Dunstanburgh Castle ist eine Festung aus dem 14. Jahrhundert an der Küste der englischen Grafschaft Northumberland zwischen den Ortschaften Craster und Embleton.
Das Castle Die Burg ließ Earl Thomas of Lancaster zwischen 1313 und 1322 errichten, wobei er die gut zu verteidigende Lage des Anwesens und bereits existierende Erdwälle einer Wallburg aus der Eisenzeit ausnutzte. Thomas war einer der Führer einer adligen Partei, die gegen König Eduard II. opponierte und wollte vermutlich Dunstanburgh Castle als sicheren Rückzugsort nutzen, für den Fall, dass die politische Lage im südlichen England sich verschlechtern würde. Die Burg diente auch als Zeichen für den Reichtum und den Einfluss des Earls und lud zu Vergleichen mit dem benachbarten königlichen Bamburgh Castle ein. Thomas besuchte seine neue Burg vermutlich nur einmal, bevor er in der Schlacht bei Boroughbridge gefangen genommen wurde, nachdem er versucht hatte, den königlichen Truppen in die Sicherheit seiner Burg zu entfliehen. Thomas wurde hingerichtet und die Burg wurde Eigentum der Krone. Später fiel sie an das Herzogtum Lancaster.
In den 1380er-Jahren wurden die Verteidigungsanlagen von Dunstanburgh durch John of Gaunt, den Duke of Lancaster, im Lichte der Bedrohung aus Schottland und des Bauernaufstandes von 1381 ausgebaut. Die Burg wurde im 15. Jahrhundert von der Krone unterhalten und bildete während der Rosenkriege ein Bollwerk in dieser strategisch wichtigen Nordregion, wobei der Besitz an ihr mehrfach zwischen den rivalisierenden Parteien des Hauses Lancaster und des Hauses York wechselte. Die Festung erholte sich nie mehr von den Belagerungen dieser Zeit und im 16. Jahrhundert beschrieb der Lord Warden of the Scottish Marches sie als einem „wundervoll großartigen Verfall“ preisgegeben. Als die Grenze nach Schottland sich stabilisierte, nahm der militärische Nutzen der Burg stetig ab und König Jakob I. verkaufte schließlich das Anwesen 1604 in private Hände. Anschließend gehörte Dunstanburgh Castle mehrere Jahrhunderte lang der Familie Grey. Die zunehmend verfallende Burg wurde ein beliebtes Objekt für Maler, wie z. B. Thomas Girtin oder William Turner. 1808 schrieb Matthew Gregory Lewis auch ein Gedicht über sie.
In den 1920er-Jahren konnte sich der damalige Eigner, Sir Arthur Sutherland, die Unterhaltung der Burg nicht mehr länger leisten und übertrug sie 1930 an den Staat. Als 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, unternahm man Anstrengungen, die Küste Northumberlands gegen eine mögliche deutsche Invasion zu verteidigen. Die Burg diente als Beobachtungsposten und wurde wieder mit Gräben, Stacheldraht, Pillboxen und einem Minenfeld befestigt. Der Dunstanburgh Castle Golf Course entstand um 1900 auf dem Anwesen und wurde 1922 von Sutherland erweitert. Heute gehört die Burg dem National Trust und wird von English Heritage verwaltet. Die Ruinen gelten nach dem Recht des Vereinigten Königreiches als historische Gebäude I. Grades, sind Teil einer Site of Special Scientific Interest und bilden eine wichtige natürliche Umgebung für Vögel und Amphibien.
Dunstanburgh Castle wurde inmitten einer gestalteten mittelalterlichen Landschaft errichtet und ist von drei künstlichen Seen umgeben, die Meres genannt werden und eine Fläche von 4,25 Hektar bedecken. Die Kurtinen umschließen eine Fläche von 9,96 Hektar und machen Dunstanburgh Castle zu größten Burg in Northumberland. Der am besten sichtbare Teil der Burg ist das Große Torhaus, eine massive, dreistöckige Befestigung, die von den Historikern Alastair Oswald und Jeremy Ashbee als „eines der imposantesten Bauwerke in einer englischen Burg“ angesehen wird. Mehrere rechteckige Türme schützen die Burgmauer, z. B. der Lilburn Tower, der in Richtung Bamburgh Castle zeigt, und der Egyncleugh Tower, der oberhalb von Queen Margaret's Cove sitzt. Drei Komplexe von Gebäuden im Inneren der Burg – heute nur noch Ruinen – dienten einst dem Haushalt des Earls, dem Haushalt des Konstablers der Burg und dem Betrieb des umgebenden Anwesens. Ein Hafen entstand im Südosten der Burg, von dem heute nur noch ein Steinkai erhalten ist.
