Bana, auch kikri, vana, ist eine dreisaitige, mit dem Bogen gestrichene Schalenspießlaute, deren aus einem Holzblock geschnitzter Korpus in der Draufsicht rechteckig ist. Die bana wird von männlichen Musikern der Pardhan-Kaste in der Gegend von Mandla im zentralindischen Bundesstaat Madhya Pradesh zur Begleitung epischer Lieder gespielt. Die Pardhans musizieren für ihre Auftraggeber, die Gonds, mit denen sie in einer sozialen und mythischen Beziehung stehen. Außerhalb der Volksmusiktradition in dieser ländlichen Gegend ist die Fiedel praktisch unbekannt. Für die Pardhans galt sie früher als Wohnsitz ihres Hauptgottes Bara Pen und besaß eine magische Schutzfunktion.

Die epische Liedtradition der Pardhans stellt eine sehr alte dramatische Form dar, deren Inhalte aus der regionalen Gondawani-Überlieferung oder aus dem indischen Nationalepos Mahabharata stammen. Die bana sorgt für eine musikalische Akzentuierung der halb gesungenen, halb gesprochenen Erzählung und macht für die Zuhörer die geschilderten mythischen Charaktere und Ereignisse vorstellbar. Außerhalb von Mandla heißt die Fiedel der Pardhans kingri.

Herkunft und Verbreitung mini|hochkant|Als „Pena oder Bana“ bezeichnete dreisaitige Streichlaute, die nach ihrem Fundort Amber in Rajasthan eine einfache Ausführung einer ravanahattha sein könnte. Im Timple-Museum des Palacio Spínola auf Lanzarote. In altindischer Zeit war vina ein umfassender Begriff für Saiteninstrumente. Sie wurden gemäß den vedischen Schriften zu Ehren der Götter gespielt. Die im bedeutendsten frühen Werk zur Musik, dem um die Zeitenwende abgefassten Natyashastra, als vina oder vipanci erwähnten Saiteninstrumente waren sehr wahrscheinlich Bogenharfen, die sich aus den älteren Musikbögen entwickelt hatten. In dieser Form sind sie um diese Zeit auf Steinreliefs an buddhistischen Kultorten und ab der Mitte des 1. Jahrtausends als Stabzithern an den Wänden von Hindutempeln in den Händen von Gandharvas und Kinnaras, mythischen Begleitfiguren der Götter, abgebildet. Die Stabzithern ersetzten die Bogenharfen, die sich außerhalb Indiens in Gestalt der burmesischen saung gauk und – weniger bekannt – zumindest bis in jüngste Zeit in Ostafghanistan als waji erhalten haben. Die einzige, in Indien verbliebene Bogenharfe ist die von den Pardhans gespielte bin-baja, die fälschlich auch Gogia bana („Fiedel der Gogia“) genannt wird.Roderic Knight: The Harp in India Today. In: Ethnomusicology, Band 29, Nr. 1, Winter 1985, S. 9–28, hier S. 16f Nach dem 9. Jahrhundert werden die Abbildungen von Stabzithern, die aus einer Saite und einem Trägerstab mit einem angehängten Resonator aus einer Kalebassenhalbschale bestanden seltener. An diese einfachsten Zupfinstrumente erinnert heute nur noch die in der Volksmusik in einer ländlichen Region von Odisha gespielte tuilaMonika Zin, S. 335.

Alte Beinamen der vina verweisen auf die Beziehung zu Göttern. Im 12. Jahrhundert taucht erstmals die Bezeichnung kinnari vina für ein Zupfinstrument unbekannter Bauart im Kathasaritsagara in einer Erzählung über eine menschenfressende Dämonin (Yakshini) auf.Monika Zin, S. 338 Ein Instrument namens kinnara scheint es arabischen Quellen zufolge bereits weit früher gegeben zu haben. Ibn Chordadhbeh (820–912) berichtet vom indischen Saiteninstrument kankala, dessen eine Saite über eine Kalebasse gespannt war. Es handelte sich entweder um eine einsaitige Stabzither (ekatantri vina) oder um ein einsaitiges Lauteninstrument (ektara). Der persischsprachige Dichter Amir Chosrau (1253–1325) nennt dieses zu seiner Zeit sehr beliebte Instrument kingri. Für Abu 'l-Fazl (1551–1602), dem Hofchronisten des Mogulherrschers Akbar I., war die kingara eine zweisaitige Stabzither mit zwei Kalebassen und von der Stabzither kinnara mit drei Kalebassen verschieden. In der Summe bezeichnete kingri und kinnara im Mittelalter eine Reihe von Saiteninstrumenten, die gezupft oder gestrichen wurden.Joep Bor, S. 51f

