Der Landratsbezirk Dieburg war ein Landratsbezirk im Großherzogtum Hessen mit Sitz in Dieburg. Er bestand ab 1821 und ging 1832 im Kreis Dieburg auf.

Geschichte Entstehung Im Zuge der Verwaltungsreform von 1821 im Großherzogtum wurden auch auf unterer Ebene Rechtsprechung und Verwaltung getrennt und die Aufgaben der überkommenen Ämter in Landratsbezirken – zuständig für die Verwaltung – und Landgerichtsbezirken – zuständig für die Rechtsprechung – neu organisiert. Der Landratsbezirk Darmstadt entstand dabei aus dem Amt Umstadt, dem Amt Dieburg mit Ausnahme der Orte Ober-Roden und Nieder-Roden,Diese beiden Gemeinden fielen an den Landratsbezirk Langen (). dem Amt Otzberg, dem Amt Schaafheim mit Ausnahme von DietzenbachDietzenbach fiel ebenfalls an den Landratsbezirk Langen (). und den Gemeinden Kleestadt und Langstadt aus dem Amt Babenhausen. Die ursprüngliche Herkunft der Orte war ganz unterschiedlich: 4 aus „althessischem“ Bestand (Obergrafschaft Katzenelnbogen) 6 aus kondominalem Besitz zwischen Hessen und der Kurpfalz, 4 kurpfälzische Orte, 2 kurmainzische Orte, 2 hessen-kasselische Orte und 3 Orte, die 1817 von Bayern erworben wurden. Alle Orte gehörten 1821 zu den Dominiallanden – es gab hier also keine Patrimonialgerichtsbarkeit und der Staat war einziger Inhaber aller Hoheitsrechte.

Die Rechtsprechung in diesem Bereich wurde dem ebenfalls neu gegründeten Landgericht Umstadt übertragen.

Ende In der Gebietsreform 1832 wurden die Landratsbezirke aufgelöst und zu größeren Kreisen zusammengelegt.Art. 1 Edict, die Organisation der dem Ministerium des Innern und der Justiz untergeordneten Regierungsbehörden betreffend vom 6. Juni 1832. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 55, 4. Juli 1832, S. 365–376. Deren Zuschnitt wurde kurz darauf mit einer weiteren Verordnung festgelegt. Der Landratsbezirk Dieburg ging dabei gemeinsam mit dem Landratsbezirk Reinheim in dem neuen Kreis Dieburg auf.Verordnung, die Bildung von Kreisen in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen betreffend vom 20. August 1832. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 74, 5. September 1832, S. 561–563 (562).

Innere Verwaltung Gliederung Der Landratsbezirk war in Bürgermeistereien gegliedert, die dem Landrat unterstanden. Dabei wurden mehrere kleinere Ortschaften häufig durch eine Bürgermeisterei verwaltet. Ab 1822 konnten die Hessischen Gemeinden ihre Bürgermeister selbst wählen, es wurden keine Schultheiße mehr eingesetzt. Die 20 Bürgermeistereien des Landratsbezirks Dieburg waren: Altheim, Dieburg, Dorndiel, Groß-Zimmern, Harpertshausen, Hering mit dem Otzberg, Heubach, Kleestadt, Klein-Umstadt, Klein-Zimmern, Langstadt, Lengfeld mit Zipfen, Mosbach, Radheim, Raibach, Richen, Schaafheim, Schlierbach, Semd und Groß-Umstadt.

Landräte 1821–1830 Ferdinand Jakob Beck (1762–1834)Burkhard Döring: Landkreis Darmstadt-Dieburg. Von den Anfängen der Kreisverwaltung zur Region der Zukunft. Landkreis Darmstadt-Dieburg (Hg.). Darmstadt , S. 63f; . 1830–1832 Friedrich Kritzler

Parallele Verwaltungen Finanzen Für die Einnahmen aus Staatseigentum (den sogenannten Domanialen) gab es die Rentämter. Für den gesamten Landratsbezirk war das Rentamt Umstadt zuständig.

