mini|hochkant=1.5|Villa Berg von Westen, 2005
Bei der Villa Berg in Stuttgart waren viele Kunstwerke aufgestellt, von denen ein großer Teil verschollen, zerstört oder verkauft worden ist. Manche haben sich am ursprünglichen Ort erhalten, einige Objekte können im Städtischen Lapidarium und in der Rotunde der Staatsgalerie in Stuttgart besichtigt werden, und manche sind in städtischen Ämtern magaziniert.
Im Folgenden werden ausgewählte Kunstwerke beschrieben, die ehemals zur Villa Berg bzw. zum Park Villa Berg gehörten oder noch gehören. Die Werke werden alphabetisch nach Künstlern und nach heutigen Standorten aufgelistet.
Nach Künstlern Die Werke werden pro Künstler nach der Reihenfolge des Entstehungsjahrs angeführt, bei unbekanntem Entstehungsjahr im Anschluss an die Werke mit einem Entstehungsjahr.
Donato Barcaglia Liebe macht blind (1884) links|mini|hochkant=0.7 hochkant=0.7|mini
Figurative Darstellung des Sprichworts „Liebe macht blind“ in einer klassizistischen Rundplastik von Donato Barcaglia (1849–1930) auf runder, profilierter Plinthe mit Rosenstock, Marmor, quaderförmiger Steinsockel, unterlebensgroß, auf dem Sockel bezeichnet: „D. Barcaglia / Milano / 1884“, Entstehungsjahr 1884, nach 1925: Stuttgart, Villa Berg, oberer Absatz des unteren Treppenhauses, nach dem Zweiten Weltkrieg: Stuttgart, Städtisches Lapidarium, heute: Stuttgart, Staatsgalerie, Rotunde (als Leihgabe des Städtischen Lapidariums, Inventarnummer 70), Erhaltungszustand: fehlende Zehen am linken Fuß der Frau, Putte mit abgebrochenem Flügel und Füßen, Rosenstock verwittert, Schwärzungen.
Eine nackte Schöne von sinnlicher Weiblichkeit wehrt sich zaghaft gegen den Angriff eines geflügelten und gelockten Amorknaben, der sie hinterrücks überfällt und sich auf ihrem Rücken festsetzt. Ihr Antlitz, umrahmt von wallenden Botticelli-Ringellocken, spiegelt die Leidenschaft, ihr halbgeöffneter Mund die Atemlosigkeit der Begierde. Der Putto verschließt ihr mit seinen dicken Fingerchen die Augen, die gar nichts sehen wollen, weil sie von dem Geliebten träumt.
Die Statue wurde der Stadt Stuttgart in den späten 1920er Jahren von der Stadträtin Ella Ehni für die Villa Berg zum Geschenk gemacht.
Literatur: Gohl 2007, Seite 50, 120–121; Wais 1954, Seite 107.
Otto Baum Mahnmal (1960) links|mini|hochkant=1.5
Andere Werktitel: Mahnmal für die gefallenen Schüler,Baum 2000. Ehrenmal für die gefallenen Schüler der Wirtschaftsoberschule,Gohl 2010. Ehrenmal für die gefallenen Schüler.Stroebel 1963. Doppelseitiges Mauerrelief von Otto Baum, gemauerter Muschelkalk, Höhe 2,40 m, Länge 10 m, Tiefe 0,60 m, signiert vorn unten links: „Baum“, Inschrift vorn oben rechts: „1914 1918 1939 1945“, Entstehungsjahr 1960, Stuttgart, am Ostende des Parks Villa Berg, im Hof der Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule,Zugang nur über die Schule. Die Rückseite des Denkmals kann vom Park aus über den Zaun eingesehen werden. Standort: . Erhaltungszustand: Mauerwerk in der Mitte auseinandergebrochen, Bruchstelle notdürftig mit Mörtel ausgefüllt, Rückseite fast vollständig mit Graffiti zugeschmiert, die ursprüngliche Farbgebung ist verschwunden.Das verwahrloste Denkmal steht – wie in einer Schmuddelecke – versteckt im äußersten Winkel des Schulgeländes, ganz nah am Schulzaun. Es ist nicht öffentlich zugänglich, und die Stadt Stuttgart verzeichnet das Mahnmal nicht unter dem Schlagwort „Bildhauerei“ auf ihrer Webseite. Auf Fotos bei Gohl 2010 und Stroebel 1963 ist zu erkennen, dass das Relief und die Inschriften an der Vorderseite der Mauer dunkel eingefärbt waren und sich so deutlich vom übrigen Mauerwerk abhoben.
