mini|290px|Ruine des ehemaligen Genossenschafts-Gebäudes im Ortszentrum Uslowoje (, ) ist ein Ort im Nordosten der russischen Oblast Kaliningrad. Er liegt im Rajon Krasnosnamensk und gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Munizipalkreis Krasnosnamensk.

Geographische Lage Uslowoje liegt an der Kommunalstraße 27K-187, die Lunino (Lengwethen/Hohensalzburg) an der Regionalstraße 27A-033 (ex A198) und Sabrodino (Lesgewangminnen/Lesgewangen) mit Wesnowo (Kussen) an der Regionalstraße 27A-025 (ex R508) verbindet. Bis in die ursprüngliche Kreisstadt Neman (Ragnit) sind es 30, zur nachmaligen Kreisstadt Sowetsk (Tilsit) 40 Kilometer, und die heutige Rajonsstadt Krasnosnamensk (Lasdehnen/Haselberg) liegt 18 Kilometer weit entfernt.

Von 1893/94 an war „Rautenberg (Ostpr.)“ Bahnstation an der eingleisigen Bahnstrecke von Tilsit nach Stallupönen (1938–1945 Ebenrode), die nach 1945 nicht wieder in Betrieb genommen wurde.

Ortsteile An Rautenberg bzw. Uslowoje wurden folgende Ortsteile angeschlossen:

Ortsname (1928) Änderungsnamevon 1938 Jahr der Eingliederung Lage Bemerkungen Antagminehlen Kernwalde 1928 Nicht mehr vorhanden Barachelen Brachfeld um 1960 (?) Friedrichswalde 1928 Nicht mehr vorhanden Kamanten 1928 Neu-Löbegallen Neulöbenau um 1980 Laut Karte. Gehörte bis 1945 zum Gutsbezirk bzw. der Landgemeinde Löbegallen (Löbenau) und von 1950 bis etwa 1980 zu Meschduretschje

Auch das nicht mehr vorhandene ehemalige Girrehlischken A (nach 1928 zu Droszwalde), russisch Krasnoselskoje, gehörte möglicherweise um 1960 noch kurzzeitig zu Uslowoje.Vgl. http://www.etomesto.ru/map-kaliningrad_gugk/

Geschichte Bei dem Ort Rautenberg handelte es sich um eine relativ späte Gründung. Seine Namensgebung leitete sich wohl von Gottfried Rautenberg ab, der im Jahre 1772 das Gelände vom Gutsbesitzer Hofer in Groß Skaisgirren gekauft hatte. Die Familie Rautenberg war aus dem heute niedersächsischen Gebiet zwischen Hildesheim und Celle nach Ostpreußen ausgewandert.Ob es einen Bezug zum Dorf Rautenberg bei Hildesheim gibt, ist nicht bekannt. Auf einer Karte von 1818 war der Ort noch nicht verzeichnet. Erst 1818 wurde er in einem Dokument des Regierungsbezirks Gumbinnen als Ansiedlung mit drei Feuerstellen und 18 Einwohnern genannt – zur Domäne Lesgewangminnen gehörend.

Am 30. Juni 1874 wurde die selbständige Landgemeinde Rautenberg im Kreis Ragnit gegründet, in deren südöstlichsten Teil an der Grenze zum Kreis Pillkallen gelegen. Gleichzeitig wurde der Ort auch namensgebend für einen neu gebildeten Amtsbezirk.Rolf Jehke, Amtsbezirk Rautenberg 1928 wurden die Landgemeinden Antagminehlen, Friedrichswalde und der Gutsbezirk Kamanten an die Landgemeinde Rautenberg angeschlossen.

Im Herbst 1944 zwang der Verlauf des Zweiten Weltkrieges die Bevölkerung von Rautenberg zur Flucht. Mit dem gesamten nördlichen Ostpreußen kam das Dorf unter sowjetische Administration.

Im Jahre 1947 erhielt Rautenberg die russische Bezeichnung Uslowoje und wurde gleichzeitig dem Dorfsowjet Tolstowski selski Sowet im Rajon Krasnosnamensk zugeordnet.Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad" vom 17. November 1947) Später gelangte Uslowoje in den Wesnowski selski Sowet. Von 2008 bis 2015 gehörte Uslowoje zur Landgemeinde Wesnoswkoje selskoje posselenije, von 2016 bis 2021 zum Stadtkreis Krasnosnamensk und seither zum Munizipalkreis Krasnosnamensk.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Bemerkungen 1867Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preussischen Staates und ihre Bevölkerung nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871, Berlin 1874 94 Als Kolonie 1871 100 Als Kolonie 1885Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, I. Provinz Ostpreußen, Berlin 1888 102 1905Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Heft 1, Provinz Ostpreußen, Berlin 1907 223 1910 297 1925 278 1933Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich, Teil I: Altreich und Land Österreich. Herausgegeben vom Statistischen Reichsamt, Vierte Auflage, 1939 666 Mit den eingemeindeten Orten 1939 580 1984Sowjetische Topographische Karte 100k--n34-045 ~ 530 2002Allrussische Volkszählung von 2002 566 2010Allrussische Volkszählung von 2010 562 2021Allrussische Volkszählung von 2021 454

