mini|hochkant=1.5|Pfarrkirche Schöngrabern mini|hochkant|Südwestansicht der Pfarrkirche Die römisch-katholische Pfarrkirche Schöngrabern steht in der Ortschaft Schöngrabern der Marktgemeinde Grabern im Bezirk Hollabrunn in Niederösterreich. Die dem Patrozinium Unsere Liebe Frau Mariä Geburt unterstellte Pfarrkirche gehört zum Dekanat Hollabrunn im Vikariat Unter dem Manhartsberg der Erzdiözese Wien. Die Kirche steht unter Denkmalschutz ().

Das Gebäude ist ein spätromanischer Saalbau, der etwas erhöht im nördlichen Ortsteil von Schöngrabern liegt. An der Außenseite der Apsis befindet sich reichhaltiger Figurenschmuck, der als Steinerne Bibel bezeichnet wird.

Geschichte 13. bis 15. Jahrhundert Aus historischer Sicht wird Hadmar II. von Kuenring als Bauherr angenommen, aus kunsthistorischer Sicht wird die Bauführung durch den Passauer Bischof vermutet. Bei romanischen Chorquadratkirchen umfasst das geplante Grundrechteck das Langhaus und den eingezogenen Chor. Eine mögliche Rundapsis liegt außerhalb des Grundrechtecks. Die Länge und Breite des Grundrechtecks bestimmt der Bauauftrag. Bei Schöngrabern beträgt das Verhältnis von Länge zur Breite 7:3 und die Länge des Langhauses zum Chor teilt sich in 2/3 und 1/3. Die Halbdiagonale des Grundrechtecks misst 16,628 m, und entspricht mit den damaligen Maßeinheiten Klafter, Fuß und Zoll 49 Fuß, ein Fuß hier 0,299 m. Die Absteckung bzw. Gründung des Kirchenbaus erfolgte für das Langhaus am Freitag, 11. März 1211 und für den Chor am 4. Fastensonntag (Laetare), 13. März 1211, indem durch die Ostung die Längsachse nach dem realen Sonnenaufgang des Tages ausgerichtet wurde, durch den Abstand von zwei Tagen entsteht ein Achsknick zwischen Langhaus und Chor. Als Knickebene wurde die Chormitte gewählt, weshalb der Triumphbogen in der Triumphbogenwand etwas nach Süden rückt. Bemerkenswert, dass die Apsis, erkennbar an der Anordnung der Fenster und äußeren Halbsäulen, parallel auf die Langhausachse zurückknickt, womit die Kirche zwei Achsknicke aufweist.Erwin Reidinger: 1211. Pfarrkirche Schöngrabern. Vorfreude auf Ostern, bauanalytisch, archäoastronomisch, liturgisch, historisch und kunstgeschichtlich betrachtet. Beiträge von Heinz-Walter Schmitz, Mario Schwarz und Herbert W. Wurster. Vorwort von Patrick Schicht. 2024, 21 Seiten.

mini|Zwei Steinmetzzeichen an der Südfassade Erbaut wurde die Kirche im 13. Jahrhundert aus zwei Arten von quarzgebundenem Sandstein (Arenit)Untersuchungsbericht der Firma Erich Pummer Ges.m.b.H, Rossatz, aus dem Pfarrarchiv Schöngrabern aus einem inzwischen völlig abgebauten Steinbruch in der Umgebung.Wolf: Schöngrabern im Wandel der Zeiten. 1995, S. 118. Zur Bauzeit befand sich Schöngrabern im Besitz des mächtigen ministerialen Geschlechtes der Kuenringer.Stiftungsbuch des Klosters Zwettl „liber fundatorum zwetlensis monasterii“ („Bärenhaut“).Feuchtmüller: Schöngrabern – Die steinerne Bibel. 1980, S. 9. Der Baubeginn der Kirche war um das Jahr 1210. Viele Anzeichen deuten darauf hin, dass der Bau von Hadmar II. von Kuenring als MahnmalFeuchtmüller: Schöngrabern – Die steinerne Bibel. 1980, S. 11, 68. vor seiner Kreuzfahrt oder als Sühnebau für die Gefangennahme von Richard Löwenherz und dessen Festsetzung in der Kuenringerburg DürnsteinRupert Feuchtmüller: Die steinerne Bibel. Die romanische Kirche von Schöngrabern. Lentia, München 1962. begonnen wurde und vor seiner Kreuzfahrt, spätestens 1217, vollendet war. Andere QuellenDehio-Handbuch. 1990, S. 1051. vermuten die Fertigstellung um das Jahr 1230. Für das Jahr 1217 spricht, dass 19 verschiedene Steinmetzzeichen – meist in der Mitte der Quader – festgestellt wurden, die für die Zeit um das Jahr 1200 charakteristisch sind. Einer derart großen Gruppe von Steinmetzen sollte es möglich gewesen sein, die Kirche in etwa fünf bis zehn Jahren zu errichten.Feuchtmüller: Schöngrabern – Die steinerne Bibel. 1980, S. 11.

