{ "type": "ExternalData", "service": "geoline", "ids": "Q41858", "properties": { "stroke": "#008000", "stroke-width": 2 } } Der in der kanadischen Provinz Alberta gelegene Banff-Nationalpark (, ) wurde 1885 gegründet und war der erste Nationalpark Kanadas, der zweite in Nordamerika und weltweit der dritte ausgewiesene Park. Mit seinen 6641 km² Fläche gehört er zu den größeren Nationalparks in den kanadischen Rocky Mountains. Seinen Namen trägt der Park nach dem schottischen Banffshire, der Heimatregion zweier Geldgeber der Canadian Pacific Railway.
Der Nationalpark wurde 1984 von der UNESCO als Teil der Canadian Rocky Mountain Parks zusammen mit dem Jasper-, dem Kootenay und dem Yoho-Nationalpark zum Welterbe erklärt.1990 tagte das World Heritage Committee in Banff, vgl. Convention concerning the protection of the World Cultural and Natural Heritage. Bei diesem Park handelt es sich um ein Schutzgebiet der IUCN-Kategorie II (Nationalpark), welcher von Parks Canada, einer Crown Agency (Bundesbehörde), verwaltet wird. Drei Skigebiete, unter anderem das von Lake Louise, liegen dennoch innerhalb der Grenzen des Banff-Nationalparks.
Geologie Die kanadischen Rocky Mountains wurden durch intensive plattentektonische Aktivität im Mesozoikum und Känozoikum gebildet. Wesentlich zur heutigen Ausformung haben drei größere Gebirgsbildungsphasen beigetragen, die über einen Zeitraum von rund 130 Millionen Jahren den Westen Nordamerikas formten. Die Laramische Gebirgsbildung war die letzte der drei Phasen und verantwortlich für die Heraushebung der Rocky Mountains (in der Größenordnung von rund 2000 Metern).
Besiedlung und Geschichte des Parks Im Laufe seiner Geschichte wurde der Banff-Nationalpark von Spannungen zwischen Naturschützern und Landnutzungsinteressierten geprägt. Der Park wurde am 25. November 1885 als „Banff Hot Springs Reserve“ eingerichtet,Eleanor G. Luxton (2008). Banff: Canada's first national park: a history and a memory of Rocky Mountain Park (2nd ed.). Banff, Alta.: Summerthought Pub. S. 60, ISBN 978-0-9782375-4-7. als Reaktion auf widersprüchliche Ansprüche darüber, wer die heißen Quellen dort entdeckt hatte und wer das Recht zur kommerziellen Entwicklung besaß. Die Naturschützer setzten sich durch, als Premierminister John A. Macdonald die heißen Quellen als kleines Schutzgebiet reservierte, das später erweitert wurde, um Lake Louise und andere Gebiete bis zum Columbia Icefield im Norden einzuschließen.W. F. Lothian (1987). "Chapter 1: The Early Years (Up to 1900)". A Brief History of Canada's National Parks. Parks Canada. ISBN 978-0-662-15217-0.
Mit der Stadt Banff und der Siedlung Lake Louise hat der Park rund 9000 ganzjährige und weitere etwa 1000 saisonale Bewohner.
Ureinwohner
Archäologische Funde bei den Vermilion Lakes belegen, dass die erste menschliche Aktivität in Banff auf etwa 10.300 Jahre v. Chr. zurückgeht.Daryl W. Fedje, James M. White, Michael C. Wilson, D. Erle Nelson, John S. Vogel, John R. Southon (1995). “Vermilion Lakes Site: Adaptations and Environments in the Canadian Rockies during the Latest Pleistocene and Early Holocene”. American Antiquity. Cambridge University Press () Vor dem Kontakt mit Europäern war das Gebiet des heutigen Banff-Nationalparks die Heimat vieler indigener Völker, darunter die Stoney Nakoda, Ktunaxa, Tsuut’ina, Kainaiwa, Piikani, Siksika und Plains Cree.T. Binnema, M. Niemi (1. Oktober 2006). “'Let the Line be Drawn Now': Wilderness, Conservation, and the Exclusion of Aboriginal People from Banff National Park in Canada”. Environmental History. The University of Chicago Press ()Courtney W. Mason (31. Dezember 2014). “Spirits of the Rockies”. Toronto: University of Toronto Press. Die indigenen Völker nutzten das Gebiet zum Jagen, Fischen, Handeln, Reisen, Erkunden und um ihre Kultur auszuüben. Viele Orte im Banff-Nationalpark tragen noch heute ihre Stoney-Nakoda-Namen, zum Beispiel Lake Minnewanka und die Waputik Range. Die Cave and Basin-Quellen waren für die Stoney Nakoda ein wichtiger kultureller und spiritueller Ort.