Die Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule beherbergt mehrere Schularten, u. a. ein Wirtschaftsgymnasium, und ging aus einer seit 1937 bestehenden Wirtschaftsoberschule hervor. 1959 bezog die Schule den Neubau im Park Villa Berg, ein Jahr später 1960 wurde das Mahnmal für die gefallenen Schüler errichtet. Es ist nicht bekannt, aus welchem aktuellen Anlass und auf wessen Veranlassung das Ehrenmal erst 15 Jahre nach dem letzten Krieg errichtet wurde. Umso erstaunlicher ist es, dass es heute, 65 Jahre nach dem Krieg, dem Verfall preisgegeben wird.
Die monumentale „Klagemauer“ drückt die Sprachlosigkeit nach dem Entsetzen der beiden Weltkriege aus. Keine Worte des Gedenkens, keine Namen von Gefallenen, nur die nackten Jahreszahlen der Kriege finden sich auf der Mauer, und auch die beiden Steinreliefs reden nur in Chiffren. Wie der Rachen eines allesverschlingenden Krokodils klaffen die wellenförmige Grundmauer und das rechteckige Deckgebälk, das von schwerlastenden Steinblöcken bekrönt wird, auseinander und zerquetschen erbarmungslos, was ihnen zwischen die „Zähne“ gerät. Neben klobigen, rundlich-rechteckigen Formen, die sich einer konkreten Deutung entziehen, scheinen Knochengebilde – Schädel, Brustkorb und Gliedmaßen – dem gnadenlosen Werk der Zermalmung unterworfen zu sein. Während das vordere Relief „abstrahiert die durch den Krieg geschundene Kreatur“ symbolisiert, gemahnen die „Flammen und Trümmer auf der Rückseite“ an „die materiellen Zerstörungen“ des Kriegs.Gohl 2010.
Das als „Ehrenmal“ gedachte „Mahnmal“ macht niemandem Ehre, es ist in seinem erbarmungswürdigen Zustand vielmehr eine steinerne Mahnung, so nicht mit Kulturgütern und der Erinnerung an die Toten der Weltkriege umzugehen.
Literatur: Baum 2000, Seite 74, 185, 198; Gohl 2010, Seite 25; Stroebel 1963.
Georg Beer Sockel der Wetterhexe (1584–1593) links|mini|hochkant=1.2
Sockel einer Wetterfahne mit Blattrankenverzierung von Georg Beer, dem Erbauer des Neuen Lusthauses, Sandstein, Höhe 75 cm, Entstehungsjahr 1584–1593, ursprünglich: Stuttgart, Neues Lusthaus, 1853: Stuttgart, Villa Berg, 1890: Sammlung „Vaterländischer Altertümer“, 1935: Nordostturm des Alten Schlosses, heute: Stuttgart, Städtisches Lapidarium, Inventarnummer 23, Erhaltungszustand: verwittert, bis zur Unkenntlichkeit bemoost.
Der Sockel gehörte ursprünglich zu einer von zwei 3 Meter hohen kupfernen, goldbemalten Wetterfahnen. Eine der beiden Wetterfahnen ging beim Umbau des Neuen Lusthauses 1844/1845 verloren, die andere wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.In Wais 1951, Seite 331, ist das Foto einer Wetterfahne einschließlich Sockel abgebildet.
Simson mit den Stadttoren, die Lastträgerkonsole, die zwei Lastträgerkonsolen und der Sockel der Wetterhexe gehören zu den Bauteilen, die Kronprinz Karl auf Anraten Friedrich Hackländers beim Umbau des Neuen Lusthauses zum Hoftheater sicherstellen und später in die Villa Berg einbauen ließ.
Literatur: Hackländer 1878, Seite 78–79; Schmid 2006, Seite 82; Wais 1951, Seite 330–331; Wais 1954, Seite 124; Walcher 1887, Heft 1, Seite 5–7, Heft 5, Seite 8; Weber-Karge 1989, Seite 22–23.
Jean-Baptiste Joseph Debay Vier Jahreszeiten (vor 1858)
Allegorische Statuen der vier Jahreszeiten von Jean-Baptiste Joseph Debay, Vater (1779–1863) oder Sohn (1802–1862),Siehe (französische Wikipedia): Debay père (Vater) und Debay fils (Sohn). Material unbekannt, lebensgroß, Entstehungsjahr vor 1858,Von Büchele 1858 erwähnt. ursprünglich: Stuttgart, Villa Berg, Halbachteckplatz der Südterrasse, heute: verschollen.
Frühling: Frau mit Blumen im Haar. Sommer: Frau mit Ährenkranz, Sichel und Garbe in der Hand. Herbst: Frau mit Traubenkranz im Haar und mit Trinkschale. Winter: Frau, „dicht eingehüllt, frierend und wie von Kälte zusammenschauernd“.
Alle Angaben sind aus Büchele 1858 entnommen.
Literatur: Büchele 1858, Seite 299; Gohl 2010, Seite 39, 103, 104.
