kleiner als der jeweils innere (I1) und äußere (I3). Der kleine Eckzahn zeigt eine leicht molarenartige Gestaltung. Die hinteren Zähne weisen moderat hohe Zahnkronen auf, auf den Kauflächen sind jeweils vier Höckerchen ausgebildet. Ein Cingulum, ein Wulst nahe der Zahnbasis, ist nicht vorhanden. Die gesamte obere Zahnreihe wird 17,2 bis 18,1 mm lang.
Verbreitung miniatur|hochkant|Verbreitungsgebiet (grün) der Rotbraunen Elefantenspitzmaus Das Verbreitungsgebiet der Rotbraunen Elefantenspitzmaus erstreckt sich über weite Teile Ostafrikas. Die nördliche Grenze befindet sich im zentralöstlichen Äthiopien und in Somalia, seit 2017 gibt es auch einen Nachweis der Art aus dem östlichsten Teil von Äthiopien. Von dort erstreckt es sich über den südlichen Sudan (heute Südsudan) nach Süden über Kenia und das östliche Uganda bis nach Tansania etwa am Fluss Ruaha. Im westlichen Tansania im Katavi-Nationalpark könnte eine isolierte Population bestehen. Die Art ist durch ihre Verbreitung auf die Somalia-Massai-Buschlandzone beschränkt. Der Lebensraum umfasst trockene Waldländer und Buschlandschaften sowie offene Savannen- und Grasgebiete dar. Dabei ist die Art an trockene Böden angepasst. Mit Ausnahme tiefliegender Regionen in Somalia und entlang des Flusses Tana kommt die Rotbraune Elefantenspitzmaus überwiegend in Höhenlagen über 300 m vor. Die Populationsdichte ist wenig untersucht, regional kann sie aber recht hoch sein. Für die Region um Kibwezi im südöstlichen Kenia konnte eine Dichte von 2 Individuen je Hektar ermittelt werden. Teilweise überschneidet sich das Verbreitungsgebiet mit dem der Kurznasen-Elefantenspitzmaus (Elephantulus brachyrhynchus), die allerdings Gebiete mit feuchterem Untergrund bevorzugt. In den trockeneren Gebieten Somalias wird die Rotbraune Elefantenspitzmaus durch die Somali-Elefantenspitzmaus ersetzt.
Lebensweise Territorialverhalten Die Rotbraune Elefantenspitzmaus ist zu allen Tageszeiten aktiv (polyzyklisch). In der Region um Kibwezi im südöstlichen Kenia konnten hauptsächliche Aktivitäten während der Morgen- und Abendstunden von 06:00 bis 09:00 Uhr und von 16:00 bis 19:00 Uhr festgestellt werden. Während der Mittagszeit war dagegen kaum Aktivität zu verzeichnen. Die Tiere sind bodenbewohnend und schnelle (cursoriale) Läufer, die sich vierfüßig rennend oder springend fortbewegen. Das Fluchtverhalten ist stark ausgeprägt und einzelne Individuen entfernen sich schon bei geringen Störungen mit weiten Sprüngen zum nächsten Versteck. Beim Laufen wird der Schwanz überwiegend horizontal zum Boden gehalten. Die Verstecke bestehen zumeist aus kleinen Vertiefungen unter Büschen und Sträuchern und dienen auch als Ruheplätze, eigene Erdbaue legt die Rotbraune Elefantenspitzmaus nicht an. Es wird angenommen, dass die Art etwa die Hälfte der Tageslichtzeit ruhend oder schlafend verbringt. In der Ruheposition liegen die Beine unter dem Körper, was bei Bedarf eine schnelle Flucht ermöglicht. Die Augen sind beim Schlafen selten geschlossen, einzelne Schlafperioden dauern nur zwei bis drei Minuten. Eine weitere Besonderheit ist das „Gesichtwaschen“ mit den Vorderpfoten, wobei ein Tier mit beiden Pfoten gleichzeitig über Nase, Gesicht und Vibrissen wischt. Weiteres Komfortverhalten umfasst Kratzen, Putzen und ausgiebiges Sandbaden in größeren Sandflächen. Die Körperpflege beansprucht aber lediglich maximal zwei Prozent der täglichen Aktivität.
Die einzelnen Tiere unterhalten Aktionsräume, deren Größe im südöstlichen Kenia zwischen 0,16 und 0,52 ha schwankt, durchschnittlich erreichen sie eine Größe von 0,34 ha. Die Grenzen und die Ausdehnung der Reviere sind instabil und variieren mit den vorherrschenden natürlichen Bedingungen sowie mit dem Auftauchen und Verschwinden benachbarter Individuen. Die Rotbraune Elefantenspitzmaus ist äußerst territorial und verteidigt die Grenzen der Streifgebiete gegen Eindringlinge, was aber überwiegend geschlechtsintern stattfindet. Die dabei durchgeführten Kämpfe erscheinen ritualisiert und beginnen mit einem Fußtrommeln, das in ein Umkreisen des Gegners übergeht, bei dem die Gliedmaßen stark durchgedrückt sind, so dass der Gang mechanisch wirkt. Daraufhin folgt ein schneller Angriff, wonach sich beide Tiere in ihre eigenen Reviere zurückziehen. In der Regel dauert ein Kampf maximal vier Minuten. Innerhalb der Aktionsräume bestehen verschiedene Aktivitätsplätze, die durch ein komplexes System aus Wegen miteinander verbunden sind. Die Wege und Pfade werden von der Rotbraunen Elefantenspitzmaus angelegt und gesäubert. Damit verbringt sie bis zu 40 % ihres täglichen Aktivitätsbudgets, bei Männchen beansprucht dies durchschnittlich doppelt so viel Zeit wie bei Weibchen. Die Tiere säubern die Pfade, indem sie mit schwingenden Bewegungen der Vorderbeine kleine Steinchen, Blätter oder Gräser beiseite räumen. Kleinere Zweige werden auch zerbissen. Das dichte Wegenetz führt dazu, dass ein Tier nur selten abseits der Pfade aufzufinden ist.
Die Rotbraune Elefantenspitzmaus bildet monogame Paare, die weitgehend ein Leben lang halten. Dabei kommt es häufig zur vollständigen Überlappung der Aktionsräume der gebundenen Tiere. Die Paarbindungen sind aber nicht sehr ausgeprägt, soziale Interaktionen der beiden Partner finden nur selten statt und beschränken sich in der Regel auf Nasenkontakte oder neutrale Toleranz. Intensive gemeinsame Aktionen erfolgen nur während der Fortpflanzungsphase. Bei gelegentlichen Begegnungen sind Weibchen häufig dominant gegenüber dem Männchen, was daran erkennbar ist, dass das Männchen dem Weibchen eher aus dem Weg geht als andersherum. Gelegentlich interessiert sich ein gebundenes Männchen für ein ungebundenes Weibchen und erweitert so seinen Aktionsradius. Es kehrt aber zumeist in sein eigenes Revier zurück, wenn das Territorium des ungebundenen Weibchens von einem ebenfalls freien Männchen besetzt wird. Insgesamt machen soziale Interaktionen sowohl mit dem Partner als auch mit fremden Artgenossen etwa 13 % des täglichen Zeitbudgets aus.