Julia Simon (* 9. Oktober 1996 in Albertville) ist eine französische Biathletin. Sie gewann in der Saison 2022/23 den Gesamtweltcup und ist dreifache Olympiasiegerin sowie zehnfache Weltmeisterin.

Sportliche Laufbahn Vom Jugendbereich in den B-Kader (bis 2018) Als Kind begann die in der Wintersportregion Savoyen aufgewachsene Simon mit dem alpinen Skisport. Über den Skilanglauf kam sie zum Biathlon, auf den sie sich ab dem Alter von 16 Jahren konzentrierte.Rencontre avec Julia Simon auf sportbc.net. Abgerufen am 19. April 2022. 2012 wurde sie in ihrer Altersklasse französische Vizemeisterin hinter der wenige Monate älteren Justine Braisaz, die ebenso wie Simon ihre Laufbahn im Club des Sports Les Saisies begann.Championnats de France cadets 2012 – Autrans auf dauphinordique.com. Erschienen am 4. März 2012. Abgerufen am 5. April 2020.

Ihr internationales Debüt gab Simon im Rahmen der Juniorinnenrennen der Europameisterschaften 2014 von Nové Město na Moravě, wo sie als bestes Ergebnis zwei 24. Plätze in Einzel und Verfolgung erreichte. Noch im gleichen Winter gewann sie bei den Jugendweltmeisterschaften 2014 in Presque Isle hinter Lisa Vittozzi und Anna Weidel die Bronzemedaille im Sprintrennen und anschließend gemeinsam mit Estelle Mougel und Lena Arnaud den WM-Titel in der Staffel. Diesen Erfolg wiederholte Simon in der nächsthöheren Altersklasse der Junioren 2015, erneut an der Seite von Arnaud und Chloé Chevalier. Spätere Erfolge im Juniorenbereich waren unter anderem Siege bei französischen Meisterschaften,Biathlon/Ruhpolding : La 6e fille sera Julia Simon auf nordicmag.info. Erschienen am 9. Januar 2017. Abgerufen am 5. April 2020. ein Europameistertitel in der Verfolgung 2016 sowie mehrere Top-Ten-Ergebnisse bei den Rennen der Junioren-WM 2017.

Parallel zu ihren Einsätzen bei internationalen Juniorenmeisterschaften trat Simon ab dem Winter 2014/15 im IBU-Cup an, der nach dem Weltcup zweithöchsten Wettkampfserie im Erwachsenenbereich. Dabei platzierte sich die Französin zwar zumeist unter den vorderen 40 und erhielt somit Punkte für die Gesamtwertung, ohne Top-Ten-Resultate blieb sie aber zunächst hinter den Ergebnissen ihrer Teamkolleginnen zurück. Simon gab später an, dass insbesondere die ständigen Vergleiche mit ihrer Vereinskameradin Justine Braisaz „nicht einfach“ gewesen seien: Während Braisaz bereits 2014 mit 18 Jahren in das französische Weltcupteam aufgestiegen war, wurde sie teilweise nicht für den IBU-Cup berücksichtigt.Jean-Pierre Bidet: Mondiaux : Julia Simon et Justine Braisaz, deux étoiles contraires au sommet du biathlon français auf lequipe.fr. Erschienen am 14. Februar 2020. Abgerufen am 5. April 2020.

Im Januar 2017 stand Simon in Martell in zwei IBU-Cup-Sprints auf dem Podest und entschied einen davon mit 17,6 Sekunden Vorsprung auf Darja Wirolainen für sich. Daraufhin erhielt sie in Ruhpolding und später (nach einem weiteren IBU-Cup-Podium) auch beim Saisonfinale in Oslo ihre ersten vier Weltcupeinsätze. Als bestes Ergebnis erzielte sie dabei einen 25. Rang im Sprint am Holmenkollen. Im folgenden Winter fand Simon – als Folge erneuter Top-Ten-Ergebnisse im IBU-Cup – ab Januar 2018 regelmäßig Berücksichtigung im Weltcupteam. Nach einem zwölften Rang im Sprint von Antholz nominierte sie der französische Skiverband für die olympischen Wettkämpfe von Pyeongchang; als einzige Biathletin des sechsköpfigen Aufgebots blieb sie dabei ohne Einsatz.Sélections finales aux Jeux Olympiques de PyeongChang 2018 auf ffs.fr. Erschienen am 29. Januar 2018. Abgerufen am 5. April 2020. Bei den Europameisterschaften 2018 (die ein Großteil der Olympiateilnehmer ausließ) gewann Simon Bronze in der Verfolgung und zusammen mit Émilien Jacquelin Silber in der Single-Mixed-Staffel. Bereits drei Jahre zuvor hatte sie bei der EM 2015 Staffelbronze gewonnen.

