mini|400px|Stadtansicht Regensburg
Ensembles in Regensburg Es gibt nach der veröffentlichten PDF-Liste des Bayerischen Landesamtes für Denkmalschutz mehrere Ensembles in Regensburg. Dabei handelt es sich um eine flächenmäßig zusammenhängende Gruppierung von Baudenkmälern und Flächen, die in ihrem räumlichen Zusammenhang unter Denkmalschutz stehen und auch so wahrgenommen werden.
Ensembles in der inneren Stadt Altstadt Regensburg mit Stadtamhof E-3-62-000-1
Als mittelalterliche Großstadt besitzt Regensburg europäischen Rang. Das Stadtbild hat den Zweiten Weltkrieg nahezu unversehrt überstanden und weist einen außergewöhnlich reichen Bestand an romanischer und gotischer Architektur auf. Sowohl durch die historische Dichte als auch durch das monumentale Erscheinungsbild lässt sich das gesamte Altstadtgebilde beidseits der Steinernen Brücke als von der mittelalterlichen Stadtmauer eingerahmtes Ensemble erkennen und als mittelalterliche Stadtgestalt erleben.
Ausgangspunkt für die Stadtentwicklung waren das römische Legionslager „Castra Regina“ mit einer Ausdehnung von 540 × 450 Metern und die „Canabae“ (Zivilsiedlung), deren Relikte oberirdisch (Porta Praetoria und Römermauer am Dachauplatz) und unterirdisch (Ausgrabung Niedermünster) in eindringlicher Weise von früher Stadtkultur nördlich der Alpen zeugen. Ein römisches Militärlager als Keimzelle für eine mittelalterliche Herzogs-, Bischofs- und Kaufmannsstadt hat in historischer wie städtebaulicher Sicht exemplarischen Charakter.
Im Stadtgrundriss ist nicht nur die römische Grundlage, sondern auch die bayerische Frühzeit ablesbar: Von größter landesgeschichtlicher Bedeutung ist der agilolfingisch-karolingische Pfalzbereich. Er umfasst den heutigen Alten Kornmarkt, umgeben von den Gebäuden Alter Kapelle, Herzogshof, Römerturm, St. Ulrich, Dom, Stift Niedermünster und Karmelitenkirche St. Josef. Bei St. Emmeram, einem der bedeutendsten bayerischen Klöster, dessen Kirche unmittelbare Nachfolgerin einer spätrömischen Cömiterialkirche St. Georg wurde, entsteht unter Arnulf von Kärnten ein zweiter Pfalzbereich. Die Stadterweiterung und Umwallung der Kaufleutestadt im frühen 10. Jahrhundert steht in Südostdeutschland einzig für diese Zeit. Regensburg wird Hauptstadt des ostfränkischen Reichs, später zur Residenzstadt des baierischen Herzogtums, geschützt von der um 920 fertig gestellten Arnulfinischen Stadtmauer. Dafür sind Belege in den Bischofshöfen der sieben baierischen Bistümer sowie in zahlreichen Kloster- und Grafenhöfen zu finden. Vergleichbar in dieser Hinsicht sind Pavia und Aachen im 8./9. Jahrhundert oder Paris und London im 12./13. Jahrhundert.
mini|Stadtamhof, Blick durch das Stadttor auf den Dom von Regensburg Geprägt ist die Stadtgestalt hauptsächlich durch Kirchen und Bürgerbauten, die ihre Grundform häufig schon im 12. und 13. Jahrhundert erhalten haben. Dom, Stiftskirchen, die Klöster der Bettelorden und die in dieser Dichte einzigartigen Patrizierburgen gestalten mit ihren Türmen die Stadtsilhouette. Drei Bereiche zeichnen sich ab: Das Areal des Legionslagers, das sich wiederum in den „pagus cleri“, den Bereich des Bischofs, und den „pagus regi“, den Bereich der weltlichen Herrscher, aufteilt. Von diesem Bereich ist der südöstliche Teil nach den Zerstörung während der napoleonischen Schlacht bei Regensburg 1809 zögernd wiederaufgebaut worden und heute durch seine Lage zwischen Zentrum und Bahnhof besonders durch City-Funktionen belastet.
