mini|150px|Hektografierte Speisekarte der Thalia (Reisebüro Stangen, Spezialreise nach Jerusalem: Eröffnung der Erlöserkirche 1898, 95 × 152 mm)Die aus der Zeit vor dem Umbau zum Kreuzfahrtschiff stammende Speisekarte wurde noch mit recht einfachen Mitteln hergestellt und vervielfältigt.

Die Thalia war ein in Schottland gebautes, 1886 in Dienst gestelltes Passagier- und Frachtschiff des Österreichischen Lloyd, das nach einem Umbau ab 1907 als Kreuzfahrtschiff vor allem im Mittelmeer und Europäischen Nordmeer lief, von 1919 bis 1922 beim Lloyd Triestino. Danach fuhr sie unter dem italienischen Namen Dalia bei der Triester Reederei Tripcovich. 1926 wurde sie abgewrackt.

Bau, Indienststellung und Liniendienst beim Österreichischen Lloyd Bau und Indienststellung Das aus Stahl gebaute Dampfschiff Thalia, das nach der Muse der griechischen Mythologie für komische Dichtung und Unterhaltung getauft worden war, lief am 5. Juli 1886Daten laut Miramar Ship Index auf der Werft William Denny and Brothers im schottischen Dumbarton unter der Werftnummer 314 vom Stapel. Das zweimastige Passagier- und Frachtschiff hatte einen Rauminhalt von 2.371 BRT und eine Maschinenleistung von 2.554 PS.Almanacco per il Personale di Camera e Cucina addetto al servizio del Lloyd Austriaco, Tip. Morterra & C., Trieste 1898, S. 39 (Flotta del Lloyd Austriaco) Die Thalia verfügte über 70 Betten in der 1. Klasse und 24 in der 2. Klasse und wurde noch 1886, im Jahr ihres 50-jährigen Jubiläums, von der Dampfschifffahrts-Gesellschaft des Österreichisch-Ungarischen Lloyd in Dienst gestellt.Autorenkollektiv: Der Lloyd in Triest gestern – heute – morgen. Triest 1987, S. 40.

1903 erfolgten kleinere Umbauten; u. a. wurde die Takelage der beiden Masten vereinfacht.Paolo Valenti: Dal Lloyd Austriaco a Italia Marittima. Navi e servizi dal 1836 ad oggi. Luglio Editore 2016, S. 165

Schwesterschiff war die bei der englischen Werft Robert Thompson and Sons (Sunderland) am 17. Juni 1886 vom Stapel gelassene Euterpe, die ebenfalls im Eildienst nach Alexandria eingesetzt wurde (Bordpostnummer XXIV). Das 1918 als Truppentransporter auf der Eillinie Fiume-Cattaro eingesetzte Schiff sank am 11. August 1918 nach einem italienischen Torpedotreffer in der Nähe der Insel Pag.

Liniendienst Triest-Alexandria und Vergnügungsfahrten Die Thalia befuhr zunächst überwiegend die auch der Postbeförderung dienende Eillinie Triest-AlexandriaVergleiche dazu die Positionsnachrichten in der Presse von 1889 , 1892 und 1894. und wurde hier auch im Baedeker als besonders schönes und gutes Schiff gelobtKarl Baedeker: Ober-Ägypten und Nubien. Leipzig 1891, S. XI (Digitalisat der Uni Heidelberg). Der Triester Postbeamte Ludwig Fuchs hat das Schiff im Hafen von Triest nach der Rückkehr aus Alexandria 1891 gemalt; das Gemälde befindet sich im Technischen Museum Wien.Vergleiche die dortige Abbildung nebst Beschreibung. Sie wurde daneben auch schon für gesonderte Vergnügungsfahrten in der Adria eingesetztDeutsches Volksblatt vom 4. April 1906 (ANNO-Digitalisat), (Linzer) Tages-Post vom 25. April 1906 (ANNO-Digitalisat) und war auch in der Lagune vor Venedig im Einsatz.

