Das Zerstörergeschwader 26 „Horst Wessel“ war ein Verband der Luftwaffe der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Als Zerstörergeschwader verfügte es überwiegend über zweimotorige Jagdflugzeuge wie die Messerschmitt Bf 110 und deren Nachfolgemodelle, die auch als schwere Jäger bezeichnet wurden und als Begleitschutz für Bomberverbände oder als Schlachtflieger eingesetzt wurden. Das Geschwader beteiligte sich am Westfeldzug, der Luftschlacht um England, dem Balkanfeldzug, der Luftlandeschlacht um Kreta, dem Deutsch-Sowjetischen Krieg und dem Afrikafeldzug. Am 16. Juli 1944 wurde es aufgelöst.

Das Geschwader war nach Horst Wessel benannt, einem Sturmführer der SA, der paramilitärischen Kampforganisation der NSDAP. Nachdem Wessel von KPD-Mitgliedern getötet worden war, stilisierte ihn die NS-Propaganda zu einem „Märtyrer der Bewegung“. Wessel war Verfasser des Horst-Wessel-Lieds, das kurz nach seinem Tod zur Parteihymne der NSDAP wurde. Von 1933 bis 1945 bildete es im Anschluss an das Deutschlandlied den zweiten Teil der deutschen Nationalhymne. Aufgrund dieses Ehrennamens waren die Geschwaderangehörigen berechtigt am rechten Unterarm einen Ärmelstreifen mit der Aufschrift „Geschwader Horst Wessel“ zu tragen.

Aufstellung Der Geschwaderstab und die I. Gruppe des Zerstörergeschwaders 26 bildete sich durch Umbenennung des Geschwaderstabes und der I. Gruppe des Zerstörergeschwaders 142 in Dortmund-BrackelHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 139–140, abgerufen am 16. November 2023. (). Eine II. Gruppe entstand in WerlHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 139–140, abgerufen am 16. November 2023. () aus der II. Gruppe des Zerstörergeschwaders 142. Die III. Gruppe war in LippstadtHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 402–403, abgerufen am 16. November 2023. () stationiert und war die umbenannte III. Gruppe des Zerstörergeschwaders 142.

Nachdem das Geschwader am 29. September 1941 aufgelöst wurde, erfolgte am 13. Oktober 1943 die Neuaufstellung in WunstorfHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 717–718, abgerufen am 28. Dezember 2023. (). Die I. Gruppe bildete sich im gleichen Zeitraum in Bad LippspringeHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 401–402, abgerufen am 28. Dezember 2023. () aus der umbenannten I. Gruppe des Zerstörergeschwaders 1, während die II. Gruppe aus der III. Gruppe des Zerstörergeschwaders 1 in HildesheimHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 287–289, abgerufen am 28. Dezember 2023. () entstand.

Der Geschwaderstab und die I. bis III. Gruppe waren anfangs mit der Messerschmitt Bf 109D ausgestattet, später dann mit der Messerschmitt Bf 110 und deren Nachfolgemodell Messerschmitt Me 410. Die 10.(Nacht-)/Jagdstaffel hatte 1939 die Arado Ar 68 in ihren Reihen und ab November 1942 die Junkers Ju 88C. Die Geschwaderkennung war U8 und nach der Neuaufstellung 3U.

Gliederung Der Geschwaderstab führte die I. bis III. Gruppe die wiederum in Staffeln unterteilt waren. Die 1. bis 3. Staffel gehörte der I. Gruppe, die 4. bis 6. Staffel der II. Gruppe und die 7. bis 9. Staffel der III. Gruppe an. Eine 10. Nachtjagdstaffel war dem Geschwaderstab direkt unterstellt. Jede Staffel, geführt durch einen Staffelkapitän, war in drei Schwärme mit je zwei Rotten zu je zwei Flugzeugen unterteilt. Daraus ergab sich eine Sollstärke der Zerstörergruppe von 36 Flugzeugen in den drei Staffeln + 4 Flugzeuge für den Gruppenkommandeur und seinen Stab. Dies ergab bei drei Zerstörergruppen eine Sollstärke von 120 Flugzeugen, + 4 Flugzeuge für den Geschwaderkommodore und seinen Stab und 12 Flugzeuge in der 10. Staffel. Daraus ergab sich eine Sollstärke von 136 Flugzeugen am 1. September 1939.