Der zweite Bereich, westlich davon, ist der „pagus mercatorum“ mit den Türmen und Giebelhäusern des Handelspatriziats als besonders kostbarer Profanarchitektur. Als dritter Bereich sind im Osten und Westen die beiden Vorstädte mit ihren Handwerkerstraßen zu erkennen. Dazu die beiden Donauinseln Oberer Wöhrd und Unterer Wöhrd, durch die Steinerne Brücke und die Eiserne Brücke an die Stadt angebunden und mit Fischer- und Schifferhäusern des 17. und 18. Jahrhunderts ausgestattet. Weiterhin der Brückenkopf Stadtamhof mit dem Spital des 13. Jahrhunderts und mit der Marktstraße nach ihrem Wiederaufbau 1809. Hier in Stadtamhof ist der spätmittelalterliche Kern dieser Vorstadt nördlich der Donau noch deutlich zu erkennen.
mini|100px|Baumburger Turm Der Verlauf der mittelalterlichen Befestigungsanlagen des 13./14. Jahrhunderts mit Resten von Stadtmauer und einigen Mauer- und Tortürmen, dem nur noch an wenigen Stellen erkennbaren Stadtgraben und die anstelle der Außenwerke und Bastionen angelegte Fürst-Anselm-Allee markiert noch heute die Ausdehnung der mittelalterlichen Stadt, die sich bis ins 19. Jahrhundert kaum verändert hat. Durch Neubauten ist das Stadtbild gelegentlich gestört, jedoch schränkt dies den Wert des Ensembles nicht wesentlich ein. Die Ablesbarkeit der Stadtgrenzen, das auf römischer Grundlage im Frühmittelalter strukturierte Straßennetz und die in manchen Vierteln und Straßen noch intakte Bebauung mit Kirchen und Wohnhäusern lassen die Regensburger Stadtgestalt als geschlossenes Monument erscheinen. Besonders eindrucksvoll ist die Ansicht der Altstadt von den Winzerer Höhen und dem Dreifaltigkeitsberg im Norden, vom Ziegetsberg im Süden, Prüfening im Westen und Reinhausen im Nordosten.
Weitere Ensembles in der inneren Stadt E-3-62-000-6
Ensemble Reichsstraße
Regensburg, das in der ersten Hälfte des 19. Jh. auf Grund der politischen Gegebenheiten seine ehemalige Bedeutung weitgehend verloren hatte, gewann erst mit dem Anschluss an das europäische Eisenbahnnetz im Jahr 1873 wieder langsam seine ökonomische Grundlage als Handelsstadt zurück. Parallel hierzu stieg die bis dahin stagnierende Bautätigkeit wieder an, der mittelalterliche Stadtbereich wurde zu klein, Durchbrüche der Stadtmauern und Auffüllung der Stadtgräben waren die Folge: 1868 der Durchbruch am Klarenanger und damit der Zugang zum Bahnhof, 1889 der Durchbruch am Neuen Gymnasium und die endgültige Auffüllung des östlichen Stadtgrabens. mini|100px|Regensburg – St. Cäcilia In diesem östlichen Bereich, begrenzt durch die alten Handelswege der Straubinger und der Landshuter Straße, entstand um 1870 auf der Grundlage eines schachbrettartigen Grundrisses der erste zusammenhängende Bebauungsgürtel Regensburgs außerhalb des mittelalterlichen Stadtkernes. Zentrum und Rückgrat dieser Stadterweiterung bildete dabei die Reichsstraße als Verlängerung des Durchbruches am Neuen Gymnasium. Durch die Ausrichtung dieser Straße auf die Domtürme wurde das neue Stadtviertel auch optisch an den Altstadtkern angebunden. Die Straßenbenennungen (Sedan- und Weißenburgstraße) erfolgten, wie bei ähnlichen Stadterweiterungen in München und Chemnitz, zur Erinnerung an den soeben gewonnenen Krieg mit den Namen von Schlachten in Frankreich. Mit der Errichtung öffentlicher Gebäude in den Randzonen suchte man das neue Viertel durch Monumentalbauten aufzuwerten; so entstanden nacheinander die Kreistaubstummenanstalt an der Landshuter Straße (1881), das Neue Königliche Garnisonslazarett an der Greflinger Straße (1889), das Neue Königliche Gymnasium (1893/94), die Pfarrkirche St. Cäcilia (1899/1901) und der reich gegliederte Bau der Landesversicherungsanstalt (1901).
