mini|Dorfkirche Wittmannsdorf
Wittmannsdorf () ist ein Wohnplatz von Wittmannsdorf-Bückchen, einem Ortsteil der amtsfreien Gemeinde Märkische Heide im Landkreis Dahme-Spreewald (Brandenburg). Der Ort war bis zum Zusammenschluss mit Bückchen 1973 eine selbständige Gemeinde. Der Gemeindeteil Wittmannsdorf darf nicht mit dem Ortsteil Wittmannsdorf der Stadt Luckau verwechselt werden. mini|Wittmannsdorf auf dem Urmesstischblatt 3950 Groß Leuthen von 1846 mini|Bahnhof Wittmannsdorf (um 1900)
Geographie Wittmannsdorf liegt rund 17 km südwestlich von Beeskow, 21 km südöstlich von Storkow (Mark) und rund 19 km nordöstlich von Lübben (Spreewald). Die Gemarkung von Wittmannsdorf grenzt im Norden an Plattkow, im Osten an Schuhlen-Wiese, im Süden an Groß Leuthen, alle genannten Orte sind Ortsteile der Gemeinde Märkische Heide, im Südwesten an Bückchen und im Westen an Pretschen, ein Ortsteil der Gemeinde Märkische Heide. Wittmannsdorf ist über die L 442, die in Gröditsch von der B 179 abzweigt, über Bückchen, Wittmannsdorf, Schuhlen-Wiese zur B 87 und von dort weiter nach Goyatz führt, wo sie an der B 320 endet. In Wittmannsdorf zweigt die L443 nach Norden ab, und von dieser Straße geht wieder noch im Ort die K6117 nach Pretschen ab.
Auf der Gemarkung gibt es keine größeren Gewässer. Der östlich des Ortskerns beginnende Buschhäuser Gräben verläuft nach Nordosten und entwässert in das Rocher Mühlenfließ. Ein weiterer Graben beginnt direkt beim Ort und entwässert nach Westen zum Gröditscher Landgraben, die über eine längere Strecke die Gemarkungsgrenze zu Pretschen bildet. Ein weiterer Graben bildet die südliche Grenze zur Gemarkung Bückchen.
Geschichte Die älteste Urkunde, die den Ort Wittmannsdorf erwähnt, datiert aus dem Jahr 1384 (nach dem Historischen Ortslexikon) bzw. von 1346 (Wittmisdorff). Er wird an dieser Stelle „Wyttenstorff“ genannt. Der Name des Ortes lässt sich von einem deutschen Vornamen Witram, Witmar oder Witmann ableiten. Nach Rudolf Lehmann war das Dorf ursprünglich ein Sackgassendorf.
1708 lebten in Wittmannsdorf zwei Bauern, elf Kossäten und drei Büdner. 1718 waren es zwei Hüfner, neun Kossäten und drei Häusler. Das Dorf hatte 1000 Gulden Schatzung, ein vergleichsweise hoher Betrag (der Nachbarort Wiese hatte 500 Gulden Schatzung). 1723 gab es im Ort einschließlich des Vorwerkes 18 Feuerstellen, die in der Regel mit Wohngebäuden gleichzusetzen sind. 1755 hatte Wittmannsdorf 127 Einwohner. Die durchschnittliche Ernte in Dresdner Scheffel betrug: 810 Scheffel Korn, 8 Scheffel Weizen, 78 Scheffel Gerste, 60 Scheffel Hafer, 54 Scheffel Erbsen, 38 Scheffel Heidekorn (= Buchweizen), 12 Scheffel Hopfen und 14 Scheffel Lein. 1795 wurden drei Freihäusler genannt. 1809 bestand die Bevölkerung Wittmannsdorf aus zwei Ganzbauern (= Vollbauern), zwölf Ganzkossäten, zwei Halbkossäten und vier Häuslern oder Büdnern.
