Change.org ist eine weltweit agierende Plattform für Online-Aktivismus mit Hauptsitz in San Francisco. Mit mehr als 265 Millionen Nutzern war sie 2018 nach eigenen Angaben die „weltweit größte Kampagnenplattform“. Die Plattform ermöglicht Bürgern, einfach und direkt Petitionen zu starten. Sie ist offen für alle Themen und Anliegen. Beliebt sind Petitionen aus den Bereichen Demokratie, Armut, Umwelt, Wohnen, Inklusion, Mobilität, Migration, Netzpolitik, Tierschutz, Handelsbeziehungen und Menschenrechte. Erklärtes Ziel von Change.org ist es, Menschen weltweit die Möglichkeit zu geben, sich für die Welt einzusetzen, in der sie leben möchten. Change.org ist ein am Gemeinwohl ausgerichtetes Sozialunternehmen (Public Benefit Corporation). Alle erzielten Gewinne werden in die Plattform zurückinvestiert. Change.org Deutschland, ein eingetragener Verein, ist Lizenznehmer und Nutzer der technischen Plattform von Change.org PBC ohne weitere rechtliche Verbindungen.
Gründung und Entwicklung Change.org wurde 2007 von Ben Rattray und Mark Dimas als Social Business gegründet. Rattray wollte ursprünglich Investmentbanker werden. Als er erlebte, welche nachteiligen Reaktionen sein Bruder auf dessen homosexuelles Coming-out erfuhr, beschloss er, sich dafür einzusetzen, dass Menschen ihr direktes Umfeld verändern können. Zunächst versuchten Rattray und sein Stanford-Kommilitone Dimas soziales Fundraising, ein Freiwilligen-Netzwerk oder Bloggergruppen im Internet zu organisieren, womit sie jedoch zunächst keinen Erfolg hatten.
Deshalb begannen Rattray und Dimas 2010 damit, die Seite neu aufzubauen und den Fokus auf kollektive Aktionen und Bürgerbeteiligung zu legen. Menschen sollten mit Hilfe von Change.org Petitionen starten, sich gegenseitig unterstützen und so erfolgreich gesellschaftlichen Wandel herbeiführen. Change.org beschäftigte Ende 2018 140 feste Mitarbeiter in 18 Ländern, existierte in zwölf Sprachen und wurde in 196 Ländern der Welt genutzt.
Im Jahr 2012 nahm das US-Nachrichtenmagazin Time change.org-Gründer Ben Rattray in die Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Welt auf.
Change.org Deutschland Im September 2016 gründete das deutsche change.org-Team einen unabhängigen gemeinnützigen Verein – den change.org e. V. Deutschland mit Sitz in Berlin. Der Verein war Lizenznehmer der Change.org PBC (Public Benefit Corporation) in den USA und nutzte dessen technische Plattform und globale Infrastruktur. Darüber hinaus war change.org e. V. in keiner Weise rechtlich mit Change.org PBC verbunden. Die Plattform hat in Deutschland rund 6 Millionen registrierte Nutzer. Der Verein zählte Ende 2017 mehr als 5.000 und Ende 2018 mehr als 10.000 Förderer. Er finanziert sich zu 100 Prozent über Spenden- und Förderbeiträge, womit das alte Finanzierungsmodell in Deutschland abgelöst wurde. Der Verein erfüllt die Bedingungen der Initiative Transparente Zivilgesellschaft und darf somit das Logo der Initiative verwenden. Die Jahresberichte des Vereins entsprechen den Vorgaben des Social Reporting Standards (SRS). Der seit 2014 amtierende Deutschlandchef der Change.org PBC, Gregor Hackmack, ist nunmehr auch Vorstandsmitglied des Vereins.
Im Februar 2021 entzog das zuständige Finanzamt in Berlin dem Change.org-Verein den Status der Gemeinnützigkeit. Dem ging ein Vorlauf von zwei Jahren voraus. Das Finanzamt argumentiert, nur Petitionen an staatliche Stellen seien vom gemeinnützigen Zweck der „Förderung des demokratischen Staatswesens“ gedeckt. Der innn.it-Verein führt den Rechtsstreit fort, gewann zunächst vor dem Finanzgericht Berlin-Brandenburg in Cottbus. Am 12. Dezember 2024 wurde vor dem Bundesfinanzhof verhandelt, mit dem Ergebnis einer Zurückverweisung an das Finanzgericht Berlin-Brandenburg.
