Hermann Wanderscheck (* 16. Mai 1907 in Rixdorf; † 24. April 1971 bei RecklinghausenWilfrid Eymer: Eymers Pseudonymen Lexikon. Realnamen und Pseudonymem in der deutschen Literatur. Kirschbaum Verlag, Bonn 1997, ISBN 3-7812-1399-4, S. 374.) war ein Redakteur und Referent im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, Theaterkritiker und Dramatiker. Sein Pseudonym war Hermann W. Anders.

Leben Herkunft und Studium Hermann Wanderscheck war der Sohn von Dr. phil. Hermann Wanderscheck, der nach dem Berliner Adressbuch von 1907 in Rixdorf in der Schönstedtstraße 15 wohnte.Berliner Adressbuch 1907, Teil 1, S. 2568. Seine Mutter war Katharina Wanderscheck, geb. Ertel. Wanderscheck besuchte ein Realgymnasium in Dresden. Er studierte Literaturgeschichte, Geschichtswissenschaft und Zeitungswissenschaft an den Universitäten: Université de Genève, Universität London,Wer ist wer? Berlin 1967, S. 2107. Friedrich-Wilhelms-Universität BerlinKürschners biographisches Theater-Handbuch. und an der philosophischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität in München bei dem Professor für Neuere Geschichte Arnold Oskar Meyer, und bei dem Planmäßigen außerordentlichen Professor für Zeitungswissenschaft Karl d’Ester,Dissertationsunterlagen Im Wintersemester 1933/34 wohnte Hermann Wanderscheck in der Ohmstraße 14/2.Personenstandsregister der Ludwig-Maximilians-Universität München. Winterhalbjahr 1933/34. München 1934, S. 149. Wanderscheck promovierte mit der Arbeit Die englische Propaganda im Weltkrieg gegen Deutschland 1914–1918 in München 1934 zum Dr. phil. Das mündliche Examen fand am 12. Juli 1934 statt.Ingrid Klausing: Dissertationen am Münchener Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung in München. Eine Bibliographie für die Jahre 1924 bis 2008, Nr. 41.

Mit seinen Schriften diente Wanderscheck Goebbels Reichsministerium für Volksaufklärung und PropagandaVerordnung über die Aufgaben des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda vom 30. Juni 1933. bei der Verbreitung von Feindbildern zur Vorbereitung des Zweiten Weltkriegs, zum Beispiel mit seinen Büchern: Weltkrieg und Propaganda,„Heute, nachdem wir genügend Abstand von den Ereignissen gewonnen haben, nachdem das umfassende Werk Adolf Hitlers die Bedeutung einer einheitlichen geistigen Haltung innerhalb der Volksgemeinschaft für deren Bestand offenbart hat, heute weiß man, daß die Verbündeten den Weltkrieg nicht durch ihre Heere, sondern mit dem „Generalstab der Ideen“, mit Hilfe ihrer großartig angelegten Propaganda-Organisationen gewonnen haben.“ (S. 19) Die englische Lügenpropaganda im Weltkrieg und heute, Höllenmaschinen aus England. Hinter den Kulissen der Londoner Lügenhetze, Dunkelmänner um Churchill. So waren etwa die The Times oder der Observer „Englische Propaganda Schriften“.Weltkrieg und Propaganda, S. 256. Als Mitglied der Reichsschrifttumskammer war er von 1936 bis 1938 Redakteur der „Deutschen Theaterzeitung. Fach- und Korrespondenzblatt für das gesamte Theaterwesen“. Im Fragebogen der Reichsschrifttumskammer vom 12. Februar 1937 gab er an, kein Mitglied der NSDAP zu sein.Joseph Wulf: Literatur und Dichtung im Dritten Reich, S. 149. Von 1938 bis 1943 war er Hauptschriftleiter der Zeitschrift „Der Autor“ und Musikkritiker der Zeitschrift „Film-Kurier“.

