Die CDU Rheinland-Pfalz ist ein Landesverband der CDU in Rheinland-Pfalz. Von 1947 bis 1991 war sie stärkste Partei im Landtag Rheinland-Pfalz und stellte während dieser Zeit den Ministerpräsidenten. Von 1991 bis 2026 befand sich die Landespartei in der Opposition. Seit 2026 stellt die CDU mit Gordon Schnieder erstmals seit 1991 wieder den Ministerpräsidenten.
Der langjährige deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl war Mitglied des Landesverbandes und von 1966 bis 1974 sein Parteivorsitzender. Er war von Mai 1969 bis Dezember 1976 Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz.
Organisation Landesvorstand Seit der Wahl auf dem 76. Landesparteitag der CDU Rheinland-Pfalz in Frankenthal am 21. September 2024 setzt sich der Landesvorstand wie folgt zusammen:Christian Baldauf ist neuer Landesvorsitzender | CDU Rheinland-Pfalz (cdurlp.de) Vorsitzende Gordon Schnieder MdL Stellvertretende Vorsitzende Jennifer Groß MdL, Mechthild Heil MdB, Jan Metzler MdB Generalsekretär Johannes Steiniger MdB Politischer Landesgeschäftsführer Jan Zimmer Schatzmeister Winfried Görgen MitgliederbeauftragteChristina Rauch Beisitzer Carolin Bahnemann, Thomas Barth MdL, Justus Brühl, Ursula Düll, Louis-Philipp Lang, Laura Ludwig, Jens Münster MdL, Jan Petry, Kerstin Rudat, Susanne Scheppe, Petra Schneider MdL, Christian Schwab, Peter Uebel, Karina Wächter MdL, Markus Wolf MdL Kooptierte Mitglieder des Landesvorstandes Stefanie Bach, Isabell Biersack, Sertaç Bilgin, Martin Brandl MdL, Ursula Groden-Kranich, Jan Grünewald, Pia Grundhöfer, Gereon Hausmann, Christopher Haus, Ulrich Helleberg, Jens Hoffmann, Dennis Junk MdL, Julia Klöckner MdB, Christof Kühn, Matthias Lammert MdL, Philipp Lerch, Fred-Holger Ludwig, Tobias Meyer, Nikolaus Poppitz, Wolfgang Reeder, Peter Schmitt, Christian Schneider, Christine Schner MdEP, Patrick Schnieder MdB, Ralf Seekatz MdEP, Jessica Weller, Thomas Wolff
Gliederung Der Landesverband der CDU in Rheinland-Pfalz besteht aus drei Bezirksverbänden, 36 Kreisverbänden und 200 Gemeindeverbänden und weit über 1000 Ortsverbänden.
Der rheinland-pfälzische Landesverband umfasst insgesamt 36 Kreisverbände: Ahrweiler, Altenkirchen, Alzey-Worms, Bad Dürkheim, Bad Kreuznach, Bernkastel-Wittlich, Birkenfeld, Bitburg-Prüm, Cochem-Zell, Donnersberg, Frankenthal, Germersheim, Kaiserslautern-Land, Kaiserslautern-Stadt, Koblenz, Kusel, Landau, Ludwigshafen, Mainz-Bingen, Mainz-Stadt, Mayen-Koblenz, Neustadt, Neuwied, Pirmasens, Rhein-Hunsrück, Rhein-Lahn, Rhein-Pfalz, Speyer, Südliche Weinstraße, Südwestpfalz, Trier-Saarburg, Trier-Stadt, Vulkaneifel, Westerwald, Worms, Zweibrücken
Geschichte Gründung (1945–1947) mini|CDU-Plakat aus dem Landtagswahlkampf 1947 Im September 1945 wurde von einer Gruppe Trierer Persönlichkeiten wie der Studienrätin Mathilde Gantenberg die Christlich-Demokratische Partei (CDP) gegründet, die im Dezember desselben Jahres auf Bezirksebene von der französischen Besatzungsbehörde zugelassen wurde.die Französische Besatzungszone erlaubte die Verordnung Nr. 32 vom 13. Dezember 1945 die Gründung von Parteien auf überregionaler Ebene. In Koblenz wurde die CDP im Januar 1946 zugelassen. Am 31. Januar 1946 erfolgte der Zusammenschluss der CDP-Bezirksverbände Trier, Koblenz und Montabaur zur Provinzialpartei Rheinland-Hessen-Nassau.
