Sevim Çelebi-Gottschlich (* 2. Mai 1950 in AnkaraWerner Breunig, Andreas Herbst: Biografisches Handbuch der Berliner Abgeordneten 1963–1995 und Stadtverordneten 1990/1991 (= Schriftenreihe des Landesarchivs Berlin. Band 19). Landesarchiv Berlin, Berlin 2016, ISBN 978-3-9803303-5-0, S. 111.) ist eine ehemalige deutsche Politikerin (Alternative Liste für Demokratie und Umweltschutz (AL)). Sie rückte im April 1987 wegen des Rotationsprinzips der Grünen in das Abgeordnetenhaus von Berlin nach und war die erste Migrantin in einem deutschen Landesparlament.Sevim Çelebi-Gottschlich, Bundeszentrale für politische Bildung abgerufen am 14. Dezember 2014 Ihre erste Rede im Parlament hielt sie auf Türkisch. Damit wollte sie auf die Lebensrealität und sprachliche Situation vieler Menschen mit Migrationsgeschichte in Berlin aufmerksam machen. CDU‑Abgeordnete reagierten mit Klopfen auf den Tisch, um sie zu übertönen.
Nachdem Çelebi in der Türkei das Handelsgymnasium absolviert hatte, ging sie 1970 nach West-Berlin und arbeitete bei Siemens in Spandau. Das Unternehmen bot keine Deutschkurse an, sodass sie die Sprache unter schwierigen Bedingungen neben der körperlich anstrengenden Schichtarbeit selbst lernen musste. Der Alltag war geprägt von Isolation, harter Arbeit und mangelnder Unterstützung. Rückblickend beschrieb sie die ersten Jahre als entmutigend, da das Leben fast nur aus Arbeit bestand und kaum Raum für Integration blieb. Nach zwei Jahren kündete Sevim und arbeitete als Verkäuferin, Kassiererin und Taxifahrerin. 1978 legte sie das Abitur ab und schloss die Fachschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik 1984 als Sozialarbeiterin ab.
In ihrer Zeit im Parlament setzte sich Çelebi-Gottschlich insbesondere für Migrantenrechte, Familiennachzug, zweisprachige Erziehung und die Verbesserung der Lebensbedingungen in sozialen Brennpunkten ein. Ihr Engagement war stets von der Überzeugung getragen, dass Integration keine Einbahnstraße sei, sondern ein gegenseitiger Prozess auf Augenhöhe. Çelebi-Gottschlich trat 1997 bei den Grünen aus. Blieb jedoch politisch aktiv und kandidierte erfolglos bei der Bundestagswahl 1998 als Einzelbewerberin in Berlin-Tempelhof.
Im Verlag Kiepenheuer & Witsch erschien 2011 ihre Lebensgeschichte Auf Zeit. Für immer – Zuwanderer aus der Türkei erinnern sich als eine von insgesamt 14 Biographien.
Literatur Werner Breunig, Andreas Herbst (Hrsg.): Biografisches Handbuch der Berliner Abgeordneten 1963–1995 und Stadtverordneten 1990/1991 (= Schriftenreihe des Landesarchivs Berlin. Band 19). Landesarchiv Berlin, Berlin 2016, ISBN 978-3-9803303-5-0, S. 111. Vera Gaserow: Abgeordnete Celebi. In: Emma, Juni 1987, S. 6.
Weblinks Die Zeit: Mein schönes Kreuzberg – Zwei Jahre im Schöneberger Rathaus, 3. Februar 1989 Türkischstämmige Frau will in den Bundestag – Celebi kämpft für Rechte der Immigranten, 17. September 1998 Bundeszentrale für politische Bildung: Sevim Celebi-Gottschlich – 50 Jahre Anwerbeabkommen, 25. Oktober 2011
Einzelnachweise
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