mini|hochkant|Herz-Jesu-Kirche (Bilsdorf) Die Herz-Jesu-Kirche ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in Bilsdorf, einem Ortsteil der Gemeinde Nalbach, im saarländischen Landkreis Saarlouis. Sie trägt das Patrozinium der Verehrung des heiligsten Herzens Jesu. Im Zuge der Strukturreform 2020 im Bistum Trier wurde zum 1. September 2011 die Pfarreiengemeinschaft Nalbach mit den eigenständigen Pfarreien St. Peter und Paul in Nalbach, St. Johannes der Täufer in Piesbach, Herz Jesu in Bilsdorf und St. Michael in Körprich errichtet.
Geschichte mini|Bilsdorf, Alte Kapelle mini|hochkant|Herz-Jesu-Kirche (Bilsdorf), Bauentwurf mit barockisierender Zwiebel und oktogonaler Spitze In Bilsdorf wurde im Jahr 1891 auf Initiative des Bilsdorfers Johann Didas und des Besitzers der Knorscheider Mühle Nikolaus Eckert eine Spendensammlung begonnen, die den Bau einer Kapelle ermöglichen sollte. Bilsdorf hatte zu diesem Zeitpunkt etwa 350 Einwohner, die sämtlich der katholischen Konfession angehörten.Dieter Lorig: Bilsdorfer Pfarrgeschichte 1892–2012, Bilsdorf 2012, S. 14. Die Gemeinde stellte dazu ein Grundstück im Gewann „Auf dem Hübel“ zur Verfügung, auf dem bereits vorher eine Andachtsstätte gestanden hatte. Die Kapelle wurde in den Jahren 1891/92 durch Spenden und freiwillige Hilfsdienste der Einwohner errichtet. In der neuen Kapelle wurden vom Nalbacher Pfarrer und seinem Kaplan an zwei Wochentagen die heilige Messe gehalten. Ab 1918 konnte auch Sonntags ein Gottesdienst gefeiert werden. Der Nalbacher Pfarrer Wilhelm Schröder sowie dessen Nachfolger Richard Meffert planten den Neubau einer neuen Kirche für Bilsdorf und Körprich an der Gemarkungsgrenze der beiden Dörfer. Die Bewohner der beiden Orte konnten sich jedoch nicht einigen und planten für jedes Dorf einen eigenen Sakralbau.
Im Jahr 1921 wurde Bilsdorf zur Außenkaplanei von Nalbach erhoben. Jakob Cornelius, der bis dahin Kaplan der Rodener Kirche Maria Himmelfahrt gewesen war, wurde am 30. Oktober 1921 zum Pfarrvikar in Bilsdorf ernannt. Der Bau eines Pfarrhauses erfolgte 1921–1922. Die Erdarbeiten hatten die Gemeindemitglieder in freiwilligem Dienst geleistet. Am 30. Oktober 1921 wurde Jakob Cornelius als Expositus in Bilsdorf eingesetzt. Nach dem Tod von Jakob Cornelius im Jahr 1927 wurde am 29. Mai 1929 Nikolaus Kolling zum Seelsorger ernannt. Nach dem Weggang von Kolling im Mai 1932 blieb die Kapelle bis zum August 1935 vakant, als in Nalbach Pfarrer Jungbluth seinen Dienst antrat und am 22. März 1936 Peter Stricker als Expositus seinen Dienst in Bilsdorf antrat. Im Jahr 1939 wurde Bilsdorf zur Vikarie erhoben, die allerdings noch keine eigene Vermögensverwaltung hatte. Stricker stellte am 26. Juli 1944 einen Antrag, Bilsdorf zur Pfarrvikarie zu erheben. Aufgrund des laufenden Krieges ließ die Trierer Bistumsverwaltung mitteilen, dass erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wieder an die Errichtung von Kirchengemeinden zu denken sei.Aus der Chronik der Pfarrei Bilsdorf, o. Autor, o. Ort, o. Jahr, Textseite 1. Am 29. Oktober trat Vikar Karl Weller sein Seelsorgeamt in Bilsdorf an. Der Artilleriebeschuss der US-Armee auf das Nalbacher Tal und Bilsdorf begann am 29. November 1944. Der Beschuss endete erst mit der Eroberung des Nalbacher Tales durch die US-Truppen am 19. März 1945.
