mini|Blaue Rundumkennleuchten bei der Feuerwehr mini|hochkant|Rundumkennleuchte an einem historischen Porsche-Cabrio der baden-württembergischen Polizei (Porsche-Museum, Stuttgart)
Eine Rundumkennleuchte (RKL), auch Rundumleuchte oder Drehlicht (Schweiz), ist eine Kennleuchte oder Warnleuchte, die Licht über einen Bereich von 360° ausstrahlt. Am bekanntesten sind Drehspiegelleuchten, die einen umlaufenden Lichtkegel abgeben, mittlerweile sind aber insbesondere LED-Leuchten im Einsatz.
Rundumkennleuchten können im Allgemeinen zur leichteren optischen Erkennung, Kennzeichnung und Sicherung von Gefahrenstellen oder besonderen Orten eingesetzt werden. Am bekanntesten ist ihre Anwendung im Straßenverkehr, wo sie (in Europa meist in blauer Farbe) als sogenanntes Blaulicht an Einsatzfahrzeugen angebracht sind. In Deutschland werden sie zusammen mit dem Folgetonhorn als Sondersignale zusammengefasst, die anderen Verkehrsteilnehmern das Wegerecht signalisieren. Weiter finden sie (meist in gelber Farbe) Anwendung an gefährlichen Anlagen, Maschinen und Geräten sowie bei Alarmanlagen.
Farbe Gelb mini|hochkant|Gelbe Rundumkennleuchte Gelb ist die in Deutschland am häufigsten vorkommende Farbe für Rundumkennleuchten. Sie warnt vor Gefahren aller Art an festen Einrichtungen sowie Fahrzeugen. Anwendungsbeispiele sind schließende Rolltore, Alarmanlagen, Schwertransporte, Fahrzeuge der Stadtwerke, Rottenwarnanlagen im Gleisbau usw.
Sturmwarnungen auf Seen haben je nach Gefährdungsstufe zwei verschiedene Leuchtintervalle (40 und 90 Signale pro Minute).
Ein spezielles Gebiet, in dem der Gebrauch des Gelblichtes international gleich geregelt ist, ist der Gefahrguttransport, wie beispielsweise der Tunnelverordnung im ADR.
Blau mini|hochkant|„Blaulicht“
Blaue Rundumkennleuchten und anderes blaues Blinklicht (umgangssprachlich Blaulicht) werden im Straßenverkehr genutzt, um auf Einsatzfahrzeuge hinzuweisen. Es warnt andere Verkehrsteilnehmer vor Einsatz-, Unfall- und Gefahrenstellen sowie Einsatzfahrten und wird auch bei der Begleitung von Kolonnenfahrten benutzt. In Deutschland wurde das Blaulicht im Jahr 1935 eingeführt. Um Anforderungen des Luftschutzes zu erfüllen (Verdunkelung), wurde damals festgestellt, dass die beste Abblendung bei genügend weiterer Sichtbarkeit dunkles Blaulicht darstellt. In Deutschland und in Österreich (nach dessen Anschluss) beruht die Einführung des Blaulichtes auf einem Runderlass des Reichsführers SS im Mai 1938, der sowohl für die Polizei als auch für die Feuerlöschpolizei galt.
Die Einführung des Blinklichtes bzw. der Rundumkennleuchte anstelle eines ruhig leuchtenden Lichtes erfolgte jedoch erst in den 1950er Jahren.
Das Zusatzprotokoll vom 8. Juni 1977 zu den Genfer Abkommen vom 12. August 1949 über den Schutz der Opfer internationaler bewaffneter Konflikte (Protokoll I) sieht im Anhang I in Artikel 7 Absatz 3 vor, dass „Sanitätsfahrzeuge ein oder mehrere möglichst weithin sichtbare blaue Lichter blinken lassen sollten.“Zusatzprotokoll vom 8. Juni 1977 zu den Genfer Abkommen vom 12. August 1949 über den Schutz der Opfer internationaler bewaffneter Konflikte (Protokoll I). (PDF; 315 kB). Gemäß Absatz 4 soll das blaue Blinklicht 60 bis 100 Lichtblitze in der Minute ausstrahlen. Auch der Farbton wird darin definiert.
Ein weiterer Grund für die Farbwahl ist, dass blaues Licht im Straßenverkehr unverwechselbar ist und somit auch von weitem sofort als Warnsignal wahrgenommen werden kann, da es im Gegensatz zu etwa rotem, gelbem, grünem oder weißem Licht weder in Lichtsignalen noch in der Straßen-, Baustellen- oder sonstigen Fahrzeugbeleuchtung vorkommt.
Außerhalb des Straßenverkehrs kommen blaue Rundumleuchten selten vor; ein Beispiel dafür ist die Rollbahn-Befeuerung an Flughäfen.
