Wolkenburger Revier ist ein zusammenfassender Oberbegriff für ein historisches Erzbergbaugebiet in Westsachsen. Er bezeichnet nicht einen eigenständigen Bergamtsbezirk, wie etwa das Annaberger Revier oder das Schneeberger Revier. Es befindet sich an der Zwickauer Mulde zwischen den Ortsteilen der Stadt Limbach-Oberfrohna Herrnsdorf im Norden, Uhlsdorf im Südosten sowie des Ortsteils Niederwinkel der Stadt Waldenburg im Südwesten. Im Zentrum befand sich bereits im Mittelalter eine Bergarbeiteransiedlung, die als „Ullrichsberg“ in mehreren Urkunden des 14. Jahrhunderts erwähnt wird. Darauf geht die heutige, umgangssprachliche Bezeichnung „Ullersberg“ der Anhöhe am Ostufer der Zwickauer Mulde zurück.

Geologisch befindet sich das Wolkenburger Revier an der Südwestspitze des Sächsischen Granulitgebirges und gehört daher nicht zum Erzgebirge, von dem es durch das Erzgebirgsbecken getrennt ist. Das „Herrnsdorfer Joch“ bildet den südwestlichsten Punkt, an dem der Granulit zutage ausstreicht. Abgebaut wurden Kupfer- und silberhaltige Bleierze.

Die namensgebende Schloss Wolkenburg wurde in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts auf einem Bergsporn am Westufer der Zwickauer Mulde errichtet. Wolkenburg gehörte vom 12. bis Mitte des 14. Jahrhunderts zur Herrschaft Colditz im Pleißenland und lag damit außerhalb der wettinischen Mark Meißen. Erst 1351 sicherten sich die Markgrafen zu Meißen im Zusammenhang mit dem Zerfall des Pleißenlandes die Verfügungsgewalt über die Münzrechte am Wolkenburger Bergbau.

Im 16. Jahrhundert blühte der Bergbau erneut auf und wurde zu dieser Zeit durch das Bergamt Marienberg verwaltet. Aus dieser Betriebsphase sind wenigstens 26 Grubennamen überliefert, jedoch blieb keine einzige Karte zur Lage dieser Gruben bis heute erhalten. Mit zahlreichen Unterbrechungen nach dem Dreißigjährigen Krieg währte der Bergbau noch bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts.

Geologie Das Granulitmassiv nimmt eine etwa 50 km lange und bis zu 30 km breite, elliptisch geformte Fläche ein, die ungefähr durch die Städte Hohenstein-Ernstthal, Waldenburg, Penig, Rochlitz, Döbeln, Roßwein, Nossen und Frankenberg umrissen wird. In den Randbereichen, insbesondere im Südwestteil des Granulitmassives bei Hohenstein-Ernstthal, stehen neben Granuliten und Gneisen auch Metabasite an (Serpentinite, Gabbros, Amphibolite) an.

Während der variszischen Gebirgsbildung wurde das Granulitmassiv emporgehoben. Dabei entstanden an mehreren Stellen im Granulitgebiet auch Intrusionen verschiedener Granite und pegmatitische Gesteinsgänge. Einige Kilometer nordöstlich bildet der Rochlitzer Berg heute eine markante Geländeerhebung und Zeichen des postvariszischen Magmatismus.

Gleichzeitig setzten Abtragung und Sedimentation in den dazwischenliegenden Becken ein. Bis auf eine Restscholle im Bereich des Ullersberges wurde das Deckgebirge des Granulits im Südwesten völlig abgetragen. Übrig blieb nur ein „Schiefermantel“ jüngerer Gesteine, von dem es ringartig umschlossen wird. Da die quarzreichen Gesteine des Schiefermantels der Randzone schwerer verwittern als der feldspathaltige Granulit der Innenfläche, erhebt er sich ringwallartig um das Granulitgebiet. Dieser Schieferwall wird im Südwesten deutlich an einem Höhenzug, der sich von Oberrabenstein bis nach Langenberg bei Hohenstein-Ernstthal zieht.

Das Granulitgebiet ist dagegen relativ eben, wurde im Pleistozän von der elsterkaltzeitlichen Vereisung überfahren und wird heute durch Flüsse und größere Bäche zerteilt. Während in Waldenburg die Zwickauer Mulde noch eine breite Talaue durchfließt, beginnt bei Niederwinkel kurz vor Wolkenburg das wildromantische Tal des mittleren Muldengebietes, das sich ungefähr bis nach Rochlitz von Südwesten nach Nordosten durch das Granulitmassiv erstreckt.

