mini|Die Freisinger Denkmäler (Brižinski spomeniki), datierend aus dem 10. und 11. Jahrhundert, wahrscheinlich in Oberkärnten geschrieben, sind die ältesten erhaltenen Dokumente auf Slowenisch. mini|Castelmonte Manuskript (Starogorski rokopis) mini|Protestantischer Prediger Primož Trubar, Autor des ersten gedruckten Buches auf Slowenisch mini|Der Säer (slow. Sejalec, 1907) von dem impressionistischen Maler Ivan Grohar ist eine Metapher für die Slowenen als dynamische Nation vor einer ungewissen Zukunft. und einer Nation, die sät, um zu ernten..
Die slowenische Literatur ist die in der slowenischen Sprache verfasste Literatur. Sie beginnt mit den Freisinger Denkmälern (Brižinski spomeniki) um das Jahr 1000. Die ersten Bücher auf Slowenisch wurden um 1550 gedruckt.
Bedeutende historische Vertreter der slowenischen Literatur sind France Prešeren (1800–1849) und Ivan Cankar (1876–1918).
Literatur in slowenischer Sprache bis 1918 Von den Anfängen bis 1848 Die ersten Spuren eines slowenischen Schrifttums sind im Hochmittelalter in den sogenannten Freisinger Denkmälern (Brižinski spomeniki) zu finden, die zwischen 972 und 1022 datieren und 1803 in Freising in Deutschland gefunden wurden. Es ist der älteste slawische Text, der in lateinischer Schrift geschrieben wurde.
Zusammen mit der Handschrift von Rateče (aufbewahrt in Klagenfurt, auch: Ratschacher Handschrift oder Klagenfurter Handschrift) (vgl. St. Thomas-Kirche, Rateče/dt. Ratschach), der dreisprachigen Handschrift in venezianisch-slowenischem Dialekt von Cividale del Friuli (Čedad) (auch Manoscritto de Cergneu) mit rein administrativem Inhalt aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und der Sitticher Handschrift (auch Ljubljana Manuskript; siehe auch Kloster Sittich)kodeks.uni-bamberg.de; vgl. fabian.sub.uni-goettingen.de, theeuropeanlibrary.org, & , dialnet.unirioja.es. sind sie die ältesten Dokumente der slowenischen Kultur in Originalform.ach.si, .
Die slowenischen Reformatoren um die Zentralgestalt Primož Trubar (1508–1586) druckten die ersten Texte in slowenischer Sprache und schufen vor allem mit der vollständigen Bibelübersetzung durch Jurij Dalmatin die Basis für eine slowenische Buchkultur.Rolf-Dieter Kluge (Hg.): Ein Leben zwischen Laibach und Tübingen. Primus Truber und seine Zeit. Intentionen, Verlauf und Folgen der Reformation in Württemberg und Innerösterreich. Sagner, München 1995. Die ersten beiden gedruckten Bücher in slowenischer Sprache waren der Catechismus in der windischen Sprache und das Abecedarium, beide aus Trubars Feder stammend und 1550 in Schwäbisch Hall gedruckt.Kozma Ahačič: Neue Entdeckungen und Erkenntnisse zum slowenischen Protestantismus. In: Zeitschrift für Slawistik, Jg. 59 (2014), S. 385–398. Aus der Zeit der Reformation stammt auch die erste slowenische Grammatik in lateinischer Sprache von Adam Bohorič (um 1520–1598, ein Schüler Philipp Melanchthons).Oskar Sakrausky: Protestantische Sprachschöpfung bei den Slowenen im 16. Jahrhundert. Einführung zur lateinischen Vorrede der Grammatik des Adam Bohorič und den lateinischen Disticha des Wörterbuches in vier Sprachen von Hieronimus Megiser. In: Jahrbuch für die Geschichte des Protestantismus in Österreich, Jg. 114 (1998), S. 5–62.
Die rigorose Verfolgung der Protestanten im Zuge der Gegenreformation unterband de facto aber eine kontinuierliche Entwicklung des Slowenischen zu einer Sprache der Literatur und der höheren Bildung, Außer der barocken Predigtkunst des Janez Svetokriški (1647–1714) brachte die Gegenreformation keine besonderen literarischen Leistungen hervor.
Der Beginn einer weltlichen slowenischen Literatur lässt sich erst im Kontext der europäischen Aufklärung mit dem literarischen Almanach Pisanice („Schriftwercke“)Lino Legiša: Pisanice 1779–1782. Die Gedichtsammlung Pisanice 1779–1782 (= Razred za filozofske in literarne vede, Band 34.) Slovenska akademija znanosti in umetnosti, Ljubljana 1977, S. 418., den Gedichten Valentin Vodniks und den Komödien Anton Tomaž Linharts ansetzen. Dem Geist der Frühromantik entsprechend fand Volksdichtung weitere Verbreitung, einen unbestrittenen Höhepunkt erlebte die slowenische Lyrik aber im Werk des Romantikers France Prešeren (1800–1849), an dessen Werk sich erste (wenn auch noch reichlich provinzielle) Ansätze einer slowenischen Literaturkritik nachweisen lassen.Boris Paternu: Das Ausgangsmodell der slowenischen Literaturkritik. In: Wiener Slawistischer Almanach, Jg. 22 (1988), S. 155–169. Eine überregionale Bedeutung wurde Prešeren erst posthum mit der Neuausgabe seiner Gedichte (Pesmi, 1866) durch den Schriftsteller und Kritiker Josip Stritar (1836–1923) zugestanden, der Prešeren gleichrangig neben die großen Namen der europäischen Literatur stellte.Jožef Stritar: Preširnovo življenje; Preširnove poezije. In: Pesmi Franceta Preširna, s pésnikovo podobo, z njegovim životopisom in estetično-kritičnim uvodom. Wagner, Ljubljana 1866, S. 5–48.Boris Paternu: France Prešeren: Ein slowenischer Dichter 1800–1849 (= Geschichte, Kultur und Geisteswelt der Slowenen, Band 23). Kovač, München 1994.
