Der Artikel beinhaltet eine ausführliche Darstellung der ungarischen Fußballnationalmannschaft bei Fußball-Weltmeisterschaften. Ungarn nahm neunmal an Weltmeisterschaften teil und wurde zweimal Vizeweltmeister. Von den Mannschaften auf den ersten 48 Plätzen der ewigen Tabelle konnte sich Ungarn am längsten nicht mehr qualifizieren. Zuletzt nahmen sie 1986 teil. Erst auf Platz 49 steht mit Nordirland eine Mannschaft, die ebenso lange abwesend ist.

Teilnahme Ungarns an der Fußball-Weltmeisterschaft

Jahr Gastgeberland Teilnahme bis … Letzte(r) Gegner ErgebnisDie Platzierungen ab Platz 5 wurden von der FIFA festgelegt, ohne dass es dafür Platzierungsspiele gab. Siehe: (PDF; 200 kB) Trainer Bemerkungen und Besonderheiten 1930 Uruguay nicht teilgenommen 1934 Italien Viertelfinale Österreich 6. 1938 Frankreich Finale Italien Vizeweltmeister 1950 Brasilien nicht teilgenommen 1954 Schweiz Finale Deutschland Vizeweltmeister Wunder von BernSándor Kocsis Torschützenkönig 1958 Schweden Vorrunde Schweden, Wales, Mexiko }10 Im Entscheidungsspiel an Wales gescheitert 1962 Chile Viertelfinale Tschechoslowakei 5 Flórián Albert erzielt ebenso wie 5 andere Spieler die meisten Tore (je 4) 1966 England Viertelfinale UdSSR 6 1970 Mexiko nicht qualifiziert In der Qualifikation an der Tschechoslowakei gescheitert 1974 Deutschland nicht qualifiziert In der Qualifikation an Schweden gescheitert 1978 Argentinien Vorrunde Argentinien, Italien, Frankreich 15 1982 Spanien Vorrunde El Salvador, Argentinien, Belgien 14 Das 10:1 gegen El Salvador ist der höchste Sieg bei einer Männer-WM 1986 Mexiko Vorrunde UdSSR, Kanada, Frankreich 18 1990 Italien nicht qualifiziert In der Qualifikation an Spanien und Irland gescheitert 1994 USA nicht qualifiziert In der Qualifikation an Griechenland und Russland gescheitert 1998 Frankreich nicht qualifiziert In der Qualifikation an Norwegen und in der Relegation an BR Jugoslawien gescheitert 2002 Südkorea/Japan nicht qualifiziert In der Qualifikation an Italien und Rumänien gescheitert 2006 Deutschland nicht qualifiziert In der Qualifikation an Schweden und Kroatien gescheitert 2010 Südafrika nicht qualifiziert In der Qualifikation an Dänemark und Portugal gescheitert 2014 Brasilien nicht qualifiziert In der Qualifikation an den Niederlanden und Rumänien gescheitert. 2018 Russland nicht qualifiziert In der Qualifikation an Portugal und der Schweiz gescheitert. 2022 Katar nicht qualifiziert In der Qualifikation an England, Polen und Albanien gescheitert. 2026 Kanada/Mexiko/USA nicht qualifiziert In der Qualifikation an Portugal und Irland gescheitert.

Statistik (Angaben inkl. 2023: 23 Weltmeisterschaften; Prozentangaben sind gerundet) mini|Platzierung der ungarischen Mannschaft in der ewigen WM-Tabelle Teilnahmeverzicht: 2× (8,7 %; 1930, 1950) Nicht qualifiziert: 12× (52,2 %; 1970, 1974, 1990, 1994, 1998, 2002, 2006, 2010, 2014, 2018, 2022, 2026)

Sportliche Qualifikation: 8× (34,7 % bzw. bei 40,0 % der Versuche) Teilnahme ohne Qualifikation, da der Gegner nicht antrat: 1× (4,3 %; 1954) Vorrunde: 4× (17,4 %; 1958, 1978, 1982, 1986) Viertelfinale: 3× (13,0 %; 1934, 1962, 1966) Finale: 2× (8,7 %; 1938 und 1954) Vizeweltmeister: 2× (8,7 %; 1938 und 1954)

Häufigster letzter Gegner: Frankreich (2×)

Turniere mit maximal 16 Teilnehmern 1930 in Uruguay Wie die meisten europäischen Mannschaften nahm auch Ungarn nicht an der ersten WM teil.

1934 in Italien Für die erste WM in Europa konnten sich die Ungarn zusammen mit Österreich gegen Bulgarien qualifizieren. Nachdem Ungarn zwei und Österreich ein Spiel hoch gegen Bulgarien gewonnen hatten, wurden die übrigen Spiele nicht mehr ausgetragen. In Italien traf Ungarn im Achtelfinale auf Ägypten, das als erste und bis 1970 letzte afrikanische Mannschaft an der WM teilnahm, und gewann mit 4:2. Dabei erzielte Pál Teleki das erste WM-Tor für Ungarn.fifa.com: „Ungarn - Ägypten 4:2 (2:2)“ Im Viertelfinale war dann Österreich der Gegner und konnte die Ungarn mit 2:1 bezwingen.fifa.com: „Österreich - Ungarn 2:1 (1:0)“ Es war bereits das 75. Spiel zwischen beiden Mannschaften.

