mini|Siddhartha Gautama als Buddha Siddhārtha Gautama (Sanskrit: सिद्धार्थ गौतम) bzw. in Pali Siddhattha Gotama (laut der (umstrittenen) „korrigierten langen Chronologie“Dies ist eine von mehreren, umstrittenen Chronologien; ausführliche Darstellung u. a. Hans Wolfgang Schumann: Handbuch Buddhismus. Die zentralen Lehren: Ursprung und Gegenwart. Diederichs, München 2000, ISBN 3-7205-2153-2, S. 146–149. Zeitweise wurde auch eine Angabe im Sinne der „kurzen Chronologie“ zwischen etwa 420 v. Chr. und 350 v. Chr. von einer Mehrzahl der Wissenschaftler als die wahrscheinlichste angesehen. geboren 563 v. Chr. in Lumbini, gestorben 483 v. Chr. in Kushinagar) war ein indischer Weisheitslehrer und Religionsstifter.
Nach einer anfänglichen Zeit als Asket und Schüler verschiedener yogischer und philosophischer Richtungen, wie sie im damaligen Indien in großer Zahl präsent waren, löste er sich schließlich von diesen Traditionen im Zusammenhang mit einer ihn transformierenden Erleuchtungserfahrung (Bodhi). Sie führte ihn dazu, danach in jahrzehntelanger Tätigkeit die Lehre auszuformulieren, die dann als der Dharma bezeichnet wurde und mit der er zum Begründer des Buddhismus wurde. Die Bezeichnung Buddhismus leitet sich davon ab, dass man dem Gründer die ehrende Bezeichnung Buddha beilegte, was „der Erwachte“ bedeutet. In diesem Zusammenhang wird Siddhartha Gautama auch als „der historische Buddha“ bezeichnet – zur Unterscheidung von den ins Metaphysische reichenden Ausarbeitungen des Begriffs Buddha, die in der buddhistischen Tradition später angeschlossen wurden (hierzu der Artikel Buddha).
Neben der inhaltlichen Lehrtätigkeit schuf Siddhartha Gautama auch planvoll die Strukturen, die die dauerhafte Weitergabe seiner Lehren sichern würden, nämlich das buddhistische Ordenswesen. Ungewöhnlich für die damalige Zeit, schloss dies auch einen weiblichen, also einen Nonnenorden mit ein.
Chronologie Der Tod Siddharthas war früher ein chronologischer Orientierungspunkt für die indische Geschichte. Als Beginn der buddhistischen Zeitrechnung spielte er eine wichtige Rolle. Die ältesten bekannten Berechnungen wurden auf Sri Lanka vorgenommen. Sie beziehen sich auf Angaben der dortigen, aus dem Zeitraum vom 6. bis zum frühen 4. Jahrhundert v. Chr. stammenden Chroniken Dipavamsa und Mahavamsa. Dabei kam man auf ein Todesjahr, das nach westlicher Zeitrechnung 544 oder 543 v. Chr. entspricht. Ausgangspunkt der Berechnung war die Überlieferung, der zufolge zwischen dem Tod des Buddha und dem Herrschaftsantritt des Königs Chandragupta Maurya 168 Jahre und zwischen dem Tod des Buddha und der Herrscherweihe des Königs Ashoka 218 Jahre liegen. Dieser Ansatz ist in der Forschung als „unkorrigierte lange Chronologie“ oder „südliche buddhistische Chronologie“ bekannt. Er ist traditionell bei den Theravada-Buddhisten Südostasiens verbreitet. Daneben gab es auch Datierungen in wesentlich frühere Zeiträume.
mini|hochkant=1.8|Nordindien um 600 v. Chr. mini|hochkant=1.8|Magadha und andere Mahajanapadas in der beginnenden Nach-Vedischen-Periode, um 500 v. Chr.Schwartzberg, J. E. (1992), A Historical Atlas of South Asia: University of Oxford Press Im frühen 19. Jahrhundert übernahm die europäische Forschung den Ansatz der „unkorrigierten langen Chronologie“, da er der späteste in den Quellen überlieferte und damit der glaubwürdigste war. Schon 1837 bezweifelte jedoch George Turnour, der Herausgeber des Mahavamsa, die „unkorrigierte lange Chronologie“. Er akzeptierte die überlieferten Angaben über die zeitlichen Abstände zwischen dem Tod des Buddha und den Herrschaftsantritten der beiden Könige, setzte diese jedoch etwa sechzig Jahre später an.Cousins, LS (1996): „The dating of the historical Buddha: a review article“ (broken link), Journal of the Royal Asiatic Society (Third Series) 6 (1), 57–63 (DOI) Daraus ergab sich eine neue Chronologie, die in der Forschung als „korrigierte lange Chronologie“ bezeichnet wird. Ihr zufolge fällt der Tod des Buddha in den Zeitraum zwischen 486 und 477 v. Chr., und als Geburtsjahr wurde entsprechend 563 v. Chr. angesetzt. Dieser Ansatz war bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts in Europa und bei vielen Buddhisten mit westlicher Bildung maßgeblich. In Asien hielten aber die weitaus meisten Buddhisten an der traditionellen „unkorrigierten“ Datierung des Todesjahres auf 544/543 v. Chr. fest; daher wurde im Jahr 1956 der 2500. Jahrestag des mutmaßlichen Todes festlich begangen.