Hauptschriftleiter und Referent im Reichspropagandaministerium Wanderscheck notierte in seinem Artikel: Der Schauspieler des Dritten Reiches – Gespräch mit Staatsschauspieler Lothar Müthel: „Wie stehen Dramatiker und Schauspieler heute zueinander? Der nationalsozialistische Dramatiker, der einen neuen Dialog mit kämpferischem Gefälle schreibt, verlangt einen Schauspieler der politischen Intensität. Die Figuren und Personen verlangen ein Bekennertum. Die Form dieses Bekennertums wird von der dramatischen Dichtung vorgeschrieben. Sie ist eine Form der stilistischen und weltanschaulichen Disziplin, Zucht und gradlinigen Haltung, eine Form der stählernen Romantik in der konzentrierten Dialektik und Tragik. Idee und Bekennertum sind eine unlösbare Einheit eingegangen. Fiebernd und voller Einsatzbereitschaft drückt sich der neue Schauspieler in dieser neuen, kraftgeladenen, spannungsvollen Dialogbewegung aus.“ In seinem Buch „Deutsche Dramatik der Gegenwart“ schreibt er in typischer nazistischer Manier: „Hier wird der letzte Sinn des politischen Dramas klar, daß es nicht um den einzelnen geht, sondern um das, was er dem Leben als Vermächtnis hinterläßt. Der politische Held ist herausgehoben ins Zeitlose, ein Held von ewiger Gültigkeit“.Hermann Wanderscheck: Deutsche Dramatik der Gegenwart. Eine Einführung mit ausgewählten Textproben, S. 93 ff. Zitiert nach: Bruno Fischli: Die Deutschen-Dämmerung. Zur Genealogie des völkisch-faschistischen Dramas und Theaters. Bonn 1976, S. 220 f.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde er im September 1939 Referent bei der Presseabteilung im Reichspropagandaministerium.Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 581. Am 8. November 1939 verübte Georg Elser im Münchener Bürgerbräukeller ein Bombenattentat gegen Hitler und nahezu die gesamte NS-Führungsspitze. Daraufhin verfasste Wanderscheck das Buch „Mord! Spionage! Attentat! Die Blutspur des englischen Geheimdienstes und der Münchner Bomben-Anschlag“, in dem er Großbritannien dafür verantwortlich machte.

Hermann Wanderscheck ereiferte sich in der „Filmwelt“ über den „gemeinen Taschenspielertrick Rothschilds, der mit seinen lumpigen Jobbern der Londoner Börse aus millionenfacher Ehre millionenfachen Profit zog. Da starben die besten Soldaten Europas, Niederländer, Preußen, rheinische und braunschweigische Männer auf dem Schlachtfeld bei Waterloo – und eine dritte Macht war es, die aus Blut Kapital schlug: der Bankier Rothschild“.Filmwelt Nr. 43 vom 25. Oktober 1940. Zitiert nach Dorothea Hollstein: „Jud Süß“ und die Deutschen. Antisemitische Vorurteile im nationalsozialistischen Spielfilm. Ullstein, Frankfurt/M., Berlin, Wien 1983, ISBN 3-548-35169-7, S. 6.

Anlässlich des 60. Geburtstages seines Doktorvaters Karl d’Ester im Dezember 1941 schrieb Wanderscheck den Artikel „Kamerad Professor“,Kamerad Professor wobei er offensichtlich auf die gemeinsame weltanschauliche Gesinnung im Sinne der NSDAP anspielte. D’Ester war im Oktober 1934 vom Gauleiter Adolf Wagner zum ordentlichen Professor ernannt worden.Hamburger Fremdenblatt vom 5. Oktober 1934. (doc 1)

Hans Hömberg widmete ihm Ostern 1943 ein Exemplar seiner Komödie „Kirschen für Rom“Herbst-Auktionen Spezialantiquariat für Autographen, Detmold Angebot März 2014.. Friedrich Schreyvogl widmete ihm mit den Zeilen „Hermann Wanderscheck in dankbarer und guter Kameradschaft Friedrich Schreyvogl Juni 1942“ sein Werk Die Weiße Dame. Lustspiel nach einem Entwurf von Hermann Bahr. Mit Schreyvogl stand er auch noch 1963 in Korrespondenz.Schreyvogl an Wanderscheck Wien, den 10. Oktober 1963. Herbst-Auktionen Spezialantiquariat für Autographen, Detmold Angebot März 2014.

