Bill Bissett (abweichende Namensschreibweise: bill bissett; * 23. November 1939 in Halifax, Nova Scotia) ist ein kanadischer Dichter und Aktionskünstler.
Leben Herkunft, Studienabbruch und erste Arbeiten Bissett, Sohn eines Richters, riss als Kind mehrmals von zuhause aus, um einmal mit einem Zirkus mitzufahren und um dem konventionellen Leben der Mittelschicht zu entfliehen. 1958 verzog er nach Vancouver, wo er ein Studium an der University of British Columbia begann, das er jedoch 1959 abbrach, um als Schriftsteller und Maler zu arbeiten. Obwohl seine Gedichte mit der experimentellen Kreativität der Bewegung um die Literaturzeitschrift TISH harmonierte, gelang es ihm nicht, einen Verleger für seine konkrete und visuelle Poesie zu finden. Als Ergebnis daraus gründete er 1962 seine eigene Literaturzeitschrift blewointment, um seine eigenen Gedichte zu veröffentlichen, aber auch andere, ähnlich arbeitende Dichter wie bpNichol und Steve McCaffery zu fördern.
Bissett, der in seinem Namen die Anfangsbuchstaben klein schrieb und als bill bissett publizierte, ist bekannt für seine unterschiedliche Orthographie und die Verbindung von Lyrik, visueller und Klangpoesie mit Zeichnungen und Collagen sowie für eine täuschend naive Stimme, die die persönliche und politische Scharfsinnigkeit seiner Arbeiten verschleiert. Von Anfang an brechen bissetts Werke wie die Gedichtsammlungen lebanon voices (1967), sunday work (?) (1969) und awake in th red desert! (1969) die künstlichen Barrieren innerhalb und zwischen der Kunst nieder. Seine idiosynkratische Phonetik und quasi-phonetische Rechtschreibung repräsentieren im Wesentlichen den Klang der Worte wie bei der Aussprache: ‚devotions‘ wird zu ‚devosyuns‘ und ‚people‘ zu ‚peopul‘. Zusammen mit Leerräumen und einem Fehlen an Interpunktion verlieh dies bissetts Gedichten zahlreiche Charakteristika einer Partitur. Dabei schloss awake in th red desert! sogar Tonaufnahmen von bissetts Lesungen ein und war damit ein Vorläufer von einigen Tonaufnahmen, die er in den 1980er Jahren veröffentlichte, wie sonik horses (1984) und luddites (1987).
Experimentallyrik und Auszeichnungen Die Zusammenstellung eines von blewointment herausgegebenen Buches kreierte neben Wiederholungen, Typografie und physikalischer Herstellung auch visuelle und taktile Muster. So setzte sich das Gedicht Liberating Skies beispielsweise aus einer Aneinanderreihung des Wortes „earth“ (earthearthearthearthearthearth) zusammen, so dass das Wort in drei Worte zusammenbrach, die sich zu einem Thema entwickelten: „earth“, „hear“ und „heart“. Die Gedichte in dem übergroßen Buch IBM (1971) waren andererseits alle handgeschrieben und mehrere schlugen symbolische Assoziationen für Buchstaben als Piktogramme vor: X zum Beispiel für eine Gebetsmühle.
Eine ähnliche Ästhetik erschien auch in den Gemälden bissets, in denen Gesichter mit himmlischen Bildern verschmolzen sowie Körper sich transformierten und die Bilder irgendwo zwischen Repräsentation und Symbol abzielten.
Die Stärke in bill bissetts Frühwerk führte dazu, dass der Verlag House of Anansi Press mit der Sammlung NOBODY OWNS TH ERTH (1971) das erste seiner Bücher außerhalb von British Columbia veröffentlichte. Mit einer wachsenden Leserschaft veröffentlichte er in den 1970er Jahren mehr als 25 Bücher wie insbesondere MEDICINE my mouths on fire (1974) und die Gedicht- und Collagensammlung stardust (1975), die von den unpersönlichen und symbolischen Qualitäten ikonischer Bilder handelte. Mit Fortschreiten seiner Laufbahn vertieften seine Kompositionen einige ihrer früheren Vielfalt und konzentrierten sich auf Text und Linienzeichnungen.
Bissetts zum Teil durch den Stil Warren Tallmans beeinflussten Gedichte, die sowohl in Sprache als auch Illustrationen offen war, verbanden Ausdrücke von Liebe mit philosophischen Untersuchungen zum Wert der Liebe, und Anti-Materialismus mit dem Streben nach Frieden. Dadurch gehörte er neben Douglas Babour, George Bowering, bpNichol, Stephen Scobie, Fred Cogswell, Alden Nowlan und Al Purdy zu den Vertretern einer experimentellen Poesie, die aus den Grundlagen eine eher umgangssprachlichen, regionalen Wurzeln verbundene Form der Lyrik entwickelten.