In Rheinhessen und der Pfalz wurde hingegen ein Landesverband der Christlich-Demokratischen Union (CDU) gegründet. Die erste lokale Gründung erfolgte in Landau. Dort wurde bereits im September 1944 der Gedanke einer überkonfessionellen Partei diskutiert. Initiatoren waren Johannes Finck, katholischer Pfarrer (ehemals Zentrum) und Gustav Wolff, evangelischer Lehrer (ehemals Zentrum). Am 20. Dezember 1945 wurde in der „Turmzimmerkonferenz“ in Winzingen der Name CDU und Verzicht auf eine Wiedergründung des Zentrums beschlossen. Die Gründung am 27. Januar 1946 mit paritätischem Vorstand. Die Zulassung erfolgte am 5. März 1946.
In Rheinhessen bildete sich um Lorenz Diehl (ehemaliger Generalsekretär des Zentrums im Volksstaat Hessen) und Jakob Bieroth am 5. Januar 1946 die „Christlich-Soziale Volkspartei“. Am 3. März erfolgte unter Druck der Besatzungsmacht die Einigung auf „CDU Hessen-Pfalz“. Infolgedessen existierten am 30. August 1946 bei der Bildung des Bundeslandes Rheinland-Pfalz zwei christdemokratisch ausgerichtete Parteien im Land. Eine Einigung der Gruppen erwies sich als schwierig. In der beratenden Landesversammlung wurde ein „christlich-demokratischer Block“ statt einer gemeinsamen Fraktion gebildet.
Bei den ersten freien Wahlen wurde die christdemokratischen Parteien mit Abstand stärkste Kraft. Bei den Gemeindewahlen am 15. September 1946 erhielten sie 45,2 % der Stimmen (SP 24,5 %, KP 6,5 %, Sozialer Volksbund 1 %, Parteilose 28,8 %), bei den Kreistagswahlen am 13. Oktober 1946 sogar 54,9 % (SP 30,2, KP 7,4, Sozialer Volksbund 4,9, Liberale Partei 2,5, Deutsche Partei 0,1). Die Christdemokraten erreichten sowohl in den katholischen wie in den protestantischen Gebieten hohe Werte.
Am 2. Dezember 1946 wurde Wilhelm Boden von den französischen Besatzungsbehörden auf Initiative von Claude Hettier de Boislambert zum provisorischen Ministerpräsidenten des neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz ernannt. Dem ersten Landeskabinett gehörten neben Christdemokraten auch zwei SPD-Mitglieder an. Landesminister für Wiederaufbau und Verkehr wurde das KPD-Mitglied Willy Feller.
mini|Ministerpräsident Peter Altmeier (1966, vorne rechts) bei einer Plenarsitzung im Bundesrat mini|Das Peter-Altmeier-Denkmal in Koblenz Am 14. Februar 1947 kam es zum Treffen der Parteivorstände aus den fünf Regierungsbezirken Trier, Koblenz, Montabaur, Rheinhessen und Pfalz, um einen Landesverband zu bilden. Den Vorsitz der neu gegründeten Landespartei „CDU Rheinland-Pfalz“ übernahm der in Saarbrücken geborene CDU-Politiker Peter Altmeier.Geschichte der CDU Rheinland-Pfalz – Geschichte des Landesverbandes. Konrad-Adenauer-Stiftung Der erste Landesparteitag am 25. März 1947 bestätigte diese Wahl. Die CDU RLP war Herausgeber der Parteizeitung Der Westen – Christlich-Demokratische Rundschau mit einer Startauflage im Mai 1947 von 100.000 Exemplaren. Die Zeitung erschien in Neuwied bis April 1949.
Die Zeit unter Peter Altmeier und Helmut Kohl (1947–1976) Nach der ersten Landtagswahl am 18. Mai 1947 stellte Boden ein nur aus CDU-Mitgliedern bestehendes Kabinett zusammen. Boden übernahm darin neben dem Amt des Ministerpräsidenten auch das Innenministerium. Boden wurde allerdings wegen seiner kritischen Haltung gegenüber protestantischen Heimatvertriebenen als Ministerpräsident für die Landes-CDU unhaltbar.
Am 9. Juli 1947 wurde Peter Altmeier zum Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz gewählt und läutete damit die 22 Jahre andauernde „Ära Altmeier“ ein. 1948 bis 1967 übte Altmeier in Personalunion auch das Amt des Wirtschaftsministers aus. Altmeier regierte 1947 bis 1951 zusammen mit SPD, LDP und KPD. Am 13. Juni 1951 bildete er eine schwarz-gelbe Koalition.