Geschichte Westfeldzug Beim deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 befand sich das Geschwader auf westdeutschen Basen. Der Geschwaderstab und die I. Gruppe lagen in VarelHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 659–660, abgerufen am 29. Dezember 2023. (), während die II. Gruppe in Werl und die III. Gruppe in NeumünsterHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 476–478, abgerufen am 29. Dezember 2023. () stationiert waren. Der Geschwaderstab, die I. und die II. Gruppe unterstanden dem Luftgau XI, die III. Gruppe dem Luftgau VI, alle der Luftflotte 2 zugehörig.Bernhard R. Kroener: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 5/1, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1988, ISBN 3-421-06232-3, S. 718.E.R. Hooton: Phoenix Triumphant; The Rise and Rise of the Luftwaffe, London, Arms & Armour Press, ISBN 978-1-85409-181-9, S. 282 Der Auftrag des Geschwaders bestand in der Abwehr feindlicher Einflüge der Westalliierten. Dazu war es mit der Messerschmitt Bf 109D ausgestattet, einem einmotorigen Jagdflugzeug mit einem 12-Zylinder-V-Motor Junkers Jumo 210 D mit maximal 680 PS Startleistung, der eine Höchstgeschwindigkeit von 460 km/h ermöglichte, bei einer Bewaffnung von zwei 7,92-mm-MG 17 über dem Motor (je 500 Schuss), synchronisiert durch den Propellerkreis feuernd und zwei unsynchronisierte MG 17 in den Tragflächen (je 420 Schuss). Die eigentlich für den Verband vorgesehene Messerschmitt Bf 110 stand noch nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung.

Am 29. September schoss das Geschwader einen britischen Bomber vom Typ Handley Page Hampden der No. 144 Squadron ab.William Chorley: Aircraft and crews lost during 1939 - 1940, London, Midland, ISBN 978-0-904597-85-1, S. 17 Bis Dezember folgten weitere Luftkämpfe mit britischen Bombern über der Deutschen Bucht und der Nordsee. Teile des Geschwaders waren am Luftgefecht über der Deutschen Bucht am 18. Dezember beteiligt.

Über den Jahreswechsel 1939/40 erhielten der Geschwaderstab, die I. und II. Gruppe die Messerschmitt Bf 110C und Bf 110D. Die III. Gruppe folgte im März 1940. Dieses zweimotorige Flugzeug, in der Ausführung C-4 als Zerstörer/Langstreckenbegleitjäger bezeichnet, hatte zwei Motoren Daimler-Benz DB 601 B-1 die je 1020 PS leisteten und eine Höchstgeschwindigkeit von 560 km/h ermöglichten. Die Bewaffnung bestand aus vier 7,92-mm-MG 17 und zwei 20-mm-MG FF/M in der Nase, sowie ein bewegliches 7,92-mm-MG 15 im Kanzelheck. mini|Wartungsarbeiten an einer Messerschmitt Bf 110C der 7. Staffel in Krefeld Als am 10. Mai der Westfeldzug mit dem Überfall auf die Niederlande, Belgien und Luxemburg begann, unterstanden der Geschwaderstab, die I. und die III. Gruppe dem Jagdfliegerführer 2 der Luftflotte 2, während die II. Gruppe vom I. Fliegerkorps der Luftflotte 3 ihre Befehle erhielt. Liegeplätze waren Dortmund, Nieder MendigHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 485–486, abgerufen am 29. Dezember 2023. (), Kaarst/NeussHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45 Germany (1937 Borders), S. 317, abgerufen am 29. Dezember 2023. () und Krefeld (). Insgesamt standen dem Geschwader 109 Messerschmitt Bf 110C oder D zur Verfügung.Brian Cull, Bruce Lander, Heinrich Weiss: Twelve Days in May, London, Grub Street Publishing, ISBN 978-1-902304-12-0, S. 11, 13