Davon getrennt war die Steuerverwaltung. Für den Landratsbezirk war der Steuerbezirk Dieburg zuständig, der alle Orte umfasste und zur Obereinehmerei Umstadt gehörte. Der Steuerbezirk Dieburg war wiederum in drei Distrikteinnehmereien gegliedert die aus Dieburg mit Altheim, Großzimmern Harpertshausen, Kleinzimmern und Semd, Schaafheim mit Dorndiel, Kleestadt, Kleinumstadt, Langstadt, Moßbach, Radheim und Schlierbach sowie Umstadt mit Hering, Heubach, Lengfeld und Raibach, bestanden.

Der Bezirk gehörte zum Hauptzollamt Offenbach und hatte das Grenznebenzollämter II. Klasse in Schaafheim.

Forst Die Forstverwaltung des Landratsbezirks Dieburg wurde vom Forst Umstadt wahrgenommen. Dieser hatte im Bezirk die vier Forstreviere: 1. Altheim mit Harpertshausen, Kleestadt, Langstadt, Richen, Schlierbach und Semd; 2. Dieburg mit Großzimmern; 3. Lengfeld mit Hering, Heubach und Umstadt; 4. Schaafheim mit Dorndiel, Kleinumstadt, Moßbach, Radheim und Raibach. Der Ort Kleinzimmern gehört zum Forstrevier Roßdorf des Forsts Reinheim.

Kirche Die Kirchverwaltung im Bezirk hatte zwei protestantische Inspektorate. Das lutherische Inspektorat Umstadt, zu dem folgende Pfarreien gehörten: die erste Pfarrei Umstadt mit Raibach, Richen und Semd; die zweite Pfarrei Umstadt mit Heubach, Kleinumstadt, Lengfeld und Wüstamorbach (aus dem Bezirk Breuberg), Großzimmern, Kleestadt, Langstadt; Schaafheim mit Schlierbach und das Spitzaltheim; Altheim mit Harpertshausen. Zum reformatorischen Inspektorat Umstadt gehören die Pfarreien: die erste Pfarrei Umstadt mit Kleinumstadt, Raibach, Richen und Wüstamorbach; die zweite Pfarrei Umstadt mit Semd; Hering mit Heubach und Hassenroth (aus dem Bezirk Breuberg); Lengfeld mit Frauenauses, Niederringen, Oberklingen und Wiebelsbach (alle bis auf Lengfeld aus dem Bezirk Breuberg); Neckarsteinach mit Darsberg. Die Pfarrei Grein und Langenthal waren keinem Inspektorat zugeteilt. Auch die katholischen Pfarreien Hirschhorn mit Hainbrunn und dem Hammelbacher Hof, Neckarsteinach mit Darsberg, Grein und Langenthal, Unterschonmattenwaag mit Schönbrunn, waren keinem Landkapitel zugeteilt. Neckarhausen gehört zu der badischen protestantischen Pfarrei Dilsberg und zur katholischen Pfarrei Schönau.

Historische Beschreibung Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über den Landratsbezirk Dieburg:

Die Lage und Grenzen wird beschrieben als:

Die Natürliche Beschaffenheit als:

Die Bevölkerung als:

Die Naturprodukte als:

Gewerbe und Handel als:

Literatur Willi Görich: Verwaltungs-Einteilung 1821 [Karte] = Tafel 25a. In: Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde (Hrsg.): Geschichtlicher Atlas von Hessen. Marburg 1960–1978. [de/subjects/idrec/sn/ga/id/45 Digitalisat] Ulrich Reuling: Verwaltungs-Einteilung 1821–1955. Mit einem Anhang über die Verwaltungsgebietsreform in Hessen 1968–1981. In: Fred Schwind (Hrsg.): Geschichtlicher Atlas von Hessen. Text- und Erläuterungsband. Thorbecke, Sigmaringen 1984. ISBN 3-921254-95-7 [downloads/ga/24-26b.pdf#zoom=50 Digitalisat] (PDF)

Anmerkungen

Einzelnachweise

Dieburg Kategorie:Geschichte (Landkreis Darmstadt-Dieburg) Kategorie:Geschichte (Dieburg) Dieburg Kategorie:Aufgelöst 1832