Rot mini|100px|Rotes Rundumlicht Rotes Rundumlicht ist in Europa an Fahrzeugen selten zu finden und teilweise (z. B. in Deutschland und Österreich) dort auch während der Fahrt verboten. Man findet es dagegen häufig an Alarmanlagen, an Luftfahrthindernissen wie Hochhäusern oder Windkraftanlagen, zur Sicherung von Bahnübergängen, bei der Flughafenbefeuerung sowie zur Notbeleuchtung.
In vielen anderen Ländern hingegen, vor allem im angloamerikanischen Raum, aber auch teilweise in Osteuropa oder Asien, dienen sie entweder allein oder in Kombination mit blauem Licht zur Kennzeichnung von Einsatzfahrzeugen. Auch die Feuerwehr und der Rettungsdienst in Österreich und teilweise auch in Deutschland verwendet rote Rundumkennleuchten bei größeren Einsätzen zum Kennzeichnen der Einsatzleitung. Sie erlauben Einsatzfahrzeugen, die Einsatzleitung bzw. das Einsatzgebiet auf Sicht anzufahren und zu finden. Die Kennleuchte darf aber nur bei Stillstand des Fahrzeuges betrieben werden.
Grün Auch grüne Rundumkennleuchten sind in Deutschland und Österreich nicht im Straßenverkehr erlaubt, dienen aber im Einsatz teilweise zur Kennzeichnung von Fahrzeugen (Feuerwehr: Atemschutzsammelplatz, Einsatzleitung (Bayern)) und Örtlichkeiten. In Schleswig-Holstein dient eine grüne RKL zur Kennzeichnung der Technischen Einsatzleitung (TEL) des Rettungsdienstes an der Einsatzstelle. Allerdings sind diese Leuchten im Regelfall nicht fest installiert, sondern werden vom Organisatorischen Leiter Rettungsdienst mitgeführt und erst nach dem Eintreffen an der Einsatzstelle per Magnethalterung auf dem Dach des jeweiligen Fahrzeugs installiert.
Auch in Schweden wird eine grüne RKL an Einsatzstellen zur Kennzeichnung der Einsatzleitung des medizinischen Rettungsdienstes verwendet; ebenfalls nutzt der niederländische Rettungsdienst grüne Kennleuchten, um bei einer Großschadenslage die Einsatzleitung zu kennzeichnen. Diese wird in den Niederlanden grundsätzlich vom ersteintreffenden Fahrzeug übernommen.
In einigen US-Bundesstaaten werden grüne RKL für Freiwillige Feuerwehren als sogenannte Höflichkeitsleuchten (Courtesy lights) verwendet. Sie soll anderen Verkehrsteilnehmern signalisieren, dass eine Einsatzkraft im Einsatz ist. Auch wenn diese Leuchten, in den meisten Staaten, keine Sonder- oder Wegerechte signalisieren, so hofft man auf freiwillige Kooperation der Bürger. Manche Staaten (etwa Texas oder Utah) verwenden grüne Rundumkennleuchten auch zum Kennzeichnen von Fahrzeugen der Einsatzleitung, wie in Bayern und Österreich.
In Kaufhäusern, Tiefgaragen sowie sonstigen größeren öffentlichen Bauten werden grüne Rundumkennleuchten u. a. zusätzlich neben den vorgeschriebenen Notleuchten zur Kennzeichnung von Notausgängen verwendet.
Weiß Weiße Rundumkennleuchten befinden sich (wie auch gelbe oder rote RKL) an Gebäudewänden zur Kennzeichnung einer Brandmeldeanlage. Da die Farbe eine Vorgabe der Kommune oder des Kreises ist, findet diese Art von weißen RKL nur selten Anwendung. Bekannt sind weiße Rundumleuchten in der Seefahrt als Leuchtfeuer von Leuchttürmen. Ebenfalls werden weiße RKLs als Drehfeuer an Kontrolltürmen und Flughäfen im Luftverkehr eingesetzt.
Wasserfahrzeuge Auch an Wasserfahrzeugen kommen Rundumleuchten zum Einsatz. Blinken diese, werden sie als Funkellicht bezeichnet.
Blaues Funkellicht mini|hochkant|Boot der Wasserschutzpolizei Hamburg mit blauem Rundumlicht als Funkellicht Wasserfahrzeuge bestimmter Behörden (z. B. Zoll, Küstenwache, Wasserschutzpolizei und BPOL) oder Wasserrettungsorganisationen (z. B. DLRG und ASB) zeigen ein blaues Funkellicht, wobei die Nutzung des blauen Funkellichts für die Wasserrettung nur im Binnenbereich legal ist. Eine Ausnahme bildet nur die DGzRS bei der Wahrnehmung hoheitlicher Aufgaben nach §1 SeeAufgG. In Bayern wird auf Bundeswasserstraßen ein blaues Funkellicht, auf Landesgewässern (Bayerische Schifffahrtsordnung) ein Gelbes gezeigt.
Weißes Funkellicht mini|hochkant|Funkellicht integriert in blauer Tafel zum Zeichen der Begegnung Steuerbord an Steuerbord (Linksverkehr) Auf Binnenwasserstraßen wird von der Berufsschifffahrt ein weißes Funkellicht zur Kennzeichnung der Schiffsseite verwendet, auf der Begegnungsverkehr stattfinden soll.