Charterfahrt für das Reisebüro Carl Stangen (1898) Für Oktober/November 1898 wurde sie vom Berliner Reisebüro Carl Stangen gechartert, um überwiegend deutsche Passagiere aus kirchlichen KreisenFür die Reise und das Programm der offiziellen Vertreter der Landeskirchen trug allerdings das Reisebüro von Hugo Stangen, einem Onkel von Carl Stangen, die Verantwortung. Zur Reisedurchführung hatte er die britische Midnight Sun gechartert, die am 17. Oktober von Genua ablegte. von Triest über Konstantinopel nach Jerusalem zu befördern, nachdem die zuvor im Rahmen der 185. Orientfahrt angebotenen Plätze auf der BohemiaVergleiche deren Programm: "Sonderfahrt nach dem Orient mit dem hocheleganten, grössten Mittelmeerdampfer des Oesterreichischen Lloyd "Bohemia" (4000 Tons Gehalt, 5300 induzierte Pferdestärke, Abreise aus Triest 8. Oktober 1898, Dauer: 34 Tage; Stangen 1898, 2. verb. Auflage, 32 S., Illustrationen, 1 Faltkarte). ausgebucht waren (siehe nebenstehende Abb. einer Speisekarte von der Fahrt und einer Postkarte an einen Fahrtteilnehmer). Diese Fahrt stand im Zusammenhang mit der Palästina-Reise des deutschen Kaisers Wilhelm II., die er zusammen mit dem teilnehmenden Hofstaat auf eigenen deutschen Schiffen (Hohenzollern, Herta und Hela) absolvierte, um am Reformationstag (31. Oktober) 1898 in Jerusalem die Erlöserkirche einzuweihen. Die Thalia-Billets kosteten in Abhängigkeit von der Lage der Kabinen zwischen 1.200 und 1.400 Mark.Thomas H. Benner: Die Strahlen der Krone: die religiöse Dimension des Kaisertums unter Wilhelm II. vor dem Hintergrund der Orientreise 1898. Tectum Wissenschaftsverlag, Marburg 2001, S. 235, unter Bezugnahme auf ein Inserat in der Neuen Preußischen Zeitung vom 31. Juli 1898 (Nr. 353, Beilage).Die Namen der Passagiere sind genannt bei: [Friedrich Wilhelm Barkhausen, Hrsg.:] Das Deutsche Kaiserpaar im Heiligen Land im Herbst 1898. Mit allerhöchster Ermächtigung Seiner Majestät des Kaisers und Königs bearbeitet nach authentischen Berichten und Akten. E. S. Mittler & Sohn, Berlin 1899, S. 415-422 (Digitalisat). Allerdings sind diese dort nur zusammengefasst ohne Angabe des einzelnen Schiffs für die SS Midnightsun, SS Bohemia und SS Thalia aufgeführt.

Umbau zum Kreuzfahrtschiff Bereits 1891 hatte die deutsche Reederei HAPAG unter Albert Ballin die erste Kreuzfahrt mit der Augusta Victoria zur besseren Auslastung des Schiffs in den Wintermonaten organisiert.

Die Kreuzfahrt-Idee wurde später auch beim Österreichischen Lloyd aufgegriffen. Nachdem 1904 erste Kreuzfahrten mit der zu den größten und luxuriösesten der Gesellschaft gehörenden Bohemia (Indienststellung 1896)Für 1906 liegt ein Werbeprospekt „Österreichischer Lloyd. III. Vergnügungsreise vom 2. bis 21. Oktober 1906“ für eine Fahrt im Mittelmeer vor. Auch in der Wiener Zeitung vom 17. April 1906 (ANNO) und vom 10. Oktober 1906 (ANNO Digitalisat) wird von Vergnügungsfahrten der Bohemia berichtet. und der Thalia selbst recht erfolgreich durchgeführt wurden,Charterfahrt des Österreichischen Touristenklub im April 1906 laut Wiener Zeitung vom 6. März 1906 (ANNO online) und Werbung im Pilsner Tagesblatt vom 2. Dezember 1906 (ANNO Digitalisat) wurde letztere bis Anfang 1907 unter Leitung des Oberingenieurs Dussich zum Kreuzfahrtschiff umgebaut; „Cook's Welt-Reise-Zeitung“ berichtet in seiner November-Ausgabe 1906 unter ausführlicher Beschreibung der neuen Schiffsausstattung vom Abschluss der Umbauarbeiten.Vergleiche „Cook's Welt-Reise-Zeitung“ Nr. 11/1906, S. 31 ff. (ANNO-Digitalisat).

Ausstattung Das Schiff gehörte nach seinem Umbau, bei dem die zwei Masten erhalten blieben, zu den international führenden Passagierschiffen. Es hatte vier Decks, eine einheitliche Kajütenklasse, eine Tonnage von 3.188 BRT und eine Geschwindigkeit von 14 Knoten. Die Thalia war das erste „weiße Schiff“ des Lloyd – der Schornstein war jedoch in Gelb und das Unterwasserschiff in Grün gehalten. Der Mittelmeer-Baedeker von 1909 reihte sie zusammen mit den Großer Kurfürst des Norddeutschen Lloyd sowie Meteor und Moltke der HAPAG unter die „eleganten Vergnügungsdampfer“ des Kreuzfahrttourismus' im Mittelmeer ein.Mittelmeer. Karl Baedeker Verlag, Leipzig 1909, S. XVIII

Bootsdeck A Das Gesellschaftszimmer mit Lounge und Bar sowie eine Veranda befanden sich auf dem Bootsdeck. Hier waren im Vorschiff auch die Kabinen von Kapitän und Offizieren (1. bis 3.) einschließlich des Funkraums („Marconi-Station“), über denen sich das Brückendeck erhob, sowie mittschiffs 6 Rettungsboote, ein Motorboot und eine Dampfbarkasse zu finden.