Die Kirche war zunächst Filialkirche der Pfarre Sankt Agatha in Hausleiten, ehe sie 1307 zur eigenen Pfarre erhoben wurde. In den achtziger Jahren des 13. Jahrhunderts ging das Pfarrlehen von den Kuenringern auf die Wallseer über. Ihnen folgten der Landesfürst und die Dachsberger. Nach deren Aussterben belehnte Herzog Albrecht V. am 5. November 1434 die steirischen Stubenberger mit Lehen zu Schöngrabern. 1476 wurden die Herren von Guntersdorf urkundlich als Inhaber des Patronatsrechtes erwähnt, ehe Obrigkeit und Vogtei im Jahr 1480 an die Rogendorfer gingen. In dieser Zeit (14./15. Jahrhundert) wurde ein gotischer Anbau nördlich des Chorquadrates errichtet.

16. bis 18. Jahrhundert mini|Modell der Kirche mit romanischem Turm In weiterer Folge wechselte mehrmals die Grundherrschaft, es waren durchwegs Persönlichkeiten mit weitreichenden Beziehungen (Weispriach, Sereny, Ludwigsdorf, Teufel). Bereits der letzte Rogendorfer, Hans Wilhelm, war zum Protestantismus konvertiert und bestimmte als Grundherr die Konfessionszugehörigkeit des einfachen Volkes.Wolf: Schöngrabern im Wandel der Zeiten. 1995, S. 97.

Daher kamen Ende des 16. Jahrhunderts evangelische Prediger zum Einsatz, so ab 1587 der Stuttgarter M. David Schweitzer, der nach dem Erdbeben von 1590 durch die Verfassung einer BußpredigtTagungsbericht des Internationalen Kolloquiums 1985, S. 76 ff. bekannt wurde und zumindest bis 1593 im Amt war.Bernhard Raupach: Presbyterologia Austriaca Oder Historische Nachricht von dem Leben, Schicksalen und Schriften der Evangelisch-Lutherischen Prediger, welche in dem Ertz-Herzogthum Oesterreich unter und ob der Enns. Felgin, Hamburg 1741, S. 168 (). Die Rekatholisierung erfolgte im Zuge der Gegenreformation, als 1626 Freiherr von Teufel, um das Patronat nicht zu verlieren, den katholischen Priester Erhard Stengl als Pfarrer einsetzte.Wolf: Schöngrabern im Wandel der Zeiten. 1995, S. 100.

Im Jahr 1661 findet sich auch die erstmalige urkundliche Erwähnung eines Turmes über dem Chorquadrat, für den zwei neue Glocken angeschafft wurden. 1664 erhielt die Kirche eine neue, in Wien hergestellte Orgel, nachdem das alte Instrument unbrauchbar geworden war.Wolf: Schöngrabern im Wandel der Zeiten. 1995, S. 120 f.Marktrichterprotokoll S. 257.

Ende des 17. Jahrhunderts wurden zwischen den Außenmauern Eisenschließen eingezogen, weil sie unter dem Druck der Gewölbe und dem Gewicht des Turmes einzustürzen drohten.Wolf: Schöngrabern im Wandel der Zeiten. 1995, S. 122.

Im Jahr 1715 wurde mit der Barockisierung der Kirche begonnen, indem der gotische Altar durch einen von Matthias Paumann in Znaim hergestellten barocken Altar ersetzt wurde.

Ende des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart 1781 bis 1791 sowie Anfang des 19. Jahrhunderts erfolgten umfangreiche Umbauten. Im Jahre 1786 wurde das Gewölbe des Langschiffes eingeschlagenWolf: Schöngrabern im Wandel der Zeiten. 1995, S. 127. und der Turm über dem Chorquadrat abgetragen. Der Westteil wurde erweitert, das Langhaus um ein Joch verlängert und der neue Turm errichtet. Im Zuge dieser Umbauarbeiten musste die Orgel von der Empore abgenommen werden, und da sie anschließend nicht mehr aufgestellt werden konnte, wurde ein neues Instrument mit acht Registern beim Znaimer Orgelbauer Josef Silberbauer angeschafft.Wolf: Schöngrabern im Wandel der Zeiten. 1995, S. 132.

Im Langhaus wurden Hängekuppeln eingezogen, das romanische Südportal wurde vermauert und durch Aufmauerung über dem Chorquadrat ein einheitliches Dach über Chor und Langhaus hergestellt. Südlich des Langhauses wurde eine Kapelle angebaut, der Anbau nördlich des Chores aus dem 14./15. Jahrhundert abgerissen. Diese Baumaßnahmen standen im Zusammenhang mit den kirchlichen Reformen Kaiser Josephs II., weil Schöngrabern im Zuge der Aufhebung und Zusammenlegung von Pfarrsprengeln als Pfarrkirche für diesen Bereich vorgesehen war.