Er kritisierte jedoch Versuch von Kontrolle oder Regulierung von Gedanken und Erfahrung und sah sich deswegen im Ergebnis einiger Kritik ausgesetzt. In den Jahren 1977 bis 1978 unternahm eine Gruppe von Abgeordneten des Unterhauses die Kürzung der öffentlichen Förderung seiner Arbeit wegen der konterkulturellen Ästhetik seiner Werke. Aufgrund der sich daraus ergebenden finanziellen Schwierigkeiten war er gezwungen, blewointment press 1983 zu verkaufen.
Er blieb gleichwohl produktiv sowie einflussreich und veröffentlichte in späteren Jahren seine nachdenklichsten Werke über seiner schriftstellerische Philosophie in what we have (1988), für den er 1989 ebenso für den Dorothy Livesay Poetry Prize nominiert war, wie 1991 für hard 2 beleev. Für inkorrekt thots (1993) wurde er 1993 mit dem Dorothy Livesay Poetry Prize ausgezeichnet.
2006 gab Nightwood Editions das Buch radiant danse uv being heraus, eine ihm gewidmete Festschrift von Dichtern und Kleinverlagen. Der Nightwood-Verlag hatte zudem blewointment wiederbelebt, um bissetts Ziel der Veröffentlichung innovativer kanadischer Lyrik zu fördern. 2007 wurde bill bissett mit dem George-Woodcock-Preis für das Lebenswerk für herausragende Beiträge zur Literatur in British Columbia ausgezeichnet.
Veröffentlichungen Gregorian chant, 1958 Th jinx ship nd othr trips, 1960 Th jinx ship nd othr trips, or, Fires in the temple, 1966 We sleep inside each other all, 1966 Heat makes th heart's window for Martina, 1967 Lebanon voices, 1967 Mantras, 1967 Meth means death, 1967 Th gossamer bed pan, 1967 What poetiks, 1967 Where is Miss Florence Riddle, 1967 Awake in the red desert!, 1968 Liberating skies, 1968 Of th land divine service, 1968 Wagon wheeelsss, 1968 Lost Angel Mining Company, 1969 Sunday work?, 1969 IBM, 1970 S th story I to, 1970 Tell me what attackd yu, 1970 What fuckan theory, 1970 Why dusint the League of Canadian Poets do sumthing nd get an organizer for cross country poetry reading, 1970 Bill Bissett, 1971 Blew trewz, 1971 Dragon fly, 1971 Drifting into war, 1971 Nobody owns th earth, 1971 Tuff shit, 1971 Polar bear hunt, 1972 Pomes for Yoshi, 1972 Th high green hill, 1972 The ice bag, 1972 Words in th fire, 1972 Pass th food release th spirit book, 1973 Th first Sufi line, 1973 Drawings, 1974 Living with th vishyun, 1974 Medicine My Mouths On Fire, 1974 Space travl, 1974 Vancouver mainland ice and cold storage, 1974 What, 1974 Yu can eat it at th opening, 1974 Image being, 1975 Stardust, 1975 Th fifth sun, 1975 Venus, 1975 An allusyun to Macbeth, 1976 Plutonium missing, 1976 Th wind up tongue, 1976 Pomes, 1977 Sailor, 1978 Th first snow, 1979 Beyond even faithful legends: selected poems, 1980 Sa n th monkey, 1980 Selected poems, 1980 Soul arrow, 1980 Northern birds in color, 1981 Sa n his crystal ball, 1981 Parlant, 1982 Ready for framing, 1982 Seagull on Yonge Street, 1983 Fires in the tempul, 1984 Canada gees mate for life, 1985 Animal uproar, 1987 What we have, 1988 Hard 2 beleev, 1990 Inkorrect thots, 1992 Th last photo uv th human soul, 1993 Th influenza uv logik, 1995 Loving without being vulnrabul, 1997 Scars on the seehors, 1999 B leev abul char ak trs, 2000 Lunaria, 2001 Peter among th towring boxes, text bites, 2002 Rainbow Mewsik (Poetry), 2002 Th oranges uv orantangua, 2002 Rumours Uv Hurricane, 2003 Narrativ enigma/rumours uv hurricane, 2004 Sublingual, 2008 Novel, 2011
Hintergrundliteratur Carl Peters: Textual vishyuns. Image and text in the work of Bill Bissett, 2011 Don Precosky: bill bissett: controversies and definitions
Weblinks Private Homepage Eintrag in The Canadian Encyclopedia Eintrag in Canadian Poetry Online Eintrag in Poetry Foundation Werke von Bill Bissett Open Library Hintergrundliteratur zu Bill Bissett (Open Library) Four Poems by Bill Bissett Sound Poem in YouTube
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Kanadische Literatur Kategorie:Lyrik Kategorie:Kanadier Kategorie:Geboren 1939 Kategorie:Mann