Die neuere Forschung hat die „korrigierte lange Chronologie“ prinzipiell aufgegeben; sie wird nur noch vereinzelt vertreten. Es gibt aber keinen Konsens, wodurch sie zu ersetzen ist. Gegenwärtig werden unterschiedliche Datierungen diskutiert, alle um Jahrzehnte später als der Zeitrahmen der „korrigierten langen Chronologie“.
Oft wird die Lebenszeit des Buddha nach dieser „kurzen Chronologie“ rund ein Jahrhundert später angesetzt als nach der „korrigierten langen Chronologie“. Die gegenwärtig vorherrschenden Datierungsansätze für den Tod schwanken zwischen ca. 420 und ca. 368 v. Chr.Siehe Heinz Bechert: . Indologica Taurinensia 10, 1982, S. 29–36 und ders.: Die Lebenszeit des Buddha – das älteste feststehende Datum der indischen Geschichte? In: Nachrichten der Akademie der Wissenschaften in Göttingen, Philologisch-Historische Klasse, Jg. 1986, Nr. 4; Richard Gombrich: Rezension von Heinz Bechert: Die Lebenszeit des Buddha. In: Göttingische gelehrte Anzeigen 246, 1994, H. 1/2, S. 86–96; zahlreiche kontroverse Diskussionen in Heinz Bechert (Hrsg.): The Dating of the Historical Buddha, 3 Bände, Göttingen 1991–1997.
Andererseits legen jüngst bekannt gewordene, noch nicht wissenschaftlich publizierte Ausgrabungsergebnisse in Lumbini ein erneutes Umdenken nahe. Die Reste von vermutlich zu Zwecken der Buddha-Verehrung errichteten Gebäuden an diesem Ort wurden auf das sechste vorchristliche Jahrhundert datiert. Diese Deutung ist bislang als wissenschaftliche Hypothese einzustufen.Buddha gut hundert Jahre älter als angenommen, welt.de, 27. November 2013Lebte Buddha früher als gedacht?, in: Spektrum der Wissenschaft, Nr. 2, Februar 2014, S. 10.
Namen Siddhartha Gautama ist die Sanskrit-Form des Namens. In Pali lautet er in der Stammform Siddhattha Gotama. Der ursprüngliche Name Siddhartha, den er von seinen Eltern erhielt, bedeutet „der sein/das Ziel erreicht hat“ oder „der erfüllte Wunsch“.Life of the Buddha (Part One) 3. The Naming Ceremony, Beschreibung der Namensgebung (englisch). Gautama bzw. Gotama bedeutet „Anführer der Herde“ oder auch „größter Stier“. Der Name war aber auch vergleichbar mit westlichen Familiennamen – er zeigte die Zugehörigkeit zur Gautama-Sippe an (Sanskrit: Gautama gotra, Pali: Gotama gotta; siehe Gotra), deren Angehörige alle so angeredet werden konnten.Ryutaro Tsuchida: Die Genealogie des Buddha und seiner Vorfahren; in: The Dating of the Historical Buddha, Teil 1, S. 110–112. Ausgehend von Karl Eugen Neumanns Übersetzungen des Pali-Kanons um die Wende zum 20. Jahrhundert war früher im Deutschen die Schreibweise Gotamo Buddho gebräuchlich, die Endung auf -o entspricht hierbei dem Nominativ im Pali. Neumann verwendete bei Pali-Namen stets den Nominativ, nicht die Stammform.
Neben der Bezeichnung als Buddha – der „Erwachte“ – wurden Siddhartha Gautama auch andere Ehrennamen verliehen, darunter Tathagata (Sanskrit तथागत tathāgata „der So-Gegangene“) und Shakyamuni (Sanskrit शाक्यमुनि śākyamuni „der Weise [aus dem Volk] der Shakya“).
Überlieferte Lebensgeschichte Berichte über das Leben Siddhartha Gautamas wurden erst nach seinem Tod von den Mitgliedern der Sangha, der Gemeinschaft der Dharma-Praktizierenden, gesammelt und über lange Zeit ausschließlich mündlich weitergegeben. Diese Quellen waren nicht an isolierten Fakten über das Leben Shakyamunis interessiert, sondern vielmehr ging es ihnen um den religiösen Gehalt der biographischen Erzählung, einschließlich religiöser Symbolik. Deshalb lassen sich aus heutiger Sicht Legende und Tatsachenaussagen nicht ohne weiteres voneinander trennen.