Geschichte Frühzeit – 13. Jahrhundert Das Gelände des späteren Dunstanburgh Castle im Nordosten von Northumberland wurde vermutlich erstmals in prähistorischer Zeit besiedelt. Ein Promontory Fort mit einer Wehr aus Erdwällen entstand am selben Ort zum Ende der Eisenzeit hin und war vermutlich vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis in die römische Zeit hinein besetzt. Im 14. Jahrhundert waren die Wehrwälle längst aufgegeben und das Land wurde als Kulturboden genutzt. Dunstanburgh war Teil der Gemeinde Embleton, einem Dorf, das landeinwärts, westlich der Burg, liegt und dem Earl of Lancaster gehörte.
Der Ursprung und die früheste Verwendung des Namens „Dunstanbrugh“ sind ungeklärt. Versionen des Namens, „Dunsanesburghe“ und „Donstanburgh“ waren aber in der Zeit des Baus der Burg in Gebrauch. Der Name „Dunstanburgh“ könnte eine Kombination des örtlichen Dorfnamens „Dunstan“ und dem altenglischen Wort „Burh“ sein, das Festung bedeutet.
Anfang des 14. Jahrhunderts Bau mini|Zeichnung aus dem Manuskript von Thomas of Lancaster (links) mit dem Heiligen Georg Thomas of Lancaster ließ Dunstanburgh Castle zwischen 1313 und 1322 bauen. Er war ein immens mächtiger englischer Baron, der zweitreichste Mann in England nach dem König, und nannte große Ländereien im ganzen Königreich sein Eigen. Er unterhielt turbulente Beziehungen mit seinem Vetter, dem König Eduard II., und war einer der Rädelsführer bei der Gefangennahme und der Hinrichtung von Eduards Günstling Piers Gaveston 1312.
Der genaue Grund, aus dem Thomas of Lancaster Dunstanburgh Castle bauen ließ, ist unbekannt. Zwar befindet sich die Burg an einer Stelle, die leicht verteidigt werden kann, aber sie liegt doch ziemlich weit entfernt von irgendwelchen Siedlungen oder anderen Orten von strategischem Wert. Thomas of Lancaster besaß zwar einige Ländereien in Northumberland, aber diese waren unwichtig im Vergleich zu seinen anderen Besitzungen in den Midlands oder Yorkshire, und bis 1313 schenkte er ihnen wenig Beachtung.
In den Jahren nach Gavestons Tod aber schien ein Bürgerkrieg nie weit weg zu sein und man glaubt derzeit, dass Thomas vermutlich einen Rückzugsort schaffen wollte, der in sicherer Entfernung von Eduards Truppen im Süden lag. Er hoffte auch, ein prominentes Statussymbol zu errichten, das seinen Reichtum und seinen Einfluss aufzeigte und den des Königs herausforderte. Er könnte vielleicht auch gehofft haben, eine geplante Stadt bei der Burg zu gründen und die Bevölkerung von Embleton dorthin umzusiedeln.
Die Bauarbeiten an der Burg hatten im Mai 1313 begonnen. Die Arbeiter begannen mit dem Ausheben des Burggrabens und dem Bau der Gebäude im Inneren der Burg. Ein Teil der äußeren Mauer mag von Arbeitern aus Embleton als Teil ihrer feudalen Pflichten gegenüber Thomas gebaut worden sein. Die Arbeiten wurden vom Baumeister „Master Elias“ geleitet, vermutlich Elias de Burton, der vorher beim Bau des Conwy Castle in Nordwales mitgewirkt hatte. Eisen, Kohle aus Newcastle und skandinavisches Holz wurden für dieses Projekt angeliefert. Ende des Jahres waren £ 184 ausgegeben und die Arbeiten wurden noch etliche Jahre fortgeführt. Eine Lizenz zum Bau einer Befestigung erließ Eduard II. 1316 und ein Konstabler für die Burg wurde 1319 berufen, dessen Aufgaben in der Verteidigung der Burg und der beiden Grundherrschaften von Embleton und Stamford bestand. 1322 war die Burg vermutlich fertig.
