mini|hochkant|Wappen der Stadt Kronach
Die Geschichte der Stadt Kronach beginnt vermutlich im achten oder neunten nachchristlichen Jahrhundert; dokumentiert ist sie seit der ersten urkundlichen Erwähnung Kronachs im Jahr 1003. Die Stadtgeschichte ist deutlich von der jahrhundertelangen Zugehörigkeit zum katholischen Hochstift Bamberg und der damit verbundenen Grenzlage zum protestantischen Kurfürstentum Sachsen geprägt. Als nördliches Bollwerk im Herrschaftsgebiet der Bamberger Fürstbischöfe wurde die oberhalb der Stadt gelegene Burg Rosenberg, die Mitte des 13. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt wurde, zu einer frühneuzeitlichen Schlossfestung ausgebaut.
Urgeschichte mini|Heunischenburg
Geröllgeräte aus Schottern der Haßlach und der Rodach, die vor allem nordöstlich von Hummendorf, einem Gemeindeteil von Weißenbrunn, südwestlich der Wachtersmühle und auf dem östlich der Kronacher Kernstadt gelegenen Kreuzberg gefunden wurden, belegen die Besiedlung des heutigen Landkreises Kronach schon während des Mittelpaläolithikums. Die Funde gehören damit zu den ältesten Steingeräten in der Gegend. Etwa vier Kilometer westlich der Kernstadt, in der Nähe des Gemeindeteils Gehülz, befindet sich die Heunischenburg, eine steinerne Befestigung der späten Urnenfelderzeit. Mit der Blütezeit im neunten vorchristlichen Jahrhundert handelt es sich dabei um die älteste aus Stein gebaute Befestigungsanlage nördlich der Alpen, die heute bekannt und archäologisch untersucht ist.
Mittelalter Kronach entstand vermutlich im achten oder neunten nachchristlichen Jahrhundert. Unklar ist, ob sich diese Ansiedlung tatsächlich im Bereich der heutigen Kernstadt befand, da die ältesten dort gemachten Funde lediglich aus dem 13. oder 14. Jahrhundert stammen. Forschungen, die 2019 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurden, deuten darauf hin, dass der Ort Kronach seinen Ursprung möglicherweise rund drei Kilometer weiter nördlich zwischen den heutigen Stadtteilen Birkach und Friesen hatte. Dort, auf einem Flurstück namens Eichelberg, wurden 1989 von einem Hobbyarchäologen bei der Begehung einer Ackerfläche Tonscherben entdeckt, die zum Teil auf das achte oder neunte Jahrhundert datiert wurden. Die zuständigen Behörden maßen den Funden zunächst jedoch keine größere Bedeutung bei, da man sie für die Reste einer rein bäuerlich geprägten Siedlung hielt, möglicherweise der Wüstung „Aychelperg“, die im Urbar B des Bistums Bamberg von 1323 Erwähnung fand.
Mit Genehmigung des Landesamts für Denkmalpflege führte der Hobbyarchäologe eine Sondierungsgrabung durch, die die steinernen Überreste einer salischen Turmburg aus dem 12. Jahrhundert und weitere Artefakte zutage förderte. Eine weitere Grabung, die nun mit Unterstützung des Denkmalpflegeamts und der Universität Bamberg erfolgte, führte kurz darauf zur Entdeckung eines zweiten Steinfundaments. Zwischen 1992 und 2000 wurden zahlreiche weitere Fundstücke ergraben, die bis ins achte Jahrhundert datiert wurden. Teilweise waren dies Utensilien, die zum Inventar eines Ritters gehörten, was als Beleg dafür gilt, dass es sich bei der Ausgrabungsstelle um den ehemaligen Sitz eines Adeligen handelte. Allerdings konnten die gefundenen Gruben und Pfostenlöcher nur in wenigen Fällen eindeutig Gebäudegrundrissen zugeordnet werden.
Eine im Frühjahr 2021 durchgeführte Magnetometer-Prospektion zeigte hingegen mehrere rechteckige oder runde Strukturen, bei denen es sich wahrscheinlich um ehemalige Gebäudestandorte handelte. Die Untersuchungen deuteten auf eine ursprünglich rund 1,5 Hektar große Ansiedlung hin, die von einer Grabenbefestigung umgeben war und im Laufe der Zeit auf eine Fläche von mindestens 4,5 Hektar erweitert wurde. Diese Siedlung, die ihren Namen vermutlich von dem daran vorbeifließenden Gewässer übernommen hatte, wurde wahrscheinlich bereits im Jahr 772 in einer für das Kloster Fulda ausgestellten Schenkungsurkunde als „villa cranaha“ erstmals namentlich erwähnt. Kronach wäre damit einer der ältesten archäologisch nachweisbaren Orte in Deutschland. Die Stadt an ihrem heutigen Standort entstand somit möglicherweise im Laufe der Stadtgründungen des Mittelalters als Planstadt, als die ursprüngliche Siedlung, die wohl bereits Marktrechte besaß, um das Jahr 1400 aufgegeben und um etwa drei Kilometer nach Süden auf den Bergsporn des Rosenbergs verlegt wurde.