Während der letzten Phase der variszischen Tektogenese (Saalische Phase) kam es zu weiteren Störungen. Im Gesteinskörper des Granulits und vor allem seines Schiefermantels entstanden Spalten, in denen sich sulfidische Erze mit ihren Begleitmineralien (Gangarten) absetzten. Im Wesentlichen kamen in Wolkenburg zwei Typen von Blei-Zink-Silber-Lagerstätten vor:

die barytische Bleierzformation (fba) mit silberarmen, antimonreichen Fahlerz (Tetraedrit) und den Gangarten Schwerspat (Baryt), Quarz und Hornstein, Braunspat (Ankerit) und Kalkspat (Calzit), sowie die kiesig-blendige Formation (kb) mit Kupferkies (Chalkopyrit), Bleiglanz (Galenit), Arsenkies (Arsenopyrit), Schwefelkies (Pyrit, Markasit) und den Gangarten Quarz und Baryt

Kupferkies, Fahlerz und Bleiglanz bildeten die Haupterzminerale. Die Paragenese entspricht jedoch nicht voll der für die stehenden Gänge in Freiberg typischen kb-Formation. Eine Besonderheit in Wolkenburg stellt das völlige Fehlen von Fluorit dar, auch Zinkblende (Sphalerit) tritt hier nicht auf. Soweit heute anhand von wenigen Funden auf Haldenresten und bei der Aufwältigung noch nachvollziehbar, war das Gangmaterial hauptsächlich brekkziös mit derben Gemengen der Erzminerale ausgebildet. Die Mineralisation zeigt sich heute nur noch anhand von Sekundärmineralen, wie Malachit, Azurit (Kupferkarbonate) und Cerussit (Bleikarbonat), selten Pyromorphit (Bleiphosphat). Mineralfunde sind heute nicht mehr möglich.

Die meisten Erzgänge besaßen nur geringe Erstreckung und unterschiedliches Streichen. Im Herrnsdorfer Teilbereich bilden sie ein Netz aus Spat- und Morgengängen, in Niederwinkel kommen auch stehende Gänge vor. Das Einfallen ist teilweise sehr flach (40°) und zumeist in westliche Richtung orientiert. Der Verlauf dürfte sich zumeist auf laterale Spannungen im Grenzbereich des Granulits, Staffelbrüche und Abrutschung von Schollen des Schiefermantels bei der Hebung des Granulits zurückführen lassen.

Auch am Südrand des Granulitgebirges bei Hohenstein-Ernstthal wurden mindestens ab 1500 stehende Gänge auf Arsenkies und silberhaltige Fahlerze abgebaut (St. Lampertus Fundgrube, Wille Gottes Fundgrube). In diesen Gängen kam ferner Gold vor, das vermutlich auch im „Goldbach“ als Seifengold gewonnen wurde.

Im Herrnsdorfer Bach wurden im 16. Jahrhundert ebenfalls Goldseifen verliehen.

Die Metabasite verwittern unter Bildung von nickelhaltigen Silikaten (Garnierit u. a.), wurden von den 1960er Jahren bis 1990 bei Callenberg im Tagebau abgebaut und in St. Egidien verhüttet. Mit der Entdeckung des Blei-Chromates KrokoitLAPIS, Monatszeitschrift, Chr. Weise Verlag GmbH, München, , Ausgabe September 1991, S. 13–26 (ausführliche Fundstellenbeschreibung) und Ausgabe Oktober 1978, S. 4 (Fundmitteilung) in den Nickelerztagebauen wurde auch das Interesse am mittelalterlichen Silberbergbau wieder belebt.

Geschichte mini|Überwiegend slawisch besiedelte Offenländer im Erzgebirgsvorland vor Beginn der Rodungen Die Region an der Zwickauer Mulde gehört zum Altsiedelland nördlich des „Miriquidi“. Bereits in slawischer Zeit (zwischen 600 und 900 n.C.) waren hier Gaue, unter anderem in Zwickau und zwischen Colditz und Rochlitz an der Zwickauer Mulde, entstanden.

Die Sachsenkaiser und die Markgrafen als deren wichtigste Lehnsträger begannen nach der Jahrtausendwende mit der Ansiedlung von Bauern in den Ostmarken. Neben Markgrafschaft und Bistum Meißen an der Oberelbe wurden auch an der Ostgrenze Thüringens von Otto I. 968 n.C. mit den Bistümern Zeitz und Merseburg neue Verwaltungszentren begründet. In dieser ersten Phase ist Wiprecht von Groitzsch, der Ältere (um 1050 bis 1124) hervorhebenswert, auf den u. a. die Gründung von Leisnig zurückgeführt wird.

