mini|Die Evangelische Kirche Brettach, links im Vordergrund der verbliebene Gaden mini|Blick durchs Langhaus zum Altar

Die Evangelische Kirche Brettach (auch Ägidiuskirche oder Kirche St. Peter und Paul genannt) ist eine ehemalige Wehrkirche in Brettach, einem Ortsteil von Langenbrettach im Landkreis Heilbronn im nördlichen Baden-Württemberg. Sie gehört zur evangelischen Gesamtkirchengemeinde Brettach-Cleversulzbach-LangenbeutingenWebsite der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Brettach-Cleversulzbach-Langenbeutingen im Kirchenbezirk Weinsberg-NeuenstadtWebsite des Evangelischen Kirchenbezirks Weinsberg-Neuenstadt der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Name 1471 wurde die Brettacher Kirche erstmals mit ihrem Patronatsnamen Sankt Peter und Paul erwähnt. Vereinzelt wird die Kirche auch Ägidiuskirche genannt, der Ursprung dieser Zuordnung ist aber unklar. In historischen Quellen wird eine Verbindung zum Heiligen Ägidius erst ab dem Anfang des 19. Jahrhunderts hergestellt. Heute ist sie unter dem Namen Evangelische Kirche Brettach bekannt.

Geschichte Die 1264 erstmals erwähnte KircheEvangelische Kirchengemeinden des Bezirks Neuenstadt am Kocher (Hrsg.): Unsere Heimat, die Kirche. Heimatbuch des Bezirks Neuenstadt am Kocher. Bilder aus dem Bezirk Neuenstadt. Stuttgart 1959Evangelische Kirche Brettach – Entdeckungen im Jahr des 500. Reformationsjubiläums; Hg. Evangelische Kirchengemeinde Brettach, Brettach 2017 geht auf einen sehr alten, vermutlich alemannischen Kultplatz an einer Quelle zurück. Wohl im späten 10. Jahrhundert wurde die Kirche zu einer von Mauern umgebenen Wehrkirche mit Wehrgraben ausgebaut. Die Anlage umfasste einst neben der Kirche noch 23 so genannte Gaden, die als Fruchtlagerschuppen mit Gewölbekellern, aber auch als Zufluchtsstätten der Bevölkerung innerhalb der Wehranlage genutzt wurden. Das Patrozinium der Heiligen Petrus und Paulus ist seit 1471 bezeugt.

Die bestehende Kirche entstand zwischen 1514 und 1578. Von den Erweiterungen der Kirche im 16. Jahrhundert künden das 1578 an die neue Westwand versetzte Portal von 1514 und eine Inschrift am Langhaus, die für dieses Jahr den Baumeister Clemens Vock nennt. Vor allem ging es damals um die beträchtliche Erweiterung (Flächen-Vervierfachung) des Kirchenschiffs nach Norden und Westen im Sinn einer Querkirche mit Einbau zunächst der West-, 1681 auch der Nordempore (einschließlich östlichem Schenkel an der Stirnwand bis über den Chorbogen) und Ausrichtung des Kirchengestühls zur Kanzel vor der Südwand (1955 als niedriger Ambo an die Chorbogenwand versetzt).Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche - Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen; Ubstadt 2025, S. 242, 275 - ISBN 978-3-95505-592-9. Um 1570 wurde auch der Wehrgraben zugeschüttet und die zum Kirchbrunnen gefasste Quelle mit einem Gewölbe überdacht, wodurch der Lindenplatz vor der Kirche entstand. Die ohnehin damals schon baufälligen Gaden wurden ab 1578 abgerissen. Heute ist nur noch ein Gaden erhalten, der noch im 19. Jahrhundert als Gemeindegefängnis diente.

Die Kirche wurde vielfach umgebaut. 1663 zerstörte ein Blitzeinschlag den oberen Teil des Turms. 1681 wurde eine Empore eingebaut. Der Westeingang deutet auf eine Renovierung zur Zeit des Barocks hin. 1886 renovierte Heinrich Dolmetsch die Kirche,Ellen Pietrus: Heinrich Dolmetsch. Die Kirchenrestaurierungen des württembergischen Baumeisters; Stuttgart 2008, S. 261 nochmals innenerneuert wurde sie 1955 durch Hannes Mayer, wobei der jeweilige Charakter des frühromanischen Chorraum und des Renaissance-Schiffs wieder hergestellt wurde.

Im 18. Jahrhundert war Philipp Friedrich Hiller als Pfarrgehilfe an der Kirche tätig, von 1928 bis 1935 war Julius von Jan Pfarrer in Brettach.

