Schwerzenbach ist eine politische Gemeinde im Bezirk Uster des Kantons Zürich in der Schweiz.
Geographie Die nördlich des Greifensees befindliche Gemeinde liegt östlich der Stadt Zürich an der Grenze zum Zürcher Oberland. Der Chimlibach durchquert Schwerzenbach und mündet in den Fluss Glatt.
Geschichte Im Mittelalter gehörte Schwerzenbach zur Herrschaft Greifensee, die den Grafen von Rapperswil gehörte und später an die Herren von Landenberg und die Grafen von Toggenburg überging. 1402 übernahm der Zürcher Stadtstaat die gesamte Herrschaft Greifensee und damit auch Schwerzenbach. Seit dem Untergang des Alten Zürich in der Revolution von 1798 ist Schwerzenbach eine eigene Gemeinde im Kanton Zürich. Sie gehörte zuerst zum Distrikt Uster, ab 1815 zum Oberamt Greifensee und ist seit 1831 Teil des Bezirks Uster.
Die Legende des heiligen Einhard berichtet von einem Schwerzenbacher Lokalheiligen, der bei der alten Kirche begraben sein soll. 1444, im Alten Zürichkrieg, zerstörten die Schwyzer die Kirche. Das Recht, den Pfarrer einzusetzen, die sogenannte Kollatur der Kirche Schwerzenbach, stand bis ins Jahr 1834 dem Kloster Einsiedeln zu, obwohl die Gemeinde schon 1524 zum reformierten Glauben gewechselt hatte. 1812 wurde die Kirche abgerissen und 1813 die heutige Kirche eingeweiht.
Bis ins 17. Jahrhundert lebten die meisten Schwerzenbacher ausschliesslich von den Erzeugnissen der Landwirtschaft, ab dem 18. Jahrhundert zusätzlich von der in Heimarbeit betriebenen Spinnerei und Weberei. Zur Ansiedlung von Industrie kam es trotz der 1856 eröffneten Bahnstation nicht. Einzig ein Seidenfabrikationsgeschäft etablierte sich. Schwerzenbach war daher bis vor sechs Jahrzehnten ein Bauerndorf.
Wappen Blasonierung: In Gold ein schwarzer Querbach, belegt mit einem silbernen Fisch
Ein eigenes offizielles Wappen führt die Gemeinde erst seit den Bemühungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich und deren Wappenkommission Anfang der 1930er Jahre. 1932 zeigte der Stempel der Gemeinderatskanzlei noch den Zürcher Schild. Nach langer Suche fand man das alte Siegel des Gemeindeammanns von 1844. Es zeigt auf blauem Grund einen waagrechten schwarzen Bach mit einem silbernen Fisch und gab die Vorlage für das heutige Wappen ab.
Bevölkerung Die Nähe zur Stadt Zürich und zu Uster führte nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem Bauboom, der das ursprünglich nur 400 Einwohner zählende Dorf auf über das Zehnfache anwachsen liess. Im Verlaufe des Baubooms verlagerte sich das Zentrum vom alten Dorfkern bei der Kirche in Richtung der Bahnstation und Richtung Volketswil, welches seinerseits bis an die Bahnlinie und fast bis zum Bahnhof reicht. Die Neubau-Siedlung «Im Vieri» brachte nach der Bewilligungserteilung im Jahr 2008 bis im Jahr 2013 alleine fast 500 neue Bewohner in der Nähe des Bahnhofs sowie das Pflegezentrum.. Kanton Zürich, Gemeinde Schwerzenbach (PDF; 154 kB). 2025 besass die Gemeinde laut einer Sotomo-Studie das grösste Potenzial aller Schweizer Gemeinden, nach innen zu wachsen, der Wert bezog sich auf das Verhältnis der Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Verkehr zur Anzahl tatsächlicher Bewohner eines Ortes. 2022 hatte die Gemeinde einen Entwurf einer Bau- und Zonenordnung abgelehnt, welche Platz für 2000 Zuzüger schaffen wollte. Die neue BZO im 2025 sah deshalb vor, dass kein Gebäude höher gebaut werden sollte als ein schon Bestehendes mit sieben Stockwerken.Fabienne Sennhauser: Agglomeration zwischen Idylle und Wachstum, Tages-Anzeiger, 2. Oktober 2025, S. 19
Bevölkerungsentwicklung Jahr 1836 1850 1900 1950 1962 1970 1980 1990 2000 2005 2010 2015 2020 2022 2025 Einwohner 221 218 201 389 1279 2665 2797 3634 4233 4158 4431 5020 5183 5130 5250
Politik Gemeindepräsident ist Martin Hermann (FDP, Stand 2023).