Bereits im Februar 2022 kündigte die Change.org PBC (die Betreiberin der internationalen Change.org-Plattform) an, den Lizenzvertrag mit Change.org Deutschland aufzulösen. Das Team Change.org Deutschland um Gregor Hackmack verließ am 31. Mai 2022 den Mutterverein, lancierte die eigene Kampagnenplattform innn.it und benannte den Verein in innn.it e. V. um. Die Webseite change.org/de wird seitdem von Angestellten der Change.org PBC betreut.
Ziele und Arbeitsweise Change.org ist eine kostenlose Kampagnenplattform. Change.org führt selbst keine Kampagnen durch, sondern unterstützt Aktivisten (sofern die Petitionen nicht gegen die Richtlinien oder Verhaltensregeln von Change.org verstoßen). Erklärtes Ziel ist es, Campaigning zu dezentralisieren und lokales Engagement zu fördern. Die Organisation will eigenen Angabe zufolge fördern, dass Einzelpersonen sich jederzeit zutrauen, gesellschaftliche Veränderung anzustoßen. Es sei grundsätzlich das Bedürfnis und die Fähigkeit eines jeden Menschen, Ungerechtigkeiten zu beseitigen und dafür die selbst empfundene Ohnmacht zu überwinden.Ben Rattray, Change.org Founder, On The Impact Of Online Activism. In: huffpost.com. 8. Juni 2012, abgerufen am 12. April 2021 (englisch). Dazu können Nutzer im Internetangebot von Change.org in erster Linie Online-Petitionen zu einem beliebigen Thema erstellen und verbreiten, wobei die festen Mitarbeiter von Change.org in manchen Fällen handwerkliche und strategische Unterstützung leisten. Das Kampagnentraining der Plattform bietet dabei Anhaltspunkte, wie Kampagnen bei Change.org ablaufen. In: changeverein.org. Abgerufen am 20. Juni 2021. Manche Petitionen erfahren mehr Unterstützung als andere. Die Auswahl der Petitionen, auf denen stärker gearbeitet wird, brauchen eine starke Geschichte und müssen interessant für die Change.org-Gemeinschaft sowie faktisch belegbar und aktuell sein. Sobald Petitionen zu Gewalt, Hass oder Hetze aufrufen oder auf andere Art und Weisen gegen die Richtlinien und Vorstellungen der Change.org-Community verstoßen, werden diese entfernt. Häufen sich belegbare Hinweise, dass eine Petition möglicherweise Fehlinformationen beinhaltet, wird diese ebenfalls gelöscht. Sind diese Hinweise nicht belegbar, wird die Petition entsprechend gekennzeichnet.Community-Richtlinien. change.org
Finanzierung Change.org erzielt Einnahmen durch Fördermitgliedschaften und Spenden sowie durch Bewerben von Petitionen auf der Website, um damit die Technologie und das Kampagnenteam zu finanzieren, die Petitionsstarter zu coachen und zu unterstützen. Der Großteil der Einnahmen des Unternehmens entfällt auf das Bewerben von Petitionen. Einzelpersonen und Organisationen, die Petitionen starten oder unterschreiben, schalten Anzeigen, um diese Petitionen bei anderen Website-Besuchern zu veröffentlichen. Bis heute hat Change.org 80 Millionen US-Dollar gesammelt. Investoren aus Wirtschaft, Technologie und Medien förderten das Wachstum der Plattform. Im Jahr 2017 trug eine von Reid Hoffman gesteuerte Investitionsrunde zur Umstellung auf das derzeitige Geschäftsmodell bei. Die Website erzielte zuvor Einnahmen durch die Anzeigenwerbung, die als gesponserte Kampagnen für Interessenorganisationen wie Amnesty International und Listbuilding-Services für Partnerorganisationen bezeichnet wurde. Im Mai 2013 startete die Website mit dem Bewerben von Petitionen, die es einem Unterzeichner ermöglichen, die Petition zu unterstützen, indem er im letzten Stadium der Petitionsunterzeichnung 1 $ bis 1000 $ zahlt.Finanzierungsmodell. In: change.org. Abgerufen am 3. September 2020.