Ausstattung mini|Luther mit Schwan Im Inneren der Kirche haben sich renaissancezeitliche Wandmalereien erhalten:Katalog der Wandmalereien in den Kirchen und Kapellen Baden-Württemberg’s von der ottonischen Zeit bis zur Renaissance, von Dipl.-Ing. Klaus Klünder und Christa Regina Klünder von David Ebermann aus Heilbronn 1591 das Nordwandgemälde, welches Luther mit dem Schwan darstellt, wohl das älteste derartige Luthergemälde in Württemberg, und von Hans Veit Becker aus Heilbronn 1681 die Wandgemälde von Isaaks Opferung bis zum neuen Jerusalem. mini|Emporengemälde Zur historischen Ausstattung zählen außerdem die über 20 Gemälde in den Brüstungsfelder der Emporen mit Darstellungen aus Altem und Neuem Testament, der hochbarocke Apostelalter von 1681 einschließlich Kruzifix mit Evangelisten-Medaillons an den vier Kreuz-Armen, die Renaissancekanzel, der historische Orgelprospekt von 1762, zwei Engelsfiguren im Turmsockel sowie ein Epitaphbild mit knienden Stiftern vor dem Auferstandenen an der Chorwand.

1949 schuf der Glasmaler Adolf Valentin Saile für das Chorfenster Darstellungen von Petrus, Paulus und Christus als Weltenherrscher. 1963 Im romanischen Chorraum befindet sich – für die Gottesdienstbesucher unsichtbar – das Jerusalemfenster, das Adolf Saile 1963 schuf und das das Neue Jerusalem zum Thema hat.

Außen an der Kirche befinden sich zwei Kriegerdenkmale für die örtlichen Gefallenen beider Weltkriege (das zweite (1953) stammt von Helmuth Uhrig), im umliegenden Friedhof steht die große, um 1840 angepflanzte Blutbuche.

Orgel mini|Orgel 1654 wurde von einem Präzeptor in Neuenstadt ein Positiv mit vier Registern erstellt für den Preis von 50 fl. 1681 errichtete der Orgelbauer Johann Karl Hammer aus Pfedelbach eine Orgel mit 10 Registern. Nachdem das Instrument mehrere Male renoviert und gereinigt worden war, u. a. durch einen Orgelmeister von Steinbach und Schwäbisch Hall sowie durch Johann Georg Prüss, Hoforgelmacher von Hohenlohe-Neuenstein, wurde es 1844 von Orgelbauer Andreas Laukhuff aus Pfedelbach erweitert und auf der neu erbauten Ostempore aufgestellt. Bis dahin stand die Orgel unter einem Vordach außerhalb des Kirchenschiffes über einem Teil der jetzigen Sakristei. 1922 errichtete die Orgelbaufirma Walcker als opus 1908 eine neue Orgel mit 15 Registern auf der Westempore.

Das heutige Instrument wurde 1976 im historischen Gehäuse durch die Orgelbaufirma Vier erbaut und umfasst 15 Register mit 1161 Pfeifen auf zwei Manualen und Pedal.

Glocken Im Turm der Kirche befinden sich vier Glocken, die alle von der Glockengießerei Bachert gegossen wurden, die kleinste in Kochendorf, die drei anderen in Heilbronn: GlockeName GussjahrDurchmesserGewichtSchlagtonInschriftIBetglocke 19591260 mm1185 kge' EHRE SEI GOTT IN DER HOEHEIIKreuz- und Dankglocke19501120 mm813 kgfis' GELOBT SEI, DER DA KOMMT IN DEM NAMEN DES HERRN. HOSIANNA IN DER HOEHE!IIIBittglocke937 mm439 kga' DIE GNADE UNSERES HERRN JESU CHRISTI UND DIE LIEBE GOTTES UND DIE GEMEINSCHAFT DES HEILIGEN GEISTES SEI MIT EUCH ALLEN! AMEN.IVTaufglocke 1926730 mm237 kgcis" DIE CHRISTEN RUF ICH ZUHAUF DEN KINDLEIN LAEUT ICH ZUR TAUF DIE VERIRRTEN GELEIT ICH HEIM DAZU ERSCHALLT DIE STIMME MEIN / GEGOSSEN VON GEBR. BACHERT IN KOCHENDORF FUER DIE EV. KIRCHE IN BRETTACH

Literatur

Artur Georg Klein: Geschichte der Brettacher Kirche; Brettach 1959 Julius Fekete (Text), Rose Hajdu (Fotos): Kunst- und Kulturdenkmale in Stadt- und Landkreis Heilbronn. Theiss, Stuttgart 1991, ISBN 3-8062-0556-6, S. 211–213.

Adolf Graf: Die Kirche St. Peter und Paul oder die Ägidiuskirche in Brettach; in: Ev. Mesnerblatt, 68. Jg. Nr. 3/2017, Seite 525–532.

Weblinks

Evangelische Kirche Brettach Die Ägidius- oder Peter- und Paulskirche auf der Homepage der Kirchengemeinde Geläut der Brettacher Kirche auf YouTube

Einzelnachweise

Brettach Kategorie:Bauwerk in Langenbrettach Brettach Brettach Kategorie:Heinrich Dolmetsch Brettach Kategorie:Kulturdenkmal in Langenbrettach Kategorie:Peter-und-Paul-Kirche Brettach