Allegorische Knabenfiguren (vor 1858)
Sechs allegorische Knabenfiguren von Jean-Baptiste Joseph Debay, Vater (1779–1863) oder Sohn (1802–1862),Siehe (französische Wikipedia): Debay père (Vater) und Debay fils (Sohn). Material unbekannt, lebensgroß, Entstehungsjahr vor 1858,Von Büchele 1858 erwähnt. ursprünglich: Stuttgart, Villa Berg, Halbachteckplatz der Südterrasse, heute: verschollen.
Die Knabenstatuen versinnbildlichten nach Karl Büchele die Hauptrichtungen der Wissenschaft, der Kunst-, Handels- und Gewerbethätigkeit: Allegorie der Naturwissenschaft „eine in der Hand gehaltene Muschel untersuchend, daneben als Attribute Globus und Schriftrollen“ Allegorie der Stein- und Metallbildnerei „an einen Ambos gelehnt, mit Hammer in der einen und Amphora in der andern Hand“ Allegorie der Skulptur „mit einem Torso“ Allegorie der Schifffahrt „mit fliegenden Haaren und Seegeräthen als Attributen“ Allegorie des Ackerbaus Allegorie des Handels
Alle Angaben sind aus Büchele 1858 entnommen.
Literatur: Büchele 1858, Seite 299; Gohl 2010, Seite 39, 103; Schümann 1973, Seite 72.
Albert Güldenstein
Nymphenbrunnen (1851) links|mini|hochkant=0.7
Bronzeguss in den Hüttenwerken Wasseralfingen nach Modellen von Albert Güldenstein nach einem Entwurf von Christian Friedrich von Leins, dem Architekten der Villa Berg, Entstehungsjahr 1851, Stuttgart, Villa Berg, Ostfassade. Erhaltungszustand: gut, bei einem Hirschen ist das Geweih abgebrochen.
Der dreischalige Brunnen kragt zur Hälfte über die Ostterrasse der Villa Berg hinaus, so dass sein Wasser in das ebenerdige Becken vor dem Unterbau strömen konnte.Das Becken wurde entfernt und der Brunnen stillgelegt, nachdem der SWR unterhalb des Brunnens einen Eingang schuf. Die untere Schale trägt einen kreuzförmigen Steinsockel mit vier Konsolkapitellen, auf denen die württembergischen Wappentiere thronen, zwei Löwen und zwei Hirsche, die Löwen in drohender Haltung und mit aufgerissenem Rachen und im Wechsel mit ihnen zwei röhrende Hirsche. Über der mittleren Schale scharen sich vier nackte Nymphen um den reich profilierten und mit Fischen, Muscheln und Wasserschnecken verzierten Brunnenstock. Sie sind gerade dem Bade entstiegen und binden ihr wallendes Haar wieder auf. Auf der oberen Schale steht in lässiger Haltung ein nackter Genius. Mit dem rechten Arm balanciert er eine Amphora auf dem Kopf und mit der anderen krault er einen flügelschwingenden Schwan, der mit aufgesperrtem Schnabel begierig seinen langen Hals zur Amphora hin windet, um einen Wasserstrahl daraus aufzufangen.
Literatur: B 1007 Bü 1141; Bach 1900, Seite 319; Büchele 1858, Seite 297–298, 304;Fast wörtlich übereinstimmend mit dem Text von Müller 1851, der in Gohl 2007, Seite 32, abgedruckt ist. Dehio 1993, Seite 760; Gohl 2007, Seite 32–36, 172; Müller 1851; NN 1925, Seite 12; Petzold 1989; Wais 1954, Seite 60; Wenger 2003, Seite 33.
Auffahrtkandelaber (1853)
Vier Kandelaber nach einem Entwurf von Christian Friedrich von Leins oder Paul Wirth (1821–1870).NN 1854.2, Seite 26: Leins, NN 1854.1, Seite 344: Wirth. Figuren- und Tiermodelle von Albert Güldenstein, Ornamente von dem Wasseralfinger Modelleur Jakob Offinger,B 1007 Bü 1141, besonders 30. Dezember 1850. brüniertes Gusseisen, Guss in den Hüttenwerken Wasseralfingen, auf einem zweifach abgetreppten, tonnenförmigen Sandsteinsockel, Höhe ohne Sockel ca. 390 cm, Entstehungsjahr 1853 (Guss),Nach B 1007 Bü 1141, Nr. 14, 15 und 17, wurden die Kandelaber im April bzw. Mai 1853 aufgestellt. Die beiden historischen Abbildungen zeigen eine Ansicht von 1852 ohne Kandelaber an der Auffahrt, aber bereits mit den dafür vorgesehenen Postamenten, und eine Ansicht ab 1853, die die Auffahrt mit Kandelabern zeigt. Stuttgart, Villa Berg, an den Enden der Auffahrt zur Südterrasse, Erhaltungszustand: gut, diverse Roststellen, Füße teilweise von Pflanzen überwuchert, ein Fuß teilweise mit roter Farbe besprüht.