Aufstieg im Weltcup (2018 bis 2022) mini|links|Simon (l.) mit ihren Teamkolleginnen Anaïs Bescond, Célia Aymonier und Justine Braisaz nach dem Staffelrennen von Oberhof im Januar 2020

Über die Saison 2018/19 zählte Simon formal weiterhin zum B-Kader des Skiverbands,Collectifs Nationaux 2018/2019 – BIATHLON auf ffs.fr. Erschienen am 1. Juni 2018. Abgerufen am 5. April 2020. wurde aber über den gesamten Winter hinweg ausschließlich im Weltcup eingesetzt. Sie stand somit auf einer Ebene mit den drei A-Kader-Athletinnen Anaïs Chevalier, Anaïs Bescond und Justine Braisaz, mit denen sie im Staffelrennen von Ruhpolding im Januar 2019 erstmals in der höchsten Wettkampfserie gewann. Simon übernahm dabei die Position der Startläuferin, blieb im Liegend- wie auch im Stehendschießen fehlerfrei und übergab in Führung liegend an Bescond. Auch in Einzelrennen etablierte sie sich im oberen Mittelfeld, verpasste im Sprint von Pokljuka als Vierte das Podium um lediglich 2,5 Sekunden und belegte am Saisonende den 23. Rang im Gesamtweltcup. Bei ihrer ersten WM-Teilnahme im Erwachsenenbereich erreichte sie als bestes Einzelergebnis einen 21. Rang im 15-Kilometer-Rennen, in den Staffelwettkämpfen verfehlte sie die Medaillenränge klar.

Simon – die seit Mai 2019 auch offiziell im A-Kader geführt wurdeÉQUIPES DE FRANCE 2019–2020 – BIATHLON auf ffs.fr. Erschienen am 17. Mai 2019. Abgerufen am 5. April 2020. – verbesserte ihre Ergebnisse über den folgenden Winter weiter. Bereits beim Saisonauftakt in Östersund stand sie im 15-Kilometer-Einzel erstmals auf dem Podest. Im Januar 2020 verteidigte sie auf der Pokljuka als Schlussläuferin der französischen Mixed-Staffel den ihr von Quentin Fillon Maillet, Simon Desthieux und Justine Braisaz mitgegebenen Vorsprung von 40 Sekunden auf das norwegische Team und sicherte somit ihren zweiten Staffel-Weltcupsieg. Bei den Weltmeisterschaften von Antholz zeigte sie zunächst ihre schwächsten Saisonleistungen mit Resultaten außerhalb der vorderen 30 Plätze, schloss die WM aber mit einem fünften Rang im Massenstart ab. Im letzten Rennen der Saison (das aufgrund der COVID-19-Pandemie ohne Zuschauer stattfand) entschied sie im Alter von 23 Jahren erstmals einen Einzel-Weltcup für sich: Nach einem 11. Platz im Sprint überholte sie in der Verfolgung von Kontiolahti alle Konkurrentinnen und gewann das Rennen mit 17,3 Sekunden vor Selina Gasparin, nachdem sie anders als die bis dahin führende Tiril Eckhoff beim letzten Schießen ohne Fehler blieb. Am Ende des Winters belegte sie als beste Athletin ihres Teams (vier Punkte vor Justine Braisaz) den achten Platz im Gesamtweltcup.

Auch 2020/21 war Simon mit zwei Massenstartsiegen im Januar 2021 eine der erfolgreichsten Französinnen im Weltcup: In Oberhof setzte sie sich auf der Schlussrunde gegen Franziska Preuß durch, in Antholz schlug sie Hanna Öberg im Zielsprint. Bis zum letzten Saisonrennen in Östersund führte sie den Massenstartweltcup an, wurde dort aber mit 15 Fehlschüssen Letzte und fiel auf den dritten Rang der Disziplinenwertung zurück. Mehrere Beobachter bezeichneten Simons Saison als „Achterbahnfahrt“.Romain Le Biavant: Julia Simon : entre exploits et désillusions auf biathlonlive.com. 8. April 2021.Maxime Ducher: Oberhof - Comment la reine Julia Simon a conquis un succès mémorable sur la mass start auf eurosport.fr. 17. Januar 2021. Wegen unbeständiger Schießergebnisse – in erster Linie im liegenden Anschlag – platzierte sie sich zwischen ihren erfolgreichen Wettbewerben teils nicht unter den ersten 50 Athletinnen. Bei den Weltmeisterschaften Mitte Februar 2021 auf der Pokljuka verpasste Simon in den Einzelwettkämpfen vordere Ergebnisse und gab das 15-Kilometer-Rennen nach sieben Schießfehlern in chancenloser Position vor dem Erreichen des Ziels auf. Zwei Tage später gewann sie zusammen mit Antonin Guigonnat die Goldmedaille in der Single-Mixed-Staffel und errang damit ihren ersten Weltmeistertitel, wobei sie auf der letzten Runde schneller als Tiril Eckhoff lief. Im Weltcup hatte Simon zuvor bereits an der Seite von Émilien Jacquelin eine Single-Mixed-Staffel für sich entschieden.