In den ersten Tagen flog das Geschwader Begleitschutz für das Kampfgeschwader 4, dessen Aufgabe es war, niederländische Militärflugplätze anzugreifen und den Heeresverbänden der Heeresgruppe B den Weg in die Festung Holland zu ebnen.E.R. Hooton: Luftwaffe at War; Blitzkrieg in the West: Volume 2, London, Chevron/Ian Allan, ISBN 978-1-85780-272-6, S. 48 Anschließend wurden bis zum 13. Mai belgische Militärflugplätze angegriffen. Dabei kam es zu einigen Luftkämpfen zwischen niederländischen und belgischen Jägern auf der einen Seite und den Bf 110C des Geschwaders auf der anderen Seite.E.R. Hooton: Luftwaffe at War; Blitzkrieg in the West: Volume 2, London, Chevron/Ian Allan, ISBN 978-1-85780-272-6, S. 58 Am 11. Mai begleitete die I. Gruppe des Geschwaders die III. Gruppe des Kampfgeschwaders 76 bei einem Luftangriff auf Reims. In Luftkämpfen am Abend mit der britischen No. 1 Squadron verlor sie zwei Flugzeuge.Brian Cull, Bruce Lander, Heinrich Weiss: Twelve Days in May, London, Grub Street Publishing, ISBN 978-1-902304-12-0, S. 66–68 Ab dem 15. Mai verteidigte das Geschwader den Luftraum über Sedan, in der deutschen Panzerverbänden der Panzergruppe Kleist in der Schlacht bei Sedan ein Übergang über die Maas gelang. Dabei setzte sich das Geschwader mit britischen Bombern und Jägern der No. 21 Squadron, No. 107 Squadron und No. 110 Squadron auseinander.Brian Cull, Bruce Lander, Heinrich Weiss: Twelve Days in May, London, Grub Street Publishing, ISBN 978-1-902304-12-0, S. 132–133

In der Folge verlagerten sich die Luftkämpfe in Richtung Ärmelkanalküste, die deutsche Panzerverbände am 20. Mai bei Abbeville erreichten. Aufgrund dessen waren die schlagkräftigsten Teile der britischen, französischen und belgischen Heeresverbände eingeschlossen. Das Geschwader flog weiterhin Begleitschutz für Bomberverbände, welche die alliierten Truppen bekämpften, so in der Schlacht von Arras und der Schlacht um Boulogne. Inzwischen erhielt das Geschwader seine Befehle vom V. Fliegerkorps der Luftflotte 3. Als ab dem 26. Mai die Evakuierung der Alliierten über den Ärmelkanal begann, hatte die Luftwaffe den Auftrag erhalten, die Maßnahmen zu unterbinden. Trotz zahlreicher Luftangriffe konnten im Rahmen der Operation Dynamo mehr als 300.000 alliierte Soldaten gerettet werden.Norman Franks: Air Battle for Dunkirk, 26 May - 3 June 1940, London: Grub Street, ISBN 1-904943-43-8, S. 187 Das Geschwader traf hier bei Luftkämpfen zum ersten Mal auf britische Jagdflugzeuge vom Typ Supermarine Spitfire, die in der No. 92 Squadron antraten.Brian Cull, Bruce Lander, Heinrich Weiss: Twelve Days in May, London, Grub Street Publishing, ISBN 978-1-902304-12-0, S. 316

In der zweiten Phase des Feldzugs ab dem 5. Juni 1940 verlegte das Geschwader auf Basen im besetzten Belgien und Frankreich. Weiter seinem Einsatzauftrag folgend begleitete es das Kampfgeschwader 51 bei Luftangriffen.E.R. Hooton: Luftwaffe at War; Blitzkrieg in the West: Volume 2, London, Chevron/Ian Allan, ISBN 978-1-85780-272-6, S. 71 Bei Luftkämpfen mit der britischen No. 229 Squadron und No. 64 Squadron kam es zu weiteren Totalverlusten. Ab dem 15. Juni wurden im Rahmen der Operation Aerial alliierte Truppen von den Kanal- und Atlantikhäfen aus nach Großbritannien evakuiert. Das Geschwader begleitete die Kampfgeschwader, die Luftangriffe auf Hafenstädte und Evakuierungsschiffe durchführten. Mit dem Waffenstillstand vom 22. Juni endeten für das Geschwader die Kampfhandlungen in Frankreich.

Luftschlacht um England Im Vorfeld der Luftschlacht um England nahm das Geschwader Fliegerhorste im besetzten Frankreich nahe des Ärmelkanals ein. So lag der Geschwaderstab in Lille, die I. Gruppe in YvrenchHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45, France (with Corsica and Channel Islands), S. 385–386, abgerufen am 30. Dezember 2023. (), die II. Gruppe in Crécy-en-PonthieuHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45, France (with Corsica and Channel Islands), S. 121–122, abgerufen am 30. Dezember 2023. () und die III. Gruppe in ArquesHenry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–45, France (with Corsica and Channel Islands), S. 20–21, abgerufen am 30. Dezember 2023. (). Am 1. August war es dem Jagdfliegerführer 2 der Luftflotte 2 zugeordnet und verfügte über rund 25 einsatzbereite Messerschmitt Bf 110C in jeder der drei Gruppen. mini|Messerschmitt Bf 110C der 7. Staffel in Arques