Europäisch geprägte Zeit Die britische Royal Geographical Society finanzierte die sogenannte Palliser-Expedition (offiziell British North American Exploring Expedition) zwischen 1857 und 1860, die von John Palliser initiiert war. Er reiste von der Red River Colony durch die Rocky Mountains und kartierte den Europäern bis dahin unbekanntes Gebiet.
Nachdem British Columbia am 20. Juli 1871 an Kanada abgetreten worden war, stimmte die Regierung dem Bau einer transkontinentalen Eisenbahnlinie zu. 1872 erhielt die von Hugh Allan gegründete Canada Pacific Railway Company (nicht mit der heutigen Gesellschaft identisch) den Zuschlag zum Bau der Strecke, der 1875 begann. Die Planungen um das lukrativen Infrastrukturprojekt waren von wirtschaftlichen Erwägungen und Bestechung geprägt. Das führte u. a. zum Rücktritt einer kanadischen Regierung und zum Pacific-Skandal.
In diesem Zeitraum forschte auch der neuseeländische Wissenschaftler James Hector im Auftrag der Royal Society of Edinburgh und der Royal Geographical Society im Gebiet der Rocky Mountains. Hector beschrieb vier Pässe durch die kanadischen Rockies, wovon einer für den späteren Trassenbau der Bahnstrecke ausgewählt wurde.
Während des Baus der Canadian Pacific Railway zeigten laut E. G. Luxton im Jahr 1883 Mitglieder der First Nations drei Bahnarbeitern die heiße Quelle mit dem Bassin in einer Höhle. Die Arbeiter erkannten demnach die Bedeutung der Quellen, konnten sich aber nicht über eine mögliche Ausbeutung einigen. 1885 wies die kanadische Regierung zunächst ein relativ kleines Gebiet zum Schutzgebiet aus und verabschiedete am 23. Juni 1887 den Rocky Mountains Park Act.
Die Bahntrasse führt aufgrund des Parks über den südlicheren und steileren Kicking Horse Pass, während die kurz vor dem Ersten Weltkrieg fertiggestellte Strecke der Grand Trunk Pacific Railway über den einfacheren Yellowhead Pass nach Jasper führt.
Ab den 1930er Jahren wurden Straßen durch das Gebiet des Nationalparks gebaut, zunächst der Icefields Parkway vom Banff nach Jasper. Der Highway führt bewusst an touristischen Attraktionen wie dem Columbia-Eisfeld und den Athabasca Falls vorbei. Als letztes wurde der Trans-Canada Highway durch den Park gebaut und 1965 fertiggestellt.
Kohlebergbau
Im Jahr 1877 unterzeichneten die First Nations des Gebiets den Vertrag Nr. 7 (Treaty 7), der Kanada das Recht gab, das Land nach Ressourcen zu erkunden. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde in der Nähe des Lake Minnewanka in Banff Kohle abgebaut. Für kurze Zeit war ein Bergwerk in Anthracite in Betrieb, das jedoch 1904 geschlossen wurde. Die Bankhead-Mine am Cascade Mountain wurde von der Canadian Pacific Railway von 1903 bis 1922 betrieben. Im Jahr 1926 wurde die Stadt abgebaut, und viele Gebäude wurden nach Banff und in andere Orte verlegt.Benn Gadd (1989). Bankhead: The Twenty Year Town (PDF; 42 MB). Coal Association of Canada. Abgerufen am 9. Juni 2025.