1938 in Frankreich links|mini|Szene aus dem Spiel gegen die Schweiz mini|Aufstellungen im Finale 1938 Für die erste WM in Frankreich mussten sich die Ungarn gegen Griechenland qualifizieren, das zuvor Palästina ausgeschaltet hatte. Mit einem 11:1-Sieg gelang dies mühelos. In Frankreich traf die Mannschaft im Achtelfinale auf Niederländisch-Indien, das heutige Indonesien. Die Asiaten waren nur aufgrund der Absagen anderer Mannschaften dabei und konnten sich später nie wieder qualifizieren. Mit 0:6 verloren sie ihr einziges WM-Spiel.fifa.com: „Ungarn - Niederländisch Ostindien 6:0 (4:0)“ Im Viertelfinale war dann die Schweiz der Gegner, die sich in zwei kraftraubenden Spielen gegen Groß-Deutschland durchgesetzt hatte. Durch ein 2:0 zog Ungarn zum ersten Mal ins Halbfinale ein.fifa.com: „Ungarn - Schweiz 2:0 (1:0)“ Dort wurde Schweden, das bereits in der 1. Minute mit 1:0 in Führung gegangen war, mit 5:1 besiegt.fifa.com: „Ungarn - Schweden 5:1 (3:1)“ Im Finale war Titelverteidiger Italien der Gegner. Bereits in der 6. Minute brachte der in Österreich-Ungarn geborene Gino Colaussi die Italiener mit 1:0 in Führung, aber zwei Minuten später konnte Pál Titkos ausgleichen. Schon 8 Minuten später fiel der erneute Führungstreffer für Italien durch Silvio Piola. In der 35. Minute gelang dann Colaussi mit dem 3:1 die Vorentscheidung. György Sárosi konnte zwar in der 70. Minute noch den Anschlusstreffer erzielen, aber erneut Piola gelang der 4:2-Endstand für den alten und neuen Weltmeister.fifa.com: „Italien - Ungarn 4:2 (3:1)“ Mit je fünf Toren waren Piola und die Ungarn Sárosi und Gyula Zsengellér zweitbeste Torschützen hinter dem Brasilianer Leônidas. Durch den Zweiten Weltkrieg blieb es dieser Generation verwehrt, erneut an einer WM teilzunehmen.

1950 in Brasilien Zwar bestritten die Ungarn bereits seit August 1945 wieder zahlreiche Länderspiele, an der zweiten WM in Südamerika nahmen sie aber nicht teil.

1954 in der Schweiz mini|Aufstellungen im Finale 1954 Für die Fußball-Weltmeisterschaft 1954 war Ungarn kampflos qualifiziert, da der Gegner Polen nicht antrat. Aufgrund der Dominanz der Ungarn in dieser Zeit, die 1952 Olympiasieger geworden waren und als erste kontinentaleuropäische Mannschaft in England gewonnen hatten, rechneten sich die Polen keine Chance aus und verzichteten auf die Qualifikation, nachdem sie gegen Ungarn gelost wurden. Ungarn galt auch als erklärter Favorit auf den WM-Titel, denn seit Juni 1952 hatte die Goldene Elf kein Spiel mehr verloren und dabei England in London mit 6:3 und in Budapest kurz vor der WM mit 7:1 geschlagen.