Da Regensburg auch in der zweiten Hälfte des 19. Jh. von einer stark wachsenden Industrialisierung verschont blieb und keinen Zustrom von Arbeitermassen zu verzeichnen hatte, konnte die Wohnbebauung dieses Viertels im sog. offenen Pavillonsystem erfolgen. Die zwei- bis dreigeschossigen villenartigen Bauten sind von Parkanlagen umgeben und grenzen mit einem eingefriedeten Vorgarten zur Straße. Die reichen Gründerzeitfassaden, meist in Neurenaissance- und Neubarockformen, dazu einige Bauten aus der Zeit des Jugendstils sind Ausdruck des wachsenden Wohlstandes des gehobenen Bürgertums der Stadt Regensburg, das sich in diesem Neubauviertel niederließ. Nach der Jahrhundertwende erlebte das Viertel eine Fortschreibung, die Bautätigkeit verlagerte sich nach Südwesten in den Bereich der Landshuter-, Luitpold- und Hemauer Straße. Im Jahre 1936 erfuhr das neue Ostenviertel durch den Bau der Nibelungenbrücke und den dadurch bedingten vierspurigen Ausbau der Weißenburgstraße eine Zäsur, die ursprünglich nicht in dieser Schärfe vorgesehen war. mini|100px|Luitpoldstraße 9 – Regensburg E-3-62-000-5
Prinz-Rupprecht-Straße
Die Kleinsiedlung im Straßengeviert Prinz-Rupprecht-Straße, Reiterstraße, Damaschkeweg und Rosenweg ist der homogenste Bestandteil einer groß angelegten Siedlung, die sich ehemals bis zur Landshuter Straße erstreckte. Bereits wenige Monate nach der Reichsverordnung zur Beschaffung von Siedlungsland vom 29. Januar 1919 wurde von der Stadt Regensburg ein Gebiet südöstlich der ehem. Kavalleriekaserne als Baugrund ausgewiesen, das bis 1925 weitgehend bebaut worden ist. Schon die Benennung einer der neu angelegten Straßen nach Adolf Damaschke, dem führenden Bodenreformer der Zeit um die Jahrhundertwende, lässt die große soziale Bedeutung dieser wohl ersten Siedlung des sozialen Wohnungsbaues in der Oberpfalz erkennen. Auch das Bemühen des in der Heimatstilbewegung führenden Architekten Emanuel von Seidl um einen Bauauftrag, den er jedoch nicht erhielt, lässt erkennen, welche Bedeutung damals diesem Projekt beigemessen wurde. Als Bauträger traten mehrere Gesellschaften auf, u. a. die Siedlungsgenossenschaft „Eigene Scholle“ und die neu gegründete „Baugenossenschaft des Reichsverbandes der Kriegsgeschädigten und Kriegshinterbliebenen“, die jeweils für einen Bauabschnitt der Siedlung verantwortlich waren. Das Geviert zwischen Prinz-Rupprecht-Straße und Rosenweg lag in der Obhut der Stadtbau GmbH. Sie ließ hier 1923/24 als Planfertiger und Bauträger Wohnungsbauten in zwei Grundtypen errichten. Diese Bauten zählen zu den wichtigsten Beispielen für die Bewältigung des Wohnungsproblems nach dem Ersten Weltkrieg in Regensburg.
Dieser durch die Stadtbau GmbH errichtete Siedlungsteil erstreckt sich innerhalb eines Straßengevierts. Eine doppelte, dreigeschossige Mietshauszeile, die durch risalitartig vorgezogene Treppenhäuser rhythmisiert wird, bestimmt die Erscheinung zur Prinz-Rupprecht-Straße. Seitlich schließen zweigeschossige Walmdachbauten an, die außen zu den freistehenden, zweigeschossigen Mehrfamilienhäusern überleiten, die das Geviert an den drei verbleibenden Straßen umrahmen. Der Hofraum ist parzelliert und diente den Mietern ehemals zur Versorgung mit Obst und Gemüse. Teile der Gärten sind nachträglich bebaut worden.
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Wittelsbacherstraße
Um 1860 wurden südwestlich vor der Altstadt, vom Jakobstor aus nach Süden, eine Reihe von Villen angelegt, die mit ihrer Schauseite auf den Verlauf der Fürst-Anselm-Allee und damit auf den Grüngürtel entlang dem einstigen Stadtmauerverlauf Bezug nehmen.
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Obere Regenstraße
Die geradlinige, konsequente Zeilenbebauung begleitet das linke, östliche Ufer des Flusses Regen. Sie besteht aus giebelständigen Kleinhäusern, die im 19. Jh. teils ausgetauscht, teils zu einem zweiten Geschoss aufgestockt wurden. Der Wechsel zwischen Giebeln und Halbwalmdächern und der Ausblick über den Fluss hinweg zur Regensburger Altstadt mit den Domtürmen gibt dem Ensemble eine besondere Prägung.
Ensembles in der äußeren Stadt Ensemble Ganghofer-Siedlung E-3-62-000-8 mini|Ensemble Ganghofer-Siedlung, Regensburg, Maria-Herbert-Straße Die heutige Ganghofer-Siedlung entstand im Wesentlichen von 1936 bis 1939 und führte bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs den Namen „Siedlung Göring-Heim“. Im Zuge der vom NS-Regime betriebenen Aufrüstung war im Juli 1936 ein Zweigwerk der in Augsburg ansässigen Bayerischen Flugzeugwerke AG gegründet worden, das wenig später selbstständig als Messerschmitt GmbH firmierte. Als Produktionsstätte der Messerschmitt GmbH wurde im äußeren Westen von Regensburg, 2 km westlich des Stadtzentrums mit einer Investition von 11 Millionen RM Werksanlagen gebaut, für die im Mai 1937 Richtfest gefeiert wurde.