Bislang wird jedoch die Nennung der „urbs crana“ im Jahr 1003 in der Chronik des Thietmar von Merseburg noch als erste urkundliche Erwähnung von Kronach angesehen: Markgraf Heinrich von Schweinfurt, zu dessen Besitz der Ort gehörte, ließ im Zuge einer Auseinandersetzung mit König Heinrich II., der sogenannten Schweinfurter Fehde, eine dort errichtete Mittelpunktsburg niederbrennen, bevor er zu seinem Verbündeten Bolesław Chrobry nach Böhmen floh. Die zerstörte Burg stand möglicherweise auf dem Bergsporn zwischen den Flüssen Haßlach und Kronach, auf dem sich heute die Kronacher Altstadt befindet; archäologisch konnte dies jedoch bislang nicht nachgewiesen werden. Die zu der Befestigung gehörende Ansiedlung wurde vermutlich nicht mit zerstört.
Nach dem Aussterben der männlichen Linie des Hauses Schweinfurt im Jahr 1057 befanden sich die Gebiete um Kronach zunächst im Besitz des böhmischen Herzogs Břetislav I., der mit Judith, einer Tochter des Markgrafen Heinrich verheiratet war. Deren Enkel Udalrich trat die Gebiete 1099 an Kaiser Heinrich IV. ab, da sie zu weit von seinem eigentlichen Herrschaftsraum entfernt waren. Im Jahr 1122 schenkte Heinrich V., der Sohn Heinrichs IV., Kronach und die umliegenden Gebiete, das sogenannte „praedium crana“, dem Bistum Bamberg. Dies geschah als Dank für die Vermittlertätigkeit des Bamberger Bischofs Otto I. beim Wormser Konkordat, mit dem der Investiturstreit zwischen dem Kaiser und Papst Calixt II. beigelegt wurde.
Wenige Jahre später entstanden unter Otto I. möglicherweise die Anfänge der oberhalb der Stadt gelegenen und in den folgenden Jahrhunderten zur barocken Festung ausgebauten Burg Rosenberg: Laut Verzeichnis des Klosters Michelsberg in Bamberg ließ der Bischof um 1130 bei Kronach ein „steinernes Haus und einen Turm“ errichten. Ob diese Bauwerke tatsächlich auf dem Rosenberg im Bereich der heutigen Festungsanlage standen, konnte archäologisch jedoch bislang nicht belegt werden. Eventuell handelte es sich bei den 1989 nördlich der Kernstadt entdeckten Steinfundamenten um die Überreste dieser Gebäude.
Die Bamberger Fürstbischöfe behielten bis zur Säkularisation des Hochstifts Bamberg in den Jahren 1802/1803 die Herrschaft über Kronach, das ab 1500 auch im Fränkischen Reichskreis lag.
Stadterhebung Der genaue Zeitpunkt der Stadterhebung Kronachs ist nicht überliefert. Jedoch wurden die Bewohner im sogenannten Langenstadter Vertrag vom 14. Dezember 1260, mit dem die Rückgabe des zeitweilig an Otto II. von Schaumberg verpfändeten Ortes und seines Umlandes an das Hochstift Bamberg geregelt wurde, als „Bürger“ (lat. cives) bezeichnet. Diese Formulierung deutet darauf hin, dass Kronach zu diesem Zeitpunkt bereits im Besitz der Stadtrechte war. Da in dem Vertrag nicht erwähnt wurde, dass sich der Stand der Kronacher in der jüngeren Vergangenheit verändert hätte, dürfte die Verleihung der entsprechenden Rechte bereits um das Jahr 1250 erfolgt sein.
Hussitenkriege Während der Hussitenkriege wurde Kronach im Jahr 1430 von einer Heeresabteilung der Hussiten angegriffen und belagert. Um die Angreifer zu vertreiben, steckten die Bürger der sogenannten Oberen Stadt, der heutigen Altstadt, die eigene Vorstadt um das Spital in Brand. Dies war wohl nicht mit deren Bewohnern abgesprochen und führte zu lange anhaltenden Streitigkeiten zwischen beiden Stadtteilen, die erst durch den Bamberger Landesherrn Friedrich III. von Aufseß geschlichtet wurden, indem er den Bewohnern der Vorstadt 1431 Steuernachlässe und eine nicht genau benannte Teilhabe am Stadtrat gewährte. Mit einer weiteren Urkunde des Bischofs aus dem Jahr 1439 wurden die bislang nicht als Bürger geltenden Vorstädter rechtlich den Bewohnern der Oberen Stadt annähernd gleichgestellt; die drei Vorstädte wurden offiziell Bestandteil der Stadt Kronach. Die Obere Stadt behielt jedoch zahlreiche Privilegien, die den Vorstädtern weiterhin verwehrt blieben, wie etwa das Recht zum Bierbrauen und zum Ausschank von Bier und Wein.