Nach einem Kirchenbrand während des Franzosenkrieges von 1809 wurde das zerstörte Langhausgewölbe erneuert, im Jahre 1816 anstelle der ebenfalls zerstörten Orgel das noch heute in Gebrauch stehende Instrument angeschafft und 1840 das ursprüngliche Presbyteriumsgewölbe durch eine Kopie des Kreuzrippengewölbes aus Holz ersetzt. Eine Sakristei aus dem Jahr 1841 ist südlich des Chores angebaut. 1866 wurden nach einem Blitzschlag der Turm erhöht und das einfache Pyramidendach des Turmes durch einen neubarocken Turmhelm ersetzt sowie 1872 der Innenraum in römisch-byzantinischem Stil ausgemalt. mini|Das von der Putzschicht wieder freigelegte romanische Südportal

Nach Entfernung des Mörtelanwurfs aus dem 18. Jahrhundert von den Außenseiten des Langhauses liegen die romanischen Gliederungselemente, wie Rundbogenfriese, Monatsdarstellungen, Quaderung und das Südportal seit 1907 wieder frei; einzelne figurale Reliefs sind renoviert.

1936/37 wurde der Innenraum renoviert, die Bemalung aus dem 19. Jahrhundert entfernt und gotische Fresken in Langhaus und Chor sowie ein spitzbogiges Türgewände freigelegt. Die Konsolen im Langhaus und die Basen der Triumphbogenpfeiler präsentieren sich seitdem wieder ohne die barocke Ummantelung.

1952 wurden einzelne Apsisreliefs restauriert, im Jahre 1960 die im 18. Jahrhundert südlich des Langhauses angebaute Kapelle sowie die 1841 angebaute Sakristei abgebrochen und dabei romanische Bauteile gefunden. 1961 erfolgte eine Restaurierung der Apsis und 1963 wurde im Nordwesten der Kirche ein Kapellenraum angebaut und die barocke Kanzel abgetragen, um den Blick auf das dahinterliegende Bild des heiligen Christophorus aus der Zeit um 1350 freizugeben. mini|hochkant=1.5|Grundriss und Bauabschnitte (Baualterplan)

1975 bis 1978 wurde der Hochaltar abgetragen und der romanische Altartisch (Mensa) freigelegt, das Gewölbe im Chorquadrat erneuert und die Gewölberippen sowie der ursprüngliche Schlussstein wieder eingesetzt. Ein hufeisenförmiger Stahlbetonrahmen sichert das Gewölbe statisch ab. Die Pfarrkirche Oberhofen bei Innsbruck erhielt den barocken Hochaltar. Anlässlich dieser Restaurierungsarbeiten erfolgte im Jahre 1976 auch eine archäologische Untersuchung im Bereich des Presbyteriums. Dabei konnten vier Priestergräber freigelegt werden, die aufgrund der Ziegelformate und eines Münzfundes in die Zeit zwischen 1619 und 1720 zu datieren waren.Gustav Melzer, E.M. Winkler: Fundberichte aus Österreich, Band 15, 1976, S. 316 f.

Im Jahre 1982 erfolgten Konservierungsarbeiten am Südabschnitt der Apsis. Weitere Konservierungsarbeiten an der Apsis wurden im Jahre 1995 vorgenommen. Bei dieser Gelegenheit erhielten die Mittelgesimse oberhalb der unteren Rundbogenfriese an der Nord- und Südfassade zum Schutz vor Witterungsschäden eine Eindeckung aus alten Dachziegeln.Schlussbericht des Bundesdenkmalamtes vom 16. August 1995 aus Unterlagen der Pfarre Schöngrabern.

Die vorläufig letzte Restaurierung und Konservierung erfolgte an der Südchorfassade im Jahre 1996. Dabei wurden auch alle an der Südfassade feststellbaren 66 Steinmetzzeichen aufgenommen und ihre Lage in einem Plan festgehalten.Schlussbericht des Bundesdenkmalamtes vom 9. November 1996 sowie Unterlagen der Pfarre Schöngrabern.

Baubeschreibung Das Äußere

mini|Das Äußere der Apsis mit Teilen der Steinernen Bibel mini|hochkant|Inschrift für Niclas Eighorn von 1585 mini|Quaderinschrift von 1580 Die Fassade des Langhauses gliedert sich in drei Zonen: An die niedrige, eingezogene Apsis schließt sich westlich das ebenfalls eingezogene Chorquadrat an, es folgt der aus dem 13. Jahrhundert stammende vierachsige Teil des Langhauses und schließlich die einjochige Verlängerung aus dem 18./19. Jahrhundert mit dem damals ebenfalls angebauten spätbarocken Turm. Das Schiff ist nach dem Turm der höchste Bauteil, gefolgt vom Chorquadrat, das um einen halben Meter (um die Höhe des Rundbogenfrieses mit Zahnschnitt) abgesenkt ist. Die Apsis schließlich ist um zwei Meter niedriger.