mini|Kartenausschnitt von 1828 des Amts Rennerod mini|Das Amt Rennerod von 1816 in Weinrot innerhalb des heutigen Kreisgebietes Das Amt Rennerod war ein nassau-ottonisches und zuletzt herzoglich nassauisches Amt, dessen letzter Sitz der Ort Rennerod war. Das Amt wurde bis 1744 als Amt Stuhlgebiet bezeichnet.
Geschichte Das Amt geht zurück auf das mittelalterliche Stuhlgericht (Gericht Winnen-Höhn), einem Landgericht der Grafschaft Diez für die auf dem Westerwald gelegenen Teile der Grafschaft. Das Gericht war nach dem Gericht am Reckenforst bei Dietkirchen das bedeutendste der Grafschaft. Als einzigem Gericht stand Winnen-Höhn ein im 14. Jahrhundert belegter, eigenständiger Zentgraf vor. Als Erben der Grafschaft Diez konnten sich bis zum 16. Jahrhundert die Grafen von Nassau-Dillenburg durchsetzen. Mit dem schrittweisen Übergang zum Römischen Recht verlor das Landgericht seine Bedeutung an die entstehenden Ämter.
Mit der Teilung der Grafschaft Nassau-Dillenburg 1607 fiel das Gericht an die neuentstandene Grafschaft Nassau-Beilstein. Durch einen Vergleich mit der Grafschaft Sayn wurde das Kirchspiel Willmenrod von dem Gericht getrennt und an Sayn übergeben. Der verbliebene Rest des Landgerichts wurde mit weiteren nassau-beilsteinischen Besitzungen zum neuen Amt Stuhlgebiet mit Amtssitz Westernohe vereinigt. Diese fiel mit der Teilung der Grafschaft im Juni 1620 an die Grafen (ab 1650 Fürsten) zu Nassau-Hadamar. Nach dem Aussterben des Hauses Nassau-Hadamar 1711 wurde das Fürstentum mehrfach zwischen den übrigen ottonischen Linien des Hauses Nassau geteilt. Das Amt Stuhlgebiet fiel überwiegend an Nassau-Dillenburg und wurde um den Bezirk des Zentgericht Elsoff erweitert.
Bis 1743 konnte das Haus Nassau-Diez (später Oranien-Nassau) alle nassau-ottonischen Fürstentümer und Grafschaften vereinigen. Es vereinigte das Amt Stuhlgebiet mit weiteren Ämtern 1744 zum Amtskollegium Hadamar. Das Amtskollegium wurde 1775 wieder aufgelöst und das Amt, mit geändertem Sitz, als Amt Rennerod wiederhergestellt. Die Bezirke der Zentgerichte Höhn, Rotenhain wurden 1782 an das neugegründete Amt Marienberg und das Zentgericht Elsoff an das Amt Mengerskirchen abgegeben.
1806 fiel das Amt an das Großherzogtum Berg. Im Großherzogtum Berg wurden die Ämter aufgelöst und stattdessen Kantone eingerichtet. Das Amt fiel überwiegend an den Kanton Rennerod. Bald nach der Völkerschlacht bei Leipzig wurde die Landeshoheit von Oranien-Nassau wiederhergestellt. Nach der Rückgabe an Oranien-Nassau wurden 1813 daraus die bisherigen oranischen Ämter, darunter das Amt Rennerod in alter Form wiedereingerichtet. Am 31. Mai 1815 trat Oranien die Erblande an Preußen ab. Preußen tauschte wiederum die Gebiete mit dem Herzogtum Nassau, so dass das Amt Rennerod nun Teil des Herzogtums wurde.
Bei der Ämterreform am 1. Juli 1816 wurde das Amt Rennerod umgebildet. An das Amt Marienberg wurden die Orte Stein, Neukirchen, Bretthausen, Willingen, Liebenscheid und Weißenberg abgegeben. Das Amt Meudt erhielt Weltersberg. Das Amt Rennerod erhielt Neunkirchen, Hüblingen, Rückershausen, Elsoff, Mittelhofen und Westernohe vom Amt Mengerskirchen.
Im Jahr 1836 wurde das Amt Rennerod wie folgt beschrieben:Deutschland und seine Bewohner, Dritter Band. S. 182.
Nach der Annexion Nassaus durch Preußen wurde das Amt Teil des Oberwesterwaldkreises.
Umfang des Amts Das Amt umfasste 1844 folgende Orte: Ort Gemarkung in Morgen Anzahl der Häuser Einwohner Rennerod 5.350 225 1.419 Berzhahn 1.334 80 441 Elsoff 1.829 101 570 Emmerichenhain 1.575 64 518 Gemünden 1.787 184 1.020 Gershasen (heute zu Westerburg) 905 45 247 Halbs 690 25 138 Hellenhahn-Schellenberg 2.724 97 553 Hergenroth 801 32 262 Homberg 823 33 259 Hüblingen 1.642 54 322 Irmtraut 1.769 73 521 Mittelhofen (heute zu Elsoff) 1.633 63 354 Neunkirchen 2.514 83 505 Neustadt 1.071 36 218 Niederroßbach 1.689 56 367 Nister-Möhrendorf 1.163 44 254 Oberroßbach 1.117 41 307 Oberrod 2.205 81 440 Pottum 1.633 55 380 Rehe 2.953 73 489 Rückershausen 493 18 108 Salzburg 905 31 212 Seck 3.638 117 717 Stahlhofen 809 19 172 Waigandshain 1.609 34 215 Waldmühlen 1.137 56 290 Wengenroth (heute zu Westerburg) 657 42 239 Westerburg 4.288 263 1.592 Westernohe 3.172 93 537 Willmenrod 1.404 75 440 Winnen 1.186 46 284 Zehnhausen 1.142 39 216
Amtmänner 1733–1738: Wilhelm Moritz Hombergk zu Vach 1775–1781: Johann Heinrich Schenck 1781–1789 Georg Daniel Raht 1789–1802: Johann Philipp Peter Conradi 1801–1802: Eckhard Daniel Philipp Raht 1803–1811: Heinrich Ernst Hinzpeter 1816: Arnold von Sachs 1816–1825: Wilhelm Heinrich Chelius 1825–1836: Carl Friedrich Vietor 1836–1842: Ernst Heinrich Wolf(f) 1842–1843: Martin Friedrich Schenck 1843–1845: Maximilian Rudolf Ernst von Reichenau 1845–1848: Gustav Knisel 1848: Johann Burgeff 1854–1859: Johann Friedrich Henrich Wilhelm Held 1859–1862: Carl Michael Claudius Wirth (1852)1863–1867: David Christian Schütz (1867)1868–1884: Robert Westerburg (II.) (1884–1886): Robert von Pelcke
Literatur
Thomas Klein: Band 11: Hessen-Nassau, der Reihe: Walther Hubatsch: Grundriss zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815–1945. 1979, ISBN 3-87969-126-6, S. 173–174. Hellmuth Gensicke: Gericht und Kirchspiel Rennerod; in Nassauische Annalen, 1984, S. 239–243
Einzelnachweise
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