Michael Anthony Müller (* 2. Juli 1970 in Ingelheim am Rhein) ist ein deutsch-britischer Künstler. Er lebt in Berlin.

Leben Michael Müller wurde 1970 als Sohn einer Engländerin und eines Deutschen in Ingelheim am Rhein geboren. Im Alter von 15 Jahren wurden seine Kunstwerke erstmals ausgestellt, sechs weitere Ausstellungen folgten, bis er mit 22 Jahren an die Kunstakademie in Düsseldorf ging, um in der Klasse von Magdalena Jetelová zu studieren. Er brach das Studium bereits nach zwei Semestern ab, um zu reisen. Primär interessierten ihn die indischen Wurzeln seiner Großmutter mütterlicherseits, die aus der Ladakh-Region an der Grenze zu Tibet stammte. Die persönliche Bindung zu Indien entwickelte er im Alter von 16 Jahren, als er sich mit indischer Musik vertraut machte und mit Fotografien tibetischer Mönche in Kontakt kam. 1993 reiste er das erste Mal in die Ladakh-Region, in der er in den folgenden 15 Jahren viel Zeit verbrachte und teilweise auch lebte, u. a. im Kloster zu Alchi.

So war es nicht die formale Kunsthochschulbildung, die Michael Müller prägte, es waren Indien und das Reisen an sich, welches großen Einfluss auf sein künstlerisches Schaffen hatten. Dieser Einfluss spiegelte sich beispielsweise in einer Reihe von Karten imaginärer Orte wider, von denen die größte 22 Meter lang und noch in Arbeit ist.

Das Fundament von Michael Müllers Kunst stützt sich auf sprachliche, numerisch-mathematische, wissenschaftliche, oder auch auf stellare Systeme, die trotz gewisser Basis auf empirischen Ergebnissen meist vom Künstler selbst erfunden sind. Den Arbeiten Michael Müllers liegt dabei häufig ein skeptisches Interesse zu Grunde. Oft beschäftigt er sich mit existierenden historischen und aktuellen Formen, Methoden, Normen, Mythologien und Erzählungen sowie deren Aktualisierbarkeit für die Gegenwart. Die Abweichungen ins Irrationale, die sie erzeugen, und der sich daraus bildende Zweifel am Bestehenden, schafft in ihm einen Willen zur Durchsetzung eigener Formen.Daniel Tyradellis: Randgänge der Kunst. Das Werk Michael Müllers, in: Kuenstler. Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, Ausgabe 108, Heft 9 (2014).

Müllers künstlerische Werke umfassen verschiedene Medien wie Skulptur, Installation, Malerei und Zeichnung. Ein häufig wiederkehrendes Thema seiner Arbeiten ist das der Übersetzung. Damit ist sowohl die Übersetzung von einer Sprache in eine andere gemeint sein als auch die Übertragung von einer Realitätsebene in eine andere. Auch dem Aspekt des Transitorischen, der Unfassbarkeit eines nur kurz andauernden Moments, widmet Müller zahlreiche Werke.

Von 2015 bis 2018 war Michael Müller Gastprofessor an der Berliner Universität der Künste.

Werk

K4-Schrift Eines der umfangreichsten Projekte Michael Müllers ist die von ihm entwickelte Schrift „K4“. Ein Projekt, das mittlerweile 25 Jahre andauert und aus circa 400.000 Zeichen besteht. „K4“ entstand zu gleichen Teilen aus Spaß und Versehen. Eine Freundin Müllers war daran interessiert, sich seine Kopie des Buches Der Mann ohne Eigenschaften von Robert Musil auszuleihen. Müller lehnte ab, schlug jedoch vor, es für sie zu übersetzen. Er begann die Übersetzung als eine intellektuelle Übung. Ohne ihre linguistische Grundlage zu ändern, suchte er nach einem neuen Notationssystem, um die Wörter des Romans zu übersetzen. Dieses Experiment ging mit der Zeit mehr in das Reich der Kunst über, als eine Art Konglomerat aus Sprache und der Abbildung von Informationen. Ziel blieb es trotzdem immer, einzelne Zeichen visuell unterscheidbar und die artifizielle Sprache theoretisch lernbar zu machen.

Teile der Übersetzung Musils in „K4“ werden heute oft als Kunstwerke selbst ausgestellt und bilden in Kombination mit anderen Medien die Grundlage für die Ausstellungsreihe Achtzehn Ausstellungen.

Achtzehn Ausstellungen Im April 2013 begann Michael Müller seinen Ausstellungszyklus Achtzehn Ausstellungen in der Galerie Thomas Schulte, Berlin. Die Ausstellungsdauer variiert zwischen mehreren Wochen und wenigen Stunden, beziehungsweise Ausstellungen, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Zwölf der achtzehn Ausstellungen wurden bereits gezeigt (Stand Januar 2015). Die finale Ausstellung wird den Namen Kleine Probe für Nietzsches Geburtstagsparty 2313 tragen.