+ Mitglieder des Schwerzenbacher Gemeinderats (2022–2026) Name Amtsantritt Funktion Partei Martin Hermann2022 Gemeindepräsident / PlanungFDP Ivar Schmutz2022 Hochbau / Liegenschaftenglp Christiane Dasen2022 Sozialesglp Reto Haltinner2018 SicherheitMitte Rahel Hofmann-Meyer2014 GesellschaftFDP Linda Werner2026 FinanzenMitte Thomas Kuhn2024 Tiefbau / WerkFDP
Bei den Nationalratswahlen 2023 betrugen die Wähleranteile in Schwerzenbach: SVP 26,68 % (+0,52), SP 16,76 % (+3,12), glp 16,20 % (−1,01), FDP 12,11 % (−2,00), Grüne 10,98 % (−1,12), Mitte 8,95 % (+0,61), EVP 3,26 % (−1,15), EDU 0,90 (+0,16).
Kirchen 2022 gehörten 23,57 % der Bevölkerung zur Evangelisch-reformierten Kirche und 24,31 % zur Römisch-katholischen Kirche. 52,12 % hatten eine andere oder keine Konfessionszugehörigkeit.Gemeindeporträts. Schwerzenbach. Konfession. Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2022.
Die Reformierte Kirche Schwerzenbach wurde in den Jahren 1812–1813 in klassizistischem Stil errichtet. Das römisch-katholische Zentrum St. Gabriel befindet sich im Haus zum Wiesenthal, das 1803 erstellt wurde und seit dem Jahr 2000 als katholisches Pfarreizentrum benutzt wird.
Die evangelischen Freikirchen sind in Schwerzenbach durch die spanischsprachige «Iglesia Cuerpo de Cristo de Remar Internacional» vertreten, die zugleich als internationales sozialdiakonisches Hilfswerk tätig ist.. Remar Schweiz, abgerufen am 29. Februar 2012.
Verkehr Der Bahnhof Schwerzenbach ist durch die S-Bahn Zürich mit folgenden Linien angebunden:
(ZVV-Nachtnetz)
Dialekt Der zürichdeutsche Dialekt von Schwerzenbach gehört zu den Zürcher Oberländer Mundarten, wobei sich durch Zuzug aus Kanton, Schweiz und Ausland die Zürcher Oberländische Prägung bei vielen Sprechern in Schwerzenbach abgeschwächt hat.
Sehenswürdigkeiten
Städtepartnerschaft , Lettland – seit 1991Aizpute – unsere Partnerstadt in Lettland (Baltikum). Website der Gemeinde Schwerzenbach, abgerufen am 17. Juni 2020.
Die permanenten Kontakte erfolgen auf drei Ebenen: Exekutive: Gemeinderat Schwerzenbach und Stadtrat Aizpute Organisation: Partnerschaftsverein Pro Aizpute in Schwerzenbach und Freunde von Schwerzenbach in Aizpute Persönlich: Es hat sich ein Netz von direkten persönlichen Kontakten ausgebildet
Bilder
Persönlichkeiten Franz Perret (1904–1979), Bibliothekar und Leiter des Stiftsarchivs St. Gallen Fritz Butz (1909–1989), Filmarchitekt, Bühnen- und Kostümbildner sowie Illustrator Gerhard Ebeling (1912–2001), evangelischer Theologe, Vertreter der Hermeneutik Sita Jucker (1921–2003), Kinderbuch-Illustratorin, Malerin und Autorin Max Ziegler (1921–2012), Architekt der Nachkriegsmoderne Rudolf Winkler (* 1955), Landwirt und Politiker, Nationalrat
Literatur Hans Martin Gubler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich. Band III: Die Bezirke Pfäffikon und Uster. Schwerzenbach (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 66). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK). Bern 1978, ISBN 978-3-7643-0991-6, S. 510–521 (Digitalisat). Beat Frei: Schwerzenbach. Eine lange Geschichte. Gemeinde Schwerzenbach, Schwerzenbach 2004, ISBN 978-3-033-00285-2.
Weblinks
Offizielle Website der Gemeinde Schwerzenbach Statistische Daten der Gemeinde Schwerzenbach
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Kanton Zürich Kategorie:Schweizer Gemeinde