1966 folgte ihm Helmut Kohl als Chef der Landes-CDU nach, 1969 auch im Amt des Ministerpräsidenten. Kohl konnte als Spitzenkandidat seiner Partei 1971 die absolute Mehrheit erringen. 1973 wurde Kohl als Nachfolger von Rainer Barzel zum neuen Bundesvorsitzenden der CDU gewählt. Bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz 1975 gelang es Kohl erneut, eine absolute Landtagsmehrheit seiner Partei zu erlangen. Ein Jahr später trat er als Kanzlerkandidat der Unionsparteien bei der Bundestagswahl 1976 an und erreichte mit 48,6 % das bis dahin zweitbeste Ergebnis der Union bei einer Bundestagswahl. Da jedoch SPD und FDP zusammen mehr Mandate als CDU und CSU erhielten, blieb Helmut Schmidt Bundeskanzler und setzte die seit 1969 im Bund bestehende sozialliberale Koalition fort, während Kohl als Oppositionsführer nach Bonn ging.
Die Zeit unter Bernhard Vogel und zunehmende innerparteiliche Querelen (1976–1991) Kohls Nachfolger im Amt des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten wurde der langjährige Kultusminister Bernhard Vogel. In seiner Zeit als Ministerpräsident trieb Vogel unter anderem den Ausbau der Hochschullandschaft in Rheinland-Pfalz voran. Auch mit Vogel an der Spitze konnte die Landes-CDU ihre absolute Mehrheit 1979 und 1983 vorerst verteidigen.
mini|hochkant|Helmut Kohl (1984) als Bundeskanzler Nach dem Bruch der sozialliberalen Koalition im Bund wurde Kohl im Oktober 1982 im Zuge eines konstruktiven Misstrauensvotums gegen Helmut Schmidt von einer Parlamentsmehrheit aus CDU, CSU und FDP zum Bundeskanzler gewählt. Kohl hatte das Amt bis 1998 inne, wobei er sich stets auf eine schwarz-gelbe Koalition stützte.
mini|Bernhard Vogel (1981) als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz In Rheinland-Pfalz kam es allerdings im Laufe der Zeit zu innerparteilichen Widerständen gegen Vogels Amtsführung. Als bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz 1987 die CDU beinahe sieben Prozentpunkte und damit die absolute Mehrheit verlor und die Grünen erstmals in den rheinland-pfälzischen Landtag einzogen, sahen sich die parteiinternen Kritiker Vogels gestärkt. Nach der Wahl konnte zwar eine schwarz-gelbe Koalition gebildet werden, jedoch wurde vom damaligen Fraktionsvorsitzenden Hans-Otto Wilhelm gefordert, Vogel solle den Landesvorsitz abgeben. Die folgende Kampfkandidatur um den Parteivorsitz 1988 konnte Wilhelm für sich entscheiden, während Vogel unterlag. Daraufhin trat Vogel mit den Worten „Gott schütze Rheinland-Pfalz“ auch vom Amt des Ministerpräsidenten zurück.
Carl-Ludwig Wagner erklärte sich bereit, Vogels Nachfolge zu übernehmen. Wagner geriet jedoch unter anderem wegen seiner Sympathiebekundung für eine potenzielle Koalition mit den Republikanern in die Kritik. 1991 führte Wagner die mittlerweile stark zerstrittene Landespartei zur ersten Niederlage bei einer rheinland-pfälzischen Landtagswahl.Christian Werwath: Müde im Südwesten. Göttinger Institut für Demokratieforschung. Die CDU wurde nur noch zweitstärkste Kraft im Landtag und konnte auch zusammen mit der FDP keine absolute Mehrheit der Mandate erreichen. Der Spitzenkandidat der SPD, Rudolf Scharping, bildete sodann eine Koalition mit der FDP und löste Wagner als Ministerpräsident ab, während die CDU fortan die Landtagsopposition bildete.Entwicklung und Wandel des Parteiensystems in Rheinland-Pfalz – Von der Vorherrschaft der CDU zur Dominanz der SPD? (PDF; 2,3 MB).
Oppositionszeit (1991–2026) Aufgrund der schweren Wahlniederlage der CDU gab Wilhelm bereits 1992 den Parteivorsitz ab. Ihm folgte Werner Langen, der im Kabinett Wagner das Landwirtschaftsministerium geführt hatte. Langen amtierte jedoch nur ein Jahr.
Bei der Landtagswahl 1996 trat der neue Landesvorsitzende Johannes Gerster als Spitzenkandidat seiner Partei gegen den Nachfolger Scharpings, Kurt Beck (SPD), an. Obwohl die SPD fünf Prozentpunkte verlor, das Ergebnis der Landes-CDU der letzten Landtagswahl gehalten werden konnte und sich sogar eine rechnerische schwarz-gelbe Landtagsmehrheit ergeben hatte, wurde die Koalition aus SPD und FDP fortgesetzt und die CDU verblieb in der Opposition. Gerster übernahm nach der Wahl auch das Amt des Fraktionschefs und wurde somit Oppositionsführer im Landtag. Bereits 1997 trat Gerster jedoch sowohl vom Vorsitz der Landespartei als auch vom Vorsitz der Landtagsfraktion zurück.