mini|Die Kirche St. Eucharius in Sommerach

Der Julius-Echter-Turm (auch Echterturm, gelegentlich Juliusturm) ist eine spezielle Bauform von Kirchtürmen, die auf den ehemaligen Fürstbischof von Würzburg, Julius Echter von Mespelbrunn, zurückgeht und typisch für die unterfränkische Region ist. Stilprägend ist sein Dach mit einem Knickhelm bzw. einem spitzen, achteckigen Helm auf einem quadratischen Turmschaft. Die Bauform wird der Nachgotik zugeordnet.Barbara Schock-Werner: Die Bauten im Fürstbistum Würzburg unter Julius Echter von Mespelbrunn 1573–1617. S. 35.

Begriff Die Begriffe Julius-Echter-Turm und Echterturm werden in Architekturwörterbüchern nicht geführt, jedoch seit den 1950er Jahren (EchterturmBisher älteste durch Google-Books-Recherche nachweisbare Begriffsverwendung von Kurt Kayser, in: Landschaft und Land, der Forschungsgegenstand der Geographie. Festschrift Erich Obst zum 65. Geburtstag dargebracht von seinen Freunden, Mitarbeitern und Schülern, Verlag für Landeskunde, 1951, S. 148. (Google Books)) bzw. 1970er Jahren (Julius-Echter-TurmBisher älteste durch Google-Books-Recherche nachweisbare Begriffsverwendung: Karl Kolb: Wehrkirchen und Kirchenburgen in Franken. Echter, Würzburg 1977, ISBN 978-3-921056-16-5, S. 108. (Google Books)) von Geographen und Bauhistorikern in Baubeschreibungen verwendet, um eine besondere historisch-regionale Verbreitung des sogenannten Knickhelms zu bezeichnen.

Geschichtliche Einordnung In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts begann die einsetzende Reformation auch das Hochstift Würzburg zu erfassen. Viele kleinere Herrschaften wechselten zum neuen Glauben, der Bauernkrieg des Jahres 1525 tat sein Übriges, sodass ein Flickenteppich von evangelischen und katholischen Kleinherrschaften entstand. Die Würzburger Bischöfe, insbesondere der am Ende des Jahrhunderts herrschende Julius Echter von Mespelbrunn, versuchten dieser Entwicklung durch die sogenannte „Gegenreformation“ Herr zu werden.

Teilweise mit Gewalt und Erpressung trieb man die abgefallenen Dörfer wieder zum katholischen Glauben. Ein weiteres Element dieser Rekatholisierung der Region war eine Neuordnung der Pfarreien und Gemeinden des Bistums. Als sinnfälligste und bis heute sichtbaren Zeugen dieser Zeit gelten allerdings die wieder- oder vollständig neuerrichteten Kirchen, die in einer Art Bauprogramm nach vorgegebenen Plänen errichtet wurden.Vgl.: Schneider Erich: Kleine Kunstgeschichte des Landkreises Kitzingen.

Der Echter-Turm als Bauelement wird bis in die Moderne weitergeführt. So errichtete man in den Jahren 1954/1955 die evangelisch-lutherische Markuskirche in der mittelfränkischen Stadt Erlangen unter Verwendung romanischer und gotischer Stilelemente mit einem dem Echterturm nachempfundenen Westturm.

Turm mini|hochkant|Die Wallfahrtskirche Heilig-Blut in Iphofen

Der Turmunterbau weist typischerweise einen quadratischen Grundriss auf, wobei bereits vorhandene, massive romanische und gotische Türme meist lediglich ergänzt wurden. Die Ergänzungen umfassten zumeist Aufstockung der ursprünglichen Geschosse, sodass die Türme mit mindestens drei Geschossen weithin in der Landschaft zu sehen waren. Die Fenstereinteilung bei bereits vorhandenen Gotteshäusern wurde beibehalten, ansonsten überwiegen querovale Fenster mit Sandsteinrahmungen.

Die neuerrichteten Türme wurden zumeist durch Sandsteingesimse unterteilt, sodass die Geschosse auch äußerlich erkennbar waren. Spitzbogige Schallöffnungen mit nachgotischem Maßwerk wurden am obersten Geschoss angebracht, in dem auch die Glocken untergebracht waren. Viele Kirchen wiesen ebenso eine oder mehrere Uhren außen an den Türmen auf. Sie wurden vor oder neben den Schallöffnungen angebracht.

Ein weiteres typisches Element ist der sogenannte Echter-Spitzhelm. Ein flacher Anfang leitet zu einem oktogonalen, hohen Spitzhelm über. Der Übergang zwischen der Quadratform des Turmes und der Oktogonform des Helmes wird durch die Einsetzung von Aufschieblingen erreicht. Das Spitzdach vieler Echtertürme zeichnet sich zudem durch eine zur Spitze hin im Uhrzeigersinn verlaufende Drehung aus. Die Helme sind schiefergedeckt und enden zumeist in einem vergoldeten Turmknopf, auf dem ein Kreuz angebracht wurde.Barbara Schock-Werner: Die Bauten im Fürstbistum Würzburg unter Julius Echter von Mespelbrunn 1573–1617, S. 35.

Kirchen mit Echtertürmen (Auswahl) Die Kirchen mit Echtertürmen finden sich vor allem im Maindreieck, das den Mittelpunkt des Hochstifts Würzburg bildete. Von hier aus reicht ihre Verbreitung bis in die Rhön im Norden und ins Taubertal im Süden. Westlich finden sich Türme bis in den Spessart, östlich bis zum Steigerwald. An den äußersten Rändern des ehemaligen Hochstiftes übernahmen auch einige evangelische Kirchen die charakteristischen Merkmale des Turms. Viele Türme wurden im Laufe der Jahrhunderte überbaut und verändert, sodass sich heute etwa 140 Julius-Echter-Türme erhalten haben.