Als Bergerette ( – für kleine Schäferin zu ‚Hirte, Schäfer‘) wird ein französisches Hirtenlied und ländlicher Tanz bezeichnet.
Geschichte Die Bergerette wurde im 15. Jahrhundert von burgundischen Liedermachern entwickelt, ähnlich einer mittelalterlichen Virelai (amouröses Tanzlied in Refrainform) aber mit nur einer Stanza (Strophe); zu einer bekannten Melodie wurde ein neuer Text verwendet.Henri Louis Chatelain: Recherches sur le vers français au XVe siècle: rimes, mètres et … 1908, S. 197: Martha K. Hanen: The Chansonnier El Escorial IV.a.24 Real Biblioteca. 1983: Als eine beliebte französische Liedform () war sie dem Rondeau verwandtHarold Gleason, Warren Becker, Catherine C. Gleason: Music Literature Outline 1: Outline 1, Middle Ages and Renaissance. 1988, S. 96: Journal of the American Musicological Society. Vol. 41, American Musicological Society, 1988: und steht im Kontext zur Schäferdichtung der Renaissance. Clemens Goldberg bezeichnet sie als .Clemens Goldberg: Die Chansons von Antoine Busnois. (= Quellen und Studien zur Musikgeschichte von der Antike bis in die Gegenwart. Band 32). Verlag Peter Lang, 1994, ISBN 3-631-47079-7, S. 12 (). Insgesamt blieb sie im Vergleich zu anderen Formen unbedeutend und verschwand – wie auch die Virelai – im 15. Jahrhundert zunächst wieder.vgl. Walther Suchier, Rudolf Baehr: Französische Verslehre auf historischer Grundlage. (= Sammlung kurzer Lehrbücher der romanischen Sprachen und Literaturen. Band 14). 2. Auflage. Walter de Gruyter, 1963, ISBN 3-11-094113-9, S. 211 ff. ().
Die erste erhaltene Bergerette stammt aus der Zeit um 1430. Ein bekannteres Beispiel ist Josquin Desprez’ Bergerette savoyenne (überliefert in Petruccis Odhecaton 1501).Helen Hewitt, Isabel Pope (Hrsg.): Harmonice musices odhecaton A.Ottaviano Petrucci, 1978:
Im 16. Jahrhundert begegnet die Bergerette als Tanz im schnellen Tripeltakt (Dreiertakt), verwandt der „Basse danse“.Bergerette, unter 2). In: Riemann Musik Lexikon. Band 1, Schott-Verlag, Mainz 2012, ISBN 978-3-7957-0006-5.
Populär wurden die Bergerettes wieder im 18. Jahrhundert,David Fallows: Bergerette. In: Grove Music Online. Oxford Music Online. Oxford University Press, abgerufen am 19. September 2014. zur Zeit des spätbarocken Schäferspiels (einer weiteren „Renaissance“ der antiken Bukolik). Zu dieser Zeit werden hiermit vor allem Lieder mit frivolen Texten benannt.Bergerette. In: Pschyrembel Wörterbuch Sexualität. Walter de Gruyter, Berlin 2003, ISBN 3-11-016965-7, S. 49.
Literatur Bergerette. In: Don Michael Randel (Hrsg.): The Harvard Dictionary of Music. Harvard University Press, 2003, ISBN 0-674-01163-5, S. 97, Sp. 2 (). Riemann Musik Lexikon. Band 1, Schott-Verlag, Mainz 2012, ISBN 978-3-7957-0006-5, S. 209 (die etwas „unübersichtlich“ verlaufene Geschichte des Begriffs „Bergerette“ wird im Riemann 2012 deutlich).
Einzelnachweise
Kategorie:Liedgattung Kategorie:Musik des 15. Jahrhunderts Kategorie:Musik des 18. Jahrhunderts Kategorie:Gesellschaftstanz Kategorie:Musik des 16. Jahrhunderts