Nachdem der Zweite Weltkrieg am 8. Mai 1945 sein Ende gefunden hatte, beantragte Vikar Weller am 26. Juni 1945 erneut, Bilsdorf zur Pfarrvikarie zu erheben. Daraufhin wurde Bilsdorf am 23. August 1946 zur Kirchengemeinde mit eigener Vermögensverwaltung. Der Bilsdorfer Kirchenvorstand beschloss am 25. Februar 1948 den Neubau einer eigenen Kirche. Der Spatenstich zum Neubau erfolgte im Rahmen einer Feier am 6. Juni 1948. Die letzte kirchliche Handlung in der alten Kapelle wurde am 23. Mai 1949 begangen.Aus der Chronik der Pfarrei Bilsdorf, o. Autor, o. Ort, o. Jahr, Textseite 2. Daraufhin riss man im Jahr 1949 die alte Kapelle aus dem Jahr 1891 ab. Am 1. September 1949 wurde der Grundstein zum Neubau gelegt.Hans Peter Buchleitner: Kultureller Wiederaufbau im Saarland 1945-1955. Ein Text- und Bildwerk. I. Band, Wiederaufbau, Neu- und Erweiterungsbau von Kirchen, Kapellen, Klöstern, Pfarr- und Jugendheimen, Gemeindehäusern usw. in der Landeshauptstadt wie in den Kreisen Saarlouis und Merzig-Wadern. Saarbrücken 1955, S. 80. Bis zum Jahr 1951 errichtete man die jetzige Kirche, die von den Saarwellinger Architekten Heinrich Latz (Vater des Landschaftsarchitekten Peter Latz) und Toni Laub entworfen worden war. Am 3. Juni 1951 konnten Prälat Carl Kammer und der Dillinger Dechant Michael Held gemeinsam mit dem Bilsdorfer Vikar Karl Weller im Beisein des saarländischen Innenministers Edgar Hector das neue Gotteshaus einsegnen.Hans Peter Buchleitner: Kultureller Wiederaufbau im Saarland 1945-1955. Ein Text- und Bildwerk. I. Band, Wiederaufbau, Neu- und Erweiterungsbau von Kirchen, Kapellen, Klöstern, Pfarr- und Jugendheimen, Gemeindehäusern usw. in der Landeshauptstadt wie in den Kreisen Saarlouis und Merzig-Wadern. Saarbrücken 1955, S. 76. Hector hatte mit dem Bilsdorfer Pfarrer Nikolaus Demmer, der Mitglied der katholischen Zentrumspartei gewesen war, in der Zeit vor der Saarabstimmung vom 13. Januar 1935 im Bilsdorfer Pfarrhaus Treffen von NS-Gegnern arrangiert.Kurzbiografie von Nikolaus Demmer bei den Saarland Biografien, zuletzt abgerufen am 6. September 2018.Trierer Biografisches Lexikon, S. 78.Dieter Lorig: Widerstand im Dorf gegen Adolf Hitlers Schergen. Mutiger Bilsdorfer Pfarrer sah Unheil voraus. In: Saarbrücker Zeitung, Lokalausgabe Dillingen-Saarlouis, vom 22. Juni 2004., abgerufen am 20. Dezember 2016.
Der aus Nunkirchen stammende Pfarrer Nikolaus Demmer (1892–1954) war im Jahr 1933 nach der nationalsozialistischen Machtergreifung und mehreren kurzzeitigen Verhaftungen aufgrund von massiver Gegnerschaft zum NS-Regime von Mandern in das unter der Verwaltung des Völkerbunds stehende Saargebiet geflüchtet. Der damalige Nalbacher Pastor Richard Meffert, der mit Demmer befreundet war, verschaffte diesem am 1. April 1933 eine neue provisorische Seelsorgestelle in Bilsdorf. Aber auch an seiner neuen Wirkungsstelle in Bilsdorf positionierte sich Pfarrer Demmer von 1933 bis 1935 nicht nur von der Kanzel aus gegen die Nationalsozialisten, sondern warnte im Gegensatz zur politischen Einstellung seines Trierer Oberhirten Franz Rudolf Bornewasser in zahlreichen Veröffentlichungen permanent vor einer Rückgliederung des Saargebiets an das nationalsozialistisch beherrschte Deutsche Reich, das er als Unrechtsstaat brandmarkte. Demmer, der Mitglied der katholischen Zentrumspartei war, arrangierte fortan im Bilsdorfer Pfarrhaus Treffen von NS-Gegnern aus Saarlouis, wie z. B. Edgar Hector. Diese Treffen wurden vom Bilsdorfer Schulleiter und Ortsgruppenleiter der NS-Organisation „Deutsche Front Bilsdorf“, Jakob Weyrich, argwöhnisch beobachtet. Weyrich ließ Demmer bespitzeln und setzte die SA auf ihn an, die zwischen 1933 und 1934 mehrfach versuchten, den Seelsorger ins Reichsgebiet zu entführen. Am 26. April 1934 erging ein Haftbefehl gegen Demmer aufgrund der antifaschistischen Intention seiner Predigten und angeblicher Vergehen gegen das Heimtückegesetz. Demmer hatte öffentlich gewarnt, der Nationalsozialismus führe zur Katastrophe der Welt. Bereits einen Tag später, am 26. April 1934, suspendierte ihn der Trierer Generalvikar wegen politischer „Hetze“ im Saargebiet nach canon 2222. Auf Veranlassung des Trierer Bischofs wurde Demmer am 15. August 1934 aufgefordert, das Saargebiet zu verlassen.