Amtsbezirk Rautenberg 1874–1945 Am 15. April 1874 wurde der bis 1945 bestehende Amtsbezirk Rautenberg aus 20 Landgemeinden (LG) und einem Gutsbezirk (GB) gebildet.

Ortsname Änderungsnamevon 1938 Russischer Namenach 1945 Bemerkungen Landgemeinden: Alt Moritzlauken Altmoritzfelde Kortschagino 1930 in die LG Birkenfelde eingegliedert Alt Wingeruppen Windungen Dunaiskoje Antagminehlen Kernwalde 1928 in die LG Rautenberg eingegliedert Baltruschatschen Balzershöfen Jakowlewo Barachelen Brachfeld (Uslowoje) 1879 in den GB Groß Skaisgirren eingegliedert, 1912 in die LG Klein Skaisgirren umgemeindet Birkenfelde Stolbowoje Czuppen Schuppen Dunaiskoje Friedrichswalde 1928 in die LG Rautenberg eingegliedert (Groß) Kamanten (Uslowoje) Seit 1909 GB, 1928 in die LG Rautenberg eingegliedert Groß Skaisgirren Großschirren Sorokinoauch: Dunaiskoje Seit 1879 oder wenig später GB. 1928 in die LG Karohnen eingegliedert Grünfelde 1879 in den GB Groß Skaisgirren eingegliedert Karalkehmen Karlen Kaschtanowka 1928 mit dem GB Lindenthal zur LG Lindenthal zusammengeschlossen Karohnen Korobowo Klein Skaisgirren Lichtenrode (Ostpr.) Kubillehnen Kuben Kusmino Laugallen(Kirchspiel Rautenberg) Kleehausen Mostowoje Neu Moritzlauken Moritzfelde Kortscharino Neu Wischteggen Henndorf Priwolnoje Rautenberg Uslowoje Welnabalis Jägerfeld (seit 1927) Gutsbezirk: Lindenthal seit 1928 LG

Am 1. Januar 1945 gehörten noch 13 Gemeinden zum Rautenberger Amtsbezirk: Balzershöfen, Birkenfelde, Henndorf, Jägerfeld, Karlen, Karohnen, Lichtenrode, Kleehausen, Kuben, Moritzfelde, Rautenberg, Schuppen und Windungen.

Antagminehlen (Kernwalde) Der am Ackmenis-Bach (1938 bis 1945: Steinbach, heute russisch: Serebrjanka) gelegene Ort, zunächst Klein Antagminnen genannt, wurde um 1820 als erbfreies Dorf mit 30 Einwohnern bezeichnet.Alexander August Mützell: Neues Topographisch-Statistisch-Geographisches Wörterbuch des Preussischen Staates, Erster Band, A-F, Halle 1821 1874 wurde die Landgemeinde Antagminehlen dem neu gebildeten Amtsbezirk Rautenberg zugeordnet. 1928 erfolgte der Anschluss an die Landgemeinde Rautenberg. Dort wurde der Ortsteil 1938 in Kernwalde umbenannt.

Ob der Ort nach 1945 noch wiederbesiedelt wurde, ist unbekannt.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1867 59 1871 52 1885 55 1905 35 1910 45

Barachelen (Brachfeld) Das einen Kilometer östlich von Rautenberg gelegene Barachelen war um 1820 ein erbfreies Dorf mit 24 Einwohnern. 1874 wurde die Landgemeinde Barachelen dem neu gebildeten Amtsbezirk Rautenberg zugeordnet. 1879 wurde sie an den Gutsbezirk Groß Skaisgirren angeschlossen und 1912 in die Landgemeinde Klein Skaisgirren umgemeindet. Dort erfolgte 1938 die Umbenennung in Brachfeld.

