Set This House on Fire ist ein erstmals 1960 erschienener Roman des amerikanischen Schriftstellers William Styron. Die deutsche Erstausgabe wurde 1961 unter dem Titel Und legte Feuer an dies Haus in der Übersetzung von Günther Danehl veröffentlicht.

In diesem Roman Styrons geht es um die Auseinandersetzung des Protagonisten und Erzählers Peter Leverett mit einer apokalyptischen Situation des Lebens in der modernen Welt. Der Titel, der einem Brief John Donnes entnommen ist, dessen Formulierung selber wiederum auf die Bibel zurückgeht, deutet darauf, dass die in dem Roman dargestellten gewaltsamen Ereignisse von vornherein in eine religiöse Perspektive gestellt wird. Gott versucht, wie der Titel besagt, sich den Hauptfiguren des Romans zu offenbaren, indem er sie den Schrecken und Grausamkeiten des Lebens ohne die schützende Erfahrung seiner göttlichen Nähe aussetzt.Vgl. Franz Link: Set This House on Fire, 1960. In: Franz Link: Amerikanische Erzähler seit 1950 · Themen · Inhalte · Formen. Schöningh, Paderborn 1993, ISBN 3-506-70822-8, S. 47.

Inhalt Das Geschehen beginnt mit einem Besuch des Erzählers Peter Leverett bei seinem ehemaligen Schulfreund Mason Flagg, der kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nach Sambuco, einer kleineren Stadt in der Nähe Salernos, gezogen ist, um hier ein Theaterstück zu Ende zu schreiben, das er vor längerer Zeit begonnen hatte. Auf der Fahrt nach Sambuco hat Peter einen Zusammenstoß mit einem italienischen Motorradfahrer, der bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert wird. Als Peter schließlich mit seinem stark beschädigten Wagen Masons Wohnsitz in Sambuco erreicht, werden Sambuco wie auch Masons Anwesen von einer amerikanischen Filmgesellschaft belagert, die dort gerade letzte Dreharbeiten fertigstellt.

In Masons Haus beobachtet der Erzähler noch an demselben Abend merkwürdige Ereignisse. Sein Freund Mason verfolgt im Morgenrock das fliehende Dienstmädchen Francesca und versucht es einzufangen. Peter erlebt außerdem mit, wie der betrunkene Cass Kinsolving, ein amerikanischer Maler, der von Mason völlig abhängig ist, die Gesellschaft in für ihn äußerst demütigender Weise unterhalten muss. Peter versucht Cass zu helfen und begleitet ihn zu einer armseligen Hütte. Vorübergehend nüchtern bringt Cass dem Vater Francescas Medizin, die er zuvor von Mason entwendet hatte.

Am nächsten Morgen erfährt der Erzähler, dass Francesca vergewaltigt wurde und Mason zerschmettert am Fuß eines steilen Felsen aufgefunden wurde. In der offiziellen Version der Ereignisse, die für den Erzähler aber unbefriedigend bleibt, heißt es, Mason habe die Frau vergewaltigt und sie anschließend umgebracht; danach habe er sich selber von dem Felsen gestürzt. Peter Leverett kehrt daraufhin erschüttert und verwirrt nach Amerika zurück.

In einem späteren Gespräch mit Cass nach der Rückkehr in die Vereinigten Staaten gesteht dieser Peter, dass er Mason erschlagen und von dem Felsen gestürzt habe, um Francesca und sich selber zu rächen. Nach dieser Tat habe er allerdings erfahren, dass Mason zwar Francesca vergewaltigt, sie aber nicht getötet habe. Francesca sei auf ihrer Flucht vor Mason dem Dorfidioten Saverio begegnet. Dieser habe sie erschlagen, als sie auf eine harmlose Berührung seinerseits hysterisch reagiert habe.

Interpretationsansatz Ihre eigentliche Bedeutung erhalten die äußerst melodramatischen Ereignisse in Italien erst, als Peter Leverett und Cass nach längerer Zeit im Rückblick versuchen, das vergangene Geschehen zu erhellen. Dabei bildet das Bemühen des Erzählers um eine Enthüllung den äußeren Rahmen für die nachträgliche Aufklärung der Vorfälle in Sambuco. Bis zu jenem Zeitpunkt sah Peter sich als durchschnittlichen Bürger ohne besondere Ambitionen; die damaligen Ereignisse haben ihn jedoch nachhaltig deprimiert und in Unruhe versetzt, da er sich mitverantwortlich für den Tod Masons fühlte, auch ohne diesen unmittelbar verursacht zu haben: „I still felt low over what had happened in that Italian town … though I was in no way the cause of Mason‘s death, I might have been in a position to prevent it.“ (S. 6).