In den Jahren von 1933 bis 1935 brachte der Bilsdorfer Ortsgruppenleiter Weyrich sämtliche Bilsdorfer Vereine hinsichtlich der Abstimmung zur Rückgliederung des Saargebiets an das Deutsche Reich auf seine politische Linie. Infolge des überwältigenden Sieges der Rückgliederungsbefürworter und der Machtübernahme der NSDAP im Saargebiet musste Demmer, der im Bilsdorfer Pfarrhaus vor Übergriffen nicht mehr sicher war, am 15. Januar 1935 aus dem Saarland zu Verwandten ins französische Lothringen fliehen. Da dort sein Antrag um Aufenthaltsgenehmigung abgelehnt wurde, floh Demmer weiter nach Redingen an der Attert in Luxemburg zu den Franziskanerinnen. Als Demmer Anfang 1938 in einem Schreiben an die Allgemeine Lebensversicherungsanstalt die Nationalsozialisten als „braune Pest“ bezeichnete, wurden neue Maßnahmen gegen ihn eingeleitet und ein Haftbefehl wegen „heimtückischen Angriffs“ auf Staat und Partei erlassen. Am 3. Juli 1939 wurde Demmer die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt. Nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf das Großherzogtum Luxemburg am 10. Mai 1940 konnte sich Demmer nacheinander bei zwei Familien in Redingen bis Kriegsende verstecken. Durch die schmale Kost jener Zeit und den ständigen Aufenthalt in einem dunklen Zimmer erkrankte Demmer schwer an Skorbut und Magengeschwüren. Nach der Befreiung wurde Demmer Ende 1945 zum Pfarrer von Dasburg in der Eifel und gesundheitsbedingt im Jahr 1951 von Weiten ernannt. Demmer starb im Jahr 1954 in Weiten und wurde auf dem Friedhof seiner Heimatgemeinde Nunkirchen beerdigt.Dieter Lorig: Widerstand im Dorf gegen Adolf Hitlers Schergen. Mutiger Bilsdorfer Pfarrer sah Unheil voraus. In: Saarbrücker Zeitung, Lokalausgabe Dillingen-Saarlouis, vom 22. Juni 2004.Anton Biwer: Machtergreifung im Hochwald. In: Jahrbuch des Kreises Trier-Saarburg 1998, S. 173–186.Personalakte im Bistums-Archiv Trier, Abteilung 85.294, Blatt 245 ff.Joseph Meuniers: Deutscher Pfarrer in Luxemburg versteckt. In: Rappel, 3. Jahrgang 2004, S. 425–430.
Bis zur Fertigstellung der Bilsdorfer Kirche diente die Sakristei mit der Taufkapelle als Notkirche.Informationen zur Pfarrkirche Herz Jesu Auf: www.kunstlexikonsaar.de, abgerufen am 4. April 2015 Nachdem Vikar Karl Weller am 2. Mai 1954 nach Dudweiler versetzt worden war, wurde am 24. Oktober 1954 Ignatius Fuhrmann als Pastor eingeführt.Aus der Chronik der Pfarrei Bilsdorf, o. Autor, o. Ort, o. Jahr, Textseite 1. Erst im Jahr 1958 erfolgte zum 31. Oktober die Abtrennung von der Mutterpfarrei Nalbach, am Neujahrstag des Jahres 1961 die Erhebung zur Pfarrei.Aus der Chronik der Pfarrei Bilsdorf, o. Autor, o. Ort, o. Jahr, Textseite 3.Georg Colesie: Geschichte des Nalbacher Tales. Eine saarländische Heimatgeschichte. 2. Auflage, Nalbach 1990, S. 190–191, S. 224–226.Dieter Lorig: „Herz-Jesu“ feiert Jubiläum. In: Saarbrücker Zeitung vom 1. Februar 2011.Dieter Lorig: ... In: Saarbrücker Zeitung vom 26./27. September 2009. (Rubrik „SZ-Extra-Momente“)
Weihbischof Bernhard Stein konsekrierte die Bilsdorfer Kirche am 16. November 1966.Aus der Chronik der Pfarrei Bilsdorf, o. Autor, o. Ort, o. Jahr, Textseite 4.
Der von den in Nalbach seit 1913 ansässigen Heiliggeistschwestern personell geführte Bilsdorfer Kindergarten erhielt 1962 einen Neubau. Da die Heiliggeistschwestern (Orden der Schwestern vom Heiligen Geist) aber ihre Nalbacher Niederlassung im Januar 1971 aufgaben, verlor nun auch der Bilsdorfer Kindergarten seine Kindergartenschwestern.Aus der Chronik der Pfarrei Bilsdorf, o. Autor, o. Ort, o. Jahr, Textseite 4.
Architektur und Ausstattung