Der indische Musikwissenschaftler B. C. Deva will auf einigen Tempelreliefs aus dem 10. Jahrhundert Streichinstrumente erkannt haben. Solche Darstellungen sind jedoch nicht eindeutig zu identifizieren. Als ältestes indisches Streichinstrument gilt die ravanahattha, deren Namen unabhängig vom damaligen Instrumententyp seit dem 7. Jahrhundert überliefert ist und sich vom mythischen Dämonenkönig Ravana ableitet.Bigamudre Chaitanya Deva, S. 101, 103 Heute wird eine Langhals-Spießlaute mit zwei Melodie- und mehreren Resonanzsaiten in Rajasthan und Gujarat so bezeichnet. Im 11. und 12. Jahrhundert war eine saranga vina ein beliebtes Saiteninstrument, mit dem Jains ihre religiösen Gesänge begleiteten. Vom Namen her könnte die saranga vina mit dem Bogen gestrichen worden sein, denn die sarangi mit einem kastenförmigen Korpus ist das heute am weitesten in Nordindien verbreitete Streichinstrument. Sarangi ist auch eine volkstümliche Bezeichnung für anders konstruierte indische Fiedeln wie die ravanahattha. Der Begriff sarangi taucht im Mittelalter häufig in epischen Geschichten auf, die in der Volkssprache Prakrit verfasst wurden, was für eine durchgängige Tradition der sarangi in der populären und religiösen Musik spricht. Besonders in der religiösen Gesangstradition der Sikhs spielen Streichinstrumente vom 16. Jahrhundert bis heute (in Verbindung mit der kleinen Trommel dhadd) eine bedeutende Rolle.Joep Bor, S. 51, 60 Seit dieser Zeit ist die sarangi eine auch in der Straßenmusik bekannte Streichlaute, die im 20. Jahrhundert in die klassischen Musik übernommen wurde.

Die dreisaitige sarinda mit einem ausladenden ankerförmigen Korpus ist mit ähnlichen Streichlauten, etwa der ghichak im persisch-zentralasiatisch islamischen Raum verwandt.Bengt Fosshag: Die Sārindā und ihre Verwandten. Formen und Verbreitung einer Familie von Streichinstrumenten in den Ländern des Islam und benachbarten Regionen. (PDF; 5,9 MB) Institut für Geschichte der Arabisch-Islamischen Wissenschaften, Frankfurt/Main 1997, S. 281–306, hier S. 282 Die mayuri vina, deren dickbauchiger Korpus in einem Pfauenkopf endet, lässt sich von den mittelalterlichen vina in Lauten- oder Stabzitherform herleiten. Die mit ihr verwandte schlankere Streichlaute dilruba dürfte in der Mogulzeit und die esraj im 19. Jahrhundert entstanden sein.

Die sarinda verkörpert einen Typ der indischen Streichinstrumente, der in einer besonderen langrechteckigen Form bei der ostindischen Adivasi-Gruppe der Santal als dhodro banam vorkommt. Daneben gibt es in derselben Region die nicht mit den sarinda verwandten Stachelfiedeln banam mit einem schalenförmigen runden Resonanzkörper.Carol M. Babiracki: Banam. In: Stanley Sadie (Hrsg.): The New Grove Dictionary of Musical Instruments. Band 1. Macmillan Press, London 1984, S. 119f Letztere heißen in der Tiefebene im Süden Nepals urni, in Nordostindien pena, in Maharashtra koka und im südindischen Kerala pulluvan vina.

Bauform Die genannten Stachelfiedeln besitzen einen halbkugelförmigen Korpus aus einer Kokosschale oder einer Kalebasse, der mit einer Tierhaut bespannt ist, und einem dünnen geraden Saitenträger, über den eine Saite verläuft. Ein solches, zu den ektara gehörendes Streichinstrument ist bei den Gonds als kingri, kindri oder kingari bekannt.Shashidhar Ramchandra Murkute: Socio-Cultural Study of Scheduled Tribes. (Castes and Tribes of India, Band 2) Ashok Kumar Mittal, Neu-Delhi 1990, S. 36 Davon unterschieden wird die dreisaitige bana mit einem rechteckigen Korpus, die ebenfalls als kingri oder kikri bezeichnet werden kann. Im Bastar-Distrikt heißt dieselbe Fiedel kikir.Geneviève Dournon: Kikir. In: Stanley Sadie (Hrsg.): The New Grove Dictionary of Musical Instruments. Band 2. Macmillan Press, London 1984, S. 428 Nach der Größe werden zwei Varianten der bana benannt: Am beliebtesten ist die kleinere kaneha, die als weiblich gilt. Daneben gibt es die etwas größere, „männliche“ sagara.