Internierungs- und Arbeitslager Internierungslager im Ersten Weltkrieg Während des Ersten Weltkriegs wurden Einwanderer aus Österreich-Ungarn und Deutschland nach Banff geschickt, um in Internierungslagern zu arbeiten. Das Hauptlager lag am Castle Mountain und wurde im Winter zum Cave and Basin verlegt."Banff National Park: Enemy Aliens, Prisoners of War: Canada's First World War Internment Operations, 1914-1920" C. Parks Canada. Abgerufen am 9. Juni 2025. Ein Großteil der frühen Infrastruktur und des Straßenbaus wurde von Männern verschiedener slawischer Herkunft errichtet, wobei Ukrainer die Mehrheit der in Banff Internierten stellten.Bill Waiser (1995). Park Prisoners, The Untold Story of Western Canada's National Parks, 1915-1946. Fifth House Publishers. Historische Tafeln und eine Statue der Ukrainian Canadian Civil Liberties Association gedenken der Internierten am Castle Mountain und an der Cave and Basin National Historic Site, eine National Historic Site of Canada, wo im September 2013 ein Informationspavillon über Kanadas erste nationale Internierungsoperationen eröffnet wurde."Canadian First World War Internment Recognition Fund" C. The Canadian First World War Internment Recognition Fund and The Ukrainian Canadian Foundation of Taras Shevchenko. 2012. Archiviert vom Original am 25. März 2014. Abgerufen am 15. November 2015.
Arbeitslager in der Großen Depression
Im Jahr 1931 erließ die Regierung Kanadas das Unemployment and Farm Relief Act, das während der Großen Depression öffentliche Bauprojekte in den Nationalparks finanzierte.Robert Sandford (2010). Ecology & Wonder in the Canadian Rocky Mountain Parks World Heritage Site G. Athabasca University Press. S. 136. ISBN 978-1-897425-58-9. In Banff bauten Arbeiter ein neues Badehaus und Becken bei den Upper Hot Springs als Ergänzung zu Cave and Basin. Weitere Projekte umfassten Straßenbau im Park, Arbeiten rund um Banff sowie den Bau einer Straße zwischen Banff und Jasper. 1934 folgte das Public Works Construction Act mit anhaltender Förderung; neue Bauten waren eine Registrierungsstelle am Osttor von Banff und ein Verwaltungsgebäude. Bis 1940 erreichte der Icefields Parkway das Columbia-Icefield-Gebiet in Banff und verband Banff mit Jasper.Chic Scott (2003). Summits & Icefields: Alpine Ski Tours in the Canadian Rockies G. Rocky Mountain Books. ISBN 978-1-894765-46-6. Der Großteil der heutigen Parkinfrastruktur stammt aus den Bauprojekten der Großen Depression.
Alternativlager im Zweiten Weltkrieg Im Zweiten Weltkrieg entstanden „Alternativdienstlager“ für Kriegsdienstverweigerer, hauptsächlich Mennoniten aus Saskatchewan, am Lake Louise, Stoney Creek und Healy Creek für Forst- und Straßenarbeiten.Waiser 1995, S. 145.
Fauna Im Park leben viele große Säugetierarten, zum Beispiel Elch, Wapiti, Dickhornschaf, Schneeziege, Schwarzbär, Grizzlybär, Luchs, Wolf und Kojote. Über 250 Vogelarten wurden bisher im Gebiet des Parks beobachtet.Erläuterungen zur Tierwelt auf Parks canada, auf pc.gc.ca (englisch) Für viele Zugvögel sind vor allem die im Park befindlichen Vermilion Lakes als Rastplatz von großer Wichtigkeit. Der amerikanische Bison, der früher in den Tälern von Banff lebte, wurde durch Bejagung ausgerottet; das letzte Tier wurde 1858 getötet. Im Februar 2017 wurden Bisons aus dem Elk Island National Park im Banff-Nationalpark ausgewildert. Im April 2017 wurden hier erstmals wieder Bison-Kälber geboren.BBC: Erstmals wieder Bison-Kälber geboren
Endemisch ist Physella johnsoni, auch Banff Springs snail oder einfach Banff snail genannt, eine Schneckenart, welche die hier vorkommenden heißen Quellen besiedelt. Sie war die erste Molluskenart, die auf der Liste der bedrohten Tierarten erschien (1997). Nach frühen Beobachtungen seit 1926 und jüngeren seit den 1990er Jahren bewohnte sie neun Orte, heute nur noch fünf, die in häufig von Touristen aufgesuchten Gebieten liegen. Da die Schnecken in der Lage sind, sich extrem ungünstigen Bedingungen – vor allem Hitze und giftigen Substanzen – anzupassen, befasst sich seit langer Zeit ein Forschungsprojekt mit ihnen.
Tourismus und Touristische Punkte mini|Blick auf den Sulphur Mountain (links) mini|Pilot Mountain und sein Spiegelbild im Pilot Pond mini|hochkant|Der Lower Consolation Lake