Martin Schongauer schuf insgesamt 116 Kupferstiche. Es wird angenommen, dass keine Stiche verloren gingen.Hartmut Krohm & Jan Nicolaisen (Hrsg.), Martin Schongauer. Druckgraphik im Berliner Kupferstichkabinett, Berlin 1991, 14. Keiner von Schongauers Stichen ist datiert, weshalb es auch in der Forschung oftmals keine gesicherte Datierung gibt. Ein besonderes Merkmal ist das Monogramm, mit dem Schongauer jeden seiner Stiche signierte.Hartmut Krohm & Jan Nicolaisen (Hrsg.), Martin Schongauer. Druckgraphik im Berliner Kupferstichkabinett, Berlin 1991, 13.
Die Nummern in der Liste entsprechen der Nummerierung von Max Lehrs. Dessen Geschichte und kritischer Katalog des deutschen, niederländischen und französischen Kupferstichs im 15. Jahrhundert enthält das verbreitetste Verzeichnis der Stiche Martin Schongauers. Die Nummerierung von Lehrs ist thematisch orientiert und in der Forschung nach wie vor anerkannt.
Hinweise Erhaltung der Stiche Die Stiche Schongauers sind in ungewöhnlich hoher Zahl erhalten geblieben. Während fünf Exemplare eines Stichs aus dem 15. Jahrhundert der Durchschnitt sind, liegt der Wert bei Schongauer bei um die 30. Dies deutet auf eine große Verbreitung der Kupferstiche bereits zu Schongauers Lebzeiten hin.Lothar Schmitt, Martin Schongauer und seine Kupferstiche. Materialien und Anregungen zur Erforschung früher Druckgraphik, Weimar 2004, 69. Sie wurden sowohl in Werkstätten als Ergänzungen zu den Musterbüchern als auch als Illustrationen in Inkunabelausgaben verwendet. Zum Teil wurden die Drucke auch übermalt.Lothar Schmitt, Martin Schongauer und seine Kupferstiche. Materialien und Anregungen zur Erforschung früher Druckgraphik, Weimar 2004, 70.
Nach dem Tod Martin Schongauers gingen die Druckplatten in den Besitz seiner Brüder über. Die Nutzung der Platten auch weit nach dem Tod des Künstlers war nicht unüblich. So lassen sich unterschiedliche Zustände einiger Stiche wie dem Thronenden Heiland bis ins beginnende 17. Jahrhundert nachweisen.
Matthias Quad von Kinkelbach, der sich um Druckplatten Schongauers bemüht hatte, gab dann zu Beginn des 17. Jahrhunderts in seiner Schrift Teutscher Nationalen Herligkeit an, dass alle Druckplatten zerstört seien.Lothar Schmitt, Martin Schongauer und seine Kupferstiche. Materialien und Anregungen zur Erforschung früher Druckgraphik, Weimar 2004, 45f. Aus dem 15. Jahrhundert ist nur eine sehr geringe Zahl von Druckplatten bis heute erhalten geblieben, von Martin Schongauer befindet sich keine darunter.
Motive Unter den Kupferstichen Martin Schongauers dominieren religiöse Darstellungen. Diese haben vor allem neutestamentliche und heilsgeschichtliche Themen mit Szenen aus dem Leben der Maria und Jesus Christus, einem Passionszyklus und Darstellungen der Apostel. Daneben schuf Schongauer Darstellungen männlicher und weiblicher Heiliger. Dabei folgen die Stiche bestehenden Konventionen und zeigten keine gänzlich neuen Sujets. Einzig die Darstellung der Jakobsschlacht bildet da eine Ausnahme und wahrscheinlich auch die Serie der Klugen und Thörrichten Jungfrauen.
Eine weit geringere Zahl der Stiche hat profane Themen. Unter ihnen finden sich Alltagsszenen, aber auch die Wappenbilder und Ornamente, die anderen Künstlern als Vorlage dienen sollten. Die zwei Kupferstiche, die Goldschmiedearbeiten zeigen, sind ungewöhnlich aufgrund ihres Themas und wurden in dieser Qualität wohl nicht mehr erreicht.
Liste der Kupferstiche