In der Schweiz trafen die Ungarn im ersten Spiel auf Südkorea, das erstmals teilnahm und beim 0:9 gegen die Ungarn völlig überfordert war.fifa.com: „Ungarn - Korea Republik 9:0 (4:0)“ Mit diesem Ergebnis wurde das bis dahin höchste Ergebnis bei einer WM aus dem Jahr 1938 überboten, als Schweden Kuba mit 8:0 bezwang, und nur den Ungarn gelang 1982 mit einem 10:1 ein Sieg mit noch mehr Toren. Im zweiten Spiel trafen die Ungarn auf die deutsche Mannschaft, die zuvor die Türkei mit 4:1 bezwungen hatte. Aufgrund des einmaligen Modus mussten die gesetzten Ungarn nicht gegen die ebenfalls gesetzten Türken antreten und Deutschland nicht gegen Südkorea. Da bei Punktgleichheit Entscheidungsspiele stattfanden, schonte der deutsche Bundestrainer Sepp Herberger einen Großteil seiner Mannschaft für das entscheidende Spiel gegen die Türken. Mit 8:3 gelang dann auch den Ungarn ein deutlicher Sieg, allerdings fiel Major Ferenc Puskás nach einem Foul von Werner Liebrich für die nächsten Spiele aus.fifa.com: „Ungarn - Bundesrepublik Deutschland 8:3 (3:1)“ Der Einzug ins Viertelfinale brachte die Begegnung mit Brasilien. Hier kam es zur Schlacht von Bern, bei der neben József Bozsik auch zwei Brasilianer vom Platz gestellt wurden.fifa.com: „Ungarn - Brasilien 4:2 (2:1)“ Durch das 4:2 kam es im Halbfinale zur Begegnung mit Titelverteidiger Uruguay und erneut siegten die Ungarn mit 4:2, benötigten dafür aber 120 Minuten.fifa.com: „Ungarn - Uruguay 4:2 n.V. (2:2, 1:0)“ Anders als das Spiel gegen Brasilien verlief das zweite Spiel gegen eine südamerikanische Mannschaft aber friedlich. Am Ende umarmten sich die Spieler beider Mannschaften und zollten sich gegenseitig Respekt. Im Finale trafen die Ungarn dann erneut auf Vorrundengegner Deutschland und galten angesichts des Vorrundenergebnisses als klarer Favorit. Die Ungarn führten dann auch bereits nach 8 Minuten mit 2:0, aber was dann geschah, gilt in Deutschland als Wunder von Bern, in Ungarn führte es aber zu Ausschreitungen und die Spieler wurden von den kommunistischen Machthabern drangsaliert. Denn bereits zwei Minuten nach dem 2:0 gelang Max Morlock der Anschlusstreffer und acht Minuten später Helmut Rahn der Ausgleich. Damit wurde den Ungarn bewusst, dass es kein weiteres 8:3 geben würde und in einem nun ausgeglichenen Spiel hatten beide Mannschaften Chancen, in Führung zu gehen. Es dauerte aber bis zur 84. Minute, ehe Rahn der Siegtreffer gelang. Ein Treffer zwei Minuten später von Ferenc Puskás, der nach den beiden Spielen gegen die Südamerikaner, bei denen er fehlte, wieder einsatzfähig war, wurde wegen Abseits nicht gegeben und so ging das Spiel mit 2:3 verloren. Mit 11 Toren wurde der Ungar Sándor Kocsis Torschützenkönig und bis 1958 WM-Rekordtorschütze. Er war der erste Spieler, dem bei einer WM mehr als 9 Tore gelangen. Sein Rekord wurde aber vier Jahre später vom Franzosen Just Fontaine auf die bis heute gültige Bestmarke von 13 Toren gesteigert. Gusztáv Sebes blieb zwar noch im Amt des Nationaltrainers, nach mehreren schwachen Spielen trat er aber im Juni 1956 zurück. Das Finale gegen Deutschland blieb bis zum 23. Juni 2021 das letzte Pflichtspiel zwischen beiden Mannschaften, als sie in der Vorrunde der EM wieder bei einem Turnier aufeinander trafen.

1958 in Schweden In die Qualifikation für die Fußball-Weltmeisterschaft 1958 gingen die Ungarn mit Márton Bukovi als Nationaltrainer, der das Amt im Juli 1956 übernommen hatte. Gegner waren Bulgarien und Norwegen. Nach einem 1:2 in Norwegen folgte zwar ein 4:1 gegen Bulgarien, aber bei den nächsten vier Spielen waren dann Lajos Baróti, Károly Lakat und Károly Sós verantwortlich und sorgten dafür, dass sich Ungarn wieder qualifizieren konnte. Danach wurde Baróti alleinverantwortlich und blieb es bis 1966. Ein Großteil der Spieler von 1954 hatte aber nach dem Ungarischen Volksaufstand von 1956 das Land verlassen. Lediglich Torhüter Gyula Grosics, Verteidiger Béla Kárpáti, die Mittelfeldspieler József Bozsik und Ferenc Szojka, sowie die Stürmer László Budai und Nándor Hidegkuti standen auch 1958 wieder im Kader.

In Schweden traf die Mannschaft im ersten Spiel auf Wales, das sich für diese WM – über Umwege – qualifizieren konnte und kam über ein 1:1 nicht hinaus.fifa.com: „Ungarn - Wales 1:1 (1:1)“ Im anschließenden Spiel gegen Gastgeber Schweden wurde mit 1:2 verloren.fifa.com: „Schweden - Ungarn2:1 (1:0)“ Durch ein 4:0 gegen Mexiko waren Wales und Ungarn punktgleich. Zwar hatten die Ungarn die bessere Tordifferenz bzw. das bessere Torverhältnis. Da dies aber nicht zählte, gab es ein Entscheidungsspiel gegen Wales. Dieses wurde trotz 1:0-Führung mit 1:2 verloren.fifa.com: „Wales - Ungarn 2:1 (0:1)“ Aber auch den Walisern nutzte dieser Sieg nicht viel, denn wie alle anderen Mannschaften, die durch Entscheidungsspiele weitergekommen waren, scheiterten sie im Viertelfinale. Diese unsinnige Regel wurde daher abgeschafft.

1962 in Chile Für die Qualifikation zur dritten WM in Südamerika wurde Ungarn in eine Gruppe mit den Niederlanden und der DDR gelost und konnte sich souverän qualifizieren. Dabei wurde nur im letzten Spiel beim 3:3 gegen die Niederlande ein Punkt abgegeben.