Dennoch stellt sich später heraus, dass er nicht in der Lage gewesen wäre, Masons Tod zu verhindern; ohne zu durchschauen, was sich vor seinen Augen abspielte, hätte er seinerzeit nicht anders handeln können, als er es tat. Im Nachhinein nimmt das Geschehen für ihn eine bestimmte Bedeutung an, als er Jahre nach den Ereignissen in Italien und seiner Rückkehr in die USA den Namen Kinsolvings unter einer Karikatur sieht und beschließt, den Maler aufzusuchen, um mit seiner Hilfe die Ereignisse und Hintergründe zu klären.

Auf dem Weg zu dem Maler besucht der Erzähler zuvor seinen Vater, für den das Leben „a search for justice“ (dt. „eine Suche nach Gerechtigkeit“, S. 13) ist. Seinen Weg zu Kinsolving bezeichnet der Erzähler als „lonely seeking“ (dt. „einsames Suchen“, S. 13). Ähnlich wie der Vater von Robert Penn Warren in Brother to Dragons (1953) sieht auch Peters Vater den in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung verkörperten Traum, mit dem die Vereinigten Staaten in ihre Geschichte eingetreten sind, als ursprünglich gerechtfertigt an: „Except maybe for the nigro [sic], the common man found freedom in a way he never knew or dreamed of - freedom, and a full belly, and the right to pursue his own way of happiness, I guess it was the largest and noblest dream ever dreamed by man“ (S. 15). Durch den Raubbau an dem Land und durch die Sklavenhaltung habe dieser Traum aber seine Berechtigung verloren. Die Menschen in den Vereinigten Staaten seien der Erfüllung ihrer Träume nicht gewachsen gewesen und nicht reifer geworden, sondern eine Nation von Kindern geblieben („a nation of children“. S. 14), da sie nicht eingesehen hätten, dass der „Schwarze“ seinen gerechten Lohn erhalten müsse („his just payment“, S. 14).Vgl. Franz Link: Set This House on Fire, 1960. In: Franz Link: Amerikanische Erzähler seit 1950 · Themen · Inhalte · Formen. Schöningh, Paderborn 1993, ISBN 3-506-70822-8, S. 48.

Während einer gemeinsamen Autofahrt des Erzählers mit seinem Vater bedauert Peters Vater diese Lage der amerikanischen Nation; das allmähliche Zusammenbrechen des Fahrzeugs auf ebendieser Fahrt wird dabei gleichsam symbolisch zum bildhaften Ausdruck für das Scheitern der ganzen Nation.

Während ihrer Fahrt erreichen die beiden einen Küstenort, an dem Peter als Kind beinahe ertrunken wäre; aufgrund seiner Rettung hatte Peter damals das Leben neu zu schätzen gelernt. Die Erinnerung an diese frühen Kindheitserlebnisse vermittelt dem Erzähler, der sich nun aller illusionären, unschuldigen Sicherheit seiner Kindheit beraubt fühlt („shorn of all illusions and innocence“. S. 19), ein neues Identitätsgefühl; ähnlich wie sein Vater sieht er sich in gewisser Weise ebenfalls auf der Suche nach Gerechtigkeit.Vgl. Franz Link: Set This House on Fire, 1960. In: Franz Link: Amerikanische Erzähler seit 1950 · Themen · Inhalte · Formen. Schöningh, Paderborn 1993, ISBN 3-506-70822-8, S. 48.

In dem Gespräch mit Cass Kinsolving kann sich Peter schließlich von dem Schatten befreien, der seit dem Geschehen in Sambuco auf ihm lastete. Ihm wird die Rolle bewusst, die Mason in seinem Leben spielte. Seit ihrer ersten Begegnung auf einer Pre-School (vergleichbar einem deutschen Kindergarten) hatte Mason ihm mit seinem Reichtum und seinem selbstsicheren Verhalten imponiert. Diese Faszination, die für den Erzähler von Mason ausging, blieb sogar erhalten, als dieser wegen eines sexuellen Vergehens an einer Minderjährigen der Schule verwiesen wurde. Obwohl er die Perversion seines Freundes erkannte, war Peter immer wieder bereit, ihm zu verzeihen.