Nach Kriegsende Nach dem 8. Mai 1945 befahl Marschall Schukow am 15. September 1945 für die Sowjetische Besatzungszone nationalsozialistische Literatur aus den Bibliotheken zu entfernen. Im Februar 1946 wurden alle Werke von Wanderscheck in das „Verzeichnis der auszusondernden Literatur“ aufgenommen.„Liste A I. Autoren, deren sämtliche Werke zu entfernen sind (…) Wanderscheck, Hermann 16. Mai 1907 NS-Schriftsteller und -Funktionär.“ (S. 81) Aber Wanderscheck, in den Westzonen als angeblich „Unbelasteter“ eingestuft, konnte dort nach kurzer Zeit wie später in der Bundesrepublik und in West-Berlin wieder in den Feuilletons der überregionalen Zeitungen unbehelligt wirken und sich wie viele NS-belastete nahtlos in den westdeutschen Kulturbetrieb einfügen. In den von ihm selbst gegebenen Informationen in Kürschners biographisches Theater-Handbuch oder in Wer ist wer? taucht seine Vergangenheit im NS-Staat nicht auf. Seit 1948 war er Berliner Theaterkritiker, seit 1950 ständiger Kritiker bei der Frankfurter Abendpost. Seit 1950 war er Leiter und Gründer der Mykenae-Theater-KorrespondenzMykenae-Theater-Korrespondenz. Aktuelle Theaternachrichten, Personalien, neue Stücke, Premierenspiegel. Gegründet 1950/51. Erschien Anfangs im Mykenae-Verlag Baum, Darmstadt. in Berlin-Charlottenburg und korrespondierte mit P. Walter Jacob.Information der SUB Hamburg Wanderscheck korrespondierte mit dem Dramaturgen Rainer Antoine.Drei Briefe datiert Berlin, 15. November 1963 bis 7. November 1964. Im März 2014 im Antiquariatshandel angeboten. Auch mit dem Zeitungswissenschaftler Wilhelm Klutentreter trat er in Briefwechsel.Wilhelm Klutentreter: Nachlass im Institut für Zeitungsforschung Dortmund - Klutentreter-Findbuch.pdf Mit dem Schauspieler Jochen Brockmann briefwechselte er 1966.Brockmann an Wanderscheck 5. November 1966. Herbst-Auktionen Spezialantiquariat für Autographen, Detmold Angebot März 2014. Der Schauspieler und Sänger Franz Zehrer schenkte ihm 1950 ein Foto mit der Widmung: „Meinem erfahrenem Dr. Wanderscheck zur Erinnerung an die Uraufführung Liebe im Dreiklang vom Ur-Mucki-Mix in Old-Heidelberg ! In herzlicher Verbundenheit Ihr Franz Zehrer 15.XI.1950“. Zu dem Dramaturgen Hanno Lunin scheint er ein enges Verhältnis gehabt zu haben, denn dieser wirbt auf seiner Webseite mit Artikeln von Wanderscheck zwischen 1959 und 1963.Hanno Lunin. Die Resonanz — W - Z Abgerufen am 18. März 2014. Wanderscheck war auch ständiger Mitarbeiter der Zeitschrift Der Literat.Deutsches Literaturarchiv (Hrsg.): Deutsche literarische Zeitschriften 1945-1970: Ein Repertorium. Walter de Gruyter, 1992, S. 454 f.

Seine Texte wurden von zahlreichen Bühnen in ihre Programmhefte aufgenommen.Hebbel-Theater, Berlin, Landestheater Hannover, Komödie am Kurfürstendamm, Berliner Schaubühne, Staatstheater Braunschweig und andere mehr. Er schrieb auch Beiträge für die offiziellen Schriften der Berliner Festwochen.„Berliner Festwochen. Almanach und Offizielles Programm der Festwochen vom 18. 9. bis 5. 10. 1954“. Druck: Elsnerdruck, Berlin 1954.„Berliner Festwochen. 10 Jahre. Almanach und Offizielles Programm der Festwochen vom 18. 9. bis 4. 10. 1960“. Mit Beiträgen von: Walther Karsch, Wolfgang Schimming, Heinz Ritter, Ilse Urbach, Georg Zivier, Florian Kinzl, Hermann Wanderscheck, Horst Koegler, Otto Friedrich Regner, H. H. Stuckenschmidt, Heinz Joachim, Kurt Westphal, Elisabeth Mahlke, Erwin Kroll, Lothar Band, Friedrich Herzfeld, Karla Höcker, Dietrich Manicke, Will Grohmann, Hugo Zehder, Brigitte D’Ortschy, Albert Buesche, Eberhard Marx, Karl-Heinz Wuthe. Leitung: Gerhart von Westerman. Druck: Mier & Glasemann, Berlin 1960.

Hermann Wanderscheck verfasste auch einige Theaterstücke nach den Märchen der Gebrüder Grimm, die von zahlreichen Laienspielgruppen aufgeführt wurden. Er war seit 1950 Chefdramaturg des Astoria-Verlages,Dieser Verlag verwaltet noch heute die Rechte von Das Märchen von der Wundergeige. Senatsmitglied der 1956 in Hamburg gegründeten Deutschen Akademie der Darstellenden Künste, Mitglied der „Wiener Dramaturgie“Wiener Dramaturgie im Austria-Forum., der Dramaturgischen Gesellschaft und der „Berliner Gesellschaft für Theatergeschichte“.Gesellschaft für Theatergeschichte e.V.