Literarische Institutionen und slowenische Literatur der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Von entscheidender Bedeutung für die weitere Entwicklung war die Bildung nationalliterarischer Institutionen, die auch erste Ansätze in der Entwicklung eines slowenischen Literatursystems darstellten. Mit der Gründung der Mohorjeva/Hermagoras-Gesellschaft, des ersten slowenischen Verlags überhaupt, im Jahr 1851 etablierte sich Klagenfurt als Verlagsort, von dem aus der gesamte slowenische Sprachraum mit Büchern versorgt wurde. Die von Anton Janežič (1828–1869) in Klagenfurt gegründeten slowenischen Periodika Slovenska bčela und Slovenski glasnik waren in den 1850er Jahren bedeutende Publikationsorgane für slowenische Literatur.Avguštin Malle: Die slowenische Presse in Kärnten 1848–1900. Slovenski znanstveni inštitut/Slowenisches wissenschaftliches Institut, Klagenfurt/Celovec 1979, S. 22–29. Überall bildeten sich slowenische Lesevereine. Zur Zeit der Gründung der Slovenska matica 1864 und des Theatervereins Dramatično društvo 1867 war Ljubljana als Zentrum der nationalemanzipatorischen Bewegung bereits etabliert.Andreas Leben: Die slowenische Literatur seit 1848. In: Kritisches Lexikon zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur, 118. Nachlieferung. Edition Text + Kritik, München 2022, S. 3. Für die Entscheidung, in slowenischer oder deutscher Sprache zu schreiben, spielte für die in erheblichem Maß zweisprachig sozialisierten Autorinnen und Autoren nicht nur die Zugehörigkeit zur slowenischen (Josipina Turnograjska, Luiza Pesjak, Josip Stritar und andere) oder deutschen (Anastasius Grün, Dragotin Dežman/Karl Deschmann, später auch Ottokar Kernstock) Nation eine Rolle, sondern auch die in den verschiedenen Institutionen gebotenen Arbeits- und Karrieremöglichkeiten (Heinrich Penn).Erwin Köstler: Vom kulturlosen Volk zur europäischen Avantgarde. Hauptlinien der Übersetzung, Darstellung und Rezeption slowenischer Literatur im deutschsprachigen Raum. Peter Lang, Bern 2006, S. 134–137. Im Hinblick auf ihre Strahlkraft blieben aber sowohl die slowenische wie auch die deutschsprachige Literatur weitgehend auf regionale Wirkung beschränkt. Durch das steigende Bedürfnis, sich von der deutschen Nationalkultur abzugrenzen, war herauszuarbeiten, was für die slowenische Literatur als authentisch zu gelten hatte. Essenzielle Institutionen wie eine professionalisierte Literaturkritik mussten sich erst noch entwickeln.
Ein genereller Aufholbedarf bestand zweifellos im Bereich der Kunstprosa, die erst ab den 1850er Jahren nennenswerte Werke hervorbrachte (Janez Trdina, Simon Jenko, Fran Levstik), die aber erst im Kontext des slowenischen Realismus wirklich produktiv zu werden beginnt. Fran Levstik (1831–1887) veranschaulichte mit seiner rustikalen Erzählung Martin Krpan (1858) sein Modell einer „volksnahen“ slowenischen Literatur.Andreas Leben: Die slowenische Literatur seit 1848, S. 4. Josip Jurčičs (1844–1881) romantische Erzählung Der zehnte Bruder (1866), die als der erste slowenische Roman gilt, ist mit weltliterarischen Referenzen und folkloristischen Elementen gespickt.Andreas Leben: Die slowenische Literatur seit 1848, S. 4. Eine Abkehr von romantischen Mustern, für die vor allem die Gesellschaftsromane Janko Kersniks (1852–1897) und Ivan Tavčars (1851–1923) stehen, fand erst in den 1880er Jahren stattAndreas Leben: Die slowenische Literatur seit 1848, S. 5., als sich auf politischer und gesellschaftlicher Ebene der Gegensatz zwischen Klerikalismus und Liberalismus zu radikalisieren begann. Eine Entwicklung weg vom romantischen Paradigma fand bereits etwas früher in der unsentimentalen Lyrik Simon Jenkos (1835–1869) und in den satirisch-kritischen Dichtungen Josip Stritars statt, während Anton Aškerc (1856–1912) mit seinem Eintreten für die Freiheit der Kunst und gegen die Angriffe von Seiten der katholischen Kirche (welcher er als Priester selbst angehörte) zu einer Identifikationsfigur für die jungen Autoren der literarischen Moderne wurde – wobei Letztere den ideellen Liberalismus Aškercscher Prägung relativ schnell hinter sich ließen.Ivan Cankar: Anton Aškerc und seine Epoche. In: ders.: Weiße Chrysantheme. Kritische und politische Schriften. Herausgegeben von Erwin Köstler. Drava Verlag, Klagenfurt/Celovec 2008, S. 102–113.
Die literarische Moderne