Ausgangspunkt des Ausstellungszyklus ist ebenfalls Robert Musils 1913 erschienenes Werk Der Mann ohne Eigenschaften. Mehrere große Gruppen der von Müller in „K4“ übersetzten Kapitel sind für die Dauer der Ausstellungen im Ausstellungsraum der Galerie zu sehen.

Der geschenkte Tag Der geschenkte Tag ist eine in den Jahren 2021 und 2022 entstandene raumfüllende und architekturbezogene Malereiinstallation von Müller mit den Maßen 6 × 65 m. Das Werk basiert auf dem antiken griechischen Mythos der Dioskuren und verbindet abstrakte Malerei mit Elementen einer raumbezogenen Installation. Thematisch bezieht es sich auf Aspekte von Zeit, Sterblichkeit, Liebe sowie auf das Verhältnis von Vergangenheit und Gegenwart.

Bei der Erstpräsentation im Städel Museum in Frankfurt am Main in den Jahren 2022/23 bildete die aus 24 Leinwänden bestehende Arbeit das Zentrum der Einzelausstellung Der geschenkte Tag. Kastor & Polydeukes. Seit 2025 wird das Werk in einer um 20 m erweiterten Fassung in der Treppenhalle des Neuen Museum auf der Museumsinsel Berlin gezeigt.

Kirchenfenster im Kloster Eberbach 2026 wurden drei von Müller entworfene Kirchenfenster in der Basilika des Klosters Eberbach im Rheingau installiert. Die Entwürfe basieren auf dem Werk Der geschenkte Tag (2021/2022) und greifen nach Angaben der Stiftung Kloster Eberbach malerische Motive und Themen der Malereiinstallation auf. Die drei großformatigen Glaskunstwerke befinden sich im Südquerhaus der Basilika.

Einzelausstellungen (Auswahl) 2026: Radiowaves, Brandenburgischer Kunstverein, Potsdam 2026: Fragmenta in lumine, Kloster Eberbach, Eltville am Rhein 2025/26: Dioskuren – Der geschenkte Tag, Neues Museum, Berlin 2024: When we kissed that kiss, Metropol Kunstraum, München 2023: Am Abgrund der Bilder, St. Matthäus-Kirche, Berlin 2022/23: Der geschenkte Tag. Kastor & Polydeukes, Städelmuseum Frankfurt 2022: Mögliche und unmögliche Bilder, Museum im Kulturspeicher, Würzburg 2022: Thinking Hand, Jhaveri Contemporary, Mumbai, Indien 2021/22: Drei biographische Versuche, Galerie du Monde, Hong Kong 2021: Schwierige Bilder, Hasenheide 13, Sammlung Wemhöner, Berlin 2020: Anton im Bastrock & Bikini on Mars, Galerie Thomas Schulte, Berlin 2018: An Exhibition as a Copy, Galerie du Monde, Hong Kong 2017: For All Those Who Trust in Form and Not in Content, Jhaveri Contemporary, Mumbai, Indien 2017: Vor und hinter dem Glas, Brandenburgischer Kunstverein, Potsdam 2016–2017: Skits – 13 Ausstellungen in 9 Räumen, Staatliche Kunsthalle Baden-Baden 2015–2016: Wer spricht?, KW Institute for Contemporary Art, Berlin 2013–2015: Achtzehn Ausstellungen, Galerie Thomas Schulte, Berlin, Deutschland 2011: Falling of a Cliff, with Channa Horwitz, François Ghebaly Gallery, Los Angeles, CA, USA 2011: Musikstücke und Farben, Amrita Jhaveri, Mumbai, Indien 2010: Was wird er damit tun?, Galerie Aanant & Zoo, Berlin, Deutschland 2008: Caoutchouc, Mummery & Schnelle, London, Großbritannien 2007: Nach links und von oben, Art Cologne/Open Space (Coma), Köln

Publikationen (Auswahl)

Leben in Bildern. Ein Porträt des Sehens für Rudolf Zwirner. Hrsg.: Alien Athena Foundation for Art, Philipp Bollmann, Michael Müller. Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König, Köln 2023, ISBN 978-3-7533-0505-9. Kunstsæle 2010–2020. Hrsg.: Geraldine Michalke, Michael Müller. Distanz-Verlag, Berlin 2023, ISBN 978-3-95476-422-8.

Weblinks Website Michael Müller Michael Müller bei der Galerie du Monde Michael Müller bei der Galerie Jhaveri Contemporary Rory MacLean im Gespräch mit Michael Müller

Einzelnachweise

Kategorie:Bildender Künstler (Berlin) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1970 Kategorie:Mann