Streng genommen sind die vorhandenen Quellen also als Buddha-Hagiographie zu bezeichnen, weniger als Biographie. Für Einzelheiten zu diesen Quellen siehe unter Buddha #Hagiographie. Diese traditionellen Darstellungen zum Leben des Buddha ergeben die folgenden Grundlinien seines Lebenslaufs.
Herkunft und Kindheit mini|Die Geburt Siddhartha Gautamas (2.–3. Jahrhundert, Gandhara)
Siddhartha entstammte einem alten nordindischen Adelsgeschlecht. Sein Vater Shuddhodana stammte vom Stamm der Shakya im gleichnamigen Fürstentum ab und war wenngleich wohl nicht König so doch regierender Fürst des alten Staates Kapilavastu an der Grenze zwischen dem heutigen Indien und Nepal. Seine Eltern residierten in der Hauptstadt Kapilavastu und gehörten einer Kshatriya-Kaste an.
Seine Mutter, die Frau Shuddhodanas, hieß Maya und wird auch Mahamaya („große Maya“) genannt. Vor seiner Geburt soll die Seele Siddharthas seiner Mutter in einer Vision in Gestalt eines weißen Elefanten erschienen sein. Geboren wurde er neun Monate später, in einer Vollmondnacht in Lumbini. An diesem Tag wird heute noch in vielen buddhistischen Ländern das Vesakh-Fest begangen, der höchste buddhistische Feiertag, an dem seiner Geburt, seines Erwachens und seines Eingangs in das Parinirvana gedacht wird.
Nach seiner Geburt soll ihm der Prophet Asita gewahrsagt haben (eine Analogie zu der Rolle, die in den Kindheitsberichten über Jesus Simeon und die Prophetin Hanna spielen). Während seiner Geburt verkündete gemäß der Legende der Seher Asita, dass dieses Kind einmal ein großer König oder, wenn er das Leid der Welt erkennen würde, ein großer heiliger Mann werden würde. Daraufhin, so sagt man, ließ Shuddhodana seinen Sohn, den er zu einem König machen wollte, weder religiös unterweisen, noch ließ er zu, dass Siddhartha menschliches Leid zu Gesicht bekommen sollte.
Sieben Tage nach seiner Geburt starb seine Mutter, sein Vater heiratete daraufhin deren Schwester Pajapati, auch Mahapajapati Gotami genannt, die dem Halbwaisen Siddhartha eine Pflegemutter wurde.
Ehe mini|hochkant|Buddha-Statue aus Gandhara, 1. Jahrhundert
Im Alter von 16 Jahren wurde er mit der Prinzessin Yasodhara vermählt. Sie lebten in einem Palast, wo ihnen alles, was zum Wohlleben gehörte, zur Verfügung stand und den er kaum verließ. Dennoch war er unzufrieden und unausgefüllt.
Die Ausfahrten Mit 29 Jahren, bald nach der Geburt seines einzigen Sohnes Rahula (ein Name, der mit „Fessel“ übersetzt wird), verließ Siddhartha das vermeintlich sorglose Leben, das er bis dahin im Palast geführt hatte, und unternahm Ausfahrten durch die Umgebung. Dabei sah er sich erstmals der Realität des Lebens und dem Leiden der Menschheit gegenüber. Die Legende berichtet, er wäre viermal ausgefahren, jeweils in eine andere Himmelsrichtung. Bei dreien der Ausfahrten habe er die Schattenseiten des Lebens kennengelernt: Begegnungen mit einem verkrüppelten Greis, mit einem Fieberkranken und mit einem verwesenden Leichnam. Bei der vierten sei er schließlich einem Asketen begegnet. Insgesamt spricht man daher von dem, was ihm begegnete, als „Vier Zeichen“.
An diesen Begegnungen habe Siddhartha erkannt, dass gegen die Realitäten von Altern, Krankheit, Tod und Schmerz auch Wohlstand und Reichtum keinen Bestand haben, und dass das Leid letztlich nicht durch Schicksalsschläge oder Ungerechtigkeit verursacht wird, sondern dass die wirklichen Ursachen des Leidens aus der Existenz des Menschen selbst herrühren. So habe er sich entschlossen, inspiriert vom Vorbild des Asketen, durch geistige Übung nach einem grundsätzlichen Ausweg aus dem Leiden zu suchen.Hans Wolfgang Schumann: Der historische Buddha. Leben und Lehre des Gotama. Diederichs, München 1995, ISBN 3-424-00923-7. S. 59f.
Leben als Asket