Das Schmettausche Kartenwerk von 1767/87 verzeichnet auf dem Mühlberg, in einiger Entfernung östlich vom Dorf eine Windmühle. Sie wurde offensichtlich näher an das Dorf verlegt. 1846 stand sie nördlich des Dorfkerns, an der Kossenblatter Straße (etwa gegenüber dem Gebäude Kossenblatter Straße 18). 1820 gab es im Ort 27 Feuerstellen und 199 Einwohner. 1826 wird eine Schule erwähnt (wieder erwähnt 1861). 1840 waren es 29 Häuser, in denen 256 Menschen lebten. Nach Berghaus war das Rittergut im Jahr 1853 2755 Morgen groß. Bei den großen Überschwemmungen im Sommer des Jahres 1854 wurden 141 Morgen Wiesen in den umliegenden Niederungen überschwemmt. Der Schaden in Wittmannsdorf (Gemeindebezirk) und Gutsbezirk wurde mit 700 Talern beziffert. Allein im Gutsbezirk gingen 800 Zentner Heu verloren, 1861 wurden nur noch 26 Häuser (vermutlich ein Fehler in der Quelle) und 254 Einwohner gezählt. Bemerkenswerterweise waren darunter auch eine jüdische Familie mit fünf Personen. 1864 wird die Windmühle erwähnt und eine Schäferei dicht am Dorfe. Das Topographisch-statistisches Handbuch des Regierungs-Bezirks Frankfurt a. O. gibt für 1864 wiederum 29 Häuser und 254 Einwohner an. 1879 erwähnt das Generaladressbuch eine Brennerei im Ort gab. mini|Rittergut mit Brennerei, Kirche und Schule auf einer Postkarte (um 1900)
Bevölkerungsentwicklung von 1818 bis 1971 Jahr 1818 1846 1871 1890 1910 1925 1939 1946 1950 1964 1971 Einwohner 199 255 265 248 230 242 252 423 393 385 364
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gut enteignet und stattdessen 28 Neubauernstellen geschaffen. Mit der LPG Typ I „Fortschritt“ wurde am 27. August 1952 in Wittmannsdorf die erste LPG im Kreis Lübben gegründet.
Besitzgeschichte 16. bis 17. Jahrhundert 1505 genehmigte der damalige Herzog von Glogau und Troppau (und spätere König von Polen) Sigismund I., der Anna, Frau des Georg Langen die Dörfer Pretschen und Wittmannsdorf als Leibgedinge. Als dagegen der sächsische Kurfürst Friedrich III. (der Weise) und die Herzöge Johann und Georg von Sachsen die von Langen 1494 mit der gesamten Hand mit ihren Besitzungen belehnten: Nickel der Ältere auf Münchehofe, Nickel den Jüngeren und Friedrich zu Krausnick und die Brüder Christoph, Hans und Anton zu (Märkisch) Buchholz war Wittmannsdorf dagegen noch nicht im Besitz der Familie von Langen. Wittmannsdorf muss also zwischen 1495 und 1505 von den von Langen erworben worden sein.
Am 21. März 1517 belehnte der Niederlausitzer Landvogt Heinrich Tunkel von Bernitzko aus Anlass des Todes von König Vladislav II. Georg Langen mit den Dörfern Pretschen und Wittmannsdorf mit Zubehör. Nach dem Tod von König Ludwig II. in der Schlacht bei Mohács im Jahre 1526 erhielt Georg Langen erneut einen neuen Lehnsbrief von Heinrich Tunkel von Bernitzko für seine Güter Pretschen und Wittmannsdorf. 1538 war Georg Langen verstorben und nun wurden seine Söhne Melchior und Leonhardt vom Landvogt Heinrich Tunkel von Bernitzko mit Pretschen und Wittmannsdorf belehnt. 1542 verkauften die Brüder Melchior und Leonhardt die Langen ihre vom Vater Georg ererbten Güter, die Dörfer Pretschen und Wittmannsdorf an Friedrich d. J. von Streumen zu Trebatsch; mitbelehnt war dessen Bruder Heinrich. Leonhard Langen war mit Walpurgis von Streumen verheiratet, und vermutlich ein Schwager der Brüder Friedrich und Heinrich von Streumen. Friedrich von Streumen besaß außerdem das Dorf Groß Leine und Anteile an den Dörfern Mittweide und Skuhlen, die er 1544/45 verkaufte. Er war mit Anna von Löser verheiratet. 1576 war ein Valentin von Streumen verstorben, vermutlich der Sohn des Friedrich von Streumen. Er war Bürge für Albrecht von Quast gewesen, der dem Bernd von Drauschwitz Geld schuldete und das er nach Urkundenlage wohl nicht zurückzahlen konnte. Nun klagte Bernd von Drauschwitz auf Winkelhof (bei Spremberg) gegen die Vormünder der noch minderjährigen Kinder des Valentin von Streumen auf Bezahlung der Bürgschaft, wie hoch die Bürgschaft war, ist nicht bekannt. Eine eingesetzte Kommission entschied in diesem Rechtsstreit, dass sich Bernd von Drauschwitz mit einer Zahlung von 50 Talern zufriedengeben musste. Die Güter des Valentin von Streumen waren stark verschuldet und so willigte der Landvogt in den Verkauf des Gutes Pretschen an Abraham von Bredow ein. Dieser wurde 1579 mit Pretschen (und wahrscheinlich auch Wittmannsdorf) belehnt. 1585 verkaufte nämlich dieser beide Dörfer für 14.000 Taler an Joachim von Holzendorf. Dieser erhielt am 23. Januar 1589 den Lehnbrief für die beiden Dörfer Pretschen und Wittmannsdorf, mitbelehnt waren seine Brüder Dietrich und Steffanus. 1622 verstarb Joachim von Holzendorf und vererbte Pretschen und Wittmannsdorf an seinen Sohn Samuel von Holzendorf, Obersteuereinnehmer und Assessor des Landgerichts der Niederlausitz.