Die so erhaltene Burg war riesig, auf der einen Seite durch Klippen geschützt und auf den anderen Seiten von einer Steinkurtine, einem massiven Torhaus und sechs Türmen umgeben. Ein Hafen wurde an der Südseite der Burg angelegt, damit man diese auch von See aus erreichen konnte. Northumbria war damals eine gesetzlose Gegend und litt unter dem Unwesen von Dieben und „Schalvaldours“, einer Art von Grenzbriganten, von denen viele aus dem Haushalt Eduards II. stammten. Der Hafen stellte somit wohl eine sicherere Art dar, die Burg zu erreichen, als es der Landweg war.
Verlust mini|Das große Torhaus von Dunstanburgh Castle (oben) wurde durch das von Harlech Castle in Nordwales (unten) inspiriert. mini|Haupttorhaus von Harlech Castle Thomas of Lancaster machte von der Burg wenig Gebrauch; sein einziger Besuch mag 1319 stattgefunden haben, als er sich auf dem Weg nach Norden befand, um sich dem Feldzug des Königs nach Schottland anzuschließen. Im Jahre 1321 brach dann ein Bürgerkrieg zwischen König Eduard und seinen Feinden unter den Baronen aus. Nach anfänglichen Erfolgen der königlichen Truppen floh Thomas 1322 aus dem Süden Englands nach Dunstanburgh, wurde dabei aber von Sir Andrew Harclay gestellt, woraus die Schlacht von Boroughbridge resultierte, in der Thomas gefangen genommen und später hingerichtet wurde.
Die Burg geriet unter königliche Kontrolle und Eduard sah sie als nützliche Festung zum Schutz gegen Bedrohungen aus Schottland an. Anfangs wurde die Burg von Robert de Emeldon, einem Kaufmann aus Newcastle, verwaltet und durch eine Garnison von 40 bewaffneten Männern und 40 leichten Reitern geschützt. Roger Maduit, ein politisch rehabilitiertes, früheres Mitglied in Thomas’ Armee, wurde zum Konstabler ernannt. Ihm folgte 1323 Sir John de Lilburn, ein „Schavaldour“ aus Northumberland, der wiederum durch Roger Heron ersetzt wurde.
Maduit und die Garnison der Burg nahmen an der 1322 an der Schlacht bei Byland teil. Die Garnison wurde anschließend auf 130 Mann aufgestockt, vornehmlich leichte Reiter, und nahm eine Schlüsselrolle in der nördlichen Verteidigungslinie gegen die Schotten ein. 1326 wurde die Burg an Thomas’ Bruder Henry of Lancaster zurückgegeben; Lilburn kehrte als Konstabler zurück. In den nächsten Jahrzehnten diente die Burg weiterhin der Abwehr schottischer Invasionen.
Ende des 14. Jahrhunderts mini|Die Überreste des Konstablerhauses und eines Gebäudekomplexes (links) sowie Konstablerturm (rechts) Durch Heirat mit Henry of Lancasters Enkelin Blanche erlangte John of Gaunt 1362 das Eigentum an Dunstanburgh Castle. Gaunt war der dritte überlebende Sohn von König Eduard III. und als Duke of Lancaster einer der reichsten Leute seiner Generation. Er wurde Lieutenant of the Scottish Marshes und besuchte seine Burg 1380.
Dunstanburgh Castle war kein vorrangiges strategisches Ziel für den schottischen Angriff, da es weit weg von den Hauptrouten durch die Region lag, war aber während der schottischen Kriege stets gut mit einer Garnison bestückt. Die umgebende Grundherrschaft Embleton musste dennoch unter schottischen Ausfällen leiden und Gaunt machte sich Sorgen um den Zustand der Befestigungen der Burg. Er ordnete den Bau zusätzlicher Befestigungen um das Torhaus an. Teile des die Burg umgebenden Landes wurde damals wohl der landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt, entweder, um die wachsende Garnison zu ernähren, oder, um das Getreide gegen schottische Angriffe zu schützen.
1381 brach ein Bauernaufstand in England aus. Gaunt wurde von den Rebellen als besonders verhasstes Mitglied der Verwaltung ausgemacht. In der frühen Phase der Revolte fand er sich im Norden Englands gestrandet, befand Dunstanburgh Castle aber für nicht ausreichend gesichert, um dort Zuflucht zu suchen. Er war daher gezwungen, sich Alnwick Castle zuzuwenden, wo man ihn aber nicht einließ, weil man befürchtete, seine Anwesenheit würde die Rebellen zu einem Angriff veranlassen.