Mason ist, ähnlich wie viele der Figuren in den Romanen F. Scott Fitzgeralds, einer der „rich boys“, die in ihrem Reichtum glauben, sich die Erfüllung im Leben einfach kaufen zu können, und in keiner Weise bereit sind, irgendwelche Verantwortungen des Erwachsenseins zu übernehmen. Der Erzähler ist sich jedoch auch der seelischen Notlage bewusst, in der Mason sich damit befindet: Man begegnet ihm zwar freundlich, weil er reich ist; er hat jedoch keine wirklichen Freunde und ist vereinsamt. Sein Verhalten ist geprägt durch „recompense and hire, laden with the anguish of friendliness“ (S. 173).Vgl. Franz Link: Set This House on Fire, 1960. In: Franz Link: Amerikanische Erzähler seit 1950 · Themen · Inhalte · Formen. Schöningh, Paderborn 1993, ISBN 3-506-70822-8, S. 48 f.

Trotz seines guten Aussehens gelingt es ihm nicht, ein normales Verhältnis zum anderen Geschlecht zu entwickeln; seine zunehmende Perversion findet ihren Ausdruck vor allem in seiner obsessiven Leidenschaft für Gruppensex und Pornografie, in der sich zugleich der Versuch spiegelt, seine Unreife und Einsamkeit zu kompensieren. In Peter, der ihm seine Lügen abnimmt, findet er jemanden, in dem er sich selbst bestätigt sehen kann; Cass braucht er ebenfalls, um Selbstbestätigung in seiner Rolle als Gönner und gleichzeitig in seiner Macht über Cass gewinnen zu können.Vgl. Franz Link: Set This House on Fire, 1960. In: Franz Link: Amerikanische Erzähler seit 1950 · Themen · Inhalte · Formen. Schöningh, Paderborn 1993, ISBN 3-506-70822-8, S. 49.

Cass verneint in dem Gespräch mit Peter dessen Frage, ob Mason „böse“ gewesen sei. Bevor Cass Mason erschlagen habe, habe er in dessen „gequältes, bleiches, weiches und jungenhaftes Gesicht“ geblickt, das keinesfalls „das Gesicht eines Mörders“ gewesen sei („the pale face, which was so soft and boyish, and in death and in life so tormented, ... not the face of a killer“, S. 465). Er könne sich die Qual und Not Masons in dessen Vereinsamung durchaus vorstellen, die schließlich ihr Ventil in der Gewalttätigkeit gefunden habe („a starvation with no chance of fulfillment, which must fever and shake and torment a man until he can only find release in violence“. S. 442). So begreift Cass dementsprechend Masons Vergewaltigung von Francesca als eine Vergewaltigung seiner selbst (S. 443); dabei wird die Gestalt Mason Flaggs zugleich zu einem Symbol für die amerikanische Gesellschaft insgesamt, die glaubt, „sich in ihrem Wohlstand Freundschaft erkaufen zu können“, auf diese Weise jedoch „die Brücke zum anderen … nicht schlagen“ kann. Der Versuch, der sozialen Isolation zu entkommen, endet dann in einem Akt der Gewalt.Franz Link: Set This House on Fire, 1960. In: Franz Link: Amerikanische Erzähler seit 1950 · Themen · Inhalte · Formen. Schöningh, Paderborn 1993, ISBN 3-506-70822-8, S. 49.

Das Gespräch mit Cass Kinsolving lässt den Erzähler darüber hinaus die Gefahr erkennen, in die er sich durch seine unreife Beziehung zu Mason begeben hatte. Nach der Klärung in dem Gespräch mit Kinsolving, die auch in dessen Namen („solving“) fast symbolisch angedeutet wird, ist Peter in der Lage, sich aus dieser Gefahr zu befreien. Er „erlangt seine Reife, indem er Masons Verhalten nicht ausschließlich als böse einzuschätzen lernt“, sondern als „Unreife, die das Leiden nicht zu akzeptieren bereit ist und glaubt, sich von ihm loskaufen zu können.“Franz Link: Set This House on Fire, 1960. In: Franz Link: Amerikanische Erzähler seit 1950 · Themen · Inhalte · Formen. Schöningh, Paderborn 1993, ISBN 3-506-70822-8, S. 49.