Promenadendeck B Bei Musik der Bordkapelle im Musiksalon, der in dunkelrotem Palisanderholz im englischen Stil ausgeführt war, und im Rauchsalon konnten sich die Passagiere auf dem Promenadendeck entspannen. In einer windgeschützten Glasveranda waren Palmen und andere exotische Blattpflanzen aufgestellt. Schließlich bot dieses Deck achtern in vier Luxuskabinen (State-Rooms) auch Quartier.

Oberdeck C Das Oberdeck diente der kulinarischen Versorgung von Passagieren und Mannschaft. Von der steuerbordseitig gelegenen Passagierküche wurden anspruchsvolle Gerichte bereitgestellt, die in dem achterlich gelegenen großen, im Stil der Neorenaissance in den Farben Weiß und Gold gehaltenen Speisesalon für 180 Personen an Tischen zu 6 bis 16 Plätzen eingenommen wurden. Letzterem schlossen sich Kabinen für Passagiere und den Oberkellner an, während davor und bugseitig u. a. der von der Reederei verpflichtete Bordarzt, der seine Dienste zunächst unentgeltlich anbot, die Bordapotheke und der „Barbier“ logierten sowie weitere Kabinen für Passagiere und die Maschinisten zur Verfügung standen.

Hauptdeck D Das Hauptdeck beherbergte fast ausschließlich Passagierkabinen, Bäder und Toiletten sowie den Gepäckraum. Im Vorschiff waren noch Schlafräume der Kellner und die Dunkelkammer untergebracht.

Passagierkabinen mini|150px|Beispiel für eine Kabinenpreisliste (1913)

Die insgesamt 99 Passagierkabinen wurden in 4 Kategorien angeboten:„Allgemeine Bestimmungen und besondere Bemerkungen“, Vergüngungsfahrtenprogramm für das Jahr 1909 sowie 4 Deckspläne in: Österreichischer Lloyd: Thalia-Vergnügungsfahrten 1909. Verlag des Österreichischen Lloyd, Triest 1909, 24 S. vier Luxuskabinen mit Salon, Schlafraum und Badzugang (1913: 2 Luxuskabinen) Einzelkabinen mit einem Bett und anstoßendem Bad Kabinen mit zwei Betten Kabinen mit einem Bett. Nachdem anfänglich zwei Bäder den Passagieren aller vier Luxuskabinen des Promenadendecks zur Verfügung standen, waren nach dem Umbau von zwei Luxuskabinen in zwei Einbett- und zwei Zweibettkabinen ein Bad ausschließlich für die Luxuskabine 5/6 und das andere Bad dem allgemeinen Gebrauch gewidmet.Undatierter Decksplan als Beilage zu Österreichischer Lloyd. Triest: ‚Thalia‘. Vergnügungsfahrten. Frühjahr 1913

Bei Buchung der Luxuskabinen wurde ein etwas höheres Entgelt fällig. So kostete diese z. B. für eine Fahrt vom 11. April bis 12. Mai 1913 auf der Route „Triest-Marokko-Kanarische Inseln-Genua“ mit Bad 4.000 Kronen und ohne 3.600. Je nach Deck waren für Einbettkabinen 940 bis 1.700 Kronen und Zweibettkabinen 1.440 bis 3.000 Kronen – die Dienerschaft 480 Kronen (pro Bett) – zu entrichten, wobei die Kaufkraft einer Krone etwa 5 Euro entsprach.Vergleiche dazu die Webseite zur Kaufkraftparität des Gulden und der Krone zum Euro.

Modernisierung Die Kabinen- und Deckseinrichtung wurde später leicht modernisiert, wie sich aus den unterschiedlichen Decksplänen von 1907, unmittelbar nach der Indienststellung der zum Kreuzfahrtschiff umgebauten Thalia, und 1913, als ihr wegen des Ersten Weltkriegs nur noch kurze Zeit im Kreuzfahrtbetrieb bevorstand, ergibt. Hatte beispielsweise das Gesellschaftszimmer (Bootsdeck A) noch zwei durchgehende Couches, wurden daraus später 6 separate Sitznischen, oder wurden aus der Reiseführerkabine (Oberdeck C) das „Kommisärbureau“ und „Cooks-Reiseführer“-Kabine ohne Schlafgelegenheit. Der Funkraum („Marconi-Station“) auf dem Bootsdeck A wurde vom Vorschiff zur Veranda verlegt.

Bilder vom Schiff nach dem Umbau

Fahrten als Kreuzfahrtschiff Vorbemerkungen