Die bana besteht aus einem, in der Draufsicht rechteckigen Resonanzkörper (khol) mit den ungefähren Maßen 21 × 15 Zentimeter, der aus einem Holzblock herausgeschnitten wurde. Das verwendete Holz stammt vom Gutelbaum (Trewia nudiflora, hindi khamar) oder Teakbaum (Tectonia grandis, hindi sagon). Nach unten verjüngt sich der Korpus wie ein Pyramidenstumpf, sodass der Boden nur 15 × 4 Zentimeter misst. Die sich ergebende flache Wanne ist 6 Zentimeter hoch. Der Länge nach wird die Unterseite mittig durch einen breiten Wulst verstärkt. Als Decke wird der Korpus, nachdem er innen weiß ausgemalt wurde, mit einer transparenten Membran aus einem Rinder- oder Ziegenmagensack bespannt, der auf Gondi poor heißt. Am Rand wird die Membran mit einem Harz festgeklebt, das die Pardhan als Pulver aufbewahren, mit Wasser vermengen und heiß auftragen. Der Boden des auf der Decke liegenden Instruments erinnert die Pardhan an den Schildkrötenpanzer, mit dem der erste Anführer der Gond nach der Legende einen Fluss überquerte. Ein 34 Zentimeter langer Saitenträger (siwa) aus Bambus (bhans) mit einem Durchmesser von 3 Zentimetern ragt deutlich über die gegenüberliegende Seite aus dem Korpus heraus.

Am Halsende nehmen drei seitliche Holzwirbel (birra) die Saiten auf, die über einen flachen Steg (ghori, „Stute“, weil die Saiten darauf reiten), der lose im oberen Bereich auf der Membran steht, bis zum unten herausragenden Bambusstab verlaufen. Am unteren Ende geht der Bambusstab in ein breiteres Holzstück (khandi) über. Nach Ende des Spiels schiebt der Musiker den Steg auf den Korpusrand, um die Membran zu entlasten. Damit die seitlich an den Wirbeln festgewickelten Saiten ihre Position über dem Hals erreichen, müssen sie sich an einem kleinen, nach oben stehenden Holzstift (bhodri, „Nabel“) am ersten Wirbel überkreuzen. Um die Wirbel in ihrer Position zu fixieren, werden sie mit Stoff umwickelt. Die Länge der Saiten begrenzt eine direkt am bhodri um den Hals gewickelte Baumwollschnur (kardhan, „Gürtel“). Ein eingeschobener Holzstab stabilisiert das Bambusrohr im Bereich der Wirbel. Die Saiten (chundi, „Haar“) bestehen aus nicht verdrehten Pferdehaaren. Die Wirbel sind nicht für die Aufnahme der Saite gelocht. Stattdessen werden in die Haarstränge an den Enden Baumwollschnüre eingeflochten. Damit lassen sie sich ohne zu rutschen auf die Wirbel wickeln. Die Saiten werden nach ihrer Position beim Spiel unterschieden in upar („oben“, tatsächlich die stärkste und am tiefsten klingende Saite), manjha („Mitte“) und niche („unten“). Eine andere Einteilung nach der Stärke lautet: tinme („schwach“) mit 30–37 Pferdehaaren, manjha mit 38–40 Haaren und dhodha („laut“) mit 45–52 Haaren.

Der Streichbogen (hathora, „etwas in der Hand gehaltenes“) ist etwa 44 Zentimeter lang, in leicht konkav gekrümmte Form aus Woodfordia floribunda (ein Weiderichgewächs, surteli) geschnitzt oder er besteht aus einem Hirschgeweih (shamar). Der Bogenstab wird mit 30–60 Pferdehaaren (chundi) bezogen. Am oberen Ende halten die Haare an einer um den Stab gewickelten Baumwollschnur, am Griffende sind sie in einen mehrfach umgeschlungenen Baumwollstoff eingewickelt. Der Bezug hängt lose an der nicht elastischen Bogenstange. Der Spieler spannt den Bogen, indem er den Bezug umgreift und einwärts zieht. Mehrere Schellen (ghungru), die ein rhythmisches Geräusch verursachen, sind auf der Außenseite des Bogenstabes angebracht. Die Haare werden mit Harz (lobhan) eingerieben.Roderic Knight: Epic Fiddle of Central India, S. 117–121

Spielweise