Bekannte Fälle und größte Petitionen Größte Change.org-Petitionen international (Stand: März 2023) Bislang erreichten folgende Petitionen am meisten Unterschriften: Justice for George Floyd: 19,7 Millionen Unterschriften Gerechtigkeit für Breonna Taylor: 11,4 Millionen Unterschriften SaveTheInternet #Uploadfilter: 5,3 Millionen UnterschriftenStop the censorship-machinery! Save the Internet! Stop the willow project: 5,1 Millionen Unterschriften Electoral College: 4,9 Millionen Unterschriften Yulin: 4,8 Millionen Unterschriften Remove Amber Heard from Aquaman 2: 4,6 Millionen Unterschriften #FreedomOnYoutube: 4,3 Millionen Unterschriften Justice for Audrey: 3,8 Millionen UnterschriftenPetition Justice for Audrey
Weitere bekannte internationale Fälle Trayvon Martin Einer der bekanntesten Fälle auf Change.org und zugleich eine der am zahlreichsten unterstützten Online-Petitionen ist der Fall Trayvon Martin. Im Februar 2012 erschoss der Latino George Zimmerman den unbewaffneten 17-jährigen Afroamerikaner Trayvon Martin. Die lokalen Behörden erließen zunächst keinen Haftbefehl gegen Zimmerman. Die öffentlichen Proteste und Medienberichte, die schließlich zur Aufnahme der Ermittlungen führten, wurden von einer Petition begleitet und verstärkt, die Martins Eltern auf Change.org eingestellt hatten und die schließlich über 2,2 Millionen Unterschriften auf sich vereinigte.Ed Pilkington: Change.org thrust into spotlight in wake of Trayvon Martin case. In: guardian.co.uk. 13. April 2012, abgerufen am 22. Mai 2020 (englisch).
Rededuell beim US-Präsidentschaftswahlkampf 2012 Im US-Präsidentschaftswahlkampf von 2012 war Candy Crowley die erste Frau seit 1992, die eines der TV-Duelle zwischen den Kandidaten Barack Obama und Mitt Romney moderierte. Damit setzten sich die erst 16-jährigen Mädchen Emma Axelrod, Sammi Siegel und Elena Tsemberis durch, die in einer Petition an die Debattenkommission gefordert hatten, dass eine Frau eines der Rededuelle moderieren möge.
Regierungshandeln gegen „korrigierende“ Vergewaltigungen Lesbische Frauen werden u. a. in Südafrika teils Opfer von Vergewaltigungen, die von den Tätern vorgeblich in der Absicht unternommen werden, die Frauen durch die Vergewaltigung wieder heterosexuell zu machen und daher unter dem Euphemismus „korrigierende Vergewaltigung“ bekannt sind. Diese Verbrechen blieben lange straflos. Erst die Petition einer Südafrikanerin, deren Freundin Opfer eines solchen Verbrechens geworden war und die weltweit Aufsehen erregte, veranlasste die südafrikanische Regierung zu Gegenmaßnahmen.
Bekannte Fälle in Deutschland Bürgerklage gegen CETA Marianne Grimmenstein, eine Flötenlehrerin aus Lüdenscheid, verfolgte die Verhandlungen zu CETA und TTIP von Anfang an, informierte sich über die Nachrichten und die Informationsseiten der Europäischen Kommission. Schon bald stand für sie fest: CETA fehlt es an Transparenz. Frau Grimmenstein plante früh, vor dem Bundesverfassungsgericht gegen einen solchen Vertrag zu klagen. Ihr Engagement auf Change.org begann im Oktober 2014 und im August 2016 konnte sie so eine professionelle Klageschrift und fast 70.000 Klagevollmachten beim Verfassungsgericht in Karlsruhe einreichen. Marianne Grimmenstein erlangte über die von ihr eingereichte und bis dato größte Bürgerklage gegen CETA bundesweite Bekanntheit.
Beschäftigung und Unterbringung von Leiharbeitern bei Amazon Die von der ARD im Jahr 2013 ausgestrahlte Reportage Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon berichtete von bis zu 5000 Menschen, die als Saisonarbeitskräfte aus vielen Ländern Europas über die Arbeitsagenturen angeworben wurden. Nach Darstellung der ARD wurden die Leiharbeitnehmer in angemieteten Ferienwohnanlagen und Hotels durch angsteinflößende „Security-Leute“Nicolai Kwasniewski: ARD-Dokumentation: Wie Amazon Leiharbeiter kaserniert. In: Der Spiegel vom 13. Februar 2013 der Firma H. E. S. S. überwacht. Sie hätten rechtsverletzend bis in die Privatsphäre der abgesonderten Arbeitnehmer vordringen können.Frank Lübberding: Frühkritik: Leiharbeiter bei Amazon Made in China. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 14. Februar 2013
Anfang 2013 startete ver.di auf der Online-Petitionsplattform Change.org eine Petition zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Leiharbeiter bei Amazon. Am 28. Februar 2013 wurden eine Liste mit 37.000 Unterstützern aus ganz Deutschland an die Werksleitung von Amazon im Logistikzentrum Bad Hersfeld übergeben.
Volumendrosseltarif der Deutschen Telekom