1636 musste Samuel von Holzendorf Wittmannsdorf für 6000 Taler an seinen Vetter Christian von Holzendorf verkaufen. 1642 wollte er auch Pretschen verkaufen, fand jedoch zunächst niemand, der bereit und finanziell in der Lage war, das Rittergut Pretschen bar zu bezahlen. Erst im Jahre 1649 konnte er auch Pretschen für 18.000 Taler an seinen Schwiegersohn Joachim Friedrich Freiherr von Blumenthal verkaufen. Dessen Sohn Christoph Caspar erbte nicht nur Pretschen, sondern auch eine Reihe anderer Güter, so Pröttlin (Prignitz), Deibow (Ortsteil der Gemeinde Milow, Mecklenburg-Vorpommern), Stavenow (Prignitz), Trechwitz (Ortsteil der Gemeine Kloster Lehnin), Neuendorf (bei Halberstadt; existiert nicht mehr) und Paretz. 1660 heiratete er im Berliner Dom Luise Hedwig Freiin von Schwerin. Er wurde zum Dompropst in Brandenburg an der Havel ernannt und war kurbrandenburgischer Gesandter.
Christian von Holzendorf hatte zum Kauf von Wittmannsdorf von seinem Vetter Ulrich von Wolfersdorf auf Groß Lübbenau 3000 Taler leihen müssen, die er mit 6 % verzinsen musste. Er musste dem Ulrich von Wolfersdorf dafür das Gut Wittmannsdorf als Sicherheit verpfänden. In den unruhigen Zeiten des Dreißigjährigen Krieges konnte er das Gut nicht halten und musste es an Joachim von Holzendorf auf Sagritz verkaufen. Joachim von Holzendorf starb um 1670 und seine Söhne teilten den Besitz des Vaters. Hans Caspar übernahm das Gut Wittmannsdorf, Joachim Ernst erhielt das Gut Sagritz. Um 1680 verkaufte er Wittmannsdorf an Christoph Caspar von Blumenthal, der damit Pretschen und Wittmannsdorf wieder in einer Hand vereinigt. Aufgrund seiner besonderen Verdienste erhielt Christoph Caspar Freiherr von Blumenthal 1689 vom sächsischen Kurfürsten auf Lebenszeit einen Sitz an der Herrentafel im Lausitzer Landtag, obwohl er keine Herrschaft in der Niederlausitz besaß; ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der Niederlausitz. Christoph Caspar Freiherr von Blumenthal und Luise Hedwig Freiin von Schwerin hatten sechs Kinder, vier Söhne und zwei Töchter. Der Sohn Otto fiel am 12. September 1683 in der Schlacht am Kahlenberg. Der Sohn Friedrich starb als kurbrandenburgischer Oberst in Brabant. Er hatte bei der Teilung des väterlichen Besitzes zunächst Pretschen und Wittmannsdorf erhalten. Nun folgte im Besitz von Pretschen und Wittmannsdorf der dritte Bruder Adam Ludwig nach. Der vierte Bruder Bogislaw hatte Pröttlin, Deibow und Paretz erhalten.
1683 wurde Gustav Heros als Verwalter der Rittergüter Pretschen und Wittmannsdorf vereidigt. Adam Ludwig hatte 1701 Sofie Wilhelmine von Schöning, Tochter des kurbrandenburgischen Kriegsministers und Generalfeldmarschall Hans Adam von Schöning und der Johanna Margarethe von Pöllnitz auf Tamsel (heute Dąbroszyn) in der damaligen Neumark. 1703 verpachtete Ludwig Reichsgraf von Blumenthal Pretschen und Wittmannsdorf an den Schösser Georg Graßmann. Adam Ludwig fiel 1704 als kurbrandenburgischer Oberst in der (zweiten) Schlacht von Höchstädt.
18. Jahrhundert