1945 kam der Ort zur Sowjetunion. Dort wurde er offenbar zunächst an Priwolnoje und dann an Uslowoje angeschlossen.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Bemerkungen 1867 50 1871 50 1885 58 Als Teil des Gutsbezirks Groß Skaisgirren 1905 61 Als Teil des Gutsbezirks Groß Skaisgirren

Friedrichswalde Der wie Antagminehlen am Ackmenis-Bach gelegene Ort Friedrichswalde war um 1820 ein erbfreies Dorf mit 63 Einwohnern. 1874 wurde die Landgemeinde Friedrichswalde dem neu gebildeten Amtsbezirk Rautenberg zugeordnet. 1928 erfolgte der Anschluss an die Landgemeinde Rautenberg.

Ob der Ort nach 1945 noch wiederbesiedelt wurde, ist unbekannt.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1867 142 1871 153 1885 155 1905 187 1910 197

Kamanten Auf der Schrötterkarte von 1802 war der am Hauptweg von Lesgewangminnen nach Kussen gelegene Ort als Camanten eingezeichnet. Um 1820 war der nun mit Groß Kamanten bezeichnete Ort ein Schatull-kölmisches Dorf mit 15 Einwohnern.Alexander August Mützell: Neues Topographisch-Statistisch-Geographisches Wörterbuch des Preussischen Staates, Zweiter Band, G-Ko, Halle 1821 Daneben gab es drei Kilometer weiter östlich zwischen Birkenfelde (Birkenfeldt) und Neu Wischteggen (Wistaggen) das Erbfreigut Klein Kamanten (Klein Camanten) mit um 1820 vier Bewohnern. Seit 1818 gehörte Groß Kamanten zum neu gebildeten Kreis Pillkallen. Offenbar im Zusammenhang mit der Bildung der neuen Amtsbezirke im Jahr 1874 wurde die Landgemeinde (Groß) Kamanten in den Kreis Ragnit umgegliedert und dort dem Amtsbezirk Rautenberg zugeordnet.vgl. auch Rolf Jehke, Amtsbezirk Grüneichen 1909 erfolgte die Umwandlung in den Gutsbezirk Kamanten. 1928 wurde dieser an die Landgemeinde Rautenberg angeschlossen.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Bemerkungen 1867 81 Als Kamanten, im Kreis Pillkallen 1871 97 Als Kamanten, im Kreis Pillkallen 1885 75 Als Kamanten, im Kreis Ragnit 1905 116 Als Groß Kamanten 1910 127 Als Groß Kamanten 1925Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, Band 67, 1927 118

Kirche

Kirchengebäude Im Jahre 1867 begann man in Rautenberg mit dem Bau einer Kirche. Sie entstand auf den Grundmauern eines Pferdestalls des Gutsbesitzers Hofer aus Groß Skaisgirren. 1876 wurde das Gotteshaus eingeweiht.

Es handelte sich um ein schlichtes, rechteckiges Gebäude mit einem Giebelturm als Träger für eine Glocke. Es bot etwa 500 Menschen Platz. Im Kriege wurde die Kirche nur unwesentlich in Mitleidenschaft gezogen. Nach 1945 diente sie als Lagerhalle und verfiel. 1998 standen von dem Gebäude nur noch Ruinenreste, die abgerissen und beseitigt wurden.

Kirchengemeinde/Kirchspiel Vor 1945 war die Bevölkerung Rautenbergs und Umgebung fast ausnahmslos evangelischer Konfession. Die erst späte Gründung einer Kirchengemeinde führte dazu, dass man ab 1866 ein Kirchspiel Friedrichswalde bildete, für das ein Gebäude auf dem Gelände des Gutsbesitzers Liebe als Gotteshaus genutzt wurde.

Das Kirchspiel Friedrichswalde entstand durch Umpfarrungen von Orten aus den bereits bestehenden Kirchspielen Budwethen, Kraupischken und Kussen. Das nachmalige Kirchspiel Rautenberg, war bis 1919 Teil des Kirchenkreises Ragnit, danach der Diözese Ragnit im Kirchenkreis Tilsit-Ragnit in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Infolge des Zweiten Weltkrieges und dem Verbot aller kirchlichen Aktivitäten in der Sowjetunion erlosch die Kirchengemeinde Rautenberg. Erst in den 1990er Jahren bildeten sich in der Oblast Kaliningrad wieder evangelische Gemeinden. Die Uslowoje am nächsten liegende ist die in Sabrodino (Lesgewangminnen/Lesgewangen), die zur ebenfalls neu errichteten Propstei Kaliningrad in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland gehört.

Weblinks

Rautenberg auf wiki.genealogy.net Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Kamanten

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Rajon Krasnosnamensk