Gelbes Funkellicht
Im Geltungsbereich der KVR bezeichnet ein gelbes Funkellicht Luftkissenfahrzeuge, die im nicht wasserverdrängenden Zustand navigieren.Bundesamt für Justiz: KVR Regel 23, Buchstabe b.
Montage Üblicherweise werden die Leuchten so angebracht, dass sie möglichst von allen Seiten (also „rundum“) erkennbar sind. Sind sie das nicht, spricht man nicht mehr von einer Rundumkennleuchte.
Die Leuchten können fest auf Fahrzeugen oder Maschinen und Anlagen montiert sein oder aber mit Magnethaltern oder Klemm- oder Steckvorrichtungen nur bei Bedarf montiert bzw. aufgestellt werden (beispielsweise bei Zivilstreifen). Oft werden bei Einsatzfahrzeugen mehrere Leuchten zusammen mit der akustischen Warneinrichtung in einem Gehäuse („Balken“) kombiniert, so dass die Montage einfacher ist.
Erforderlichenfalls können zusätzlich zu den Rundumkennleuchten mehrere Leuchten montiert werden. Bei Fahrzeugen können beispielsweise vorne und hinten Leuchten angebracht werden. Weil Rundumkennleuchten auf dem Fahrzeugdach bei geringem Abstand zu einem vorausfahrenden Fahrzeug in dessen Rückspiegel nicht zu sehen sind, finden am Kühlergrill montierte Frontblitzer Verwendung.
Bauarten Das Blitzmuster einer Rundumkennleuchte (RKL) kann durch eine Leuchte mit Glaslinsen (TriOptik), Kunststofflinsen, Drehspiegel, LED oder Blitz-Entladungsröhren erzeugt werden.
Drehspiegelleuchte mini|Drehspiegelleuchte mit fester Glühlampe und rotierendem Reflektor Bei üblichen Drehspiegelleuchten befindet sich meist eine ruhende Lichtquelle (z. B. eine Halogen-Glühlampe) in der Mitte der RKL. Um die Glühlampe dreht sich ein parabolförmiger Reflektor, der einen Großteil des Lichts in Abstrahlrichtung lenkt und damit verstärkt. Die ständige Drehung des Reflektors führt zu dem bekannten Blinklichteffekt.
Es gibt verschiedene Antriebe des Reflektors (Zahnrad, Riemen etc.). Weiterhin gibt es Modelle, bei denen mehrere Glühlampen und Reflektoren gemeinsam rotieren. Die Stromversorgung wird dann über Schleifkontakte hergestellt.
Drehspiegelleuchten werden als Warnleuchte an Maschinen und Anlagen, zur Kennzeichnung von Gefahrensituationen oder als Sondersignal im Straßenverkehr oder zu Vorführzwecken eingesetzt. Sie gehörten auch zu den Sperranlagen bei der Innerdeutschen Grenze.
Blitzleuchte mini|Blaulichtbalken mit Rinnenparabolspiegelblitzern Bei Blitzleuchten ist der Verschleiß geringer, da keine beweglichen Teile vorhanden sind. Zudem sind sie tagsüber durch ihren kurzen hohen Lichtstrom besser zu erkennen.
Neben Einzelblitzleuchten gibt es Ausführungen von Doppelblitz-, Dreifach- und Vierfachblitzleuchten. Es werden mehrere Blitzfolgen in verschiedenen Intensitäten abgegeben. Eine Kombination mehrerer Blitzleuchten, die in einer bestimmten Reihenfolge knapp nacheinander aufblitzen und damit den Effekt eines „laufenden“ Lichtes erzeugen, wird Lauflicht genannt. Diese Lauflichter werden von Verkehrsteilnehmern schneller erkannt als separat betriebene Blitzlichter und weisen etwa bei der Absicherung von Straßenbaustellen auf die Fahrtroute hin. In Deutschland sind für den Straßenverkehr nur Doppelblitzleuchten zugelassen. Viele Blitzleuchten haben eine Fresnellinse. Oftmals ist auch die die Blitzröhre umgebende Haube senkrecht und waagerecht geriffelt, um den Lichtaustrittswinkel zu vergrößern.
Nachteil der reinen Blitzleuchten ist, dass die kurze Zeit des Blitzes nicht ganz ausreicht, um im räumlichen Sehen die Entfernung zwischen dem Beobachter und der Blitzleuchte ausreichend einzuschätzen. Aus diesem Grund wird zunehmend die LED-Blitzleuchte verwendet, deren Brenndauer sich eher an der Leuchtdauer der klassischen Drehspiegelleuchte orientiert.
Es gibt auch tragbare, batteriebetriebene oder netzgespeiste Blitzleuchten.
LED-Leuchte mini|LED-Blaulicht auf einem Sonderschutzfahrzeug mini|Australisches Polizeifahrzeug mit LED-Rundumleuchten und LED-Frontblitzern