Im Winter 2021/22 lief Simon nach einem in einer AFP-Meldung als „katastrophal“ bewerteten SaisonstartAFP: Biathlon: la revanche de Julia Simon auf france24.com. 11. März 2022. Abgerufen am 19. April 2022. „Après avoir démarré l’exercice 2021-2022 de manière catastrophique, […]“ (ohne Top-20-Ergebnis in den ersten Wochen) zu ihrem ersten Sprint-Weltcupsieg – vor Vanessa Voigt – bei den Rennen von Otepää und mehreren weiteren Podestergebnissen. Bei den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking belegte sie als bestes Einzelergebnis einen sechsten Rang im Massenstart beim Sieg ihrer Teamkollegin Justine Braisaz-Bouchet. Mit der Mixed-Staffel um Anaïs Chevalier-Bouchet, Émilien Jacquelin und Quentin Fillon Maillet gewann sie die olympische Silbermedaille.

Gesamtweltcupsieg (2022 bis 2024) mini|Simon während der Weltmeisterschaften 2023 in Oberhof

Mit zwei Siegen in den ersten fünf Wettkämpfen der Weltcupsaison 2022/23 übernahm Julia Simon im nacholympischen Winter früh das Gelbe Trikot der Gesamtführenden. Insgesamt beendete sie in der Saison siebzehn von zwanzig Weltcuprennen unter den ersten zehn Athletinnen, zehn davon auf dem Podium. Sie gewann den Gesamtweltcup mit 1093 Punkten vor Dorothea Wierer (911 Punkte). Die als Favoritin in den Winter gestartete Elvira Öberg, die in der ersten Saisonhälfte Simons stärkste Konkurrentin war,Elvira Oeberg abandonne son duel face à Julia Simon pour le gros globe auf biathlonlive.com. 8. März 2023. Abgerufen am 10. April 2023. fiel in der Wertung wegen gesundheitlicher Probleme zurück. Simon war die insgesamt vierte Französin nach Anne Briand, Emmanuelle Claret und Sandrine Bailly, die im Gesamtweltcup triumphierte.Unstoppable Julia Simon auf biathlonworld.com. 22. März 2023. Abgerufen am 10. April 2023. Zudem entschied sie die Disziplinenwertungen in der Verfolgung und im Massenstart für sich. Bei den Weltmeisterschaften 2023 siegte Simon im Verfolgungsrennen vor Denise Herrmann-Wick und gewann außerdem zwei Bronzemedaillen im Massenstart sowie mit der Mixed-Staffel.

Im Verlauf des Winters 2023/24 zählte Simon erneut zu den international stärksten Athletinnen. Bei den Weltmeisterschaften in Nové Město na Moravě gewann sie vier Goldmedaillen: im Sprint und in der Verfolgung ebenso wie in der Frauenstaffel und in der Mixedstaffel. Hinzu kam eine Bronzemedaille im 15-Kilometer-Einzelrennen. Mit diesen Erfolgen wurde Simon zur erfolgreichsten französischen Biathletin bei Weltmeisterschaften.Florian Burgaud: Biathlon | Marie Dorin-Habert surpassée, cinq médailles, quatre titres : la reine des championnats du monde de Nove Mesto, c’est Julia Simon auf nordicmag.info. 19. Februar 2024. Abgerufen am 14. April 2024. Im Weltcup entschied Simon zwei Einzelrennen für sich – die Verfolgung in Oberhof sowie den Massenstart in Antholz – und belegte damit Rang fünf in der Gesamtwertung. Sie war damit die drittbeste Athletin im französischen Team hinter Lou Jeanmonnot und Justine Braisaz-Bouchet.

Weitere Weltmeistertitel (seit 2024)