16. Jahrhundert Bauernkrieg Während des Deutschen Bauernkrieges befand sich Kronach 1525 einige Zeit in der Hand der aufständischen Bauern: Rat und Bürger beteiligten sich unter Führung des fürstbischöflichen Kastners Kunz Dietmann an dem Aufruhr und übergaben Stadt und Burg in Abwesenheit des Burghauptmanns kampflos. Das Aufbegehren der Kronacher richtete sich jedoch vor allem gegen die Ritterschaft und nicht gegen den Bamberger Landesherrn Weigand von Redwitz, der bis zuletzt mit den Aufständischen in seinem Herrschaftsgebiet verhandelte. Bedingung für die Übergabe von Stadt und Burg war, dass die Burg Rosenberg verschont werden sollte; zahlreiche Burgen, Schlösser und Klöster in der Umgebung wurden jedoch – unter Beteiligung der Aufständischen aus Kronach – geplündert und zerstört.
Nachdem das Heer des Schwäbischen Bundes am 19. Juni 1525 bereits die Stadt Bamberg eingenommen und den Aufstand dort niedergeschlagen hatte, wurden am 25. Juni schließlich Kronach und die Burg Rosenberg besetzt. Fürstbischof Weigand von Redwitz ließ vier Anführer des Aufstandes in Kronach hinrichten, die Stadt wurde als Entschädigung für die verursachten Schäden mit einer Strafzahlung in Höhe von 2000 Gulden belegt. Dietmann sollte ebenfalls hingerichtet werden, die Strafe wurde jedoch auf die Zahlung von 800 Gulden reduziert, nachdem sich zahlreiche Kronacher Adelige bei von Redwitz für den Kastner eingesetzt hatten.
Zweiter Markgrafenkrieg mini|hochkant|Zeitgenössische Darstellung des Markgrafen Albrecht II. Alcibiades
Bereits wenige Jahrzehnte nach dem Bauernkrieg musste sich die Stadt Kronach im Zweiten Markgrafenkrieg erneut eines Angreifers erwehren. Albrecht II. Alcibiades, Markgraf von Brandenburg-Kulmbach, versuchte sein Einflussgebiet in Franken zu vergrößern und bekämpfte hierzu seine fränkischen Nachbarn, vor allem die beiden katholischen Hochstifte Bamberg und Würzburg. Dem Markgrafen gelang unter anderem die Einnahme der Stadt Forchheim im Süden des Hochstifts Bamberg. Danach bedrohte er die nicht durch eine Stadtbefestigung geschützte Bischofsstadt Bamberg, die sich schließlich am 19. Mai 1552 geschlagen geben musste.
Nachdem die Truppen des Markgrafen bereits im September 1552 Dörfer in der Kronacher Umgebung überfallen und ausgeraubt hatten, fielen sie im Juni 1553 im Norden des heutigen Landkreises Kronach ein und bedrohten unter anderem die Stadt Teuschnitz, die mehrfach zur Zahlung höherer Geldsummen gezwungen wurde, um eine Plünderung zu verhindern. Von Teuschnitz aus zog Alcibiades im Oktober 1553 mit einem 300 bis 400 Mann starken Heer im Tal der Haßlach nach Süden, marschierte am 10. Oktober 1553 vor Kronach auf und forderte die Übergabe der Stadt. Da sich die Kronacher weigerten und eine Belagerung der befestigten Stadt mit seiner relativ kleinen Truppe nicht möglich war, musste der Markgraf unverrichteter Dinge abziehen.
Einige Monate später wurde Alcibiades vom sogenannten Bundesständischen Heer, das durch den Zusammenschluss mehrerer deutscher Fürsten entstanden war, vernichtend geschlagen. Seine Residenzstadt Kulmbach wurde nach kurzer Belagerung am 26. November 1553 völlig zerstört; die verbliebenen Truppen in der Stadt zogen sich in die Plassenburg zurück und kapitulierten nach mehrmonatiger Belagerung am 21. Juni 1554. Der Krieg endete mit der Flucht des Markgrafen nach Frankreich.
Reformation und Gegenreformation