Im 12. Jahrhundert wurden Rodung und Besiedlung erneut forciert. Dafür sorgten zum einen die Markgrafen, zum anderen auch die stauffischen Kaiser, ganz besonders Friedrich Barbarossa. Friedrich versuchte, ab 1150 in Mitteldeutschland zwischen den Pfalzen und Reichsstädten Nürnberg und Eger im Süden, Goslar und Erfurt im Westen, Tilleda und Magdeburg im Norden ein reichseigenes Territorium als Machtbasis eines vom Wahlkönigtum unabhängigen Kaiserhauses in den Ostmarken zu schaffen. Dabei bildeten sich mehrere Regionen (Regnitzland, Egerland, Vogtland) heraus, die zum Teil noch heute territorialen oder umgangssprachlichen Bestand haben, wie etwa das Vogtland. Auch die Gründung der Stadt Chemnitz als Kloster (1136) geht auf diese Zeit zurück.

mini|Reichsunmittelbare Herrschaften des Vogtlands und des Pleißenlandes um 1185

Zur Verwaltung der zahlreichen kleineren Herrschaften des zu dieser Zeit gebildeten Pleißenlandes setzte Friedrich in erster Linie Ministeriale und Angehörige des niederen Adels ein, die dadurch in ihrer Stellung zu reichsunmittelbaren Lehnsträgern aufrückten. Verwaltungszentrum des Pleißenlandes war Altenburg, wo die Heinrichinger als Landrichter eine den Vögten von Plauen vergleichbare Stellung einnahmen. Wolkenburg war eine dieser Herrschaften des Pleißenlandes und gehörte einer Nebenlinie derer von Colditz. Neben den Burggrafschaften Colditz und Leisnig umfasste das Pleißenland die Regionen zwischen Striegis und Zschopau im Osten (Sachsenburg, Schellenberg, Wolkenstein, Scharfenstein, Greifenstein) sowie östlich der Zwickauer Mulde bis an die Grenze zu Böhmen (Glauchau, Stollberg, Wildenfels, Hartenstein, Schlettau). Die Burggrafschaft Rochlitz war bereits 1143 an die Wettiner gekommen.

Grundlegend verändert wurde die Situation, als 1348 Karl, IV. aus dem Haus Luxemburg böhmischer König und Kaiser des deutschen Reiches wurde. Mit der Goldenen Bulle ordnete er das Wahlkönigtum neu und begrenzte die Zahl der Wahlberechtigten auf sieben Kurfürsten. Die Schaffung einer kaiserlichen Macht konnte daher auf die Stärkung der eigenen Hausmacht konzentriert werden und das Pleißenland wurde „überflüssig“. Infolge von Fehden, Verpfändungen und mittels offener militärischer Eroberung konnten danach die Wettiner bis zum Ende des 14. Jahrhunderts einen Großteil des Pleißenlandes unter ihre Oberhoheit bringen.

Karl, IV. bestätigte jedoch die Lehen mehrerer Herrschaften, die dadurch böhmische Lehen und dem Zugriff der Wettiner entzogen wurden (Glauchau, Lichtenstein). Auch dem letzten der Heinrichinger (Altenburg) bestätigte er noch einmal die gemeinsame Belehnung seiner Tochter nach ihrer Heirat mit Otto von Leisnig, übertrug das Pleißenland aber gleichzeitig an das Haus Wettin.

mini|Verbliebene reichsunmittelbare Herrschaften im 16. Jahrhundert

Neben den Reußen in Ostthüringen gelang es im heutigen Sachsen daher nur der fürstlichen Linie der Schönburger, sich die reichsunmittelbare Stellung – fast gleichrangig neben den sächsischen Kurfürsten – bis über das Mittelalter hinaus (bis zum Hauptrezeß von 1740) zu bewahren.

Auch Wolkenburg kam damit unter wettinische Hoheit. So ist es nicht verwunderlich, dass die erste urkundliche Erwähnung des Bergbaus in dieser Region genau in diese Zeit (21. Januar 1351)Sächsisches Staatsarchiv, Hauptarchiv Dresden, Bestand 10004, Nr. 25, Bl. 53a, siehe auch Freiberger Urkundenbuch, Urk. Nr. 877, H. Ermisch, 1886 fällt.

Bergbaugeschichte mini|Geschlägelte Strecke in der St.-Anna-Fundgrube zu Wolkenburg mini|Segen Gottes Erbstolln (Niederwinkel), Mundloch Freiberg war nicht der einzige frühe Bergbauort in Sachsen. In Dippoldiswalde begann der Bergbau archäologisch belegt zumindest in der gleichen Zeit. Friedrich Barbarossa und seine Lehnsträger haben mit Sicherheit ebenso auf Erzvorkommen in den neu gerodeten Ländereien geachtet. Über den Beginn des Bergbaus in Wolkenburg liegen jedoch keine urkundlichen Zeugnisse und bislang kaum archäologische Belege vor.